

Liebe, Luft und kalte Füße: das Ende meiner «Ehe-Decke»
Jahrelang galt mir die gemeinsame Bettdecke als ultimativer Beweis einer funktionierenden Ehe – doch die Realität war ein nächtlicher Überlebenskampf um jeden Zentimeter Stoff. Am Ende half nur das Eingeständnis: zwei Decken sind besser als eine.
Es ist geschafft: Der allnächtliche Kampf mit meinem geschätzten Gatten um die gemeinsame Bettdecke ist beendet. Statt kaltem Luftzug beim Umdrehen und ständigem Zerren am Textil herrscht nun himmlische Einsamkeit. Ich habe etwas zurückgewonnen, das mir als Kind ganz selbstverständlich gehörte und auf das ich als Erwachsene lange Jahre (freiwillig) verzichtete: die eigene Bettdecke.
Bis ich mich dazu emanzipierte, war es ein holpriger Weg. Dabei war es ich selbst, die sich spitze Steine in den Weg legte. Mein Mann hat komischerweise nur wenig Meinung zu dem Thema. Als ich kürzlich meine eigene Decke einforderte, meinte er nur sowas wie «Och, naja».
Aber von vorn. Vor vielen, vielen Jahren verstaute ich unsere beiden Einzeldecken im Schrank und breitete freudigst eine Monsterdecke mit 220 × 240 Zentimetern Größe über der gemeinsamen Schlafstätte aus. Ich passte längs, quer und diagonal locker vollständig drunter. Was für ein Luxus, was für ein Traum des Erwachsenenlebens!
Die gemeinsame Decke war für mich die einzig sinnvolle Konsequenz: gemeinsame Wohnung, gemeinsames Bett, gemeinsame Decke, gemeinsame Zahnbürste... Wir beide zusammen in der Kuschelhöhle, wie schön!
So jedenfalls die Theorie. Ich war so dumm.

Quelle: Shutterstock/SurPixel
Vom gemeinsamen Schlafparadies zum Zankapfel
Und die Theorie war auch korrekt. Ein paar Monate lang. Dann folgten Zweifel und schließlich Ernüchterung, die ich aber viele Jahre konsequent verdrängte. Was sind schon all die Nachteile einer gemeinsamen Decke gegenüber dem kuscheligen Beweis einer funktionierenden Partnerschaft? Andere Paare schlafen in getrennten Schlafzimmern, aber wir doch nicht, wir teilen uns sogar die Daune!
Dazu gehört nun mal eben auch, bei jeder Bewegung des Göttergatten aufzuwachen, weil die Decke verrutscht. Dazu gehört der kalte Luftstrom im Winter, der unter die Decke zieht, wenn er sich umdreht. Dazu gehört, dass ich nur noch von einem schmalen Streifen bedeckt aus dem Schlaf schrecke und mir fluchend mit viel Kraft wieder zurückzerre, was mir zusteht. Dazu gehören Diskussionen über den perfekten Zeitpunkt für die leichte Sommerdecke, weil der Herr sonst schwitzt oder ich friere. Und ja, dazu gehört auch, im Furzgestank des anderen zu liegen.
Es dauerte lange, bis ich mich zu fragen begann, ob der Ärger über den schlechten Schlaf nicht mehr schadet, als die eheliche Kuschelhöhle nützt. Nach jahrelangem, nächtlichem Gezanke und Gezerre formte sich in meinem Kopf irgendwann die Feststellung: Romantik ist gut, aber ein ruhiger Schlaf ist besser.

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Wie die Deckenfrage zur Beziehungsfrage wurde
Gedacht ist noch lange nicht ausgesprochen. Während der Mann gut bedeckt im Land der Träume weilte, dachte ich immer wieder über die Bedeutung von Decken und ihre Symbolik für unsere Beziehung nach.
Ist der Übergang von der 2er- zur 1er-Decke nicht ein Rückschritt? Ein Eingeständnis, dass die Dinge nicht so gut laufen, wie sie sollten? Warum nicht gleich getrennte Betten, getrennte Schlafzimmer, getrennte Wohnungen? Ist es das, was du willst?! Weil das gemeinsame Leben und Schlafen ja so anstrengend ist? Und wie könnte ich meinen Wunsch nach einer eigenen Decke ansprechen, ohne dass das als «Wir müssen reden»-Gespräch rüber- und bei ihm als «Du willst dich trennen?!» ankommt?
Du siehst, man kann sich in durchwachten Nächten sehr viele, und vielleicht auch leicht übertriebene Gedanken machen.
Aber zumindest gab es einen handfesten Grund, an der Doppeldecke festzuhalten: Wir hatten vor drei Jahren, als meine ketzerischen Gedanken noch keine so konkrete Gestalt angenommen hatten, eine neue gemeinsame Decke gekauft, weil die alte platt und reif für den Abdecker war (höhö). Das Textil ist also quasi so gut wie neu. Und so plante ich, das Problem weiterhin auszuliegen.
Wie Väterchen Frost mir zu einer eigenen Decke verhalf
Doch dann kam der vergangene Winter. Der war kalt, wirklich kalt, und das wochenlang am Stück. Und so wachte ich eines Morgens genervt und durchgefroren genug auf, um dem Gatten mein Anliegen direkt ins verpennte Gesicht zu schleudern: Es reicht! Ich friere! Ich will eine eigene Decke! Wir müssen nicht reden, wir müssen handeln, und zwar sofort! Verdutzt wie ein Reh im Scheinwerferlicht blickte er mich an – und zuckte dann ob meiner hervorragenden, da lange vorbereiteten Argumente die Achseln.
Noch am selben Abend verfrachtete ich den Mann und mich ins Auto und wir reisten zum Deckenhändler meines Vertrauens. Eine Stunde später drückte ich meine eigene, weiche Decke an mich. Herrlich! Ich habe nun eine besonders dicke und warme Decke. Und der Angetraute freut sich über eine Decke für alle Jahreszeiten, bestehend aus zwei trennbaren Lagen.
Tja, was soll ich sagen? Meine Decken-Emanzipation war die beste Tat seit Jahren. Ich kann mich einwickeln, wie ich will. Ich muss nicht mehr um meine Deckenhälfte kämpfen. Ich schlafe durch, wenn er nachts aufsteht. Und ich habe mich diskret umgehört: In meinem Umfeld scheinen alle getrennte Decken vorzuziehen. Die alte große Decke kann jetzt jedenfalls unseren Gästen als Anregung zum Nachdenken über ihre Beziehung dienen.
Wie hältst du es mit der Deckenfrage? Nimm an der Umfrage teil und lass es mich in den Kommentaren wissen!
Die Bettdeckenfrage: getrennt oder gemeinsam?
Ist eine gemeinsame oder getrennte Decke besser?
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