Deine Daten. Deine Wahl.

Wenn du nur das Nötigste wählst, erfassen wir mit Cookies und ähnlichen Technologien Informationen zu deinem Gerät und deinem Nutzungsverhalten auf unserer Website. Diese brauchen wir, um dir bspw. ein sicheres Login und Basisfunktionen wie den Warenkorb zu ermöglichen.

Wenn du allem zustimmst, können wir diese Daten darüber hinaus nutzen, um dir personalisierte Angebote zu zeigen, unsere Webseite zu verbessern und gezielte Werbung auf unseren und anderen Webseiten oder Apps anzuzeigen. Dazu können bestimmte Daten auch an Dritte und Werbepartner weitergegeben werden.

Tin Can
News & Trends

In den USA geht ein Retro-Telefon für Kinder viral

Debora Pape
29/4/2026

Während Smartphones bei Eltern und Schulen zunehmend in der Kritik stehen, feiert ein totgeglaubtes Relikt als modernes Gadget sein Comeback. Das Tin Can Phone schafft eine bildschirmfreie Brücke für die soziale Vernetzung von Kindern.

Die meisten Menschen unter 30 kennen sie nur noch aus Filmen: kabelgebundene Telefone. Doch im vergangenen Jahr hat in den USA ein Trend Fahrt aufgenommen, der Telefonhörer und ihre typisch geringelten Kabel zurück in die Haushalte bringt. Genauer: in die Kinderzimmer. Das sogenannte «Tin Can Phone» ist ein Gadget, das genau das bietet, was jahrzehntelang der einzige Zweck von Festnetztelefonen war: miteinander sprechen.

Das US-amerikanische Startup Tin Can bewirbt das Produkt als «neues Schul-Festnetz für Freunde» und richtet sich damit direkt an Kinder, die noch kein Smartphone haben. Über das physische Tastenfeld tippen sie die ID des Gesprächspartners ein und können dann mit ihm oder ihr sprechen. Für den Betrieb benötigt das Gerät lediglich Strom und eine Internetverbindung sowie die einmalige Registrierung. Es gibt kein Display und bis auf einen Anrufbeantworter keine zusätzlichen Funktionen. Anrufe sind nur zwischen registrierten Geräten sowie zur nationalen Notrufnummer möglich.

Kommt den Älteren unter uns bekannt vor: Das Tin Can Phone sieht wie ein klassisches Kabeltelefon aus.
Kommt den Älteren unter uns bekannt vor: Das Tin Can Phone sieht wie ein klassisches Kabeltelefon aus.
Quelle: Tin Can

Eltern können festlegen, mit welchen IDs ihr Kind Kontakt haben darf. Werbe-Anrufe oder Anrufe von Fremden sind dadurch nicht möglich. Durch ein monatliches Abo für zehn US-Dollar lässt das Tin Can Phone auch Anrufe im regulären Telefonnetz zu. Aktuell ist das Tin Can Phone nur in den USA und Kanada erhältlich.

Bei Smartphone-freien Kindern scheint das Gerät trotz seiner radikal reduzierten Funktionen gut anzukommen.

Ein Retro-Trend, der von Schulen ausgeht

So berichtet unter anderem Bloomberg, dass sich das 100-Dollar-Gerät seit dem Marktstart im April 2025 «hunderttausendfach» verkauft hat. Eltern geben an, dass ihre Kinder das Telefon sogar Konsolen oder dem Fernseher vorziehen. Der Grund: Damit lässt sich ganz einfach und selbstbestimmt mit Freunden sprechen, ohne die Eltern nach dem Smartphone zu fragen.

Dass Smartphones sich für Kinder erst ab einem gewissen Alter eignen, ist den meisten Eltern bekannt. Nur dem eigenen Kind die Smartphone-Nutzung zu verbieten, kann aber zu Neid und einem Gefühl des Ausgeschlossenseins im sozialen Umkreis des Kindes führen.

Genau deshalb fungieren Schulen als wichtiger Motor der Verbreitung. Nach Bloomberg tätigen sie auf Elterninitiativen hin Sammelkäufe und geben die Geräte an ganze Jahrgänge aus. Ziel ist es, Kinder von allgegenwärtigen Bildschirmen fernzuhalten und ihnen dennoch soziale Kontakte zu ermöglichen.

Die virale Verbreitung des Geräts basiert auf dem klassischen Netzwerkeffekt: Je breiter die Nutzerbasis, desto größer ist der Wunsch, selbst teilzunehmen und andere ebenfalls davon zu überzeugen.

Stationäre Festnetzanschlüsse sind eine aussterbende Spezies

Warum nutzen Smartphone-freie Kinder dann nicht einfach ein normales Festnetztelefon, fragst du? Die Antwort ist simpel.

Erhebungen zeigen, dass drei Viertel der Haushalte auf der anderen Seite des großen Teichs gar keinen stationären Hausanschluss mehr haben. Die Menschen setzen voll auf ihre persönlichen Mobiltelefone. Hierzulande gibt es diesen Trend übrigens auch, wenn auch bei weitem nicht so deutlich. In Deutschland verfügen 2023 noch 72 Prozent der Haushalte über ein stationäres Telefon.

Das Wort Tin Can Phone bedeutet auf Deutsch übrigens Blechdosentelefon, ein altes beliebtes Spielzeug zum Selberbauen: Zwei Dosen und eine gespannte Schnur dazwischen ergeben eine primitive Sprechverbindung. Das Kabel des Tin Can Phone ist keine technische Notwendigkeit, sondern eine bewusste Designentscheidung, die zusammen mit dem klassischen Hörer auch Nostalgie bei den Eltern hervorrufen soll. Gleichzeitig unterstreicht der Name den Spielzeug- und Retro-Charakter des Geräts.

Viele Menschen wünschen sich weniger Displayzeit

In einer Zeit, in der viele Menschen Smartphone-Müdigkeit durch ständige Ablenkungen und Erreichbarkeit spüren, erlebt das Prinzip des «low tech living» ein Comeback. Dazu gehören Dumbphones wie das Light Phone oder bewusstes «Smartphone-Fasten». Menschen distanzieren sich dann dauerhaft oder zeitweise von bestimmten Apps oder dem mobilen Internet allgemein. Das Tin Can Phone lässt sich als kindgerechte Ausprägung dieses Trends verstehen.

Titelbild: Tin Can

10 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


News & Trends

Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.

Alle anzeigen

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

  • News & Trends

    Zurück in die Zukunft: Diese Smartphones sind wild

    von Michelle Brändle

  • News & Trends

    Das Smartphone wird (leider) zum Beautycase – und Hailey Bieber hat’s verbrochen

    von Natalie Hemengül

  • News & Trends

    Blindenhund 2.0: Dieser Roboter spricht und führt dich ans Ziel

    von Kim Muntinga

1 Kommentar

Avatar
later