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Christian Walker
Hintergrund

Duschbrause made in Switzerland: Wie viel Heimat steckt wirklich drin?

Stefanie Lechthaler
2/2/2026
Bilder: Christian Walker

Du standest wahrscheinlich schon unter einer Regendusche von Neue Duschenwelt AG. Wir haben uns angeschaut, wie die Schweizer Handbrausen entstehen – und was sie mit Handfeuerwaffen gemeinsam haben.

«Natürlich scheint hier die Sonne!», denke ich mir, als wir aus dem Gotthardtunnel fahren. Seit drei Stunden sind Fotograf Christian Walker und ich unterwegs. Eine weitere liegt noch vor uns. Das Ziel: San Vittore im italienischsprachigen Teil des Kantons Graubünden. Oder genauer gesagt ein Familienbetrieb, der Duschbrausen herstellt. Standort mitten in der Pampa.

Mit einem herzlichen «Ciao!» und einem breiten Grinsen im Gesicht empfängt uns Matteo Nobili. Er ist der Geschäftsführer der Neue Duschenwelt AG (NDW), die ihre Produkte unter anderem unter der Marke Diaqua vertreibt. Wir folgen ihm ins Sitzungszimmer. Das Millennium-Interieur weckt Erinnerungen an vergangene Zeiten. Doch Matteo erklärt in dem Moment, dass sich das Familienunternehmen seit der Gründung 1999 durch seinen Vater stark weiterentwickelt hat.

Was sich nicht verändert hat, ist der Anspruch, hochwertige Produkte fürs Badezimmer in der Schweiz herzustellen.

Matteo Nobili ist der Geschäftsführer der NDW.
Matteo Nobili ist der Geschäftsführer der NDW.

Bevor wir uns die Produktion anschauen, bittet uns Matteo nochmals nach draussen. Stolz deutet er auf die Fassade des Gebäudes. Sie ist fast vollständig mit Solarpanels ausgekleidet. «Damit decken wir bis zu 70 Prozent des Strombedarfs für die Produktion.» Am liebsten würde er voll auf Solarstrom setzen, aber es sei immerhin ein Anfang.

Weiter geht's in die erste Produktionshalle, wo PVC-Brausen hergestellt werden. Es ist unerwartet ruhig, hell, ordentlich. Fast schon gespenstisch ruhig. Nur drei Roboterarme bewegen sich in gleichmässigem Rhythmus, während ein Wagen selbständig leere Kisten aufeinander stapelt. «In diesem Bereich unterhalten zwei Personen die Maschinen, der Rest läuft automatisiert», erklärt Matteo.

Der Roboterwagen verfrachtet die Kisten von A nach B.
Der Roboterwagen verfrachtet die Kisten von A nach B.

Wirklich «Made in Switzerland»?

Im Minutentakt spritzt ein Extruder die Grundgerüste für PVC-Duschköpfe. Zwei bis drei unterschiedliche Modelle produziert der Betrieb hier täglich. Je nach Auftragsgrösse sind das zwischen 1500 und 6000 Stück am Tag. Matteo erzählt, dass die Entwicklung der Formgestaltung dabei in enger Zusammenarbeit mit einem italienischen Designer passiert.

Tausende PVC-Handbrausen werden hier täglich produziert.
Tausende PVC-Handbrausen werden hier täglich produziert.

Ob denn noch andere Produktionsschritte ins Ausland ausgelagert werden, will ich wissen. «Die Verchromung der Brausen geschieht in Italien. Seit die Basler Firma Galvaplast 2019 abgebrannt ist, können wir leider keinen Schweizer Partner finden, der diesen Arbeitsschritt zu tragbaren Konditionen anbietet. Weil es der kostenintensivste Schritt in der Herstellung ist, mussten wir auf diese Massnahme zurückgreifen. Anders könnten wir das Produkt nicht zu einem bezahlbaren Preis anbieten», antwortet Matteo und fährt fort: «Was wir aus finanziellen Gründen nicht in der Schweiz einkaufen können, kommt entweder aus Deutschland oder Italien. Nur den Gummi für die Noppen bestellen wir in China – die haben schlichtweg das beste Material dafür».

Dass die Handbrausen das Swiss-Made-Label trotz einzelner ausländischen Materialien und Prozessschritte tragen dürfen, liegt daran, dass mindestens 70 Prozent der Herstellungskosten und die prägenden Produktionsschritte in der Schweiz anfallen.

Aus Kostengründen werden die PVC-Brausen in Italien verchromt.
Aus Kostengründen werden die PVC-Brausen in Italien verchromt.

Edelstahlbrausen für edle Hotelgäste

Matteo beschleunigt seinen Gang und fordert uns auf, ihm zügig zu folgen. Wir landen in der zweiten Produktionshalle, machen vor einem Käfig Halt. Darin hat ein Laserschneider gerade damit begonnen, Formen aus einer Metallplatte zu lösen. Das ist der erste Herstellungsschritt für die Edelstahl-Duschbrausen, die komplett in der Schweizer Fabrik hergestellt werden. Mich erinnern sie an Regenduschen, wie ich sie aus Hotels kenne. Und damit liege ich genau richtig. Weil die Handbrausen – bis auf die Gummimatte – aus Edelstahl bestehen, kosten sie zwei- bis dreimal so viel wie die PVC-Modelle. Die Hauptabnehmer sind Hotels.

Die Maschine lasert Löcher in die Edelstahlplatte – später kommen hier die Gumminoppen durch.
Die Maschine lasert Löcher in die Edelstahlplatte – später kommen hier die Gumminoppen durch.

Nebenan begegnen wir einer Angestellten, die gerade die Gummimatte in die Duschköpfe einsetzt. Sie ist eine von rund 50 Mitarbeitenden. Die Beschäftigten kommen entweder aus der Region oder pendeln von der italienischen Grenze her nach San Vittore.

Die Mitarbeiterin setzt die Gummimatten von Hand ein.
Die Mitarbeiterin setzt die Gummimatten von Hand ein.

Geschickt setzt die Mitarbeiterin eine Matte nach der anderen ein. Jeder Handgriff sitzt. An einer anderen Station durchspült ein Mitarbeiter die Brausen mit Wasser. «Jede Duschbrause absolviert mindestens 100 Testdurchläufe, bevor sie in den Verkauf geht», verdeutlicht Matteo. So stellt die NDW sicher, dass die Qualität den Standards der Kundschaft gerecht wird.

Nur Brausen, die genügend Testdurchläufe unbeschadet überstehen, kommen in den Verkauf.
Nur Brausen, die genügend Testdurchläufe unbeschadet überstehen, kommen in den Verkauf.

Material, wie bei Schusswaffen

Weiter hinten in der Halle drückt uns Matteo zwei der fertiggestellten Duschbrausen in die Hand. Die Edelstahlteile sind nahtlos zusammengesteckt und wirken wie aus einem Guss. Es ist, als würde ich einen Handspiegel halten, der auf Hochglanz poliert wurde.

Auch die Brausestangen werden vor dem Versand poliert.
Auch die Brausestangen werden vor dem Versand poliert.

Aber wirklich überrascht bin ich vom versandbereiten PVC-Duschkopf. Nicht weil er besonders aussergewöhnlich aussieht, sondern weil ich realisiere, dass die glänzende Duschbrause bei mir Zuhause wohl gar nicht aus Metall, sondern aus verchromtem Kunststoff besteht. Ja, da war ich wohl etwas naiv. Matteos Worte reissen mich aber aus den Gedanken: «Innen verwenden wir dasselbe Material, das bei einer Glock eingesetzt wird», «Die Waffe?» fragt Christian. «Genau» fährt Matteo fort, «deshalb sind die Brausen hitzebeständig». Sein Leitsatz lautet:

"Wir setzen auf hochwertige Produkte, die die Kunden nur einmal kaufen müssen."

Ich möchte von ihm wissen, wie lange die verchromte Oberfläche kratzfrei bleibt. Darauf versichert er mir, dass sie bei richtiger Pflege ein Leben lang halten. Oftmals würden die Leute zu aggressives Putzmittel oder zu raue Schwämme bei der Reinigung verwenden, was die Materialien angreift und beschädigt.

Bei richtiger Pflege bleiben die Armaturen ein Leben lang einwandfrei.
Bei richtiger Pflege bleiben die Armaturen ein Leben lang einwandfrei.

Der Duschbrausen-Ausstellungsraum

Für unsere letzte Station, den Showroom, steigen wir eine Treppe am Ende eines langen Gangs empor. Matteo dreht sich zu uns, bevor er die Tür öffnet und warnt uns «Wundert euch nicht über die vielen Lego-Modelle». Ich kann mir nicht vorstellen, was er damit meint, bis ich den ersten Schritt in den Raum setze. Überall türmen sich die Bausteine aufeinander.

Städte, Flugzeuge, Monumente: so weit das Auge reicht.
Städte, Flugzeuge, Monumente: so weit das Auge reicht.

Nachgebaute Szenen aus der Stadt Rom, die Black Pearl und etliche Raumschiffe aus Star Wars reihen sich nacheinander auf. Vor lauter Klemmbausteinen gehen die ausgestellten Duschen unter – wir sind alle abgelenkt. «Das Hobby meines Vaters», erklärt Matteo. «Sympathisch», denke ich mir.

Diaqua Brausegriff Aria 140 (3 Strahlarten, 10 l/min)
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3 Strahlarten, 10 l/min

Energielabel C
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Titelbild: Christian Walker

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Die Wände kurz vor der Wohnungsübergabe streichen? Kimchi selber machen? Einen kaputten Raclette-Ofen löten? Geht nicht – gibts nicht. Also manchmal schon. Aber ich probiere es auf jeden Fall aus.


Hintergrund

Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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