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News & Trends

Bye-bye, Nutri-Score: Alpro, Pepsi & Co. zeigen ihre Labels nicht mehr an

Debora Pape
9/2/2026

Seit Januar 2026 gelten für den Nutri-Score strengere Regeln, die versteckte Zucker- und Salzfallen entlarven. Doch statt für mehr Transparenz zu sorgen, nutzen viele Konzerne die Freiwilligkeit des Systems aus und lassen das Label bei schlechten Bewertungen einfach komplett verschwinden.

Dass manche Unternehmen weniger Verbraucherinformation und eher Marketing im Sinn haben, zeigt sich aktuell im Supermarktregal: Seit Anfang des Jahres gelten strengere Regeln bei der Lebensmittelampel, die bei vielen Produkten zu einer schlechteren Bewertung führen. Doch anstatt die neue Note offen und ehrlich auf der Verpackung abzudrucken, entfernen einige Hersteller die Lebensmittelampel einfach ganz. Die Logik: Besser neutral dastehen als schlecht.

Die europäische Verbraucherorganisation Foodwatch zeigt jetzt auf , welche Hersteller bei ihren Produkten auf diese Weise ganz legal schummeln.

Welche Marken ziehen die Reißleine?

Die Lebensmittelampel ist zwar freiwillig, die Krux ist nur: Wer aus dem Nutri-Score raus will, muss das als gesamte Marke tun. Coppenrath und Wiese etwa hat es mit seinen süßen Tiefkühltorten einfach, sich zu verabschieden. Die Marke macht nur Kuchen, sonst nichts.

Sind nicht alle Produkte einer Marke von einer Abwertung betroffen, wird es strategisch. «Sollen wir ein gelbes C oder gar ein rotes E tolerieren, wenn dafür alle anderen Produkte im grünen Bereich sind?», mögen sich manche Konzerne überlegt haben. Die Antwort: Es kommt drauf an. So kann ein Kernprodukt, das neuerdings schlecht rankt, trotzdem den Ausstieg der gesamten Marke rechtfertigen.

Zu diesen Konzernen gehört etwa PepsiCo. Pepsi, Schwipschwap, Mountain Dew und Rockstar tragen zukünftig kein Nutri-Score-Label mehr. Grund: Pepsi Zero, auf deren Packungen bislang aufgrund des Verzichts auf Zucker ein hellgrünes B prangte, hätte sich nun wegen des Süßstoffes mit einem gelben C begnügen müssen. Die Chipssorten Lay's und Doritos, die ebenfalls zu dem Konzern gehören, bleiben beim Nutri-Score aber weiterhin an Bord.

Ähnlich hält es Danone. Die Markenprodukte, die überwiegend mit schlechteren Bewertungen bedacht werden, ziehen sich von der Kennzeichnung zurück. Dazu gehören Alpro, Actimel und Fruchtzwerge. Der Alpro-Mandeldrink hätte sich aufgrund vieler Kalorien und wenig Eiweiß von B auf C verschlechtert. Das Joghurtgetränk von Actimel müsste sogar statt einem B nun ein E anzeigen. Die Danone-Marken Dany und Activia nehmen aber weiter am Ampelsystem teil.

Ein prominentes Produkt, das ebenfalls eine drastische Abwertung hinnehmen muss, sind die Original-Cornflakes von Kellogg's. Sie steigen von B auf D ab. Damit wird die Lebensmittelampel den Vorwürfen gerecht, dass Frühstückszerealien gesünder dargestellt würden als sie seien. Immerhin bleibt der Nutri-Score auf der Verpackung erhalten. Auch das von B auf D abgewertete Schokopulver von Nesquik zeigt das Label weiterhin an.

Was macht der Nutri-Score 2026 anders?

Die neuen Regeln gehen auf Kritik an der Berechnung des Scores ein. So erhielten etwa hochwertige Speiseöle (wie natives Olivenöl) aufgrund des hohen Fettgehaltes oft einen schlechten Wert, obwohl ungesättigte Fettsäuren gesund sind. Seit Einführung des Nutri-Scores 2020 gab es daher bereits mehrere Anpassungen.

Für Nüsse und Öle ändert sich die missliche Lage dagegen erst mit der jüngsten Aktualisierung des Algorithmus. Sie haben als «Öle und Fette» jetzt eine eigene Kategorie und können ihre Bewertung daher verbessern. Allgemein werden auch Eiweiße und Ballaststoffe nun besser bewertet.

Änderungen bei der Gruppierung gibt es zudem bei Getränken. So wurden viele Milchmischgetränke sowie Milchalternativen bislang zu den allgemeinen Lebensmitteln gezählt, nicht zu Getränken. Das hat sich jetzt geändert und sie müssen sich an strengeren Maßstäben messen lassen.

  • Hintergrund

    Der Nutri-Score ist bei Milchalternativen nur bedingt aussagekräftig

    von Debora Pape

Weiterhin führt der Zucker- und Salzgehalt nun zu höheren Abzügen. Davon sind etwa Fertiggerichte, Müsliriegel und Nuss-Nougat-Cremes betroffen. Bei Getränken werden künstliche Süßstoffe strenger angeschaut.

Nutri-Score: Wegweiser oder Werbefalle?

Einer der größten Kritikpunkte am Nutri-Score-System ist die Freiwilligkeit. Das Label soll schließlich kein Marketingfaktor für Hersteller sein, sondern eine Vergleichsbasis für Verbraucherinnen und Verbraucher. Foodwatch fordert daher für alle Lebensmittel eine verbindliche Nutri-Score-Angabe.

Dass die Kennzeichnung freiwillig ist, liegt am EU-Recht, an das sich auch die Schweiz hält. Demnach ist nur die Nährwerttabelle eine Pflichtangabe auf der Verpackung. Um das Nutri-Score-Label verpflichtend vorzuschreiben, müssten alle Mitgliedstaaten zustimmen. Insbesondere Italien stellt sich aber dagegen: Viele typisch italienische Lebensmittel wie Pizza oder Parmaschinken würden dadurch eine ungünstige Nährwerteinstufung erhalten.

Kritiker bemängeln zudem, dass die fünf Farben die Komplexität der Ernährung kaum abbilden können. Ich finde: Da Umweltaspekte, der Grad der Verarbeitung und realistische Portionsgrößen fehlen, bleibt die Ampel ohnehin nur eine grobe Orientierungshilfe. Das beste Rezept für eine gesunde Ernährung bleibt daher ein wacher Blick auf die Zutatenliste statt blindes Vertrauen in bunte Buchstaben.

Titelbild: Shutterstock/Markus Mainka

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Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


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