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Produkttest

Positive Grid Spark 2: der Stubenrocker

David Lee
27/2/2026
Bilder: David Lee

Der Positive Grid Spark 2 ist ein vielseitiger Gitarrenverstärker für zuhause. Er bietet zahlreiche Funktionen, aber die zugehörige App muss immer griffbereit sein.

Gitarrenverstärker bewegen sich in einem seltsamen Spannungsfeld zwischen alter und neuer Technik. Was den Sound angeht, ist immer noch die Röhrentechnologie der 1950er-Jahre das Mass der Dinge. Doch da sich dieser Klang mittlerweile sehr gut digital simulieren lässt, sind die meisten Gitarrenverstärker heute digitale, computerähnliche Geräte – mit endlosen Möglichkeiten.

Der Spark 2 von Positive Grid geht in diesem Bereich weiter als die meisten anderen Amps. Nicht nur simuliert er digital eine Vielzahl von Verstärkern und Effekten, er verbindet sich auch mit dem Smartphone oder Tablet und lässt sich per App steuern. Zugleich kann er Musik per Bluetooth oder USB abspielen, etwa Backing Tracks für deine Gitarrensoli. Die App hat sogar eine KI-Funktion. Falls du jetzt mit den Augen rollst: Die Idee ist gar nicht so schlecht. Doch alles der Reihe nach.

Äusserlichkeiten: absolut wohnzimmertauglich

Die meisten Gitarrenverstärker sind für den Bandraum und die Bühne gebaut. Sie sehen nicht aus wie etwas, was du dir ins Wohnzimmer stellen möchtest. Unverständlicherweise gilt das auch für viele Übungsverstärker, die es nie aus den eigenen vier Wänden schaffen.

Positive Grid macht das besser. Schon der Vorgänger Spark 40 – oder schlicht Spark – sieht in der eigenen Wohnung nicht wie ein Fremdkörper aus. Das leicht überarbeitete Design des Spark 2 gefällt mir noch besser. Es hat durchgängig nur zwei Farben, Schwarz und Gold, was sehr edel wirkt. Das ältere Modell ist da weniger konsequent. Die Knöpfe haben eine andere Goldfarbe als die Beschriftung, die Buchse und der Kippschalter sind silbrig.

Oben das Vorgängermodell Spark 40, unten der Spark 2.
Oben das Vorgängermodell Spark 40, unten der Spark 2.

Der Neue ist ein wenig länger und höher, doch die Dimensionen ähneln sich. Die Drehregler bleiben grösstenteils gleich. Der winzige Musik-Regler des Spark 40 wurde durch einen ganz normalen Regler der Hauptleiste ersetzt. Neu lässt sich der Verstärkertyp nicht mehr direkt per Regler wählen. Dafür gibt es oben Tasten für den Looper – eine neue, sehr coole Funktion.

Der Spark 40 hatte noch einen Regler für die Wahl des Verstärkermodells.
Der Spark 40 hatte noch einen Regler für die Wahl des Verstärkermodells.
Der Regler links lässt sich herunterdrücken, um auf weitere vier Presets zuzugreifen.
Der Regler links lässt sich herunterdrücken, um auf weitere vier Presets zuzugreifen.

Leider sind beim Spark 2 die Regler sehr schlecht ablesbar. Beim Vorgänger haben sie einen gut erkennbaren weissen Strich. Beim neuen Modell ist das Weisse, das du auf dem Bild siehst, nur die Spiegelung des Fensters. Die Regler-Markierungen stehen im Bild alle auf Null. Bei schlechtem Licht ist das kaum zu erkennen.

Auf der Unterseite hat der Spark 2 ein Akkufach. Er lässt sich also auch portabel verwenden. Für den Spark 40 gilt das nicht. Allerdings ist der Akku nicht im Lieferumfang enthalten. Als weitere Verbesserung hat der Spark 2 USB-C statt USB-B und einen 6,3-mm-Line-Out (mono oder stereo).

Klingt besser als der Vorgänger

Im Direktvergleich mit dem Spark 40 zeigt sich der Spark 2 klar verbessert. Diese Geräte müssen gleichzeitig einen guten Gitarrensound und einen möglichst neutralen Musik-Sound für die Begleitmusik hinkriegen. Kein einfacher Spagat. Zudem sollen sie auch noch einen fetten Bass liefern, weil der Spark auch Bassverstärker simulieren kann.

Der Spark 40 klingt meiner Meinung nach zu basslastig. Für den Gitarrensound kann ich das recht gut mit den Klangreglern (Bass, Mitten und Höhen) justieren. Doch bei der übrigen Musik, etwa Backing Tracks, greifen diese Regler nicht. Dann bringt der Spark 40 keinen neutralen Sound hin. Beim Spark 2 ist das etwas besser, er klingt zudem generell offener. Und auch mit der Gitarre klingt er besser – ich kann sowohl die Bässe als auch die Höhen stärker pushen und habe somit ein breiteres Spektrum, um den für mich richtigen Sound zu finden. Genug Saft im Bass ist auch hier vorhanden. Der Neue hat auch von den Specs her mehr Power: 50 statt 40 Watt.

Beide Modelle solltest du nicht auf den Boden stellen und schon gar nicht in eine Ecke. Sonst wummern die Bässe zu sehr und die Höhen strahlen nicht zu deinem Ohr. Stell das Gerät möglichst hoch, zum Beispiel auf einen Tisch oder ein Gestell.

Auswahl der Verstärker etc.

In der App lassen sich 39 Verstärker auswählen, davon vier für Bassgitarre und vier für akustische Gitarren. Sechs gehören zu einem Jimi-Hendrix-Paket, das man für 18 US-Dollar separat kaufen muss. Alle Klassiker von Fender, Marshall, Vox etc. sind vorhanden, auch wenn die Firmennamen wie üblich nicht dabei stehen. Positive Grid hat eine Liste mit allen Verstärkern veröffentlicht, wo du auch siehst, welchen Originalverstärker sie simulieren. In der gleichen Liste findest du alle Effekte. Ich vermisse kaum etwas, höchstens einen Octaver.

Im Video hörst du das Preset «Ambient Guitar Style Tone 1», das ab Werk per Direktwahlschalter zugänglich ist. Es modelliert einen Matchless DC30, einen Echo-Delay und einen Plate-Reverb.

Die App gibt eine feste Signalkette vor. Wenn du unbedingt den Delay vor dem Amp statt nachgeschaltet haben möchtest, geht das nicht.

Mir ist diese Einschränkung egal. Was mich mehr stört, ist die Auswahl der Amps und der Effekte. Dafür muss ich zweimal auf den Amp oder einen Effekt tippen. Um die Auswahl wieder auszublenden, tippe ich aber nicht auf den Amp, sondern auf eine kleine Menüleiste. Ich kann auch nicht seitwärts durch die verschiedenen Effekte swipen.

Die Navigation durch Amps und Effekte könnte einfacher sein.
Die Navigation durch Amps und Effekte könnte einfacher sein.

Von der App abhängig

Wichtig ist das, weil praktisch alles über die App läuft. Am Verstärker selbst kann ich nur eines der acht gespeicherten Presets auswählen und den Ton anpassen. Aber ich kann kein anderes Verstärkermodell oder einen anderen Effekt wählen.

Der Spark 40 hat ein Rad zur Wahl des Verstärkers. Auf den ersten Blick ein Vorteil. Allerdings ist auch dieses Modell voll auf die App ausgerichtet. Die Amps lassen sich grösstenteils nicht per Drehregler wählen, ebenso wenig die Effekte. Ausserdem ist es nicht besonders sinnvoll, den Verstärker zu wechseln, wenn die Pedale und ihre Einstellungen die gleichen bleiben. Das sollte aufeinander abgestimmt sein. Ich kann deshalb nachvollziehen, dass Positive Grid die Verstärkerwahl durch ein Preset-Rad (und doppelt so viele am Gerät wählbare Presets) ersetzt hat.

Sind alle Sounds eingerichtet, kann ich die App auch weglassen. Meist dauert es aber nicht lange, bis ich sie wieder brauche. Die App steht klar im Zentrum. Wenn dir das nicht passt, ist der Spark nicht das richtige Gerät für dich. Als Alternative kommt in diesem Fall der Katana Air EX in Frage.

Nicht einmal der Fussschalter für die Spark-Amps läuft ohne App. Denn er verbindet sich nicht mit dem Verstärker, sondern mit dem Smartphone oder Tablet. Er wirkt sich auf die App aus, die wiederum das Gerät steuert. Apropos verbinden: Leider verbindet sich das mobile Gerät nicht selbstständig mit dem Verstärker, und der entsprechende Button befindet sich an einem Ort in der App, an dem man sonst nie ist.

Alles, was es zum Üben braucht

Dafür bietet die App ein umfassendes Paket an Funktionen. Da gibt es Jam-Tracks mit Bass und Drums, die sich in Tonlage und Tempo frei einstellen lassen. Auch bei den zahlreichen Begleit-Stücken sind die Akkorde sichtbar; zudem lässt sich das Tempo verlangsamen oder eine Sequenz loopen. Du kannst einzelne als Favoriten speichern. Es handelt sich um Youtube-Videos, die auch sonst verfügbar sind.

Einige Stücke sind keine Backing Tracks, sondern du lernst ein Solo – die Tabs sind eingeblendet. In diesem Fall vermisse ich die Möglichkeit, mir das Video grösser anzeigen zu lassen. Das klappt nur, wenn ich es zweimal antippe und dadurch im Webbrowser öffne.

Auch stimmen die angegebenen Akkorde nicht immer genau. Vermutlich sind sie zumindest teilweise maschinell erzeugt worden. Dennoch, ein netter Zusatz. Wir wissen alle: Je kleiner die Hürde, etwas zu aktivieren, desto häufiger übt und spielt man. Daher: eine gute Sache.

Im Video hörst du das Preset «Dark Soul» mit einem Begleit-Track aus der App. Auch wenn du den Sound nicht so hörst, wie ich ihn live höre, vermittelt es doch recht gut, wie stark der Bass ist. In echt fällt es mir noch mehr auf als auf dem Video.

Looper: nützlich, aber auch nur mit App

Mit dem integrierten Looper kann ich eine kurze Sequenz aufnehmen und selber etwas dazu spielen. Zum Beispiel eine Akkordfolge und dann ein Solo darüber. Das lässt sich mehrfach wiederholen.

Ich habe ein externes Loopgerät. Das nützt mir im Fall des Spark jedoch nicht viel. Ändere ich den Sound, um von Rhythmus- zu Sologitarre zu wechseln, ändert sich auch der Sound des bereits aufgenommenen Loops. Das passiert, weil der Loop den Effekten vorgeschaltet ist. Darum ist ein interner Looper in so einem Gerät eine grosse Hilfe.

Auch der Looper funktioniert ohne Spark-App nur eingeschränkt. Am Verstärker selbst kann ich nur das Tempo ändern, nicht aber, wie lange der Loop ist. In der App lässt sich zusätzlich noch der Lautstärkemix anpassen. Dort gibt es auch die Möglichkeit, Schlagzeugloops als Begleitung auszuwählen.

Integrierte KI: nicht schlecht, aber kein Muss

Die App hat einen KI-Chatbot integriert. Ich kann diesen fragen, ob Elvis lebt, und er gibt mir eine korrekte Antwort – das ist aber nicht die Idee. Sondern dass ich zum Beispiel frage, welche Einstellungen ich brauche, um zu klingen wie Mark Knopfler oder Jimi Hendrix. Die KI spuckt mir daraufhin ein Preset aus, das ich zuerst ausprobieren und bei Bedarf abspeichern kann. Dabei reicht es, den Namen des Gitarristen oder des Songs einzugeben – die KI versteht, was ich meine. Das erleichtert die Sache sehr, denn während ich noch die Gitarre umgehängt habe, möchte ich keinen Roman schreiben.

Natürlich braucht man auch die passende Gitarre für einen bestimmten Sound, man muss sie passend einstellen und schliesslich kommt es stark auf die Spieltechnik an. Darum darf man nicht zu viel von einer solchen Funktion erwarten.

Im Video oben hörst du die Presets, die aus den Prompts «Purple Rain» und «Jimi Hendrix» entstanden. Ich glaube, bei «Purple Rain» hat es im Vergleich zum Original zu viel Delay/Reverb und zu wenig Chorus. Komplett daneben ist es aber nicht. Ich habe etwa zehn Stichproben gemacht. Die vorgeschlagenen Einstellungen scheinen zumindest halbwegs zu passen. Dass es nicht klingt wie im Original, liegt wohl hauptsächlich an mir. In mindestens einem Fall lag die KI jedoch klar daneben. Für «Under The Bridge» der Red Hot Chili Peppers wählte sie einen Roland JC 120 mit aktiviertem Chorus. Diesen Verstärker hat John Frusciante nie benutzt und es klingt auch nicht wie im Original. Bei John Scofield klang es auch gar nicht nach dem, was mir vorschwebte – da fehlten in der App wohl einfach die teilweise recht schrägen Effekte, die er nutzt.

Wenn du dich wirklich dafür interessierst, wie ein bestimmter Gitarrensound zustande kommt, findest du im Web viele Informationen, etwa auf Equipboard. Sich das so zu erarbeiten, dauert länger, aber dafür stimmt es eher und du lernst etwas dabei. Unter dem Strich halte ich die KI nur für eine nette Spielerei, aber kein Argument, das Gerät zu kaufen.

Mehr als ein Übungsverstärker?

Bleibt noch die Frage, ob sich der Spark 2 auch im Bandraum einsetzen lässt. In den meisten Fällen wohl nicht. Meiner Meinung nach disqualifiziert er sich dafür schon durch die Art und Weise, wie der Fussschalter funktioniert. Davon abgesehen ist der Foot Switch nicht im Lieferumfang enthalten und im Verhältnis zum Amp sehr teuer.

Fürs Zuhause ist der Spark 2 locker laut genug. Das heisst aber noch lange nicht, dass er auch laut genug ist für ein Solo in einer Rockband. Getestet habe ich das nicht. Aber aus Erfahrung weiss ich, dass man unterschätzt, wie viel lauter ein Verstärker im Zusammenspiel mit einer Band sein muss.

Der Spark 2 hat einen Line-Out und unterstützt auch USB-Audio. Man könnte ihn also direkt an ein PA anschliessen. Oder an das aktive Cabinet vom gleichen Hersteller. Damit ist es sicher laut genug.

Fazit

Dieser Verstärker rockt – aber nur mit App

Für wenig Geld bekommst du mit dem Spark 2 einen modernen Verstärker für zuhause, der nicht nur optisch, sondern auch akustisch etwas her macht. Trotz seiner geringen Masse hat er mächtig Druck in den Bässen und liefert auch in höheren Tonlagen ab. Die modellierten Verstärker und Effekte sind vielseitig und klingen gut. Das einzige Problem beim Sound ist, dass Begleitmusik ab Konserve immer noch zu basslastig klingt – und sich im Unterschied zum Gitarrensound auch nicht anpassen lässt.

Wichtig zu wissen: Dieser Verstärker ist ganz auf die zugehörige App fürs Smartphone oder Tablet ausgerichtet. Er funktioniert zwar auch ohne, entfaltet dabei sein Potenzial aber nicht ansatzweise.

Die App bietet einen grossen Funktionsumfang – neben Übungs- und Begleitstücken aller Art auch einen Chatbot, der dir Einstellungs-Sets nach einem gewünschten Song oder Interpreten erstellt. Die Idee finde ich cool, die Qualität der Sets aber nur so mittel. Der neue integrierte Looper komplettiert die Liste – der Spark 2 hat wirklich alles, was zu einem Heim-Verstärker gehört.

Pro

  • wohnzimmertaugliches Design
  • kräftiger und offener Klang
  • vielseitiges Set an Verstärkermodellen und Effekten
  • integrierter Looper
  • zahlreiche Übungs- und Begleitstücke in der App
  • mit optionalem Akku auch mobil verwendbar

Contra

  • Regler schlecht ablesbar
  • lässt sich nur mit App sinnvoll nutzen
  • Begleitmusik klingt zu basslastig
  • App könnte benutzerfreundlicher sein

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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