

Nach 150 Jahren zurück: Dieser Bücherfund inspiriert 8 Zeitreise-Stories
Ein Buch kehrt nach 150 Jahren in eine australische Bibliothek zurück – wahrscheinlich die längste Leihfrist in der Geschichte. Grund genug, selbst mal in der Zeit zu reisen: mit acht Büchern von Sci-Fi über Young Adult bis zu den Klassikern schlechthin.
Kennst du das? Du leihst ein Buch in der Bibliothek aus und hast einen Monat Zeit, um es zu lesen. Dann kommt irgendwann eine Mahnung, gefolgt von einer zweiten. Und schliesslich gibst du das Buch schlechten Gewissens zurück oder vergisst es in deinem Bücherregal, bis die Bibliothek (dich) aufgibt.
Etwa so ist das in der australischen Stadt Kiama geschehen, wenn auch in extremis. Das Buch «Antiquities of Athens» kehrte erst rund 150 Jahre nach Rückgabedatum in die lokale Bibliothek zurück. Ein Mann hatte es bei der Renovation seines Hauses gefunden – eingemauert in einer Teekiste im Kamin. Laut der Bibliothek in Kiama beläuft sich die Mahngebühr auf 28 000 australische Dollar, umgerechnet 16 200 Franken. Die Bibliothek verzichtet natürlich darauf, das Geld noch einzutreiben.

Quelle: Instagram @kiamalibrary

Quelle: Instagram @kiamalibrary
Das Buch war ja auf einer Zeitreise: vergessen in einer Teekiste und 150 Jahre später wiederentdeckt. Grund genug, dir acht Bücher zum Thema – und darüber hinaus – vorzustellen.
1. Der Klassiker schlechthin
Keine Überraschung: Wir starten mit «Outlander» von Diana Gabaldon, dem OG der Zeitreise.
Darum geht's
Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Claire in ihren zweiten Flitterwochen. In den schottischen Highlands betritt sie neugierig einen Steinkreis, wird ohnmächtig und wacht im Jahr 1743 auf – als «Outlander», als Fremde in einem anderen Jahrhundert. Und da trifft sie auf Jamie Fraser.
Den Rest liest du in den insgesamt neun Büchern, die mittlerweile erschienen sind. Ein zehnter Band ist bereits in Arbeit. Ein Wermutstropfen: Erscheinungsdatum unbekannt, deutscher Titel unbekannt. Geduld ist anscheinend eine Tugend und «Outlander»-Fans sind Experten darin. Der erste Band erschien 1991, der neunte 2021. Und zwischen dem vorletzten und dem aktuellen Band lag eine Wartezeit von sieben Jahren! Die gute Neuigkeit: Die «Outlander»-Welt bietet definitiv genug Lesestoff. Auf ihrer Webseite hat Diana Gabaldon sogar eine Anleitung, in welcher Reihenfolge du ihr Gesamtwerk am besten liest. Inklusive Kurzgeschichten und Nebenschauplätze.
Die perfekte Herbst-Challenge, oder?

2. An diesem Buch führt nichts vorbei
Wahrscheinlich gibt es in diesem Jahr bisher wenige Bücher, die so kontrovers und oft diskutiert werden wie «Yesteryear», der Debütroman von Caro Claire Burke.
Darum geht's
Natalie hat alles: eine Pinterest-würdige Farm, eine Handvoll Kinder und einen Mann, der in Cowboystiefeln richtig gut aussieht. Millionen Menschen folgen ihr auf den sozialen Medien. Skandale und Probleme werden unter den Teppich gekehrt. Ist klar, das hat auf der Plattform ja nichts zu suchen. Und dann wacht Natalie im Jahr 1855 auf. Auf eben jener Farm. Ohne Filter, ohne Kamerateam, mit realen Problemen.
Ein sehr gutes, aber auch verstörendes Buch. Mehr verrate ich nicht.

Quelle: Carmen Baumann
3. Ein Klassiker mit baldigem Nachschub
Es gibt das Originalwerk, einen Film, eine Serie und ein Musical. Reicht, oder? Falsch gedacht. Denn bald kommt etwas Neues, dazu später mehr.
Darum geht’s
Kunststudentin Clare begegnet ihrer grossen Liebe nicht nur einmal, sondern immer wieder. In Audrey Niffeneggers «Die Frau des Zeitreisenden» verliebt sie sich jedes Mal aufs Neue, wenn Henry vor ihr steht. Der Bibliothekar ist ein Zeitreisender, der plötzlich verschwindet und wieder auftaucht. Doch eines ist sicher: Er landet immer wieder bei ihr.
Und jetzt zu den Neuigkeiten: Bald kommt der Nachfolgeroman. Dreizehn Jahre hat Audrey Niffenegger daran gearbeitet. «Die Unruhe der Zeit» folgt – Achtung Spoiler – Alba DeTamble, der Tochter von Clare und Henry.
Ich habe eine mehr oder weniger dezidierte Meinung zu Nachfolgeromanen. Den Beitrag kannst du hier nachlesen:
4. Was wäre, wenn …?
… Präsident John F. Kennedy am 22. November 1963 nicht bei einem Anschlag erschossen worden wäre? Könnte man das Geschehene ungeschehen machen – wären die Folgen es wert? In «Der Anschlag» stellt der amerikanische Kultautor Stephen King genau diese Fragen. Protagonist Jake Epping kann in die Vergangenheit zurückkehren und will den Anschlag verhindern. Doch womit er nicht gerechnet hat: Je näher er seinem Ziel kommt, desto vehementer wehrt sich die Vergangenheit gegen jede Änderung.
Ein Buch, für das man Durchhaltewillen braucht. Mit 1072 Seiten ist «Der Anschlag» ein richtiger Wälzer. Classic Stephen King halt.
5. Etwas für die (Young) Adults unter uns
Du dachtest, Teenager sein ist aufwühlend genug? Wie wär's, wenn du auch noch rausfinden würdest, dass du Zeitreisende bist? In «Rubinrot» von Kerstin Gier entdeckt Gwendolyn eben dies, was ihr Leben gehörig auf den Kopf stellt. Sie taucht in London Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Und als wäre das alles nicht genug, gibt’s natürlich noch einen Love Interest.

Arena Liebe geht durch alle Zeiten – Rubinrot (1)
Deutsch, Hardcover, Kerstin Gier
6. Wie man die Zeit überlistet
Schon mal vom Nihilismus der Zeit gehört? Ich nicht. Martin Suter schon. Der Schweizer Bestsellerautor stellt im Roman «Die Zeit, die Zeit» deren Existenz in Frage. Der Roman folgt zwei Männern, einem Rentner und einem 40-Jährigen. Beide haben ihre Ehefrau verloren; eine wurde erschossen, eine starb an Malaria. Der Jüngere hilft dem Älteren bei einem Zeitexperiment. Der Plan: Sie wollen die Veränderungen der letzten 20 Jahre rückgängig machen. Das soll beweisen, dass die Zeit als solche nicht existiert.
Da schwirrt mir irgendwie der Kopf – aber in gutem Sinne.
7. Lichtjahre zählen auch als Zeitreise, oder?
Stell dir vor, du erwachst in einem Raumschiff. Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Hast keine Ahnung, wer du bist und was du hier machst. Aber irgendwie stellt sich raus, hey, du bist smart; ein Ingenieur oder ein Biologe. Und die Welt ist auf dich und deine Intelligenz angewiesen. Ansonsten droht der Menschheit das Massenaussterben. Keinerlei Druck, oder? Genau das ist die Prämisse von «Der Astronaut». Mittlerweile gilt der Sci-Fi-Roman als Andy Weirs bekanntestes und beliebtestes Buch; mit über 1,8 Millionen Bewertungen und einer durchschnittlichen Bewertung von 4,51. Ja, ich bin ein Fan dieses Buchs. Übrigens hat mein Redaktionskollege Luca Fontana die Verfilmung in seinem Review zurecht als «besten Film des Jahres» bezeichnet.

Quelle: Carmen Baumann
8. Wir bleiben im All
Ganz ehrlich, wenn man an einem Tag 16 (!) Sonnenaufgänge und -untergänge sieht, dann ist das doch wirklich eine Zeitreise. Und das ist nicht Science Fiction, sondern Fakt: Die Internationale Raumstation ISS umrundet die Erde innert eines Tages 16-mal. «Umlaufbahnen» von Samantha Harvey folgt vier Astronauten und zwei Kosmonauten während 24 Stunden. Willst du viel Handlung, wirst du bei diesem Buch nicht glücklich. Viel geschieht nicht, die sechs Crew-Mitglieder sind ja auch einfach bei der Arbeit. Der Fokus liegt auf ihren Emotionen und Gefühlen rund 400 Kilometer über der Erde.

Quelle: Carmen Baumann
Zurück in die Zukunft
Erinnerst du dich noch an das Buch, das der Bibliothek von Kiama zurückgegeben wurde? «Die Alterthümer von Athen» liefert einen tiefen Einblick in die antike Geschichte und Archäologie Athens. Die gute Nachricht: Wir haben’s im Sortiment. Die Schlechte: Leider nur auf Englisch und nicht in der tollen, historischen Originalversion, aber du kannst dir den Einband ja vorstellen.

Quelle: Instagram @kiamalibrary
Leidenschaftliche Leserin und laute Lacherin. Ein Buch darf in meiner Tasche nie fehlen, und ja, immer ein physisches. Von Taylor Jenkins Reid über Kristin Hannah, von Biografien bis hin zu Sci-Fi und Fantasy: Wenn dich die Welt der Bücher interessiert, dann bist du hier richtig.
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