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Siri Schubert
Produkttest

Die Pixapresso von Wacaco erfüllt meine Ansprüche nicht ganz

Siri Schubert
26/10/2026

Endlich campen! Doch in meinem Zelt spielen sich allmorgendlich dramatische Szenen ab. Das Abenteuer lockt, doch ich träume von Kaffee im Bett. Akkubetriebene, tragbare Espressomaschinen sind mein Ausweg aus dem Dilemma. Dieses Mal habe ich die Pixapresso von Wacaco dabei.

Koffein am Morgen ist für mich essenziell – egal, ob zu Hause oder auf Reisen. Vor allem nach einer kühlen Nacht im Zelt will ich auf heissen Kaffee nicht verzichten. Ohne das Trinkbenzin komme ich fast nicht aus dem Schlafsack, um draussen den Gaskocher für heisses Wasser anzuwerfen. Dass mich tragbare, akkubetriebene Kaffeemaschinen faszinieren, die mit kaltem Wasser starten, kannst du dir jetzt sicher denken.

Vergangenes Jahr habe ich die Nano des Herstellers Outin ausprobiert (hier der Bericht) und war trotz der relativ geringen Akkukapazität begeistert. Jetzt habe ich die Pixapresso von Wacaco in den Händen, die mir der Hersteller für diesen Test zur Verfügung gestellt hat.

Wacaco ist eine führende Marke für tragbare Espressomaschinen und bringt jede Menge Erfahrung mit. Kaffee für unterwegs liegt in der DNA dieser Firma. Und hier sollte ich darauf hinweisen, dass wahrscheinlich ein kleines Mismatch zwischen Testerin und Produkt besteht. Ich liebe Kaffee in allen Formen und Ausführungen und es vergeht kein Tag (ausser ich bin krank), an dem Kaffee nicht meine Stimmung aufhellt. Dennoch bin ich keine Barista und habe keine Gourmet-Ansprüche an meinen Kaffee.

Stimmungsaufheller am Morgen: Ich habe keine Gourmet-Ansprüche an das warme Getränk.
Stimmungsaufheller am Morgen: Ich habe keine Gourmet-Ansprüche an das warme Getränk.

Warum das auf ein Mismatch hinweist? Die Pixapresso-Maschine hat eine ganze Reihe von Funktionen, die ich bei einer Outdoor-Kaffeemaschine nicht brauche. Konkret: Beim Wandern oder Campen mag ich es funktional und praktisch. Ich schätze einen gewissen Luxus, wie einen mühelos gebrühten warmen Kaffee am Morgen. Aber ich trage keine speziellen Bohnen, keine Waage für die jeweils richtige Menge und auch keine tragbare Kaffeemühle im Rucksack. Wenn du selbst bei deinen Outdoor-Abenteuern in die Feinheiten von Mahlgrad, Wassertemperatur, und Crema mit oder ohne Druckbehälter eintauchen willst, ist dieser Bericht wahrscheinlich nichts für dich. Wenn du aber unterwegs einen Koffein-Kick suchst, dann lies gern weiter.

Gewicht, Grösse und Zubehör

Ganz klar, eine tragbare Kaffeemaschine ist nicht essenziell bei einem Trekking- oder Campingtrip. Deshalb darf dich das Gewicht von 755 Gramm nicht stören. Der Espressomaker ist mit einer Höhe von rund 18 Zentimetern und einer Breite von 7,4 Zentimetern etwa so gross wie eine Thermosflasche.

Was mich an diesem Kaffeekocher reizt, ist die – im Vergleich zu Modellen anderer Hersteller – grosse Kaffeemenge, die sich damit zubereiten lässt. 120 Milliliter Wasser kann er maximal erhitzen – genug für einen Lungo. Nach einer Nacht im Zelt kann ich gar nicht genug vom wärmenden Getränk bekommen. Natürlich sind auch Espresso und Ristretto möglich.

Für den grossen Kaffeedurst bietet das Reservoir genug Kapazität.
Für den grossen Kaffeedurst bietet das Reservoir genug Kapazität.

Idealerweise nimmst du zwischen acht und 16 Gramm gemahlenen Kaffee. Den Kaffeebehälter kannst du mittels eines Einsatzes auf die gewünschte Grösse bringen. Im Lieferumfang dabei sind zwei unterschiedlich grosse Tassen, ein Messlöffel, Trichter und eine Bürste. Für mich besonders interessant: der Einsatz für Nespresso-kompatible Kaffeekapseln. Denn neben einem traditionellen Espresso ermöglicht die Maschine auch die Zubereitung mit Kapseln.

Fürs Camping beschränke ich mich auf das notwendigste Zubehör.
Fürs Camping beschränke ich mich auf das notwendigste Zubehör.

Normalerweise bin ich überhaupt kein Fan von Kaffeekapseln. Ich finde so ziemlich alles an ihnen – von der Idee bis zum Geschmack – fragwürdig. Aber wenn ich auf Reisen bin, mache ich Kompromisse. Denn Kapselkaffee schlägt das Unbehagen, das loses Kaffeepulver im Gepäck und im Schlafsack mit sich bringt.

Die Bedienung ist nicht ganz einfach

Ich schalte das Gerät also ein, ohne mich vorher gross um die Bedienungsanleitung zu kümmern. Von anderen akkubetriebenen Mini-Kaffeemaschinen bin ich das so gewohnt. Auf dem Display erscheint erst ein lächelndes Pixelgesicht, dann ein Symbol, das ich für eine Kaffeetasse halte. Gut, dann kann es ja losgehen. Denke ich. Aber nach zwei Minuten schaltet sich der Espressomaker wieder aus. Oh.

«Kaputt», mutmasse ich. Erst später merke ich, dass ich mich durch eine Kombination von Tasten- und Touchscreenkommandos klicken muss, um einen Lungo bei 92 Grad zu bekommen. Das ist tatsächlich nicht intuitiv. Erst nach ein paar Durchläufen habe ich die Bedienung im Griff.

Ein Licht im Dunklen: Die Pixapresso läuft.
Ein Licht im Dunklen: Die Pixapresso läuft.

Um fair zu sein: Für echte Kaffee-Fans bieten die Einstellungen die Möglichkeit, genau den Espresso zu machen, den sie lieben. Richtiger Mahlgrad, richtige Menge, richtige Temperatur – von 88 über 92 bis 96 Grad. Mit oder ohne Vorbrühen.

Doch was für die einen die Stärke des Espressomakers ist, ist für mich ein Manko. Denn morgens noch vor dem ersten Koffeinschub durch ein ganzes Menü an Optionen zu navigieren, übersteigt meine Kapazitäten.

Geschmack und Akkulaufzeit

Nach einem ausgiebigen Blick in die Gebrauchsanleitung klappt es: Ich platziere eine Kapsel im Schraubbehälter, fülle das Reservoir mit kaltem Wasser auf und wähle die gewünschte Tastenkombination für einen Lungo ohne Vorbrühen bei 92 Grad, wie vom Hersteller der Kapseln empfohlen.

Neuneinhalb Minuten später fliesst der Kaffee. Herrlich. Dafür musste ich nicht mal das Zelt verlassen. Und der Geschmack? Na ja, Kapselkaffee eben. Für mich zählen ohnehin eher der Komfort und das Erlebnis. Nur dauert es etwas lang. Auch der Espresso strapaziert mit knapp vier Minuten meine Geduld.

Gemütlicher Tagesanfang mit Kaffee, aber der Akku ist schnell leer.
Gemütlicher Tagesanfang mit Kaffee, aber der Akku ist schnell leer.

Mit einer Akkuladung ist noch ein zweiter Lungo oder zwei Espressi drin, dann muss ich nachladen. Laut Hersteller sollen zwar bis zu fünf Espressi möglich sein, aber da ich die maximale Wassermenge nutze und das Wasser am Morgen kalt ist, erreiche ich die Zahl nicht.

Wenn du bereits mit heissem Wasser startest, ist die Kapazität ungleich höher. Dann hält der Akku für ein ganzes Wochenende. Das habe ich allerdings nicht, also hänge ich den Kaffeekocher per USB-C-Kabel an eine Powerbank. Es dauert rund drei Stunden, bis der Akku (drei Batterien mit 3000 mAh) wieder voll geladen ist. Grosses Plus: Der Akku lässt sich austauschen und Wacaco bietet sogar eine Video-Anleitung dazu.

Für wen ist die Pixapresso gemacht?

Nach meinem Test bleibt eine Frage offen: Wer soll die tragbare Espressomaschine nutzen? Sicher Reisende wie ich, die auf den Kaffee nicht verzichten möchten und den Luxus schätzen, ihn direkt vom Schlafsack aus zuzubereiten. Vor allem, wenn es morgens noch richtig kalt und dunkel ist. Fürs Trekking und Camping im Zelt scheint die Maschine mir allerdings etwas zu anspruchsvoll. Zumindest frage ich mich, ob jemand tatsächlich Waage und Kaffeemühle im Rucksack mitschleppt und im Schein der Stirnlampe erlesene Bohne mahlt. Kann ja sein.

Die Funktionen und Einstellmöglichkeiten scheinen eher für Camper-Reisende gedacht. Für mein schlafvernebeltes Gehirn sind sie am Morgen im dunklen Zelt nicht gerade intuitiv. Dagegen schätzen sie wahrscheinlich alle, die nicht nur einen schnellen Koffeinschub suchen, sondern beim Picknicken, auf einer Bootsreise oder im Wohnmobil einen Kaffee nach ihrem Geschmack geniessen wollen. Wieder zurück zu Hause habe ich die Maschine mit gemahlenen Bohnen ausprobiert und tatsächlich fand ich den Espresso geschmacklich erstaunlich gut für eine kleine Maschine mit vielen Plastikteilen.

Fazit

Eine Espressomaschine, die (zu-)viel kann

Wacaco hat einiges an Expertise in die Pixapresso-Maschine gepackt. Wenn du gewisse Ansprüche hast, kannst du deinen Kaffee nach deinen Vorlieben zubereiten. Wenn du unterwegs einfach einen Kaffee möchtest, geht das auch. Das macht die Maschine vielseitig.

Luft nach oben gibt es bei der Zubereitungs- und der Akkulaufzeit. Würde der Akku länger halten und müsste ich nicht noch extra eine Powerbank zum Aufladen mitschleppen, wäre der Coffeemaker sicher öfter bei Campingtrips dabei. In der aktuellen Form bleibt er ein Luxus, den ich gerne mal dabei habe, der sich aber keinen festen Platz in meiner Ausrüstung erobert hat. Tatsächlich wäre es mir lieber, die Entwickler hätten sich weniger auf Vielseitigkeit und stärker auf die Basics wie Akkulaufzeit, Schnelligkeit und geringes Gewicht konzentriert.

Pro

  • funktioniert mit kaltem Wasser
  • vielseitige Einstellungsmöglichkeiten
  • für Kapseln und gemahlenen Kaffee
  • geeignet für den Koffeinschub unterwegs
  • austauschbarer Akku

Contra

  • lange Zubereitungszeit
  • kurze Akkulaufzeit
  • Bedienung gewöhnungsbedürftig
  • hohes Gewicht
Titelbild: Siri Schubert

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Forschungstaucherin, Outdoor-Guide und SUP-Instruktorin – Seen, Flüsse und Meere sind meine Spielplätze. Gern wechsel ich auch mal die Perspektive und schaue mir beim Trailrunning und Drohnenfliegen die Welt von oben an.


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