Deine Daten. Deine Wahl.

Wenn du nur das Nötigste wählst, erfassen wir mit Cookies und ähnlichen Technologien Informationen zu deinem Gerät und deinem Nutzungsverhalten auf unserer Website. Diese brauchen wir, um dir bspw. ein sicheres Login und Basisfunktionen wie den Warenkorb zu ermöglichen.

Wenn du allem zustimmst, können wir diese Daten darüber hinaus nutzen, um dir personalisierte Angebote zu zeigen, unsere Webseite zu verbessern und gezielte Werbung auf unseren und anderen Webseiten oder Apps anzuzeigen. Dazu können bestimmte Daten auch an Dritte und Werbepartner weitergegeben werden.

Carmen Baumann
Meinung

Ich habe keinen E‑Reader. Und will auch keinen.

Ich habe noch nie einen E-Reader in der Hand gehalten – und will das auch nicht ändern. Mein Alltag besteht ohnehin schon aus Geräten, die geladen, aktualisiert und weggelegt werden wollen. Beim Buch: Cover, Papier, Duft. Nichts davon lässt sich herunterladen. Deshalb bleibt Lesen bei mir analog.

Totgesagte leben ja bekanntlich länger. Als der Kindle oder der Tolino herauskam, hiess es schnell, das würde eine grosse Konkurrenz für herkömmliche Bücher sein. Heutzutage scheint mir der E-Reader relativ rare Ware zu sein.

Es gibt für mich wenig Schöneres, als ein Buch in der Hand zu halten. Die Haptik, die Grafik des Covers, das Format – all das trägt meiner Meinung nach einen grossen Teil zum Zauber des Lesens bei. Gerade letztens hat ein neues Buch aus einer altehrwürdigen Buchhandlung in Paris einen starken, fast schon ein wenig verstaubten Duft versprüht, der mich sofort wieder in die Buchhandlung teleportiert hat. Würdest du mir einen E-Reader in die Hand drücken, dann wäre das, als würdest du mir das Grün der Bäume, das Blau des Himmels oder das Rot des Sonnenuntergangs wegnehmen und es mit einem Schwarzweissbild ersetzen – farblos, trist und blass. Nein, danke.

Die Lesereise beginnt für mich schon auf dem Cover

Ein Cover hat einen Sog auf mich, das ist unbestreitbar. Es gibt Bücher in allen Formen, Varianten und Grössen – es lebe die Vielfalt. Ich muss aber gestehen, ich habe einen Favoriten, was das Format angeht. Da blüht mein Herz so richtig auf. E-Book-Lesende würde dies wahrscheinlich an den Rand der Verzweiflung bringen. Mit 23 Zentimetern Höhe und 15 Zentimetern Breite ist es ein grosses, manche würden sagen, ein gar unhandliches Buch. Und natürlich gibt es auch das Gegenteil: Formate, die mich den Kopf schütteln lassen. Und ausgerechnet betrifft dies eines meiner Lieblingsbücher: die englische Ausgabe von «Die Nachtigall». Sie ist etwa 17 Zentimeter hoch und 11 Zentimeter breit. Und ja, das ist in etwa die Grösse eines E-Readers. Und ja, das ist paradox: Ausgerechnet im Format, das ich am meisten hasse, habe ich eines meiner Lieblingsbücher gelesen. Beweis dafür, dass am Ende doch die Geschichte gewinnt – Format hin oder her.

Das «Minibuch» von Khaled Hosseini steht stellvertretend für »Die Nachtigall». Das Buch ist unauffindbar.
Das «Minibuch» von Khaled Hosseini steht stellvertretend für »Die Nachtigall». Das Buch ist unauffindbar.
Wenig Rand, wenig Zeilenabstand, kleine Schrift – nichts für mich.
Wenig Rand, wenig Zeilenabstand, kleine Schrift – nichts für mich.

Taschenbücher sind bei mir Trumpf. Die Bücher mit festem Einband sind in der Unterzahl. Ich habe zu Hause nachgezählt: Rund 120 (!) Taschenbücher stehen bei mir im Regal, gegenüber lediglich zehn Büchern mit festem Einband. Und die zehn gebundenen Bücher werden genauso geliebt wie ihre Taschenbuch-Geschwister. Es gibt aber zwei Ausnahmen, bei denen ich prinzipiell gerne zu Hardbacks greife: Wenn ich das Buch unbedingt und schnell lesen will, dann wird's die gebundene Ausgabe. Ich warte doch nicht ein Jahr, bis das Taschenbuch publiziert wird! Die zweite Ausnahme: Wenn es einen Farbschnitt hat, sage ich auch nicht nein. Jüngst habe ich in Paris das neue Buch «Taipei Story» von Rebecca F. Kuang ergattert – mit einem wunderschönen Farbschnitt.

Zehn von insgesamt 130 Büchern. Ob ich echt ein kleines, grosses Bücherproblem habe?
Zehn von insgesamt 130 Büchern. Ob ich echt ein kleines, grosses Bücherproblem habe?
Taschenbuch und Farbschnitt: Die Sonderedition von Harry Potter kombiniert beides perfekt.
Taschenbuch und Farbschnitt: Die Sonderedition von Harry Potter kombiniert beides perfekt.

So viel zum einzelnen Buch. Aber ich finde ja, in der Menge liegt die Kraft. Deshalb liebe ich mein Bücherregal. Derzeit ist es ein schwarzes im Industrial-Style mit Drehmechanismus. Es passt gut in die Ecke in meinem Schlafzimmer, wo ich auch immer mal wieder stöbern und mich für meine Artikel inspirieren lassen kann. Und das Beste: Es haben erstaunlich viele Bücher Platz. In meiner letzten Wohnung hatte ich schwebende Bücherregale, die waren auch toll – nur sind die Bücher ab einer Anzahl von rund 30 manchmal umgefallen wie Kapla-Plättchen. Mitten in der Nacht war das, gelinde gesagt, unangenehm. Aber ich schweife ab, zurück zu den physischen Büchern.

Mein absoluter Traum ist eine ganze Bücherwand, am liebsten in Dunkelgrün oder Dunkelblau. Über Leiter oder Lichter können wir noch reden, da bin ich noch unschlüssig. Kannst du mit einem E-Reader so etwas wie eine Bücherwand haben? Nein, kannst du nicht.

Siehst du meine Vision?
Siehst du meine Vision?
Quelle: Pinterest/Modern Home Decor Ideas

Es muss doch nicht immer bequem sein!

Ich bin nicht prinzipiell gegen Technologie. Und nein, ich weiss: E-Ink flimmert nicht wie mein Arbeitsbildschirm. Es ist trotzdem ein Gerät, das geladen werden will. Den anderen Argumenten kann ich was abgewinnen: grössere Schrift, wenn die Augen nicht mehr mitmachen. Weniger Platzbedarf, wenn die Wohnung klein ist. Tiefere Preise, wenn das Budget knapp ist. Es sind lauter praktische Gründe. Aber Lesen ist für mich nun mal nichts Praktisches.

Immer wieder höre ich Argumente bezüglich der Bequemlichkeit und des Gewichts, wenn's um E-Reader geht. Auf diesen Aspekt lege ich keinen Wert. Wenn ich in die Ferien fliege, nehme ich ohnehin nicht nur Handgepäck, sondern auch Aufgabegepäck mit. Dann haben auch meine sieben bis zehn Bücher für die Strandferien Platz. Und ja, da kann es gut sein, dass ich auf ein paar Kleidungsstücke verzichten muss. Den Büchern zuliebe mache ich das aber gerne. Auch wenn ich im Tram, im Zug oder im Bus sitze: Ein physisches Buch hat immer Platz. Bequemlichkeit ist auch hier für mich kein Kriterium.

Der einzige Moment, in dem ich kurz mit einem E-Reader geliebäugelt habe? Beim Umziehen. Vier Stockwerke, fünf Ikea-Säcke voll Bücher – da hätte ich glatt einen E-Reader geliebt. Aber nur ganz kurz. Jetzt stehen sie im Regal, und es geht ihnen gut.

Mir tun die Arme schon nur beim Anschauen wieder weh.
Mir tun die Arme schon nur beim Anschauen wieder weh.

Sharing is caring

Zugegeben, ich lese selten Bücher mehrmals. Und doch haben sie ein langes Leben, denn ich leihe sie gerne und regelmässig aus. Manchmal finden sie den Weg nicht mehr – oder nicht mehr so schnell – zurück. Aber das nehme ich in Kauf, denn ein Buch, das unterwegs ist, tut genau das, wofür es gemacht ist: gelesen werden. Manchmal kommen sie zerzaust, zerfleddert oder zerlesen zurück. Und das ist in Ordnung! Wenn ich sehe, dass ein Buch eine Reise hinter sich hat, dann weiss ich: Es wurde gelesen – und, wenn ich alles richtig gemacht habe, geliebt. So hat ein Buch nicht nur für mich den Zauber, sondern auch für meine Liebsten. Und darin liegt ja das Schöne: Lesen verbindet. Ob hier im Internet, im Buchklub oder im Freundeskreis – geteilt macht alles doppelt so viel Freude.

Geräte habe ich genug. Eines mehr brauche ich nicht. Das E in E-Reader steht für mich für: «Es kommt nicht infrage.»

Titelbild: Carmen Baumann

3 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Leidenschaftliche Leserin und laute Lacherin. Ein Buch darf in meiner Tasche nie fehlen, und ja, immer ein physisches. Von Taylor Jenkins Reid über Kristin Hannah, von Biografien bis hin zu Sci-Fi und Fantasy: Wenn dich die Welt der Bücher interessiert, dann bist du hier richtig. 


Meinung

Hier liest du eine subjektive Meinung der Redaktion. Sie entspricht nicht zwingend der Haltung des Unternehmens.

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

1 Kommentar

Avatar
later