
Diese Forerunner-Uhren von Garmin würde ich jederzeit kaufen
Garmins neue Laufuhren, die Forerunner 70 und 170, bieten vieles, was bisher den teureren Modellen vorbehalten war. Was bringt das in der Praxis? Richtig gute Unterstützung und Motivation fürs Training, finde ich.
Die Auswahl an Garmin-Sportuhren ist beeindruckend – vom Fitnesstracker bis zur Expeditionsuhr bietet der Hersteller so ziemlich alles. Die Kehrseite: Bei den vielen Modellen mit unterschiedlichen Namen und Ziffern ist es nicht einfach, die passende Uhr zu finden. Vor allem, wenn du gute Trainingsdaten suchst und nicht gleich ein Vermögen ausgeben willst.
Die beiden Newcomer im Sortiment, die Garmin Forerunner 70 und 170, können dieses Dilemma ein Stück weit lösen. Wenn du gerade mit dem Laufsport anfängst, findest du so ziemlich alles, was du für ein seriöses Training brauchst. Ein neues Feature, das Quick Workout, halte ich für besonders nützlich. Dazu später mehr.
Mein erster Eindruck: leicht, aber oho
Meine aktuelle Sportuhr ist die Garmin Fenix 8. Ich habe mich nie an der Grösse von 47 Millimetern und dem Gewicht von 80 Gramm gestört. Im Gegenteil: Dass eine robuste Uhr auch so wirken darf, war für mich selbstverständlich.
Bis ich mir die Forerunner 70 ums Handgelenk schnalle. Wow, sie wiegt nur die Hälfte (40 Gramm) und ist mit 43 Millimeter auch deutlich kleiner. Am ersten Tag checke ich mehrmals, ob ich die Uhr überhaupt trage, da ich sie kaum spüre. Und nachts fühlt sie sich auch viel angenehmer an.

Klar, die Forerunner 70 hat mehr Plastikelemente als die Fenix 8. Ob du das magst, musst du entscheiden. Billig wirkt sie in meinen Augen nicht. Mit Amoled-Display, Touchscreen und fünf Bedienungsknöpfen muss sie sich hinter teureren Uhren nicht verstecken. Das Gleiche gilt für die Forerunner 170, die ich parallel teste und die noch einige Tricks mehr an deinen Ärmel bringt als die Forerunner 70. Beide Modelle gibt es übrigens in verschiedenen Farben.
Bei den Sensoren sind die Forerunner 70 und 170 nicht ganz so fortschrittlich wie die Fenix 8 – dafür aber auch um einiges günstiger. Schliesslich vergleiche ich hier zwei Einsteigeruhren mit einem Top-of-the-line-Modell. Beide Newcomer haben kein Dual-Band GPS/GNSS wie die teureren Uhren. Sie erkennen das GPS-Signal bei meinen Testläufen aber ohne Verzögerung und sind weitgehend genau. In richtig abgelegenen, bewaldeten Orten habe ich die Uhren nicht getestet, aber sie sind ja auch für Laufeinsteigerinnen und nicht für Expeditionsprofis gemacht.
Als Herzfrequenzsensor wurde nicht das neuste Modell (Gen 5), sondern der Vorgänger (Gen 4) verbaut. Auch hier erhielt ich bei normalen Läufen bei der Fenix 8 und der Forerunner 70 und 170 nahezu identische Werte. Für normales Training ist das absolut ausreichend.
Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, kannst du einen Garmin-Herzfrequenzgurt verbinden. Ob auch Gurte anderer Hersteller funktionieren, konnte ich nicht testen, mein Garmin HRM Fit verband sich problemlos.
Die Forerunner 170 hat – im Vergleich zur 70 – noch zusätzliche Sensoren: ein barometrischer Höhenmesser, Kompass, Gyroskop und Beschleunigungssensor sind dabei. Da ich gerne ein paar Höhenmeter in mein Training einbaue, ist mir der Höhenmesser wichtig.
Apropos Training: Die Uhren sind speziell für den Laufsport optimiert, was aber nicht heisst, dass du dich einschränken musst. Du kannst zwischen 80 Sportprofilen wählen, darunter Outdoorsportarten wie SUP, Schnorcheln oder Schneeschuhwandern, Ballsportarten wie Fussball oder Basketball, einige Gym-Sportarten sowie Boxen, Seilspringen und Mixed Martial Arts. Die Forerunner 170 bieten neben dem Schwimmen im Pool auch Freiwasserschwimmen an. Nur eine Triathlon-Einstellung oder Multisport-Features fehlen.
Die Akkulaufzeit beider Uhren überzeugt mich: Bei der Forerunner 70 sind es bis zu 13 Tage im Smartwatch-Modus und bis zu 16 Stunden im GPS-Modus. Wegen der zusätzlichen Sensoren macht die Forerunner 170 etwas früher schlapp: nach bis zu zehn Tagen im Smartwatch-Modus und bis zu 14 Stunden im GPS-Modus. Wenn du also nicht gleich einen Ultramarathon laufen willst, sollte die Batterie für deine Laufabenteuer weit über das Anfangsstadium hinaus reichen.
Viele Funktionen der Fenix-Serie, nur günstiger
Die Funktionen der Fenix, die deine Trainingssteuerung verbessern, findest du auch in den beiden neuen Forerunner-Modellen. Für mich die wichtigste: die Trainingsbereitschaft. Sie kombiniert deine Trainingsbelastung, deine Schlafdaten, deinen Stress, deine Herzvariabilität und deinen Erholungsbedarf in einer Zahl. Bei mir ist sie aktuell mässig, was am hitzebedingten schlechten Schlaf der letzten Nächte liegt. Sagen zumindest meine Uhr und mein eigenes Körpergefühl.

Solche Werte sind natürlich nicht in Stein gemeisselt. Ich nutze sie immer in Kombination mit meiner eigenen Einschätzung und hatte schon bei schlechten Werten gute Trainings. Wenn du aber noch nicht so lange trainierst und die Signale deines Körper noch nicht so gut kennst, kann die Trainingsbereitsschaft nützlich sein, um zu starke Belastungen ohne entsprechende Erholung zu vermeiden.
Neben Schlaf-, Erholungs-, Trainings- und HRV-Daten bietet die Uhr auch tägliche Trainingsvorschläge, die sich an deiner aktuellen Fitness und deinen Zielen orientieren. Einen (aus der Herzfrequenz errechneten) VO2-Max-Wert und eine Einstufung des Trainings in Anaerob, High Aerob und Aerob sowie einen Hauptnutzen (z.B. Tempo oder Basis) gibt es zusätzlich.
Integration mit der Garmin Connect App
Ein klares Plus ist für mich die Integration mit der Garmin-Connect-Plattform über die App. Die kostenlose Version reicht für meine Bedürfnisse völlig aus. So habe ich meine historischen Trainingsdaten an einem Ort und kann auch zwischen verschiedenen Garmin-Uhren hin- und herwechseln, ohne Daten zu verlieren oder importieren zu müssen. Als ich den Test der beiden neuen Forerunner-Uhren startete, konnte ich in der App die bisherigen Settings meiner Fenix übernehmen und war im Nu startklar. Super easy.
Die Trainingsdaten lassen sich in der Garmin-App noch genauer anschauen. Besonders gefällt mir, dass die App die Messwerte (die natürlich ihre Limitierungen haben) einordnet. Beispiel Schlaf: Bisher wusste ich nicht, ob eine Tiefschlafphase von 1,5 Stunden ausreichend ist. Die Software bewertet sie als gut. Letztlich sind immer noch mein eigenes Gefühl und mein Energielevel am nächsten Tag entscheidend, aber so weiss ich wenigstens, was meine Werte grob aussagen.
So ist es auch beim Training: Wenn ich von der Trainingsbelastung her im grünen Bereich bleibe, sollte ich eine Überbelastung oder Trainingsrückschritte vermeiden können. Allerdings misst die Uhr lediglich die Herzkreislaufbelastung. Muskuläre Ermüdung oder Überlastungen von Sehnen kann sie nicht erfassen, deshalb spielt auch hier das eigene Gefühl eine Rolle.

Zusätzlich kannst du ein konkretes Ziel, beispielsweise einen Halbmarathon, wählen und vom Garmin-Coach einen Trainingsplan vorbereiten lassen. Die einzelnen Workouts hast du direkt am Handgelenk verfügbar. Du kannst auch Kombis aus Laufen und Gehen wählen. Die Uhr erkennt, wenn du vom Laufschritt ins Gehen wechselst. Vibrationen oder Töne zeigen dir an, ob du in der richtigen Herzfrequenzzone trainierst und wann dein nächstes Intervall startet. Ich fühle mich immer, als hätte ich meinen Coach direkt dabei.
Auch die animierten Kräftigungsübungen direkt auf der Uhr motivieren mich. Nicht, dass ich das Training jedes Mal, wenn es mir vorgeschlagen wird, auch ausführe. Aber wenn mir der Sinn nach laufspezifischem Krafttraining steht, habe ich gleich ein Programm mit Timer, Übungen und Animationen an der Hand.

Die Forerunner-Uhren bieten, wie die Fenix 8, Vorhersagen, wie schnell du eine bestimmte Wettkampf-Distanz laufen kannst. Meiner Erfahrung nach schätzen sie meine Leistung meist langsamer ein, als ich tatsächlich laufe. Ich kann nur spekulieren, dass es daran liegt, dass ich Trainingspläne selten einhalte und die Garmin-Software deshalb meine Leistung geringer einschätzt.
Mein neues Lieblingsfeature: das Quickstart-Training
Eine Funktion hat Garmin bei der Forerunner 70 und 170 neu eingeführt: das Quickstart-Training. Und es ist gleich zu meinem Favoriten avanciert. Warum? Weil es mir Trainingsvorschläge gibt, ohne dass ich mich an einen Trainingsplan halten muss. Trainingspläne haben ihren Sinn, aber ich laufe lieber nach Lust und Laune.

Beim Quickstart-Workout kann ich wählen, wie intensiv und wie lange ich trainieren möchte. Dann schlägt mir die Uhr verschiedene Optionen vor, die ich sofort starten kann. Fühle ich mich müde, ist eher niedrige Intensität angesagt. Weiss ich, dass ich den Rest des Tages nichts Anstrengendes mehr vorhabe, kann ich mich mit knackigen Intervallen richtig auspowern. Das setzt voraus, dass du deinen Körper ziemlich gut kennst und spürst, was an diesem Tag das Beste ist.
Was die Forerunner 70 und 170 unterscheidet
Die Forerunner 170 ist etwas teurer, bietet aber auch mehr. Neben den oben erwähnten Sensoren verfügt sie in der Music-Version über einen vier GB grossen Speicher für Offline-Songs und Podcasts. Ausserdem unterstützt sie Powermeter-Messung fürs Velofahren und hat ein Freiwasser-Schwimmprofil.
Mit der 170 kannst du Garmin Pay nutzen. Ich brauche es nicht, weil ich auf längeren Läufen mein iPhone dabei habe. Wenn du es nützlich findest, bietet Garmin eine Übersicht über teilnehmende Banken.
Für wen die neuen Uhren geeignet sind
Garmin positioniert die Forerunner 70 und 170 als Uhren für Laufeinsteigerinnen und -einsteiger. Mit einer dieser beiden Uhren hast du meiner Meinung nach alles, was du für den Einstieg brauchst – und mehr. So kannst du Trainingspläne erstellen lassen oder ein täglich neues, auf dich abgestimmtes Training absolvieren. Zudem kannst du dir bestimmte Distanz- oder Pace-Ziele setzen oder dir – je nach Tagesgefühl und Zeit – ein Quickstart-Training anzeigen lassen.

Selbst wenn du keine Wettkämpfe planst, kannst du dir anzeigen lassen, ob du dich auf einer bestimmten Strecke verbessert hast. Und wenn du zudem noch andere Sportarten liebst, ins Gym gehst, deine Schritte und deinen Schlaf tracken möchtest, kannst du das ebenfalls.
Bei Einsteigeruhren stellt sich die Frage, ob du sie nach kurzer Zeit gegen ein besseres Modell austauschen solltest. Meiner Meinung nach: nein. Auch erfahrene Läuferinnen und Läufer können das Training mit den beiden Newcomern sinnvoll steuern und auf Wettkämpfe trainieren.
Welche Uhr ich kaufen würde
Vorab: Ich bin mit meiner Fenix 8 sehr zufrieden. Wenn ich jetzt aber eine neue Uhr kaufen würde, wäre die Forerunner 170 wahrscheinlich die erste Wahl. Sie bietet so ziemlich alles, was ich mir für eine gute Trainingssteuerung, Fitnesssteigerung und Wettkampfvorbereitung wünsche. Die Software ist mit meiner aktuellen Uhr fast identisch und die Quickstart-Workouts ein klares Plus. Ausserdem gefallen mir das geringe Gewicht und die Grösse. Im Vergleich zur 70 sind mir Höhenmesser und Freiwasserschwimmen den Aufpreis wert.
Warum ich trotzdem an meiner Fenix 8 festhalte? Beim Trailrunning und längeren Outdoor-Abenteuern finde ich die Offline-Karten und die Navigation der Uhr sehr nützlich. Das fehlt mir bei den Forerunnern 70 und 170. Auch die LED-Taschenlampe der Fenix 8 ist draussen hilfreicher als die beleuchteten Displays der neuen Modelle. Ausserdem zeigt mir die Fenix 8, wie trainiert ich am Berg bin, mit einer Kombination aus Kraft am Berg, Ausdauer und VO2-Max. Das ist sicher für die meisten kein Must-Have, mich motiviert dieser Wert fürs Trailrunning aber, vermehrt Höhenmeter in mein Training einzubauen, wenn er zu stark sinkt.
Forschungstaucherin, Outdoor-Guide und SUP-Instruktorin – Seen, Flüsse und Meere sind meine Spielplätze. Gern wechsel ich auch mal die Perspektive und schaue mir beim Trailrunning und Drohnenfliegen die Welt von oben an.
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