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Kritik

Das beste «Batman»-Spiel seit «Arkham City»: «Lego Batman: Legacy of the Dark Knight» im Test

«Lego Batman: Legacy of the Dark Knight» ist ein fantastisches Batman-Game, das Rocksteadys «Arkham»-Reihe in nichts nachsteht.

Lego-Spiele sind langweilig. Nach dem millionsten Marvel-, «Harry Potter»-, und «Herr der Ringe»-Ableger, die sich alle gleich spielen, habe ich abgehängt. Einzige Ausnahmen waren «Die Skywalker Saga» und «Horizon Adventures», die frischen Wind in das angestaubte Spielprinzip brachten. Komplett überzeugten sie mich aber auch nicht.

Dass Lego-Spiele mehr sein können als generisches Markenmelken, beweist «Lego Batman: Legacy of the Dark Knight». Es ist nicht nur eine liebevolle Hommage an 80 Jahre Batman-Comics, -Filme und -Serien, es ist ein abwechslungsreiches Open-World-Action-Game, das sich nicht hinter Rocksteadys «Arkham»-Reihe verstecken muss. Auch weil das britische Studio hier seine Finger im Spiel hatte. Rocksteady ist neben TT Games als Co-Entwickler aufgeführt.

Batmen

«Lego Batman: Legacy of the Dark Knight» ist eine wilde Mischung aus verschiedenen Batman-Teilen. Anders als in «Die Skywalker Saga» spiele ich mich nicht chronologisch durch die Filme. Die Geschichte beginnt mit der Ausbildung bei Ra's al Ghul und seiner Liga der Schatten in Anlehnung an «Batman Begins». Wenig später verfolge ich im Batmobil aus Matt Reeves «The Batman» den Pinguin durch ein düsteres Gotham City. Der spektakuläre Sprung durch das Feuer darf nicht fehlen. Allerdings jage ich den Pinguin aus Tim Burtons «Batman».

Matt Reeves Batman trifft auf Tim Burtons Pinguin.
Matt Reeves Batman trifft auf Tim Burtons Pinguin.

Wenig später hefte ich mich an die Fersen von Jack Nicholsons Joker, der mit seinen geschminkten Ganoven ein Museum verunstaltet. Die Szenen funktionieren auch ohne, dass du dich im Batman-Universum auskennst. Fans kommen durch unzählige Easter Eggs und Anspielungen doppelt auf ihre Kosten. Als das legendäre Intro aus der Zeichentrickserie «Batman: The Animated Series» nachgespielt wird, bekomme ich Hühnerhaut. Obwohl Robin sich mit seinen Faxen reinschleicht. Der Lego-Humor darf nicht fehlen.

Bei der Rückkehr nach Gotham City legt Alfred eine Kassette in seinen Walkman. Zu fröhlicher Musik fährt die Kamera durch die blühende Stadt, voller tanzender Polizisten und Eichhörnchenfütternder Omas. Nach wenigen Sekunden stoppt Alfred die Musik: «falsche Seite». Er wechselt von «Good Vibes» auf «Metal Mix» und sofort ziehen düstere Wolken auf. Autos crashen ineinander und Eichhörnchen stürzen sich auf die Omas. Willkommen in Gotham City. Den Lego-Humor muss man mögen. Er zündet nicht immer, aber meistens holt er mich mit seinem Charme ab. So auch als Bruce seine Bathöhle zum ersten Mal betritt und ihm ein Schwarm Fledermäuse entgegenfliegt. Sekunden später ist er zugedeckt mit grauen, runden Legosteinen. Wer hätte gedacht, dass in den Lego-Spielen mehr Realismus steckt als in den Filmen?

Du hast da was im Gesicht, Bruce.
Du hast da was im Gesicht, Bruce.

Offene Welt, aber nicht überladen

Nach dem Tutorial in den verschneiten Bergen von Nanda Parbat öffnet sich das Spiel und ich kann mich frei durch Gotham City bewegen. Sofort fällt mir auf, wie hübsch und detailliert die Welt aussieht. Mit aktiviertem Raytracing und allen Einstellungen auf dem Maximum ist «Lego Batman: Legacy of the Dark Knight» ein absolutes Brett. Anders als in «Lego: Horizon Adventures» besteht nicht die ganze Welt aus Legosteinen. Strassen, Häuser und die meisten festen Strukturen haben zwar einen Plastik-Look, sind aber nicht mit den ikonischen Klemmbausteinen konstruiert. Es mangelt aber nicht an Lego-Sachen, die ich zertrümmern kann. Was auch nach 15 Stunden befriedigend bleibt.

Ich habe stets die Wahl, der Hauptquest zu folgen oder mich von unterschiedlichen Nebenaufgaben ablenken zu lassen. Von einfachen Überfällen, die es zu stoppen gilt, Zoo-Tieren, die ich einfangen soll, bis zu Riddler-Rätseln ist alles vorhanden.

Sobald das Gleiten freigeschaltet ist, fängt der Spass so richtig an.
Sobald das Gleiten freigeschaltet ist, fängt der Spass so richtig an.

«Lego Batman: Legacy of the Dark Knight» richtet sich auch an Kinder, darum ist nichts besonders schwierig oder nimmt längere Zeit in Anspruch. Mir gefällt, dass die Karte nicht zugekleistert ist mit Symbolen, wie es in der «Arkham»-Reihe zunehmend der Fall war. Meist gleite ich mit meinen Batwings durch die Gegend und lasse mich von meinen Augen leiten. Mit fortschreitendem Spielverlauf kommen in regelmässigen Abständen neue Inhalte dazu.

Der Star sind die Hauptmissionen. Das Spiel lässt mich zahlreiche Filmmomente auf Lego-typische Art neu erleben. Mal verfolge ich zusammen mit Selina aka Catwoman den Pinguin, der uns am Ende mit seiner feuerspuckenden Riesen-Gummiente attackiert. Wenig später stoppen wir gemeinsam den Joker bei einer wortwörtlich bombastischen Ballon-Parade. Mit Robin werde ich zuerst Teil einer spektakulären Zirkusshow, um wenig später Poison Ivys menschfressenden Pflanzen mit Eisspray auf die Pelle zu rücken. Es wird keine Sekunde langweilig.

Für eine Runde Shredden ist immer Zeit.
Für eine Runde Shredden ist immer Zeit.

Das liegt auch am Arkham-inspirierten Kampfsystem. Das wurde zwar Lego-gerecht vereinfacht, aber noch immer kann ich lange Kombos aneinanderreihen, ausweichen, kontern und meine Gadgets einsetzen. Ganz so wuchtig, wie wenn Arkham-Batmans Fäuste auf Gegner prasseln, fühlt es sich zwar nicht an. Wiederum reisst der Lego-Batman seine Gegner wortwörtlich in Stücke. Was eigentlich noch brutaler ist. Obendrauf gibt es Spezialangriffe. Batman kann einen Fledermausschwarm auf seine Feinde hetzen und Catwoman mit der Peitsche Gegner wie eine Kugel im Flipperkasten umherspicken lassen. Ich könnte auch schleichen und Gegner von Statuen herab ausknocken – nötig ist das aber nicht, zumindest nicht auf dem ersten von drei Schwierigkeitsgraden.

Schleichen ist zwar nicht nötig, Spass macht es dennoch.
Schleichen ist zwar nicht nötig, Spass macht es dennoch.

Doppelter Spass dank Koop

«Lego Batman: Legacy of the Dark Knight» ist wie alle Lego-Spiele auf Koop ausgelegt. Spiele ich alleine, wechsle ich auf Knopfdruck zwischen meinen Begleitern hin und her. Denn auch der dunkle Ritter kann nicht alles. In und ausserhalb der Missionen kombiniere ich die verschiedenen Fähigkeiten, um kleine Rätsel zu lösen. Catwoman kann Tresore knacken, Gordons Schaumkanone verstopft Zahnräder und macht Ventilatoren passierbar. Robin spannt Seile zum Traversieren oder bricht mit seinem Stab Türen auf.

Wir können gemeinsam oder umweltsünderisch getrennt fahren.
Wir können gemeinsam oder umweltsünderisch getrennt fahren.

Die ersten Stunden habe ich alleine und auf Englisch gespielt. Die Sprachausgabe ist exzellent. Shai Matheson ist ein würdiger Ersatz für Kevin Conroys legendären Batman aus der Arkham-Reihe. Nach dem Tutorial hat sich mein Fünfjähriger den zweiten Controller geschnappt. Seither spielen wir auf Deutsch. Obwohl ich meist allergisch auf Synchronfassungen reagiere, gefällt mir auch die deutsche Version. Nach zahlreichen Nintendo-Spielen, die ihn mit unüberspringbaren Sprechblasen langweilen, kommt mein Sohn doppelt auf seine Kosten. Zum universell verständlichen Slapstick-Humor kommen immer wieder Sprüche dazu, über die auch er lachen kann.

Tote haben nichts zu lachen – wobei.
Tote haben nichts zu lachen – wobei.

Der Koop-Modus ist perfekt umgesetzt. Ausserhalb der Missionen können wir die Welt unabhängig voneinander erkunden. Ich kann mir ein neues Outfit auswählen, ohne dass auch das Spiel meines Sohnes pausiert.

Überall im Spiel sammle ich Lego-Münzen. Sei es durch das Zerstören von Gegenständen, aus Truhen oder aus schwer zu erreichenden violetten Münzen, die besonders wertvoll sind. Damit erweitere ich meine Bathöhle. Sei es, um einen Trainingsplatz zu bauen, oder um meine wachsende Fahrzeug- oder Anzugsammlung auszustellen. Batman und seine Begleiter können nicht nur durch Gotham City gleiten, sie haben auch eigene Fahrzeuge. Ich schalte regelmässig neue fahrbare Untersätze frei. Die Stars sind die Batmobile. Der Fuhrpark kann sich sehen lassen: Von futuristischen Schwebefahrzeugen aus der Animations-Serie «Batman Beyond» bis zum Panzer aus der Nolan-Trilogie ist alles dabei.

Ich will sie alle, ALLE.
Ich will sie alle, ALLE.

Das gilt auch für die Outfits. Von bunten Clownoutfits für Gordon, über Robins Nippelkostüm aus «Batman & Robin» bis zu Batman als Samurai gibt es eine fantastische Auswahl. Die Outfits bleiben auch in den Zwischensequenzen erhalten, was den Humor weiter auf die Spitze treibt. Die Bathöhle wird im Verlauf des Spiels zu einem begehbaren Museum, für das ich sofort eine Dauerkarte lösen würde.

Die Outfits sind grossartig.
Die Outfits sind grossartig.

«Lego Batman: Legacy of the Dark Knight» ist verfügbar für PC, PS5 und Xbox Series X/S. Switch-2-Version folgt später. Ich habe die PC-Version getestet, die mir Warner Bros. zur Verfügung gestellt hat.

Fazit

Ein Batman für alle

«Lego Batman: Legacy of the Dark Knight» ist eine Liebeserklärung an 80 Jahre Batman. Das Spiel kombiniert die Flattermänner aus verschiedensten Ären und erzählt eine eigene Geschichte. Die ist voll mit Lego-Slapstick und humorvollen Sprüchen, die mich genauso zum Lachen bringen, wie meinen fünfjährigen Sohn. Gerade im Koop-Modus glänzt das Spiel. Statt alle Rollen selbst zu spielen oder mich auf die KI verlassen zu müssen, steht Teamwork im Vordergrund. Dass ich mich trotzdem frei durch die Welt bewegen und kurze Rätsel lösen kann, während mein Kleiner als Batman die Strassen von Schurken säubert, macht den Spass perfekt.

Gotham City sieht unverschämt gut aus – nicht nur für ein Lego-Spiel. Ich liebe es, mit den verschiedenen Batmobilen durch die Strassen zu rasen und mit meinem Fahrstil kurzzeitig zur grössten Gefahr für die Bewohner zu werden. Genauso viel Spass macht der Weg über die Dächer dank Flügel und Enterhaken.

Die Missionen sind abwechslungsreich und voll mit Anspielungen, die Fans begeistern. Das jüngere Publikum vergisst das Spiel dabei nie: Immer ist ein flacher Witz eingebaut – über den ich trotzdem meist am lautesten lache.

Wenn du auch nur ein leichtes Faible für Batman oder Lego hast, darfst du dir «Lego Batman: Legacy of the Dark Knight» nicht entgehen lassen.

Pro

  • liebevolle Hommage an 80 Jahre Batman
  • abwechslungsreiche Hauptmissionen mit ikonischen Filmszenen
  • Arkham-inspiriertes Kampfsystem
  • Wunderschönes und lebendiges Gotham City
  • riesige Auswahl an Batmobilen und Outfits
  • hervorragend umgesetzter Koop-Modus
  • funktioniert für Kinder und Erwachsene gleichermassen
WB LEGO Batman: Das Vermächtnis des dunklen Ritters (PS5, DE)
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EUR76,86

WB LEGO Batman: Das Vermächtnis des dunklen Ritters

PS5, DE

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


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