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Hintergrund

52 Kilometer, 2500 Höhenmeter: Diese Lektionen musste ich lernen

Siri Schubert
27/4/2026

Nach knapp 52 Kilometern und rund 2500 Höhenmetern überquere ich die Ziellinie. Mit müden Beinen, aber happy. Diese Dinge haben mich beim Mont-Terrible-Ultra-Marathon überrascht.

Samstagmorgen, kurz nach acht. Ich stehe an der Startlinie beim Trail-Event Les Courses du Mont Terrible im schweizerischen Jura. Es gibt einiges, was ich sonst tun könnte. Mich im Bett noch einmal umdrehen. Gemütlich einen Kaffee trinken.

Stattdessen bin ich hier. Mit gemischten Gefühlen. Da ist die Vorfreude auf ein Abenteuer, das mich durch mystische Kalksteinschluchten, über mit Frühlingsblumen gesprenkelte Wiesen und geschlungene Wald-Trails führen wird. Und die Nervosität: Werde ich es schaffen? Bin ich gut genug vorbereitet? Welche Herausforderungen erwarten mich?

Zwar gilt die 50-Kilometer-Strecke in der Welt des Ultrarunnings als Einsteiger-Distanz, mir flösst sie dennoch Respekt ein. Schliesslich ist es eine Premiere: Ich versuche das erste Mal, eine so lange Strecke mit so vielen Höhenmetern zu laufen. Dazu noch eine mit schmalen, steilen Trails, Wurzeln und Steinen.

Abwechslungsreich ist die Strecke auf jeden Fall.
Abwechslungsreich ist die Strecke auf jeden Fall.

Die Elite ist wenige Minuten zuvor gestartet, denn das Rennen ist zugleich Schweizer Trailrunning-Meisterschaft. Rund 430 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind insgesamt bei der 50+-Kilometer-Strecke dabei, 394 werden sie beenden.

Der Start war schneller als geplant

Das Startsignal ertönt. «Bloss nicht zu schnell loslaufen», hatte ich mir fest vorgenommen. Doch das Feld setzt sich in Bewegung und ich bin mittendrin. Die guten Vorsätze sind vergessen. Zunächst geht es bergab und ich geniesse den Flow. Doch bereits beim ersten kleinen Anstieg kommt die Erkenntnis: «Das ist definitiv zu schnell.» Ich nehme das Tempo raus, Atmung und Herzfrequenz beruhigen sich.

Amüsiert schüttle ich den Kopf über meinen Fehler. Dass ruhiges Pacing am Anfang entscheidend ist, habe ich 1000 Mal gehört. Und trotzdem vor lauter Euphorie und Aufregung vergessen.

Schlimm ist das nicht, denn wenig später bekomme ich eine Chance zum kurzen Ausruhen. In einer zauberhaft wilden Schlucht geht es über eine Holzleiter einen kleinen Wasserfall hinauf. Vor dem Aufstieg staut sich das Feld. Ich geniesse den Ausblick und versuche gleichzeitig, nicht im Bachbett auszurutschen. Meine Füsse werden trotzdem nass, nicht das letzte Mal an diesem Tag, denn immer wieder gilt es, schlammige Pfützen zu durchqueren. Am Ende bin ich überrascht, dass ich trotz der nassen Füsse keine Blasen haben. Die extra eigenpackten Blasenpflaster bleiben ungenutzt.

Die Schlucht war ein absolutes Highlight des Rennens.
Die Schlucht war ein absolutes Highlight des Rennens.
Quelle: Les Courses du Mont Terrible

Nicht ohne meine Stöcke

«Mit oder ohne?» – hatte ich mich noch wenige Tage vor dem Rennen gefragt. Und mich dann für Trailrunning-Stöcke entschieden. Wenn du wissen willst, was ich sonst noch an Essentials dabei hatte, habe ich dir hier eine Liste zusammengestellt:

  • Ratgeber

    Meine Packliste für einen 50-Kilometer-Traillauf

    von Siri Schubert

Glücklicherweise hatte ich den Umgang mit den Stöcken vorher ein paarmal geübt. So konnte ich sie schnell hervorholen, zusammenstecken und auch rasch wieder verstauen, wenn ich sie nicht brauchte.

Ich bin nach wie vor grosser Fan von den Carbon-Trail-Stöcken des französischen Herstellers TSL (den Testbericht findest du hier), weil ich sie dank der Magnetclips sehr einfach mit den Handschlaufen verbinden kann. Solche Details machen bei langen Läufen einen Unterschied. Bei mir schwindet die Geduld für Gefriemel mit dem Equipment proportional zur gelaufenen Strecke.

Dank der Stöcke kann ich bei den zahlreichen Anstiegen meine Beine etwas entlasten. Auf die Distanz hilft das spürbar. Für längere Strecken mit Höhenmetern werde ich deshalb auch künftig Trailrunning-Stöcke mitnehmen.

Die Zeit vergeht schneller als gedacht

Nach 17 Kilometern erreiche ich die erste Verpflegungsstation. Eigentlich habe ich genug Flüssigkeit bis zur zweiten Station nach 34 Kilometern dabei. Dennoch fülle ich Wasser nach, denn bei Temperaturen über 20 Grad will ich kein Risiko eingehen. Selbst wenn der Rucksack dadurch schwerer und meine Pace langsamer wird.

Kaum verlasse ich den Posten, gerate ich in einen Flow. Die Strecke ist abwechslungsreich und ich denke nicht mehr an die Kilometer, die noch vor mir liegen. Ich verliere das Gefühl für die Zeit. Ich erlebe ein Runner’s High und bin einfach nur dankbar, bei optimalen Bedingungen auf den Trails laufen zu dürfen. Das Wetter ist sonnig und die Landschaft im Jura wunderschön. Die positiven Gefühle überraschen mich. Zwar macht mir Laufen fast immer Spass, sonst würde ich es ja nicht machen, aber so viel Freude trotz grosser Anstrengung hatte ich nicht erwartet.

Einfach nur schön: Die Strecke und das Erlebnis begeistern mich.
Einfach nur schön: Die Strecke und das Erlebnis begeistern mich.
Quelle: Kuva

Schon erreiche ich die zweite Verpflegungsstation. 34 Kilometer geschafft. Ich bin fast etwas ungläubig, wie rasch die Zeit vergeht. Nicht, dass ich besonders schnell laufe. Im Gegenteil: Ich bewege mich im Mittelfeld – nicht übermässig schnell, aber auch nicht sehr langsam. Es fühlt sich einfach nie lang oder langweilig an.

Bergab ist schwerer als bergauf

Die Strecke ist ein ziemliches Auf und Ab. Meine Gefühlswelt auch. Nach der zweiten Verpflegungsstation in St. Ursanne fühle ich mich top, der Aufstieg auf den Col de la Croix fällt mir leicht. Oben angekommen geniesse ich den Ausblick über das Tal, durch das sich der Doubs schlängelt.

Und dann ändert sich alles. Beim Bergablaufen beginnen meine Oberschenkel zu schmerzen. Ich bekomme erste Krämpfe. Werde von Läuferinnen und Läufern überholt. Statt locker über Steine und Wurzeln zu hüpfen, geht es nur noch im Schneckentempo voran. Autsch!

Jetzt rächt es sich, dass ich zu wenig Höhenmeter und vor allem zu wenig Downhills trainiert habe. Tatsächlich werde ich auf der ganzen Strecke bei den Abstiegen immer wieder überholt, während ich bei den Anstiegen Positionen gutmache. Lektion gelernt: Vor dem nächsten Trail-Event werde ich mich auf technische Trails vorbereiten und vor allem das Bergablaufen gezielt trainieren.

Glücklicherweise hat auch dieser Abstieg ein Ende: Als es wieder bergauf geht, fühlen sich meine Muskeln besser. Auch meine Stimmung steigt.

Essen ist nicht so einfach

Dank der guten Rennorganisation und der vielen Freiwilligen ist der ganze Ablauf super. Aber eine Sache gefällt mir besonders: An den Verpflegungsstationen gibt es keine Becher. Und somit auch keinen Müll. Läuferinnen und Läufer müssen ihre eigenen Trinkgefässe mitbringen (mehr dazu im Artikel zur Ausrüstung). Es gibt Wasser, ein Elektrolyt-Getränk, Cola und Bouillon. Etwas für jeden Geschmack also.

Ich gehe mit einem Liter meines eigenen Elektrolyt-Getränks aus dem Powder-Mix von Peak Punk ins Rennen. Zusätzlich habe ich eine 500-Milliliter-Flask mit Wasser dabei. Und meine Secret Weapon: eine weitere 500-Milliliter-Flask mit kaltem Kaffee. Das mag für manche grusig tönen, ist für mich auf längeren Läufen aber ein Must-Have. Der Kaffeegeschmack neutralisiert die Süsse der Gels und anderer Snacks. Ausserdem verleiht mir das Koffein während des Rennens einen willkommenen Boost.

Zusätzlich habe ich Riegel, Gummibärchen, ein Sandwich und Salzbrezeln dabei – es wirkt eher, als sei ich auf dem Weg zu einem Kindergeburtstag als bei einem Laufevent. Die Maurten-Gels habe ich zuvor in eine Flask abgefüllt. So muss ich unterwegs nicht mit Verpackungen hantieren und der Müll bleibt zu Hause.

Tatsächlich habe ich viel zu viel Essen dabei. Bei Kilometer 20 schaffe ich es noch, einen Riegel zu verdrücken, doch dann schwindet der Appetit. Energiezufuhr sei das A und O bei Langdistanzen, höre ich immer wieder. Doch es klappt nicht, wie geplant. Erst als mich bei der Verpflegungsstation ein Stück Käse und getrocknete Aprikosen anlachen, geht es wieder. Die Riegel bleiben im Rucksack, aber die Energie ist zurück. Nach 41 Kilometern trinke ich Cola mit Salz, um den Elektrolytverlust durchs Schwitzen auszugleichen. Das reicht mir bis ins Ziel. Zwar habe ich längst nicht so viel gegessen, wie ich mir vorgenommen hatte, aber offensichtlich genug.

Geschafft! Das war ein tolles Erlebnis. Ich freue mich schon aufs nächste Mal.
Geschafft! Das war ein tolles Erlebnis. Ich freue mich schon aufs nächste Mal.
Quelle: Kuva

Glücklich überquere ich die Ziellinie. Ich bin das erste Mal ein so langes Rennen mit so vielen Höhenmetern gelaufen. Die schönen Trails, die Aussichten und die netten Menschen, die ich unterwegs getroffen habe, waren klare Highlights. Natürlich habe ich die Schweizer Meisterin Nadja Fässler und den Schweizer Meister Jerome Furer nicht ins Ziel kommen sehen, sie sind um Welten schneller. Und die gleiche Strecke selbst abzulaufen, erhöht meinen Respekt für ihre tolle Leistung noch.

Überrascht hat mich tatsächlich vieles, aber eine Lektion bleibt: Bei einem solchen Lauf kann einiges passieren. Das Beste ist, jeden Schritt und jeden Kilometer zu geniessen. Selbst wenn die Beine zwischenzeitlich motzen. Egal, wie lange es dauert und ob die Verpflegungsstrategie aufgeht: Ein Abenteuer ist es auf jeden Fall. Eines, das ich sicher nicht so schnell vergessen werde.

Titelbild: Shutterstock

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Forschungstaucherin, Outdoor-Guide und SUP-Instruktorin – Seen, Flüsse und Meere sind meine Spielplätze. Gern wechsel ich auch mal die Perspektive und schaue mir beim Trailrunning und Drohnenfliegen die Welt von oben an.


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Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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