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Luca Fontana
Meinung

Disney erfindet sein eigenes IMAX – weil es das echte nicht bekommt

Luca Fontana
23/4/2026

Zwei Blockbuster, ein Startdatum – und ein Studio, das plötzlich neue Formate erfindet, um eine Niederlage zu kaschieren. Willkommen in Hollywood, wo Panik-Marketing schneller entsteht als ein guter Film.

Am 18. Dezember 2026 erscheinen zwei der grössten Blockbuster des Jahres gleichzeitig in den Kinos: «Avengers: Doomsday» von Disney und «Dune: Part Three» von Warner Bros. Zwei Studios, ein Datum, und eine Frage, die sich die gesamte Filmbranche seit Monaten stellt:

Sind die bei Disney und Warner Bros. auf einmal verrückt geworden!?

Denn was sich da im Dezember in den Kinosälen abspielen wird, ist ein Mexican Standoff von hollywoodschem Ausmass, das in einem cineastischen Blutbad enden könnte. Beide Studios wissen nämlich, dass zwei Mega-Blockbuster am gleichen Wochenende kaum je eine Milliarde Dollar einfahren können. «Barbenheimer» war 2023 die seltene Ausnahme, die diese Regel bestätigt hat.

Wer am Ende den Kürzeren ziehen wird, dürfte das schmerzhaft spüren. Für Disney sind die Risiken ungleich grösser als für Warner Bros, wenn beide stur am Dezember-Start festhalten. Der Beweis? Disney hat vor wenigen Tagen kurzerhand ein «eigenes» IMAX-Format erfunden, nachdem ihnen Warner Bros. zuvor kam – und erntet jetzt dafür Spott und Häme.

Warum IMAX-Screens Millionen wert sind

Du musst wissen: Premium-Formate wie IMAX oder Dolby Cinema gehören mittlerweile zu den wichtigsten Umsatzhebeln für Kinostudios. So erzielte IMAX allein 2025 weltweit einen Rekordumsatz von 1,28 Milliarden Dollar. Kein Wunder: Ein IMAX-Ticket kostet im US-Schnitt rund 17,69 Dollar – deutlich mehr als die 13,29 Dollar für ein normales Ticket.

Wer die begehrten IMAX-Leinwände für seinen Film sichert, macht also nicht nur mehr Geld pro Ticket, sondern sendet auch ein Signal: «Wir sind das grössere Ereignis.» Das wiederum zieht noch mehr Zuschauende an.

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Warner Bros. hat diesen Kampf gewonnen, noch bevor er richtig begonnen hat. Denn «Dune: Part Three» hat sich zum Start direkt ein exklusives IMAX-Fenster gesichert. «Avengers: Doomsday» hingegen wird IMAX nur in wenigen, ausgewählten internationalen Märkten zeigen dürfen, nicht aber in den USA und den meisten weltweiten Territorien.

Wie wichtig dieser IMAX-Deal ist, zeigen bereits jetzt die Vorverkäufe: Tickets für IMAX-70mm-Vorstellungen für «Dune: Part Three» waren innerhalb von Stunden ausverkauft. Das ist nicht nur IMAX-Geld, das Disney nicht verdienen wird. Es ist eine Machtdemonstration, die Disney unmissverständlich zeigt, dass Warner kein bisschen vorhat, irgendwas an seinem Dezember-Start zu ändern.

Wie gesagt: ein Mexican Standoff. Und wer zuerst zögert, verliert.

Ein Hail Mary namens «Doomsday»

Einen härteren Tiefschlag hätte es für Disney kaum geben können. Dabei bräuchte Disney nach den finanziell eher enttäuschenden Starts von «Thunderbolts*» und «Fantastic Four» dringenst eine Erfolgsmeldung – die grossen Marvel-Hits sind inzwischen zur Ausnahme geworden.

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Das kommt nicht von ungefähr. Nach dem triumphalen Abschluss der Infinity-Saga mit «Avengers: Endgame» im Jahr 2019 versuchte Marvel, eine neue Ära einzuläuten – und scheiterte brachial. Neue Charaktere wie Moon Knight, She-Hulk oder Ms. Marvel fanden kein breites Publikum. Selbst etablierte Namen wie Benedict Cumberbatch als Doctor Strange oder Pedro Pascal als Mister Fantastic vermochten die Kinosäle nicht mehr zu füllen.

Hinzu kam das Jonathan-Majors-Fiasko: Der Mann, der als Kang the Conqueror Marvels nächsten ikonischen Superbösewicht geben und Thanos' Fussstapfen füllen sollte, musste nach zivilrechtlichen Klagen wegen häuslicher Gewalt kurzfristig aus sämtlichen Planungen gestrichen werden.

Steht wegen zivilrechtlicher Probleme nicht mehr zur Verfügung: Jonathan Majors als Oberbösewicht Kang the Conqueror.
Steht wegen zivilrechtlicher Probleme nicht mehr zur Verfügung: Jonathan Majors als Oberbösewicht Kang the Conqueror.
Quelle: Marvel Studios / Disney

Marvel hat daraufhin die Notbremse gezogen und dabei nicht gerade geglänzt. «Avengers: Doomsday» dürfte – gelinde gesagt – ein billiger Nostalgia-Bait in Reinstform werden: Robert Downey Jr. kehrt zurück, aber nicht als Iron Man, sondern als ikonischer Bösewicht Doctor Doom. Chris Evans ist auch wieder dabei. Sogar Ikonen der frühen 2000er-Jahre wie Patrick Stewart, Ian McKellen und James Marsden kehren zurück, um ihre Rollen aus den uralten «X-Men»-Filmen wieder aufzunehmen.

Die Botschaft dahinter ist so unmissverständlich wie unrühmlich: «Wir haben es verbockt. Bitte vergesst die letzten paar Jahre. Hier sind eure alten Lieblinge.»

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Ob das Publikum das honorieren wird, ist die entscheidende Frage. Und genau deshalb ist der verlorene IMAX-Kampf gegen Warners «Dune: Part Three» mehr als eine logistische Niederlage. Es ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um beim wichtigsten Umsatzhebel des modernen Kinos das Nachsehen zu haben.

«Infinity Vision»: Mutig oder verzweifelt?

Aber Disney steckt nicht ein und hat vor wenigen Tagen seine Antwort auf den verpatzten IMAX-Start präsentiert: «Infinity Vision». Ein neues Zertifizierungsprogramm für Premium-Kinosäle mit grossen Leinwänden, Laserprojektion und Raumklang. Klingt nach einem echten Kinoformat. Ist es aber nicht.

Disney zertifiziert stattdessen bereits bestehende Kinosäle und vermarktet sie, als würde damit etwas grundlegend Neues entstehen. Was schlichtweg Unfug ist. Es entstehen keine neuen Säle, keine neuen Technologien und auch keine neuen Aufnahmetechniken. Das einzige, was «Infinity Vision» von Etikettenschwindel unterscheidet, sind die technischen Anforderungen, die tatsächlich ordentlich sind, wenn auch keineswegs revolutionär.

Manche Kommentatorinnen und Kommentatoren in Hollywood haben es noch deutlicher ausgedrückt. «Infinity Vision könnte genauso gut heissen: ‹Wir haben kein IMAX, bitte kauf trotzdem das teurere Ticket›», fasste etwa der renommierte Hollywood Reporter zusammen. Andere schrieben: «Infintiy Vision ist eine Beleidigung an IMAX und Kinobetreibende!»

Und von X bis zu Branchenblogs lautet die dominierende Reaktion der Kinoliebhabenden sinngemäss: «Bewundernswerter Effort, Disney, aber bitte, verkauft uns nicht für dumm.»

Autsch.

Ein Label als Antwort auf eine Niederlage

Dabei ist die Idee hinter «Infinity Vision» gar nicht mal so dumm. Dass es neben IMAX und Dolby Cinema weitere erstklassige Premiumsäle gibt, für die bisher schlicht ein einheitliches Label fehlt und die vom Kinopublikum deswegen als solche gar nicht wahrgenommen werden, stimmt. Und die Testphase mit dem September-Re-Release von «Avengers: Endgame» gibt Disney drei Monate Zeit, das Konzept zu etablieren. Das ist kein schlechtes Kalkül.

Aber Timing ist alles. Und wenn ein Studio ein neues Premium-Label erfindet, kurz nachdem es im IMAX-Kampf den Kürzeren gezogen hat, dann nennt man das nicht Strategie. Man nennt es Schadensbegrenzung. Ob Infinity Vision die fehlenden IMAX-Millionen wettmacht, darf bezweifelt werden. Dass Disney es trotzdem versucht, sagt alles.

Titelbild: Luca Fontana

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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