
Meinung
«Anthem» ist Geschichte, dabei hätte es so gut werden können
von Philipp Rüegg

Neun Jahre Stillstand, dann plötzlich ein Update: «Motorsport Manager» ist zurück. Nicht dank Sega, sondern trotz Sega. Ein kleiner Patch mit großer Symbolkraft – für die gesamte Spieleindustrie.
Ein Spiel, das seit 2017 für tot erklärt war, bekommt plötzlich einen Patch. Klingt banal? Ist es aber nicht. Denn «Motorsport Manager» scheiterte nicht an Bugs oder mangelndem Interesse. Es wurde von seinem eigenen Publisher aufgegeben.
Als Playsport Games im November 2016 sein Rennmanagement-Spiel veröffentlichte, war die Resonanz eindeutig: Kritiker lobten die Tiefe, Spieler waren begeistert. Bis heute sind 91 Prozent der über 11 000 Steam-Reviews positiv: Gesamtwertung «sehr positiv».
Das Spiel setzte Maßstäbe. Es zeigte, wie strategische Tiefe, politische Teamdynamik und technische Detailversessenheit in einem Motorsport-Manager aussehen können. Spiele wie die «F1 Manager»-Reihe würden später von diesen Fundamenten profitieren.
«Motorsport Manager» war kein Nischenprodukt. Das Game war ein stiller Einflussgeber für ein ganzes Subgenre.
Doch während andere Studios aus solchen Erfolgen Franchises schmiedeten, tat Sega: nichts. Neun Jahre. Kein Update, kein DLC, keine Kommunikation. Das letzte offizielle Lebenszeichen datiert auf 2017.
Und jetzt, Anfang 2026, kommt Patch 1.6. Das erste Update seit fast einem Jahrzehnt. Playsport Games hat die Rechte von Sega zurückerhalten und liefert, was längst überfällig war: Boot-Probleme werden behoben, Minimap-Fehler korrigiert und UI aktualisiert. Technische Basics, die für die Community wie ein kleines Wunder wirken. Ein kleiner Patch, aber ein großes Zeichen: Wir sind zurück. Und wollen mehr.
Danke, dass ihr unser Game über all die Jahre gezockt und unterstützt habt. Wir freuen uns darauf, bald mehr mit euch teilen zu können.
Dass Playsport die Rechte überhaupt zurückerobern musste, ist die eigentliche Krux. Das zeigt: Ein Publisher kann ein einflussreiches Spiel besitzen, ohne seinen Wert zu begreifen. Sega liess die «Motorsport Manager» verstauben und damit auch die Chance auf ein echtes Franchise.

Man muss sich das vor Augen führen: Hier lag die Blaupause für moderne Rennmanagement-Spiele. Hier war das Fundament, auf dem andere aufbauten. Und Sega ließ es neun Jahre lang links liegen, als wäre es ein gescheitertes Experiment.
Nur die Community hielt das Spiel am Leben. Modder entwickelten neue Rennserien, optimierte Fahrerlogiken, ganze Gameplay-Overhauls. Sie taten, was Sega hätte tun müssen, und bekamen dafür nicht einmal Support. Dass das jetzt erscheinende Unity-Update einige dieser Mods brechen könnte, wie Playsport selbst warnt, ist tragische Ironie: Die eigentlichen Hüter dieses Spiels müssen ihre Arbeit nun neu aufrollen.
Gute Nachrichten. Wir haben die Rechte an ‹Motorsport Manager› von Sega zurückerhalten.
Diese Zeile aus Playsports Ankündigung klingt nicht nur erleichtert, sondern befreit. Und das Erste, was das Studio tut? Ein kostenloses Update. Keine DLCs, keine Mikrotransaktionen, keine Monetarisierung eines Revivals.
In einer Branche, die jede Nostalgie in ein Geschäftsmodell verwandelt, ist das eine Seltenheit. Aber das ist auch ein Statement: Hier arbeiten Menschen, die ihr Werk nicht als Asset-Portfolio sehen, sondern als kreatives Vermächtnis. Dass sie dafür neun Jahre warten mussten, ist ein Armutszeugnis für Sega.
«Motorsport Manager» hätte ein direkter Konkurrent zu den heutigen F1-Managern sein können. Das Game hätte Sequels verdient, Erweiterungen, vielleicht sogar offizielle Lizenzdeals. Stattdessen ging eine Dekade verloren, weil ein großer Publisher die Kontrolle hatte und nichts damit anfing.
Das Problem war nie die Qualität. Es war die Zuständigkeit.
Kleine Studios können brillante Spiele machen. Aber sobald die Rechte bei einem Konzern liegen, der sie nicht versteht, werden sie zu Archivgut. «Motorsport Manager» ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster. Und dieses Muster zeigt, wie fragil kreative Visionen sind, sobald sie in den falschen Händen landen.

Technisch gesehen ist Patch 1.6 klein: ein paar Fixes, ein Engine-Update, etwas UI-Politur. Aber symbolisch ist er gewaltig.
Er zeigt, dass Studios Klassiker retten können – wenn man sie lässt. Er setzt ein Zeichen gegen die Wegwerf-Mentalität vieler Publisher. Und er beweist, dass Community-getragene Spiele länger leben als jedes Marketingfenster.
Ob danach «Motorsport Manager 2» kommt, weiß ich nicht. Aber die Tatsache, dass ich nach Jahren plötzlich wieder Lust auf das Spiel habe, zeigt: Manchmal reicht schon ein kleines Zeichen, um alte Leidenschaft zu wecken.

Aber selbst wenn nicht: Dieses kleine Update sagt mehr über die Spieleindustrie aus als so mancher Hochglanz-Auftritt früherer E3-Shows. Gute Spiele sterben nicht – solange man ihre Schöpfer nicht daran hindert, sie zu retten.
Die Interessen sind vielfältig, gerne genieße ich einfach nur das Leben. Immer auf der Suche nach News aus den Bereichen Darts, Gaming, Filme und Serien.
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