
Kritik
«Pepper Grinder» ist eine bunte Wundertüte voller Überraschungen
von Domagoj Belancic

Yoshi ist zurück! In seinem neuesten Abenteuer verschlägt es den kleinen Dino in ein kunterbuntes Bilderbuch. Ich habe das süsse Game vor Release angespielt.
So richtig schlau wurde ich aus dem bisher gezeigten Material zu «Yoshi and the Mysterious Book» nicht. Was ich mir bisher zusammenreimen konnte: Yoshi spielt die Hauptrolle (duh!). Die Spielwelt befindet sich in einem magischen Buch (nochmal duh – das steht im Titel). Und es geht darum, komische Viecher zu erforschen. Wie sich der Titel spielt und was man in den Levels macht? Ein Rätsel.
Rund einen Monat vor dem Launch am 21. Mai durfte ich mir bei Nintendo einen Eindruck vom zuckersüssen Abenteuer machen. Viele meiner brennendsten Fragen wurden beantwortet – einige bleiben noch offen.
Die Yoshis lernen auf ihrer idyllischen Insel ein sprechendes Bilderbuch kennen. In ihm finden die kleinen Dinos lebendige Illustrationen merkwürdiger Kreaturen. Das Buch bittet die Yoshis um Hilfe – es will mehr über die Lebewesen erfahren, die in ihm leben. Naiv Hilfreich wie die Yoshis sind, stimmen sie zu und reisen in das Bilderbuch, um die komischen Viecher zu untersuchen.

Zu sagen, die Präsentation sei süss, wäre masslos untertrieben. Die Levelauswahl mit kunterbunten Seiten und lustigen Kreaturen erinnert an liebevoll illustrierte Kinderbücher. Auch die Levels sehen aus wie zum Leben erwachte Zeichnungen. Alles wirkt so fröhlich, kindlich, unschuldig.
Ich fühle mich an eines meiner Lieblingsspiele auf dem N64 erinnert: «Yoshi's Story». Schon alleine deswegen freue ich mich auf den Release. Nostalgie ist eine schöne Droge.

Nach rund eineinhalb Stunden Spielzeit habe ich einen guten Eindruck vom Gameplay-Loop bekommen. Das Spiel ist eine Mischung verschiedener Genres. Würde ich in Nintendos Marketing-Team arbeiten, hätte ich sofort eine neue Genrebezeichnung kreiert: «cozy Plattformer-Sandbox mit Creature-Collector-Elementen».
Hört sich gut an, oder? Lass mich erklären.
«Cozy» ist das Game, weil es mit seiner Story und audiovisuellen Aufmachung eine gemütliche Atmosphäre versprüht. Es gibt keine echten Bösewichte, selbst die Gegner sind cute. Nur Feel-Good-Vibes. Die entspannende Musik passt hervorragend zur unschuldigen Bilderbuch-Atmosphäre. Zudem ist der Schwierigkeitsgrad sehr niedrig – zumindest in den zwei Kapiteln, die ich angespielt habe. Wenn du eine Herausforderung suchst, bist du in Yoshis Bilderbuchwelt falsch. Das Spiel lädt vor allem zum Entspannen und Entdecken ein, ohne grossen Druck.

Das Game ist im Kern ein 2D-Plattformer. Ich renne, hüpfe und schwebe mit Yoshi von links nach rechts durch die Levels und fresse allerlei Zeug (Yoshi hat immer Hunger – sehr sympathisch). Ziel ist jedoch nicht, möglichst schnell von Punkt A nach Punkt B zu gelangen. Die Spielabschnitte sind Sandboxes, die zum Experimentieren mit Yoshis Fähigkeiten einladen.
Dabei finde ich immer wieder lustige Viecher, die der Dino schlucken oder auf dem Rücken transportieren kann. Mit diesen Tierchen schalte ich temporär neue Fähigkeiten frei und erreiche so neue Abschnitte. Um ein Level abzuschliessen, muss ich meist ein verstecktes Hauptziel erfüllen, das mit den Kreaturen in der Spielumgebung zu tun hat.

Die Creature-Collector-Elemente ergeben sich durch die grundlegende Spielstruktur. In der Kapitelauswahl suche ich die Seiten des Buches nach süssen Viechern ab. Wähle ich eines davon mit einer Lupe aus, transportiert es mich in sein Habitat.

Dort gilt es, möglichst viel über das Viech herauszufinden. Wo lebt es? Wie schmeckt es? Was passiert, wenn ich es auf den Rücken packe? Wie reagiert es, wenn es nass wird? Überlebt es, wenn ich es mit einer Stampfattacke in den Boden ramme? Jede neue Erkenntnis wird im Buch notiert. Nach dem Abschluss eines Levels verrät mir das Buch, ob ich gewisse Aspekte einer Kreatur noch nicht entdeckt habe.
Mir gefällt diese doppelte Sammlung (Kreaturen und ihre Eigenschaften). Mit dieser Spielstruktur und Zielsetzung hebt sich «Yoshi and the Mysterious Book» deutlich von anderen 2D-Plattformern ab.
In den zwei Kapiteln, die ich testen durfte, habe ich schon zahlreiche süsse Tierchen entdeckt. Ich weiss nicht, wie viele Kapitel, Levels und Kreaturen es im fertigen Spiel geben wird, aber der erste Eindruck stimmt mich mit allerlei kreativen Ideen zuversichtlich. Einige meiner Favoriten:
Blubboranas sind eine Mischung aus froschartigen Wesen und Seifenblasenstab. Sie zu fressen, ist nicht empfehlenswert. Sie schmecken nach Seife. Bäh. Dafür sind sie praktisch: Sie produzieren Seifenblasen, in denen Yoshi für kurze Zeit schweben kann. Packe ich ein Blubborana auf den Rücken und renne mit ihm herum, erzeuge ich ganze Reihen von Seifenblasen, mit denen ich höher gelegene Gebiete erreiche.
Und jetzt fängt das Experimentieren an. Was passiert, wenn ich einem Blubborana einen Apfel füttere? Es produziert noch grössere Blasen, mit denen ich noch weiter fliegen kann. Mache ich ein Blubborana dreckig, erzeugt es Schlammblasen, die nach unten fliegen. Wofür das wohl gut ist?

Mit dem flauschigen Stöbflausch veranstalte ich Chaos in den Levels. Diese Pflanzenkreatur verstreut Pollen und vermehrt sich dadurch extrem schnell. Packe ich sie auf Yoshis Rücken, kann ich das ganze Level im Handumdrehen bestäuben.
Spannend ist, was passiert, wenn die Pollen auf unterschiedlichen Flächen landen. Im Gras wachsen sie zu riesigen Pflanzen, auf denen ich wie auf einem Trampolin hüpfen kann. Streue ich sie auf Steine, werden diese brüchig und ich kann sie mit einer Stampfattacke zerbrechen.

Meine absolute Lieblingskreatur ist Quakmatz. Ich würde töten für Quakmatz. Diese pummelige Kreatur lebt in der Erde und... existiert einfach vor sich hin. Springt Yoshi auf seinen Kopf, springt er höher und das Quakmatz singt einen Ton. That's it. Mehr hat dieses Viech nicht drauf. Muss es auch nicht. Schau es dir an. Quakmatz ist perfekt.

Besonders gefällt mir, dass die Kreaturen nicht nur in ihren eigenen Habitaten vorkommen. Das eröffnet noch mehr Raum zum Experimentieren. Was passiert zum Beispiel, wenn ich die Pollen von Stöbflausch mit den Seifenblasen von Blubborana kombiniere? Je mehr Kreaturen ich kennenlerne, desto spannender werden die Experimente.
Alle Levels, die ich in den zwei Kapiteln gespielt habe, waren sehr einfach gehalten. Ich denke nicht, dass der Schwierigkeitsgrad im fertigen Spiel eskalieren wird.
Die schwierigste Situation war ein Level mit den Quakmatzen, in dem ich nacheinander auf 25 dieser Kreaturen springen musste, um das Lied «Mary Had a Little Lamb» zu spielen. Mit Yoshis Schwebe-Fähigkeit lassen sich aber auch unpräzise Sprünge leicht ausbessern.

Überrascht war ich vom letzten Level der Demo. In diesem steige ich auf ein wildgewordenes Ebohr – eine Art Schwein mit Bohrer als Nase. Mit der Kreatur bohre ich mich durch die Erde. Es erinnert mich an das hervorragende Indie-Spiel «Pepper Grinder». Zum Schluss bestreite ich noch einen Bosskampf gegen Bowser Jr. in einem UFO.
Das Ebohr-Level ist auch nicht besonders schwierig – aber ich bin überrascht, wie schnell und actionreich es im Vergleich zum sonst sehr simplem Gameplay ist. Ich bin gespannt, ob es im fertigen Spiel noch mehr grössere Kreaturen mit speziellen Fähigkeiten geben wird.

An dieser Stelle muss ich etwas ausholen. Nintendo macht in der Regel keine Games explizit für Kinder, sondern Games für ein möglichst breites Zielpublikum von jung bis alt. Spiele, die eine möglichst niedrige Einstiegshürde haben, aber schwer zu meistern sind. «Yoshi and the Mysterious Book» scheint eine Ausnahme dieser Regel zu sein.
Mit seiner visuellen Präsentation und dem stressfreien Gameplay spricht der Titel vor allem ein sehr junges Publikum an – der Einstieg ist leicht und simpel und das Game bleibt leicht und simpel. Das erinnert mich an «Princess Peach: Showtime!». Ebenfalls ein einfaches, stressfreies und seichtes Game, das ich als «Kinderspiel» bezeichnen würde.
Das ist nicht despektierlich gemeint, im Gegenteil. Ich find’s schön, dass Nintendo hin und wieder solche Dinger raushaut und ihre jüngsten Fans abholt. Das heisst nicht, dass erwachsene Spielerinnen und Spieler keinen Gefallen an der bunten Bilderbuchwelt finden können – du solltest dir einfach bewusst sein, worauf du dich einlässt und kein Meisterwerk à la «Super Mario Bros. Wonder» erwarten.

Visuell beeindruckt mich «Yoshi and the Mysterious Book» nicht. Das Game sieht aus wie ein Bilderbuch – schön, aber unspektakulär. Ich bin mir sicher, dass Yoshis Abenteuer in niedrigerer Auflösung auch auf der Switch 1 laufen würde. Kann sein, dass das Game in den späteren Kapiteln aufdreht und Nintendos neue Konsole mächtig fordert – das wage ich aber zu bezweifeln. Auch sonst habe ich in der Demo keine besonderen Switch-2-Funktionen entdeckt. Keine Maussteuerung, kein besonderer HD-Rumble-Einsatz, kein Mikrofon, keine Kamera.
Schade. Ich freue mich aber trotzdem auf das fertige Spiel und bin gespannt, welche merkwürdigen Kreaturen ich noch finden werde.
«Yoshi and the Mysterious Book» erscheint am 21. Mai für die Nintendo Switch 2. Nintendo hat mich zu einem Preview-Event für das Spiel eingeladen.
Welche Farbe gewinnt?
Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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