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Hintergrund

Ausprobiert: 45-jährige Aktivboxen

David Lee
15/2/2026
Bilder: David Lee

Funktionieren Aktivboxen aus den frühen 80er-Jahren noch? Wenn ja, wie klingen sie? Eine Zeitreise zurück in meine Kindheit.

Die Philips-Boxen sind eine Jugenderinnerung. Sie standen in den 80er- und 90er-Jahren im Wohnzimmer meiner Kindheit, angeschlossen an den Pioneer SX-550. Nachdem ich mir schon den Receiver unter den Nagel gerissen habe, schleppe ich nun auch die Boxen in meine Wohnung. Ich will wissen, ob sie noch laufen und wenn ja, wie sie klingen.

Es handelt sich um Aktivboxen. Die Philips AH 586 MFB wurden bereits in den 70er-Jahren entwickelt und ab 1978 verkauft. Wie damals üblich, wurden sie in Europa gefertigt, in diesem Fall in Belgien. Das MFB steht für «Motional Feedback», eine von Philips entwickelte Technologie, die ihrer Zeit voraus war. Ein Beschleunigungssensor in der Box misst die Bewegungen des Tieftöners und vergleicht sie mit dem Eingangssignal. Dadurch können die Boxen Verzerrungen korrigieren und sehr tiefe Frequenzen wiedergeben. Laut Datenblatt hinunter bis 30 Hertz.

Langlebigkeitstest bestanden

Beide Boxen haben ein Stromkabel und laufen nur eingesteckt. Als einzigen Anschluss haben sie Cinch-Buchsen. Ein Cinch-Kabel führt von der Quelle zur einen Box, ein zweites von da zur anderen Box.

Mehr Anschlüsse gibt es nicht.
Mehr Anschlüsse gibt es nicht.

Bei der ersten Inbetriebnahme schaltet sich nur die eine Box ein – seltsamerweise diejenige, die nur indirekt über die andere Box mit der Quelle verbunden ist. Nach dem Aus- und wieder Einschalten klappt es.

Der Lautsprecher, der anfänglich den Dienst verweigerte, fängt wenig später an zu knistern und zu surren. Und klingt auch sonst nicht gut. Auch dieses Problem verschwindet nach einem Ein-Ausschalt-Manöver. Es tritt später noch einmal auf, doch durch den regelmässigen Gebrauch löst es sich allmählich von selbst.

Die Boxen sind schätzungsweise 45 Jahre alt und haben viel Elektronik drin. Jede Box hat zwei Verstärker – einen für den Hochtöner, einen für den Tief/Mitteltöner. Vermutlich sind viele der Kondensatoren am Ende ihrer Lebensdauer. Erstaunlich, dass die Dinger überhaupt noch laufen.

So sehen die Boxen mit der Stoffabdeckung aus.
So sehen die Boxen mit der Stoffabdeckung aus.

Wie gut klingen sie heute?

Den Sound dieser Boxen habe ich positiv in Erinnerung. Aber was heisst das schon? Ich war ein Kind, ich hatte kaum Vergleichsmöglichkeiten, und ausserdem kam damals ein CD-Player hinzu; damit klang ohnehin alles besser.

Mein erster Eindruck nun ist: Es klingt angenehm, unauffällig, unspektakulär. Höhenbetont, mit schwachem Bass. Nach einiger Zeit merke ich aber, dass ich die Boxen nicht richtig benutze.

Dieser Regler muss dem Eingangssignal angepasst werden.
Dieser Regler muss dem Eingangssignal angepasst werden.

Auf der Rückseite befindet sich ein Drehregler für die Stärke des Eingangssignals. Er verändert die Impedanz. Das verändert zwar die Lautstärke, aber diese sollte ich eher an der Quelle regeln. Auf der leisesten Stufe ist die Impedanz zu hoch für das schwache Signal des Smartphones. Daher die dünnen Bässe.

Die eine Box kracht laut, wenn ich am Regler drehe. Hier dürfte das Potentiometer hinüber sein. Das Einstellen klappt aber und die Bässe klingen nun kräftiger.

Unsichtbar hinter der Stoffabdeckung befinden sich drei Kippschalter, welche die Bassfrequenzen korrigieren, je nachdem, ob der Lautsprecher am Boden, vor einer Wand oder seitlich zu einer Wand steht. Die Korrektur ist hörbar, aber eher subtil, da diese Lautsprecher ohnehin nicht zu starken Bassreflexionen neigen.

Nehme ich die Abdeckung weg, sehe ich die Korrekturschalter für nicht optimal positionierte Lautsprecher.
Nehme ich die Abdeckung weg, sehe ich die Korrekturschalter für nicht optimal positionierte Lautsprecher.

Am Receiver angeschlossen

Die untersten vier Stufen des Drehreglers sind für den Anschluss an einen Verstärker gedacht. Mein Vater hatte die Boxen damals an den Pioneer-Receiver angeschlossen. Aber wie? Die Ausgänge für die Lautsprecher verwenden normale Boxenkabel, also offene Drähte. Mit dem Cinch-Kabel kann ich nur den Line-Out des Verstärkers verbinden. Da ist erstens das Signal nicht stärker als mit dem Smartphone, und zweitens funktionieren dann die Regler für Tiefen, Bässe, Balance und Volumen nicht. Das muss anders gehen.

In unserem Shop finde ich kein Kabel, das an einem Ende Cinch-Stecker und am anderen offene Drähte hat. Mein Versuch, selbst etwas zu basteln, scheitert, weil die Drähtchen des aufgeschnittenen Kabels so dünn sind. Schliesslich klappt es mit speziellen Cinch-Steckern, an die ich normale Boxenkabel schrauben kann.

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Was soll ich sagen? Es klingt gut. Immer noch recht höhenbetont, aber mit genug Saft im Bass. Wenigstens für meinen Geschmack. 30 Hertz können die Dinger tatsächlich wiedergeben, allerdings nur leise. Vielleicht würden sie noch besser klingen, wenn sie neu wären. Insgesamt bin ich beeindruckt, was damals schon möglich war.

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


Hintergrund

Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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