
Glätteisen mit KI: Ist der neue Styler von ghd sein Geld wert?
Der Sculpt Styler arbeitet mit Künstlicher Intelligenz. Ich teste ihn an der dicken, leicht störrischen Mähne meiner Kollegin Debora. Spoiler: Sie hat jetzt die Haare schön.
«450 Euro für ein Glätteisen?!» Ich habe Schnappatmung. Machen wir uns nichts vor: Der neue Sculpt Styler von ghd ist teuer. Die Frage ist also nicht, ob das Gerät etwas kann, sondern ob es genug ist, um seinen Preis zu rechtfertigen.
Die Werbung Beschreibung des Herstellers erinnert jedenfalls an Buzzword-Bingo. «Der bahnbrechende KI-gestützte Machine-Learning-Algorithmus, der auf eine Vielzahl unterschiedlicher Haartypen und Styles trainiert ist, ermöglicht es dem Styler, Leistung und Hitzeabgabe mit höchster Präzision anzupassen», schreibt ghd auf einem Presse-Flyer, der netterweise meinem kostenlosen Testprodukt beiliegt.
Was ich herauslese, ist: Dieses Glätteisen hat Künstliche Intelligenz. Okay, das erklärt den Preis. Aber ich habe Fragen, viele Fragen. Und ich stelle sie ghd, noch bevor der Glätter bei mir überhaupt ein Haar berührt.
Was macht die KI im Haarglätter?
Ich will wissen: Wie funktioniert die Temperatur- und Haarerkennung? Laut Hersteller misst der Styler nicht nur die Plattentemperatur, sondern «bewertet kontinuierlich die Bedürfnisse des Haares». Möglich machen das vier Messsysteme, die einem kleinen KI-Prozessor im Gerät Daten liefern: Befindet sich Haar zwischen den Platten, wie viel davon, wie schnell bewegt sich das Tool und in welchem Winkel.
Ok, das klingt eher nach einem Raumschiff als nach einem Haarglätter. Aber gut. Da steckt also ein kleiner, schneller Computer drin.

Und wie sieht das praktisch aus? Die Platten sollen die Hitze anpassen, allerdings braucht Metall ja bekanntlich eine Weile, um abzukühlen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ich den Styler erst bei meiner Kollegin (sehr dicke Haare) und dann bei mir (viele feine Haare) nutzen kann, ohne dass er mir die Frisur frittiert.
Doch laut ghd soll genau das funktionieren: Das Glätteisen verarbeite «bis zu 2900 Messungen pro Sekunde», sodass die Wärmeabgabe in Echtzeit angepasst wird. Eine Wartezeit beim Wechsel zwischen unterschiedlichen Haartypen soll deshalb unnötig sein. Das System erkenne veränderte Bedingungen automatisch und reguliere die Hitze entsprechend.
So richtig greifbar ist diese Antwort für mich nicht. Dennoch will ich dem Hersteller glauben und male mir Einsatzszenarien aus, in denen der Styler mit anderen Menschen geteilt wird: im Friseursalon, in der Familie, in Wohngemeinschaften.

Vollkommen neu ist das mit der Temperaturmessung übrigens nicht. Bei anderen Modellen von ghd, wie dem Platinum+ Styler oder dem Chronos, regeln Sensoren ebenfalls die Wärme der Platten. Im Unterschied zur KI messen sie jedoch die Temperatur auf dem Metall und halten das Glätteisen konstant bei 185 Grad Celsius, was sehr haarschonend sein soll – nur eben nicht besonders individuell. Der Sculpt Styler hingegen misst direkt an den Haaren und passt die Plattentemperatur daran an.
Der Praxistest: smooth und schnell
Genug gefachsimpelt. Ich teste das Gerät an besagter Löwenmähne meiner Kollegin Debora. Sie hat zuvor ein Hitzeschutz-Öl aufgetragen, um ihre blond gesträhnten Haare zusätzlich zu schonen.
Ich drücke den On-/Off-Knopf des Glätteisens und nach 20 Sekunden ertönt eine kurze Melodie, die mir verrät, dass das Tool nun aufgeheizt und startklar ist. Das 2,7 Meter lange Kabel finde ich praktisch: So kann ich mich einmal um Deboras Kopf arbeiten, ohne mit meiner Kollegin ein Tänzchen um die Steckdose aufzuführen. Außerdem liegt der Haarglätter gut in der Hand und lässt sich mit sanftem Druck schließen, sodass ich keinen verkrampften Arm kriege.



Obwohl Deboras Haare sehr dick, lang und (sorry!) leicht störrisch sind, gleitet der Styler geschmeidig hindurch. Ich muss höchstens zweimal über jede Strähne gehen und sie ist glatt. So richtig spiegelglatt. Keine nervigen Knicke, wie du sie vielleicht von Billig-Glättern kennst, kein Frizz, kein statisches Knistern. Es dauert keine fünfzehn Minuten und ich bin mit ihrer gesamten Mähne fertig.
Zum Abschluss probiere ich aus, wie die Locken mit dem Styler werden. Dazu drehe ich eine Strähne um das weiße Kunststoffgehäuse, lege das Ende zwischen die Heizplatten, drücke den Glätter zu und ziehe das Haar durch. Und was soll ich sagen? Die Locke ist perfekt. «Ich sehe ja aus wie im Fernsehen», staunt Debora. «Und meine Haare sind so weich.»

Auch ich bin beeindruckt. Ich habe daheim ebenfalls ein Glätteisen von ghd und kenne die Marke schon lange. Allerdings ist mein Gerät rund 12 Jahre alt, insofern ist es technisch nicht vergleichbar mit dem neuen Sculpt Styler. Ich habe damals etwa 200 Euro dafür bezahlt und fand das irre teuer. Dennoch hat sich die Investition gelohnt: Das Ding funktioniert bis dato einwandfrei!
Klar, 450 Euro oder 315 Franken sind verdammt viel Geld für den neuen, getesteten Styler. Doch wenn du das Tool über zehn Jahre nutzt, relativiert sich der Schmerz im Portemonnaie zumindest ein bisschen, oder? Außerdem ist ja bald Weihnachten.
Fazit
Schöne Haare? Oh, YES!
Pro
- langes Kabel
- liegt gut in der Hand
- Temperatursteuerung via KI
- schnelles Styling
Contra
- hoher Preis (wen es stört)
Als Kind wurde ich mit Mario Kart auf dem SNES sozialisiert, bevor es mich nach dem Abitur in den Journalismus verschlug. Als Teamleiterin bei Galaxus bin ich für News verantwortlich. Trekkie und Ingenieurin.
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