
Ein Stück Neunzigerjahre im Wohnzimmer: Die M64 reaktiviert deine N64-Module
Das Startup Modretro bringt mit der M64 eine moderne N64-Konsole auf FPGA-Basis heraus. Sie unterstützt deine alten Original-Module, bietet HDMI-Ausgabe bis 4K und will sogar neue Spiele ins Ökosystem holen.
Wischst du – wie ich – manchmal nostalgisch den Staub von deinen Original-N64-Modulen, die du seit 30 Jahren besitzt? Mit Erinnerungen an gute Zeiten und ein bisschen Melancholie, weil du deine völlig veraltete N64 nicht an deinen Smart TV anschließen kannst? Eigentlich sind Emulatoren die bequemste Methode, alte Games auf moderner Hardware zu spielen, aber das ist nicht dasselbe.
Das Startup Modretro von Palmer Luckey, dem Gründer von Oculus (das mittlerweile zum Meta-Konzern gehört), bietet jetzt eine moderne N64-Plattform, die Original-Module und -Controller unterstützt. Sie heißt M64.
Das Design der Konsole ist an die Form der N64 angelehnt. Für noch mehr Retro-Feeling gibt es sie in auffällig bunten, halbtransparenten Farben. Unter der Plastikhaube steckt aber moderne Technik: Die wichtigsten Unterschiede zum Original sind neben zeitgemäßen Anschlüssen die deutlich bessere Bildausgabe und Unterstützung für PAL- und NTSC-Spielmodule – das heißt, sie unterstützt Spiele aus Europa, Nordamerika und Japan.

Quelle: Modretro
Modretro betont, dass die Firmware und der Chip Open Source sind und damit Modifikationen nichts im Weg steht. Darüber hinaus plant Modretro die Veröffentlichung weiterer Spiele. Dabei soll es sich sowohl um Neuauflagen älterer Titel als auch um komplett neue Entwicklungen handeln. Damit versteht sich die Konsole nicht ausschließlich als Retro-Hardware, sondern als Basis für zukünftige Entwicklungen innerhalb des N64-Ökosystems. Dass es bei einem rund 30 Jahre alten System überhaupt noch Entwicklungen gibt, ist für sich schon überraschend.
Geadelt wird die M64 übrigens durch Reggie Fils-Aimé, der sie in einem Post auf X als «fantastisch» bezeichnet. Fils-Aimé war von 2006 bis 2019 Geschäftsführer von Nintendo of Amerika.
Das Gerät gibt es im Shot des Herstellers. Es kostet rund 250 Euro oder 232 Franken.
Möglichst getreues Spielgefühl mit alten Modulen
An der Vorderseite befinden sich vier Anschlüsse für N64-Controller. Falls du noch Originale hast, kannst du sie an der M64 nutzen. Das war es aber auch mit alten Anschlüssen: Die Videoübertragung zum Fernseher erfolgt via HDMI. Möglich sind Auflösungen zwischen hochskaliertem 720p und 4K. Die PAL-Version der N64 konnte maximal 768 × 576 Pixel ausgeben.
Falls du das Röhren-TV-Feeling vermisst, lassen sich optional leichte Verzerrungen oder Scanlines als Filter über das Bild legen. Strom bekommt das Gerät über USB-C. Aktive Lüfter benötigt er nicht.
Ein FPGA-Chip, der AMD Xilinx Artix UltraScale+, bildet die Funktionen des klassischen N64 auf Schaltungsebene nach. Das bedeutet, dass die Spiele nicht softwareseitig emuliert werden, der M64 funktioniert wie Original-Hardware. Damit sollen Spielablauf, Timing und Audio möglichst originalgetreu wiedergegeben werden. Firmware-Updates können über WLAN eingespielt werden. Sie sollen unter anderem die Kompatibilität mit Spielen verbessern und neue Funktionen nachreichen.
Zur Ausstattung gehören außerdem ein MicroSD-Kartenslot sowie verschiedene Anpassungsoptionen wie Overclocking-Modi. Das ursprünglich separat erhältliche Expansion Pak ist bereits integriert, sodass kompatible Spiele ohne zusätzliche Hardware funktionieren.
Vergleich zu anderen N64-Plattformen
Falls du denkst, das alles sei ein alter Hut, es gebe ja bereits andere N64-Klone, dann hast du Recht. Die meisten basieren allerdings auf klassischer Software-Emulation. Anders die Analogue 3D, die ebenfalls auf FPGA-Technologie setzt. Mein Kollege Phil hat das Gerät getestet.
Der Unterschied zwischen M64 und Analogue 3D liegt in den Details. Beide Systeme setzen auf FPGA-Technologie, unterstützen originale PAL- und NTSC-Module und bieten HDMI-Ausgabe bis 4K. Während Analogue den Schwerpunkt vor allem auf eine möglichst präzise Nachbildung der ursprünglichen Nintendo-64-Hardware legt, positioniert Modretro die M64 stärker als offene und langfristig erweiterbare Plattform. Hinzu kommen die angekündigten Open-Source-Komponenten sowie die Unterstützung neuer Cartridge-Veröffentlichungen.
Eine weitere beliebte Plattform für N64-Spiele ist Mister FPGA. Auch sie setzt, wie der Name zeigt, auf FPGA. Allerdings ist die Konsole ohne Erweiterungen nicht mit den Original-Spielmodulen kompatibel.
Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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