

Barbie mit Autismus: Mattel erweitert die Fashionistas um ein sensibles Thema
Mattel stellt erstmals eine Barbie-Puppe mit Autismus vor. Der Schritt ist für viele Kinder wichtig, aber zugleich anspruchsvoll, da Autismus kein einheitliches Bild kennt und sich nicht eindeutig darstellen lässt.
In der Pressemitteilung beschreibt Mattel sein Ziel klar: Kinder sollen sich in Barbie wiederfinden können, unabhängig davon, wie sie aussehen, sich bewegen oder die Welt wahrnehmen. Die neue Puppe gehört zur Barbie-Fashionistas-Reihe, die inzwischen mehr als 175 Puppen umfasst. Die Serie zeigt Vielfalt über Hauttöne, Haarstrukturen, Körperformen, Behinderungen und medizinische Bedingungen. Unterschiede sollen dabei nicht als Ausnahme erscheinen, sondern als selbstverständlicher Teil des Spiels.

Quelle: Mattel
Mattel entwickelte die Barbie mit Autismus über 18 Monate hinweg gemeinsam mit dem Autistic Self Advocacy Network. Die Organisation setzt sich für die Rechte autistischer Menschen ein und wird von Betroffenen selbst getragen. Laut Mattel flossen deren Erfahrungen direkt in alle Gestaltungsentscheidungen ein. So sollten Aspekte aus dem Autismus-Spektrum respektvoll und nachvollziehbar sichtbar werden.

Quelle: Mattel
Sichtbar machen, was oft unsichtbar bleibt
Konkret übersetzt Mattel Autismus über mehrere Designelemente: Einige Menschen mit Autismus geben wiederholte Bewegungen, zum Beispiel mit den Armen oder den Händen, halt in ihrer Umwelt. Dieses sogenannte Stimming greift die Puppe dank beweglicher Gelenke an Ellbogen und Handgelenken auf. Der leicht seitlich ausgerichtete Blick greift den Umgang mancher autistischer Menschen mit Augenkontakt auf. Zum Zubehör gehören ein drehbarer Fidget-Spinner, pinke Noise-Cancelling-Kopfhörer und ein Tablet mit symbolbasierter Kommunikation. Die Kleidung fällt bewusst bequem aus, mit flachen Schuhen und einem locker geschnittenen Kleid.

Quelle: Mattel
Diese Details sind keine Behauptung darüber, wie Autismus «ist», sondern als Beispiele gedacht. Genau darin liegt eine Stärke der Puppe. Sie macht sichtbar, was im Alltag vieler Kinder sonst verborgen bleibt, und kann Gespräche anstossen, ohne alles erklären zu müssen. Für Kinder, die selbst autistisch sind oder neurodivergente Erfahrungen machen, kann eine solche Barbie ein Zeichen sein, dass sie nicht falsch oder allein sind. Für andere Kinder wird Unterschiedlichkeit zu etwas Normalem, mit dem man spielt, statt es zu bewerten.

Quelle: Mattel
Zum Deutschlandstart bindet Mattel die Veröffentlichung an die Zusammenarbeit mit Rafaela Lisbeth Kiene, die selbst autistisch ist und öffentlich über Neurodivergenz spricht. In einem Zitat betont sie, dass viele Barrieren nicht aus Autismus selbst entstehen, sondern aus einer Umwelt, die auf unterschiedliche Wahrnehmungen nicht eingestellt ist. Repräsentation kann helfen, früh Verständnis zu schaffen.

Quelle: Mattel
Zwischen Repräsentation und Vereinfachung
Trotzdem bleibt die Spannung bestehen, die jedes Produkt dieser Art mit sich bringt. Autismus ist ein Spektrum, und keine einzelne Puppe kann diese Vielfalt vollständig abbilden. Die gewählten Merkmale zeigen einen möglichen Ausschnitt, nicht die Gesamtheit autistischer Lebensrealitäten. Dieses Risiko ist real, wird von Mattel aber nicht ignoriert. In der Kommunikation wird bewusst von «einigen Erfahrungen» gesprochen, nicht von einer Definition.

Quelle: Mattel
Entscheidend ist nicht, ob die Puppe «richtig» ist, sondern wie Kinder mit ihr spielen. Als Teil der Fashionistas-Reihe erscheint sie nicht als Sonderfall, sondern als selbstverständliche Variante. Darin liegt ihr Wert. Sie steht nicht für Autismus an sich, sondern für die Idee, dass auch neurodivergente Kinder selbstverständlich Teil der Barbie-Welt sind.

Wie nimmst du die neue Barbie mit Autismus wahr? Hilft sie dabei, Unterschiede als normal zu zeigen, oder wünschst du dir einen anderen Umgang mit dem Thema? Schreib deine Einschätzung unten in die Kommentare.
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