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LeggoMyFroggo / YouTube
News & Trends

Diese Uhr ist ein echter Game Boy Color

Kim Muntinga
29/4/2026

Chris «LeggoMyFroggo» Hackmann hat zwei Jahre lang an einem Projekt gearbeitet, das niemand braucht und das gerade deshalb fasziniert: Er hat einen echten, spielbaren Game Boy Color in eine 38-Millimeter-Armbanduhr verwandelt.

Manchmal entstehen die seltsamsten Dinge aus dem konsequenten Verfolgen einer Idee. Chris Hackmann, auf YouTube als «LeggoMyFroggo» bekannt, hat den Game Boy Color von 1998 auf Smartwatch-Größe geschrumpft. Seine «Time Frog Color» ist eine ungewöhnliche Uhr, die klassische Game-Boy-Color-Spiele in einem winzigen Format abspielt. Der Clou: Hackmann setzt nicht auf eine einfache Softwarelösung, sondern bleibt technisch so nah wie möglich am Original.

Hackmann ist in der Modding-Community kein Unbekannter. Vor einigen Jahren präsentierte er den «Frog Boy Color», einen Game Boy Color in einem Game-Boy-Advance-Gehäuse im Querformat, gefolgt vom ultrakompakten «Tad Boy Color». Die «Time Frog Color» ist die konsequente Fortsetzung dieser Reihe und zugleich ihr absurdestes Kapitel.

Drei Regeln, keine Ausnahmen

Bevor Hackmann auch nur einen Lötkolben in die Hand nahm, legte er sich drei Bedingungen auf. Erstens: Die Uhr musste den originalen Prozessor des Game Boy Color verwenden. Zweitens: Sie musste physische Cartridges abspielen können. Drittens: Sie musste auch im ausgeschalteten Zustand die Uhrzeit anzeigen. Denn sonst wäre es schlicht keine Uhr.

Diese selbst auferlegten Einschränkungen machten das Projekt deutlich komplizierter, als es hätte sein müssen. Eine Emulation auf moderner Hardware wäre naheliegender gewesen. Hackmann wollte aber den echten Sharp-SM83-Prozessor des Game Boy Color, dessen Video-RAM und dessen Systemspeicher – alles zusammen auf einer maßgefertigten Platine, die in ein 38-Millimeter-Gehäuse passt.

Original-Hardware im Uhrenformat

Das zentrale technische Problem war die Bildausgabe. Der originale GBC-Chip gibt ein paralleles RGB-Signal aus, das kein modernes, uhrentaugliches Display verarbeiten kann. Hackmann löste dieses Problem mit einem Raspberry Pi RP2040, den er als «Poor Man's FPGA» beschreibt: Der Mikrocontroller übersetzt das parallele Bildsignal in ein Format, das das 1,12-Zoll-Farbdisplay der Uhr versteht.

Das Gehäuse fräste Hackmann aus einer 6061-Aluminiumlegierung und ließ es anschließend in einem charakteristischen Lila anodisieren: eine direkte Anspielung auf das Indigo des originalen Game Boy Color. Die Abmessungen sind beachtlich: Die «Time Frog Color» steckt in einem 38 Millimeter großen Uhrengehäuse und ist mit 15 Millimetern ungewöhnlich dick. Zum Vergleich: Eine große Apple Watch kommt auf eine Gehäusehöhe von 46 Millimetern, bleibt mit rund 10 Millimetern jedoch deutlich flacher.

Die offene Rückseite zeigt, wie wenig Platz für Platine und Cartridge‑Slot bleibt.
Die offene Rückseite zeigt, wie wenig Platz für Platine und Cartridge‑Slot bleibt.
Quelle: LeggoMyFroggo / YouTube

Mini-Cartridges

Hackmann weigerte sich, auf eine SD-Karte mit ROM-Dateien zurückzugreifen. Statt digitaler Kopien wollte er physische Cartridges, auch wenn diese im Verhältnis zur Uhr völlig absurd wirken.

Seine Lösung: Er entwickelte miniaturisierte Platinen, die in einen M.2‑Slot gesteckt werden. Hackmann nutzt dabei bewusst nur den kompakten Formfaktor, der auch in Laptops für NVMe‑SSDs zum Einsatz kommt, nicht jedoch deren Elektronik. Auf den winzigen Platinen sitzt der originale oder zumindest kompatible ROM‑Chip des jeweiligen Spiels. Für den Funktionsbeweis wählte Hackmann «Pokémon Gold», das auf der Uhr problemlos lief.

Diese Entscheidung hat einen direkten physischen Preis: Der Cartridge-Slot belegt so viel Platz im Gehäuse, dass kein Akku mehr untergebracht werden konnte.

Der Akku steckt im Armband

Hackmanns Lösung für das Batterieproblem ist so kreativ wie befremdlich. Er goss den Akku direkt in das Silikonarmband ein und verband ihn über eine flexible Leiterplatte mit dem Uhrengehäuse. Er räumt selbst ein, dass dies aus thermischer und sicherheitstechnischer Sicht nicht ideal ist, hält das Risiko aber für vertretbar, solange man die Uhr beim Laden nicht gleichzeitig spielt.

Das CAD-Modell zeigt Hackmanns ungewöhnliche Akkulösung: Der Energiespeicher sitzt nicht im Gehäuse, sondern im Armband.
Das CAD-Modell zeigt Hackmanns ungewöhnliche Akkulösung: Der Energiespeicher sitzt nicht im Gehäuse, sondern im Armband.
Quelle: LeggoMyFroggo / YouTube

Die Bedienelemente sitzen an den Seiten des Gehäuses. Auf einer Flanke sitzen ein stark verkleinertes Steuerkreuz und die Powertaste, auf der gegenüberliegenden vier sogenannte Face Buttons für A, B, Start und Select. Du steuerst die Uhr also nicht wie einen Game Boy, sondern drückst sie von den Seiten her. Hackmann selbst beschreibt das Spielerlebnis als «weniger als optimal». Angesichts der winzigen Tasten und der ungewohnten Handhaltung wirkt das fast noch höflich formuliert.

Zwei Jahre Arbeit, null praktischer Nutzen

Hackmann braucht rund zwei Jahre, um die «Time Frog Color» von der ersten Skizze bis zur fertigen Uhr zu bringen. Das Ergebnis bleibt voller Kompromisse: Die Uhr gibt keinen Ton aus, weil die nötigen Bauteile zu spät eintrafen. Das Display ist winzig, die Akkulaufzeit kurz, die Bedienung fummelig.

Auf dem kleinen Display erscheint der vertraute Game-Boy-Schriftzug. Die Bedienung erfolgt über seitliche Tasten.
Auf dem kleinen Display erscheint der vertraute Game-Boy-Schriftzug. Die Bedienung erfolgt über seitliche Tasten.
Quelle: LeggoMyFroggo / YouTube

Hackmann bringt es selbst trocken auf den Punkt: Seine Uhr sei ein Game Boy Color mit schlechterer Nutzererfahrung, kürzerer Laufzeit und einer Existenzberechtigung «knapp vor Mac and Cheese mit Ketchup». Trotzdem trägt er am Ende einen spielbaren Game Boy Color am Handgelenk – zumindest technisch gesehen.

Open Source, sobald die Dokumentation fertig ist

Hackmann hat angekündigt, alle Baupläne, Schaltpläne und Dateien auf GitHub zu veröffentlichen, sobald er die Dokumentation abgeschlossen hat. Wer das Projekt nachbauen möchte, braucht dafür Geduld – nicht nur wegen der Komplexität, sondern auch wegen der Kosten. Gebrauchte Game-Boy-Color-Konsolen erzielen heute Preise von über hundert Dollar, und das nötige Handwerk in Elektronik, CNC-Bearbeitung und Platinenfertigung setzt einige Erfahrung voraus.

Titelbild: LeggoMyFroggo / YouTube

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