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Marvel Televison / Disney
Kritik

«Daredevil: Born Again»: Die zweite Staffel trifft ins Schwarze

Luca Fontana
26/3/2026

Marvel kann also doch noch anders: Staffel 2 von «Daredevil: Born Again» ist kein weichgespültes Superhelden-Drama, sondern eine düstere, politische Serie – und hat mehr Mumm, als ich ihr je zugetraut hätte.

Keine Sorge: Die folgende Serienkritik enthält keine Spoiler. Ich verrate dir nicht mehr, als ohnehin schon bekannt und in den Trailern zu sehen ist. Die zweite Staffel von «Daredevil: Born Again» läuft seit dem 24. März im Wochen-Rhythmus auf Disney+.

Nein, ich werde den Vergleich zur ersten Staffel nicht umgehen. Staffel 1 war nämlich, trotz allem, was sie richtig machte, eine gespaltene Persönlichkeit. Als wäre jemand mitten in der Produktion aufgeschreckt und hätte gerufen: «Moment mal, das hier läuft ja auf Disney+!»

Das war die Narbe eines Produktionschaos, das gut dokumentiert ist: Als man bei Marvel während des Autorenstreiks 2023 mit der seichten, zu wenig harten Vision der Showrunner Chris Ord und Matt Corman unzufrieden war, feuerte man sie und schickte bereits gedrehtes Material zurück in den Schneideraum. Dario Scardapane – ehemals Showrunner von «The Punisher» – übernahm den Auftrag, die Serie von Grund auf neu zu denken: härter, kompromissloser und näher an seiner Vorgänger-Version, die damals auf Netflix lief.

Das Endprodukt wirkte teilweise so improvisiert, als hätte man zwei komplett verschiedene Serien mit Hammer und Klebeband zusammengeschustert.

  • Kritik

    «Daredevil: Born Again» – Eine Rückkehr aus Blut und Schatten

    von Luca Fontana

Zur Ehrenrettung Marvels: Der Instinkt, die Reissleine zu ziehen, war richtig. Das Problem war, dass man sich eine komplett neue Staffel schlicht nicht leisten konnte. Also übernahm man Fragmente der alten Version – Fragmente, die im Mittelteil landeten und sich anfühlten wie ein plumper Disney-Channel-Ausflug in eine Serie, die es eigentlich besser wusste, während Anfang und Ende eigentlich überzeugten.

Staffel 2 hat diese Narbe nicht mehr: Acht Episoden, jede rund 50 Minuten. Ein roter Faden, der nie reisst. Kein «Case of the Week»-Intermezzo. Und keine komödiantischen Fremdkörper. Sehr gut. Für «Daredevil» ist tonale Kohärenz nämlich nicht verhandelbar, sondern Grundvoraussetzung. Diese Figur, diese Welt und dieser Konflikt funktionieren nur dann, wenn die Serie ihrer eigenen Härte nicht ausweicht.

Darum geht's in «Daredevil: Born Again», Staffel 2

Wilson Fisk ist Bürgermeister von New York – und er hat die Spielregeln geändert. Maskierte Heldinnen und Helden wie Daredevil sind in seiner Stadt eben keine Helden mehr, sondern Verbrecher. Darum hat er eine militarisierte Taskforce ins Leben gerufen, die gezielt Jagd auf sie macht, legitimiert durch Gesetze, die er selbst mitgeschrieben hat. Und die Stadt folgt ihm, weil er ihr das gibt, was sie sich wünscht: das Gefühl von Sicherheit und Ordnung.

Matt Murdock, der blinde Anwalt mit dem doppelten Leben, kämpft unterdessen nicht mehr damit, wer er ist. Diese Frage hat er für sich beantwortet. Jetzt kämpft er damit, was das in einer Stadt bedeutet, die ihn zum Staatsfeind erklärt und in der das Gesetz selbst zum Werkzeug des Mannes geworden ist, den er aufhalten will.

Das Gesetz als Waffe

Der stärkste Gedanke dieser Staffel ist gleichzeitig ihr beunruhigendster: Fisk bricht das Gesetz nicht. Er benutzt es. Er hat eine Taskforce aufgebaut, die mit staatlicher Immunität operiert, uniformiert durch Strassen zieht und rücksichtslos Zivilistinnen zusammentreibt – alles im Namen von Ordnung, Sicherheit und dem angeblichen Schutz der Stadt vor den sogenannten «wahren» Übeltätern: Maskenträgerinnen und Selbstjustizler wie Matt Murdock.

Das ist das eigentliche Thema dieser Staffel. Die Frage danach, was passiert, wenn ein autoritäres System die Sprache von Recht und Gerechtigkeit kapert, um seine eigene Version von Gerechtigkeit durchzusetzen.

Im Namen von Ordnung und Sicherheit treibt Fisks Taskforce Zivilisten zusammen – gedeckt durch ein Gesetz, das er selbst geschrieben hat.
Im Namen von Ordnung und Sicherheit treibt Fisks Taskforce Zivilisten zusammen – gedeckt durch ein Gesetz, das er selbst geschrieben hat.
Quelle: Marvel Television / Disney

Fisk verkauft diese Repression derweil als Schutz. Er schürt Angst und verwandelt sie in Loyalität. Er gibt den kleinen Leuten das Gefühl, dass endlich jemand für sie kämpft, während er hinter verschlossenen Türen die Regeln schreibt, die ihn unantastbar machen.

Das Schlimme: Es funktioniert sogar. Angeblich. Denn wirtschaftlich, so verkündet es das Büro des Bürgermeisters, soll es der Stadt besser denn je gehen. Genau darum wird Fisk zu etwas weitaus gefährlicherem als ein blosser Gangsterboss. Er wird zu einem Mann, der sich selbst davon überzeugt hat, dass er das Richtige tut.

Wie in den Comics macht sich der Kingpin auch hier selbst die Hände schmutzig.
Wie in den Comics macht sich der Kingpin auch hier selbst die Hände schmutzig.
Quelle: Marvel Television / Disney

Dass das in einem erschreckend konkreten Verhältnis zur politischen Gegenwart steht, ist kaum zu übersehen. Die Bilder von Fisks Taskforce – militarisiert, fanatisch loyal, mit staatlichem Freibrief ausgestattet – bekommen vor dem Hintergrund dessen, was in den USA gerade passiert, eine unbequeme Wucht, die weit über Comicverfilmung hinausgeht.

Ob Scardapane und seine Schreiberlinge das so geplant haben oder ob die Realität ihre Fiktion schlicht überholt hat, lässt sich kaum sagen. Ich tippe auf Letzteres. Fisks Taskforce wurde bereits gegen Ende der ersten Staffel eingeführt, und die Drehbücher für Staffel 2 geschrieben und abgedreht, lange bevor staatlich legitimierte Einheiten, die ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz operieren, in den USA zur politischen Realität wurden.

So oder so, das Ergebnis ist dasselbe: «Born Again» fühlt sich in seiner zweiten Staffel gerade optisch so erschreckend aktuell an wie selten etwas im Marvel-Universum.

Zwei Männer, zwei Masken

Was diesen Konflikt so gut macht, ist, dass er nicht simpel ist. Fisk und Matt sind keine klare Gegenüberstellung von Gut und Böse. Sie sind zwei Männer, die beide glauben, der Stadt das zu geben, was sie braucht. Beide operieren mit Symbolen, beide mit Gewalt, beide mit dem Anspruch auf Gerechtigkeit. Der Unterschied liegt darin, was Macht für jeden von ihnen bedeutet: Für Fisk ist sie Besitz, für Matt Verpflichtung.

Und Matt hat in dieser Staffel endlich aufgehört, mit dieser zu hadern. Staffel 1 fragte noch unermüdlich, was die Maske für ihn wirklich bedeutet. Ist sie sein wahres Gesicht, seine Last, seine Ausrede? Staffel 2 gibt keine neue Antwort auf diese Frage – sie stellt sie schlicht nicht mehr. Denn Matt weiss nun, dass er sie wegen einer fast schmerzhaften Klarheit darüber trägt, was er kann und was das von ihm verlangt. Das ist eine Reifung der Figur, die der ersten Staffel fehlte – und die diese zweite so viel stärker macht.

Die Zweifel sind weg: Matt trägt die Maske nicht mehr aus Zwang, sondern aus Überzeugung.
Die Zweifel sind weg: Matt trägt die Maske nicht mehr aus Zwang, sondern aus Überzeugung.
Quelle: Marvel Television / Disney

Gut so. Es gibt nämlich Figuren im Marvel-Universum, die ohne ein gewisses Mass an Kompromisslosigkeit nicht funktionieren. Daredevil ist eine davon. Nicht weil Gewalt und Brutalität Selbstzweck wären, sondern weil die moralische Welt dieser Figur nur dann glaubwürdig ist, wenn sie spürbar weh tut. Buchstäblich. Matt kämpft nie mit übernatürlicher Leichtigkeit durch Horden von Feinden. Er liegt nach jeder Konfrontation keuchend am Boden und trägt seine Entscheidungen physisch.

Staffel 2 versteht das. Die Kampf-Choreografien sind so handgemacht und ehrlich wie eh und je, geprägt von Handarbeit statt CGI-Perfektion. Die Serie darf wieder weh tun – physisch, moralisch, emotional. Und sie tut es.

Wo «Born Again» ins Stolpern gerät

Gänzlich perfekt ist die zweite Staffel von «Born Again» dann aber doch nicht. Das fängt beim Verhältnis zum restlichen Marvel-Universum an, das einem beim Nachdenken zunehmend im Magen liegt.

Fisks Regime etwa ist gross – gross genug, dass man sich unweigerlich fragt, wo eigentlich der Rest der Heldinnen und Helden steckt, während New York in einen faschistoiden Polizeistaat kippt. Gerade nach den Ereignissen von «Thunderbolts*» und «Spider-Man: No Way Home» kann es gar nicht sein, dass sie alle einfach Däumchen drehen, während Fisk seine Truppen auf die Strassen schickt.

Sicher, «Born Again» könnte zeitlich auch vor der aktuellen MCU-Gegenwart angesiedelt sein (ausser, das kommende «Punisher»-TV-Special schliesst die Lücke zwischen «Born Again» und «Spider-Man: Brand New Day»). Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr zieht es mich aus der Geschichte heraus. Das ist kein Problem, das «Born Again» allein geschaffen hat. Es ist ein strukturelles Erbe des Marvel-Universums, das TV-Serien mit begrenztem Budget schlicht nicht lösen können. Aber es bleibt ein Stachel.

Während andere Comebacks verpuffen, bringt Karen Page der Serie echte emotionale Tiefe zurück.
Während andere Comebacks verpuffen, bringt Karen Page der Serie echte emotionale Tiefe zurück.
Quelle: Marvel Television / Disney

Etwas müde wirkt ausserdem Matts Grundsatz, niemanden zu töten, der hier erneut als einer der zentralen inneren Konflikte herhalten muss. Er gehört zu seiner Figur, keine Frage, und man würde ihn nicht missen wollen. Aber die Netflix-Staffel 2 hat diesen Konflikt bereits so prominent und so präzise verhandelt – damals prallte er auf den Punisher, der Matts Überzeugungen mit einer Brutalität herausforderte, die kaum zu überbieten war –, dass er hier, über eine Dekade später und auf einem anderen Streamingdienst, etwas abgegriffen wirkt.

Nicht falsch. Nur nicht mehr frisch.

Und dann wäre da noch die Rückkehr von Jessica Jones. Sie taucht spät in der Staffel auf, und ihre Anwesenheit ist im Grunde das, was sie ist: ein Auftritt für den Trailer, für den Hype und für die Kommentarspalten. Man hätte sie streichen können, und es wäre haargenau dieselbe Geschichte herausgekommen. Anders als die Rückkehr von Karen Page, die der Staffel echtes emotionales Gewicht gibt, bleibt Jessica Jones eine Randfigur ohne dramaturgische Funktion.

Fazit

Die Serie, die sie von Anfang an sein wollte

«Daredevil: Born Again» litt nach Staffel 1 an einem Identitätsproblem. Ambition war zwar genug da. Was fehlte, war allerdings Klarheit. Das Produktionschaos hatte Spuren hinterlassen, die sich nicht verbergen liessen. Staffel 2 streift diese Altlast ab. Sie ist geschlossen, zielgerichtet und weiss endlich, was sie erzählen will.

Und was sie erzählt, ist mehr als ein Kampf zwischen Held und Schurke. Es ist die Geschichte einer Stadt, in der das Recht selbst zum Instrument der Unterdrückung geworden ist und eines Mannes, der nicht mehr fragt, ob er dagegen ankämpfen soll, sondern nur noch wie. Das gibt «Born Again» eine politische Tiefe und eine emotionale Reife, die im Marvel-Universum selten ist – auch wenn kleinere Brüche im grösseren MCU-Gefüge und einzelne erzählerische Umwege nicht ganz verschwinden.

Am Ende steht eine zweite Staffel, die nicht bloss besser ist als die erste. Sie ist die Staffel, in der «Born Again» endlich zur Serie geworden ist, die Staffel 1 verzweifelt sein wollte.

Titelbild: Marvel Televison / Disney

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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