
Hintergrund
Starker Po, starker Rücken – Warum deine Gesäßmuskeln wichtiger sind, als du denkst
von Anna Sandner

Es klingt paradox: Hochintensives Training wie kurze, heftige Sprints sollen die Häufigkeit von Panikattacken reduzieren. Das haben Forschende in Brasilien jetzt in einer Studie gezeigt.
Herzrasen, Atemnot, Schweissausbruch: Das sind die klassischen, körperlichen Symptome einer Panikattacke. Oder Reaktionen auf einen kurzen, knackigen Sprint.
Auf den ersten Blick scheint es deshalb absurd, ausgerechnet Menschen mit einer diagnostizierten Panikstörung ein hochintensives Workout als therapeutische Massnahme zu empfehlen. Und sie dadurch bewusst in den körperlichen Zustand zu versetzen, der die Angstattacken begleitet – oder sogar noch verstärkt.
Doch genau das haben Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität São Paulo in Brasilien getan. Mit erstaunlichem Ergebnis: Ein regelmässiges Training mit 30-sekündigen Sprints verminderte die Zahl der Panikattacken stärker als progressive Muskelentspannung, die von der Kontrollgruppe praktiziert wurde.
Für die Untersuchung rekrutierten die Forschenden 72 Frauen und Männer zwischen 21 und 51 Jahren, bei denen eine Panikstörung diagnostiziert worden war. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. 37 Teilnehmende folgten zwölf Wochen lang einem Sportprotokoll, bei dem sich Gehen und 30-sekündige Sprints abwechseln. Die andere Gruppe absolvierte ein standardisiertes Programm zur progressiven Muskelentspannung, einer Technik, die sich bei Angststörungen als wirksam erwiesen hat.
Die Idee hinter den atemberaubenden, intensiven Workouts gegen Panikattacken beruht auf der interozeptiven Expositionstherapie, bei der betroffene Personen mit angstauslösenden Empfindungen wie Atemnot konfrontiert werden. Dadurch sollen sie sich an die Trigger gewöhnen und diese als weniger bedrohlich wahrnehmen.
In der aktuellen Studie zeigten sich nach zwölf Wochen und beim Nachtest nach 24 Wochen in beiden Gruppen Verbesserungen. Bei der Sprint-Gruppe sank die Häufigkeit und Heftigkeit der Angstgefühle und Panikattacken jedoch deutlich stärker als bei der Muskelentspannungs-Gruppe. Zudem verbesserte sich die Stimmung der Teilnehmenden in dieser Gruppe stärker als die der Kontrollgruppe. Die Sprints machten ihnen nach eigenem Bekunden Spass, was die Chancen erhöht, dass sie diese auch nach Ende der Studie fortsetzen.
Die Sprints müssen nicht in einer klinischen Umgebung stattfinden, sondern könnten in den Alltag eingebaut werden, kommentiert Ricardo William Muotri, leitender Forscher der Studie, in einer Mitteilung. Positiver Nebeneffekt: Durch diese Art von Training verbessert sich auch die Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Forschungstaucherin, Outdoor-Guide und SUP-Instruktorin – Seen, Flüsse und Meere sind meine Spielplätze. Gern wechsel ich auch mal die Perspektive und schaue mir beim Trailrunning und Drohnenfliegen die Welt von oben an.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
Alle anzeigen