
Klimaziele 2026: Was wir erreicht haben und wo wir stolpern
Digitec Galaxus will bis 2050 auf Netto-Null. Einige Klimaziele sind auf Kurs, andere nicht. Was wir erreicht haben, wo wir hinterherhinken und warum die härteste Knacknuss nicht allein in unserer Hand liegt.
In unseren Logistikzentren im aargauischen Wohlen oder in Krefeld im Westen Deutschland surren die Förderbänder schier ohne Unterbruch. Jeden Tag verlassen Tausende Pakete unsere Lager, fahren durch die Schweiz, durch Deutschland, Österreich, Frankreich oder Italien. Das alles braucht Energie, Karton, Kilometer. Und es hinterlässt einen Klimafussabdruck. Diesen wollen wir schrumpfen. Jedes Jahr, messbar, überprüfbar. Hier erfährst du, wo wir auf diesem Weg stehen.
Was wir uns vorgenommen haben
Gemeinsam mit unserem Mutterkonzern, der Migros-Gruppe, haben wir uns der Science Based Targets Initiative (SBTi) verpflichtet. Das bedeutet: Unsere Klimaziele orientieren sich am Pariser Klimaabkommen und werden wissenschaftlich überprüft. Bis 2030 reduzieren wir die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2019 um 70.6 % und bis 2050 um 90 %. Zur Reduktion der verbleibenden betriebseigenen Emissionen finanzieren wir seit 2022 zusammen mit der Migros-Gruppe Klimaschutzprojekte in der eigenen Wertschöpfungskette.
Eigener Betrieb: auf Kurs
Gute Nachrichten zuerst: Bei den Emissionen, die wir direkt beeinflussen können, liegen wir im Plan. Seit 2021 beziehen wir 100 Prozent erneuerbaren Strom. Die betrieblichen Treibhausgasemissionen (Scope 1 und 2) haben wir von 1400 Tonnen CO₂-Äquivalenten im Jahr 2019 auf rund 350 Tonnen im Jahr 2025 gesenkt. Z.B. durch die Installation von Energiesparlampen oder durch den Ersatz der Gasheizung durch eine reversible Wärmepumpe am Logistik-Standort Wohlen. Das entspricht einer Reduktion von 75 Prozent und liegt bereits über unserem Zwischenziel für 2030.
Wertschöpfungskette: der Elefant im Raum
Über 99 Prozent unserer Klimagasemissionen entstehen aber nicht bei uns im Betrieb, sondern entlang der Wertschöpfungskette: bei der Herstellung, dem Gebrauch und der Entsorgung der Produkte, die wir verkaufen. Diese sogenannten Scope-3-Emissionen sind seit 2019 von 1,3 Millionen auf 2,1 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente gestiegen. Das SBTi-Ziel lautet aber: minus 90 Prozent bis 2050.
Dieses Ziel ist mit unserem Geschäftsmodell derzeit nicht erreichbar. Solange wir wachsen und mehr Produkte verkaufen, steigen auch die Emissionen in der Lieferkette, denn auf die Produktionsprozesse der Hersteller haben wir als Händler kaum Einfluss.
Stattdessen versuchen wir, Lieferanten zu wissenschaftsbasierten Reduktionszielen zu bewegen. Ende 2025 waren 14 Prozent unserer Lieferanten-Emissionen durch SBTi-Ziele abgedeckt. Namhafte Hersteller wie Microsoft, Miele oder Mammut machen aus freien Stücken bereits mit. Aber es braucht noch deutlich mehr. Unsere wichtigsten Lieferanten (mindestens die Top-50) sprechen wir deshalb mindestens einmal pro Jahr auf das Thema an.
Verpackung: knapp daneben
Wir wollen die CO₂-Emissionen aus Verpackungsmaterial pro versendetem Stück bis 2030 gegenüber 2019 um 30 Prozent senken. Von 0,226 auf 0,158 Tonnen CO₂-Äquivalente. Aktuell stehen wir bei 0,174. Das ist ein Fortschritt, aber nicht genug: Das Zwischenziel für 2025 lag bei 0,166.
Der Grund ist banal und ärgerlich zugleich: Am Logistikstandort Wohlen haben wir fünf neue Verpackungsmaschinen in Betrieb genommen, die mehr Klebestreifen und Leim verbrauchen als in der Handverpackung. Beides hat einen hohen CO₂-Emissionswert. Wir arbeiten daran.
Kreislaufwirtschaft im Aufwind
Gebrauchte Produkte wieder in den Kreislauf bringen, das ist einer unserer grössten Hebel. Allein 2025 haben wir durch den Verkauf von Gebrauchtprodukten rund 20 000 Tonnen CO₂-Äquivalente vermieden, Tendenz steigend. Dazu zählt der Verkauf wiederaufbereiteter Handys, unser eigener Wiederverkauf von Retouren oder unsere Secondhand-Plattform, auf der Kundinnen und Kunden untereinander handeln.
Transparenz für alle Produkte
Was wir bereits erreicht haben: Auf jedem der über 10 Millionen Produkte in unseren Shops zeigen wir den geschätzten CO₂-Fussabdruck an. Und zwar von der Rohstoffgewinnung über die Produktion bis zur Lieferung. Unsere Kundschaft kann zudem bei jedem Einkauf einen freiwilligen Beitrag leisten, der in geprüfte Klimaschutzprojekte fliesst. Die Emissionen verschwinden dadurch nicht – aber es ist eine Unterstützung für Projekte, die versuchen, Gutes für unseren Planeten tun.
Arbeitsschutz und Sorgfaltspflichten
Neben dem Klima treiben wir weitere Themen voran. Ab 2027 haben wir zum Beispiel für alle Logistikstandorte ein Reduktionsziel bezüglich Verletzungen am Arbeitsplatz.
Auch bei den Menschenrechten und Sorgfaltspflichten entlang unserer Lieferketten arbeiten wir daran, internationale Standards durchzusetzen. Bei unseren Eigenmarken erfüllen wir die Sorgfaltspflichten z.B. mittels Audits. Bei Drittanbietern fordern wir ein, dass deren Produkte entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Einklang mit den lokalen Rechtsvorschriften und unter Einhaltung des amfori-BSCI-Verhaltenskodex hergestellt wurden. Der Kodex basiert auf der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (UN), den Konventionen und Empfehlungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sowie den Leitlinien der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung).
Einige Hürden liegen noch vor uns
Der Weg zu Netto-Null gleicht keinem Sprint, sondern eher einem Hindernislauf mit wechselnder Streckenführung. Einige Hürden haben wir genommen, andere stehen noch bevor. Und bei manchen müssen wir zuerst die Strecke neu vermessen, bevor wir weiterlaufen.
Wir werden diese Bilanz jedes Jahr aktualisieren. Denn wer Transparenz bei Preisen, Garantiefall- oder Retourenquoten verspricht, soll sie auch beim Klimaschutz liefern.
Ich bin bei Galaxus und Digitec zuständig für den Austausch mit Journalistinnen und Bloggern. Gute Geschichten sind meine Leidenschaft, deshalb bin ich immer auf dem neusten Stand.
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