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Meinung

Ja zum Familienhund: eine Liebeserklärung

Früher oder später kommt die Hundefrage bei fast allen Familien auf. Ich habe einen Familienhund und beschreibe dir, was mich fast zur Verzweiflung treibt – und warum ich trotzdem immer wieder Ja sagen würde.

«Und, würdest du’s empfehlen, einen Familienhund zu haben?», fragt mich kürzlich eine Freundin beim Mittagessen, weil sie sich selbst gerade überlegt, einen Hund anzuschaffen. Da mir diese Frage immer mal wieder begegnet, gebe ich hier einen Einblick in mein Familienleben mit Hund. Vielleicht denkst du auch über einen Hund nach, hast selbst einen oder willst einfach verstehen, warum Menschen auf die Idee kommen, sich einen Vierbeiner anzuschaffen?

Fangen wir mit den Kehrseiten der Hundehaltung an. Ja, die gibt es natürlich. Zum Beispiel, wenn du an einem eng getakteten Morgen von Erbrochenem auf dem beigefarbenen Teppich begrüsst wirst. Oder wenn die Kinder ausnahmsweise ausser Haus betreut sind und du einfach mal ausschlafen könntest – aber der Hund halt früh wie immer raus will. Er kann ja nicht aufs WC.

Hunde sollten länger leben

Und dann gibt’s diese Momente, in denen Flecken und Ausschlafen nun wirklich die kleinsten Probleme sind, weil ich von der Tierklinik heimfahre – ohne den Hund, der am Tropf dort bleiben muss, weil er nichts mehr fressen will, nicht mal ein Leckerli. Dann fallen mir all die Momente ein, die mir schon beim Gedanken, sie bald vielleicht nicht mehr zu haben, so sehr fehlen.

Beim Tierarzt wird’s kritisch: Wenn’s um Leben, Leid und Tod geht, wird einem bewusst, dass das Hundeleben viel zu kurz ist. So nah einem der Hund ist, so weh tut diese Erkenntnis.
Beim Tierarzt wird’s kritisch: Wenn’s um Leben, Leid und Tod geht, wird einem bewusst, dass das Hundeleben viel zu kurz ist. So nah einem der Hund ist, so weh tut diese Erkenntnis.

Es fängt ja schon damit an, dass der Hund jeden Tag so gut gelaunt aufsteht, ganz anders als ich. Und sich jedes Mal freut, wenn jemand heimkommt. Ganz zu schweigen davon, wie warm sein Kopf auf unseren Füssen liegt. Wie er eingerollt auf meinem Schoss einschläft, auch dann noch, als er längst kein Welpe mehr ist. Wie er jedes Rollenspiel der Kinder mitmacht, als Polizeihund oder Tiger. Wie er sich winselnd neben mich setzt, wenn ich gestresst bin. Er spürt uns. Auch wenn ein Familienmitglied traurig ist, legt er sich schweigend dazu und ist einfach da.

Der Hund hat seine Decke geschnappt und sich neben dem lesenden Kind eingerollt – einfach goldig.
Der Hund hat seine Decke geschnappt und sich neben dem lesenden Kind eingerollt – einfach goldig.

«Wir haben den allerbesten Hund der Welt!», sagen die Kinder immer mal wieder. Wenn sie aufzählen, wen sie alles lieben, ist der Hund ganz vorne mit dabei. Die Freude an ihm verbindet uns – und die Sorge, wenn es ihm nicht gut geht, auch. Dass unser Hund zu unserer Familie gehört, weiss jeder, der uns kennt. Schon allein deshalb, weil der Hundename auf allen Karten aufgeführt ist, die wir verschicken.

Gute Lebensschule: die Achtung vor Tieren

Die Kinder mussten von klein auf lernen, dass der Hund zwar gutmütig ist, man ihm aber trotzdem keine kleinen Finger in die Augen stecken und ihn nicht am Schwanz ziehen darf. Dass der Hund seine Ruhe braucht, wenn er sich in seinem Bettli einrollt. Und dass er auch bei Sturm und Schneeregen raus muss.

Die Kinder lieben den Hund und sie lieben es, ihm beim Fressen zuzuschauen. Täglich beobachten sie, als wäre es das erste Mal, wie er in Sekundenschnelle sein gedünstetes Gemüse-Fleisch-Gericht hinunterschlingt. Denn ja, wir kochen für den Hund, für den Hund gibt es nur das Beste. Die Kinder bringen ihm immer mal wieder all seine Spielzeuge – und manchmal spielt er sogar motiviert mit wie ein junger Hund, der er mittlerweile gar nicht mehr ist.

Unser Hund gehört zur Familie und ist natürlich auch auf den Zeichnungen der Kinder ein beliebtes Sujet.
Unser Hund gehört zur Familie und ist natürlich auch auf den Zeichnungen der Kinder ein beliebtes Sujet.

Wenn irgendwo die Sonne durchs Fenster scheint, dann legt sich unser Hund in diesen Fleck Licht. Draussen im Gras streckt er sich genüsslich zwischen den Blümchen aus und strahlt ein bisschen Dolce Vita aus. Dann ist es sogar noch schöner, mit ihm einen Garten zu haben. Denn dann frisst er nicht die noch unreifen, für ihn giftigen Tomaten aus dem Beet – und entdeckt auch nicht die einzige Lücke im Zaun, durch die er klammheimlich entschwindet.

Im Bett bleiben ist schwierig

Klar, mein Familienleben wäre einfacher zu organisieren ohne Hund. Erwähnt seien an dieser Stelle die nur eingeschränkt möglichen Ferien. Die Verpflichtung, dass der Hund an jedem Familienmorgen rauskommt. Egal wie eng getaktet er ist oder ob alle mit Fieber im Bett liegen. Mein Leben wäre aber auch so viel weniger lebendig. Schon lange bevor mein erstes «richtiges» Baby auf die Welt kam, schlug ich mir mit ihm die Nächte unter dem Sternenhimmel um die Ohren, bis er stubenrein war. Ich hatte mit dem Hund schon zahlreiche Spaziergänge durch die schönsten Landschaften. Wenn wir in der Natur unterwegs ohne Worte kommunizieren, zwischen uns ein unsichtbares Band der Verbindung, gibt mir das ein Gefühl von Energie und Wärme.

Manchmal ignoriert er mich aber auch gekonnt. Insbesondere dann, wenn ich gerade zu wenig Aufmerksamkeit für ihn habe und ja, das ist ein Punkt: Mit der wachsenden Anzahl Kinder und Tiere, für die man verantwortlich ist, bleibt das ein oder andere Bedürfnis manchmal auf der Strecke.

Mit Hund gibt es keinen inneren Schweinehund

Einen Hund halten ist aufwändig. Aber genauso darf gesagt sein, dass auch ein paar harte Fakten für die Hundehaltung sprechen. Es tut erwiesenermassen gut, sich täglich zu bewegen, körperlich und mental. Wenn’s drinnen langsam eng wird mit den Stimmungen aller Anwesenden, reicht ein «Ich gehe mit dem Hund raus». Der Boden unter den Füssen, die frische Luft in den Lungen, der immer motivierte Hund voran: Dieses tägliche Kopfdurchlüften tut mir wahnsinnig gut. Mit ihm hinterfrage ich nicht, ob die Runde ums Feld im Familienalltag Platz hat. Der Hund muss dreimal täglich raus, Punkt.

Kurz durchatmen hilft immer: Eine Runde ums Feld und die Welt ist wieder in Ordnung.
Kurz durchatmen hilft immer: Eine Runde ums Feld und die Welt ist wieder in Ordnung.

Ich habe auch schon nette Kontakte auf Hundespaziergängen geknüpft. Die meisten Hundehalterinnen grüssen sich freundlich mit wissendem Lächeln, sie alle sind Teil einer Gemeinschaft. Die Hundecommunity kann aber auch anspruchsvoll sein: Ich wurde schon wüst beschimpft, wenn ich bat, den doppelt so grossen Widersacher von meinem Hund wegzurufen, der sich in dessen Nacken verbissen hatte.

Der Traum vom eigenen Hund

Sie befürchte eben, dass sie irgendwann bereue, immer nur von einem Hund geträumt zu haben, sagte meine eingangs erwähnte Freundin. Gleichzeitig habe sie Respekt vor der wahnsinnig grossen Verantwortung, die ein Hund langfristig mit sich bringe. Schreibt man eine Pro- und Contra-Liste, hält sie sich vermutlich die Waage (siehe unten). Letztlich ist die Hundefrage eine sehr persönliche Angelegenheit. Ich verstehe, wenn sich Menschen dagegen entscheiden (wie Kollege Martin). Im Zweifelsfall lässt man es wohl besser bleiben, wenn man liest, wie viele Tiere in der Schweiz im Tierheim landen.

Meinen Hund schaffte ich mir an, als ich noch keine Kinder hatte. Die Hundehaltung schränkte mich in Wohnungs- und Jobwahl sowie in Reisezielen sicher ein. Aber sie eröffnete mir auch neue Welten: neue soziale Kontakte, immer wieder Durchatmen, Nähe, Freude, Beständigkeit. Ich hatte den Hund neben mir, als ich Mutter wurde, als mein Leben anders kam als gedacht, als ich umzog. Er ist mein treuer vierbeiniger Begleiter. Und er wurde zum besten Familienhund der Welt, da haben die Kinder recht. Gutmütig, nervenstark und gut gelaunt. Auch wenn mich die Hundehaltung schon an den Rand der Verzweiflung brachte, würde ich unseren Hund am liebsten für immer behalten. Viel länger als das möglich sein wird.

Mein Glück: Bis zum jüngsten Familienmitglied vereint uns die Liebe zu unserem Hund.
Mein Glück: Bis zum jüngsten Familienmitglied vereint uns die Liebe zu unserem Hund.

Ein Familienhund: Pro und Contra

Spricht dafür:

  • Frische Luft und Bewegung, mehrmals täglich.
  • Beim Spazieren entstehen soziale Kontakte, auch mit Menschen ausserhalb der eigenen Bubble. Unter Hündelern entsteht schnell ein Gefühl von Gemeinschaft.
  • Mit Hund ist man weniger allein. Hunde sind treue Begleiter und haben fast immer gute Laune.
  • Hunde wollen auch geistig gefordert werden und Kinder sind oft motiviert, mit dem Hund zum Beispiel Such- und Apportierspiele zu machen. Ältere Kinder können auch mit dem Hund die Hundeschule besuchen.
  • Wer eine Leidenschaft dafür hat, sich mit Hunden auseinanderzusetzen, bereit ist, ihre Kommunikation zu lernen und sich auf ihre Art einzulassen, kann sehr viel lernen und eine Verbindung aufbauen, die Kraft für die herausfordernden Momente des Elternseins gibt.
  • Einen Hund zu streicheln und um sich zu haben, hat etwas sehr Beruhigendes, Tröstendes und Meditatives.
  • Kinder lernen den empathischen Umgang mit Tieren und bekommen ein Verantwortungsbewusstsein für schutzbedürftige Lebewesen.
  • Viel Leben in der Bude und goldige Momente, wenn Hund und Kinder gemeinsam spielen oder kuscheln.
  • Man kommt mit Krankheit und Tod in Kontakt und lernt notgedrungen den Umgang damit.
  • Ist der Hund mal stubenrein, sozialisiert, erzogen und nicht gerade krank, läuft er vielfach einfach als treuer, unkomplizierter Begleiter mit. Der Weg dahin braucht aber Zeit und Geduld.
  • Urlaub mit Hund ist auch eine Bereicherung, zum Beispiel in den Bergen oder auf einem hundefreundlichen Campingplatz.
  • Bringt Struktur und Rhythmus in den Tag: Der Hund muss möglichst immer zu gleichen Zeiten gefüttert werden und spazieren gehen.

Spricht dagegen:

  • Finanzielle Belastung wegen Tierarzt- oder Versicherungskosten, Notfällen, Futter, Hundesteuer, Hundeschule. Die Hundehaltung kostet gemäss Schweizerischem Tierschutz im Jahr im Schnitt 1500 bis 3000 Franken.
  • Emotionale Sorgen und organisatorische Hürden bei Krankheit des Hundes: Sofort verfügbar sein, um in einem Notfall in die Tierklinik zu fahren, ist mit kleinen Kindern nicht immer einfach.
  • Grosse Trauer im Fall des Todes: Hunde werden im Schnitt zwölf Jahre alt. Das ist viel zu kurz für ein Familienmitglied und für mich der allerschwierigste Punkt der Hundehaltung.
  • Neben schönen auch mühsame Begegnungen: Nicht zwischen allen Hunden und Hündelern ist’s Liebe auf den ersten Blick.
  • Abends länger wegbleiben oder mal ausschlafen, wird noch komplizierter, als das mit Kindern eh der Fall ist.
  • Abhängig von Unterstützung bei Abwesenheiten – oder aber nur Ferien- und Ausflugsziele wählen, zu denen der Hund mit kann.
  • Ein Hund braucht neben sozialem Anschluss und Ruhezeiten auch körperliche und geistige Auslastung. Das braucht Zeit – ein rares Gut im Familienalltag.
  • Mehr Dreck zuhause: Schmuddelwetter kommt rein, Hundehaare liegen rum und wenn der Hund was Falsches gegessen hat oder krank ist, auch mal Erbrochenes.
  • Muss auch mit Erwerbstätigkeit kombinierbar sein: Ein Familienmitglied sollte den Hund mitnehmen oder Homeoffice machen können.

Wie beantwortest du die Hundefrage für dich – und warum? Teile es gerne mit der Community in den Kommentaren.

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Eigentlich bin ich Journalistin, in den letzten Jahren aber auch vermehrt als Sandkuchenbäckerin, Familienhund-Trainerin und Bagger-Expertin tätig. Mir geht das Herz auf, wenn meine Kinder vor Freude Tränen lachen und abends selig nebeneinander einschlafen. Dank ihnen finde ich täglich Inspiration zum Schreiben – und kenne nun auch den Unterschied zwischen Radlader, Asphaltfertiger und Planierraupe. 


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Hier liest du eine subjektive Meinung der Redaktion. Sie entspricht nicht zwingend der Haltung des Unternehmens.

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