
Meinung
Drucker: Ist der Ruf erst ruiniert, wirbt es sich ganz ungeniert
von David Lee

Jahrelang hat mich mein 3D-Drucker mehr frustriert als begeistert – bis ich ihn schliesslich in die Ecke stellte. Mit dem Bambu Lab P2S macht 3D-Drucken plötzlich wieder Spass.
Mein alter 3D-Drucker, ein Creality Ender 3 V2, war 2021 noch ein spannendes Projekt. Doch die Freude hielt nicht lange: zu wartungsintensiv, zu kompliziert. Jedes Mal, wenn ich ihn nach Wochen wieder nutzen wollte, begann das Drama von vorn. Kein Wunder, dass ich ihn 2024 zu meinem persönlichen Flop-Gadget erklärte.
Ende 2024 wagte ich einen neuen Versuch mit einem SLA-Drucker, dem Saturn Ultra von Elegoo. Als ich endlich Zeit zum Ausprobieren fand musste ich feststellen: Er war defekt. Ausgerechnet, als ich ihn dringend für ein Projekt brauchte. Also folgte ich einem Tipp aus der Community und holte mir den Bambu Lab P2S. Und was soll ich sagen? Nach den ersten Drucken bin ich hin und weg.

Der Sprung vom Ender 3 V2 zum Bambu Lab P2S fühlt sich an, als würde man von einem klapprigen Golf IV in einen modernen ID. 3 steigen. Der technische Fortschritt ist so beeindruckend, dass ich gar nicht anders kann, als begeistert zu sein.
Natürlich: Der P2S und der Ender 3 V2 spielen preislich in unterschiedlichen Ligen. Trotzdem ist der Unterschied in der Handhabung frappierend. Der P2S führt mich bequem per Smartphone und Display durch die Ersteinrichtung. Keine stundenlangen Reddit-Recherchen, keine YouTube-Tutorials, die erklären, warum der erste Druck scheitert.
Beim Ender 3 V2 ist allein das Leveln des Druckbetts eine Wissenschaft – jedes Mal aufs Neue, wenn der Drucker länger ungenutzt bleibt. Hinzu kommen Einstellungen wie Pressure Advance und Flow Rates, die ich mühsam durch Trial-and-Error herausfinden muss.
Das sind Fremdwörter für dich? Kein Problem. Denn all das übernimmt der P2S automatisch. Das Druckbett kalibriert sich selbst, die Flow Rate passt er während des Drucks an, und der erste Versuch gelingt. Einfach so. Für jemanden, der jahrelang das Gegenteil erlebt hat, ist das pure Magie.
Ich gebe es zu: Den Ender 3 V2 habe ich nie wirklich gern benutzt. Ich wollte 3D-drucken, aber der Drucker selbst war ein ständiger Quell der Frustration. Jede Session begann mit Ärger und endete entweder mit einem misslungenen Druck oder stundenlanger Fehlersuche. Ich bastle gern – aber lieber an meinen Projekten, nicht am Drucker.
Mit dem P2S ist alles anders. Ich lade eine Datei in Bambu Studio hoch, schicke den Druckauftrag an den Drucker – und hole mir einen Kaffee. Wenn ich zurückkomme, liegt das fertige Teil auf dem Druckbett. Okay: Meistens reicht es für mehrere Kaffees, da meine Drucke doch recht gross sind. Babysitten muss ich den Drucker nicht, und böse Überraschungen bleiben aus. Will ich den Druck trotzdem überwachen, schaue ich einfach per PC oder Smartphone nach – der P2S hat eine Kamera, die ich jederzeit abrufen kann.

Bambu Lab hat den 3D-Druck nicht nur verbessert, sondern neu gedacht. Und das spüre ich bei jedem Druck.
Was mich anfangs skeptisch machte, begeistert mich jetzt: das geschlossene Ökosystem von Bambu Lab. Ja, man ist stärker an den Hersteller gebunden als bei Creality und Co. Aber dafür funktioniert alles reibungslos.
Bambu Studio als Slicer, die Steuerung per App, die nahtlose Integration mit dem Drucker – alles greift perfekt ineinander. Keine Patches, keine Workarounds, keine nächtlichen Firmware-Experimente.
Wer später einen zweiten Bambu-Drucker kauft, profitiert doppelt: Die Workflows bleiben identisch. Gleiches Ökosystem, gleiche Software, gleiche Logik. Das schätzt man erst, wenn man zwischen verschiedenen Herstellern und Slicern hin- und hergewechselt hat.

Hätte mir vor drei Jahren jemand gesagt, dass ich einmal begeistert über Bambu Lab schreiben würde – ich hätte gelacht. Der P2S hat mich eines Besseren belehrt.
Ja, der Drucker ist teurer als mein alter Ender 3. Aber zum ersten Mal seit Jahren habe ich beim Drucken nicht das Gefühl, kämpfen zu müssen. Und allein das ist den Aufpreis wert.
Wenn du überlegst, in den 3D-Druck einzusteigen – oder wie ich schon länger dabei bist und dich fragst, ob sich der Wechsel zu Bambu Lab lohnt: Er lohnt sich. Ich bereue nur, nicht früher gewechselt zu haben.
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
Hier liest du eine subjektive Meinung der Redaktion. Sie entspricht nicht zwingend der Haltung des Unternehmens.
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