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Amazon MGM Studios
Kritik

«Project Hail Mary» ist für mich der beste Film des Jahres

Luca Fontana
28/3/2026

Phil Lord und Chris Miller haben einen Film gemacht, der sich anfühlt wie Pixar zu seinen besten Zeiten – einfach im All, mit Ryan Gosling und einem Alien namens Rocky. Eine Liebeserklärung.

Keine Sorge: Die folgende Filmkritik enthält keine Spoiler. Ich verrate dir nicht mehr, als ohnehin schon bekannt und in den Trailern zu sehen ist. «Project Hail Mary» läuft seit dem 19. März im Kino.

Wer über «Project Hail Mary» redet, landet schnell bei den üblichen Verdächtigen. «Interstellar», weil der Weltraum so atemberaubend aussieht. «Gravity», weil die Physik stimmt. «The Martian», weil das Überlebensszenario im All verwandt wirkt und derselbe Autor hinter dem Buch steckt, das verfilmt wurde.

Alles nachvollziehbar, alles nicht falsch – aber alles nur die halbe Wahrheit. Denn keiner dieser Vergleiche erfasst, was diesen Film wirklich ausmacht. Ein viel besserer Vergleich kam von Filmkritiker Marco Risch auf seinem Youtube-Channel «Nerdkultur». Er sagte, dass sich «Project Hail Mary» am ehesten wie ein perfekter Pixar-Film anfühle.

Ich musste kurz stutzen, als ich das zum ersten Mal hörte. Pixar? Bei einem Weltraum-Thriller mit Ryan Gosling?

Die üblichen Referenzen greifen zu kurz: «Project Hail Mary» ist mehr als das geistige Kind von «Interstellar» und «The Martian».
Die üblichen Referenzen greifen zu kurz: «Project Hail Mary» ist mehr als das geistige Kind von «Interstellar» und «The Martian».
Quelle: Amazon MGM Studios

Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr trifft er ins Schwarze. Denn was die besten Pixar-Filme auszeichnet, ist etwas, das im heutigen Blockbuster-Kino selten geworden ist: eine zutiefst menschliche Geschichte, vor der das eigene Setting fast zur Nebensache wird. «Ratatouille» etwa handelt nicht wirklich von einer Ratte in einem Pariser Sterne-Restaurant, sondern davon, dass jeder Mensch etwas Grosses schaffen kann. Und «Up» ist keine Abenteuergeschichte über ein Haus an Ballons, sondern eine über Verlust, Trauer und unerfüllte Träume.

Das Setting ist die Verpackung. Das Herz steckt immer woanders.

Genau das gilt auch für «Project Hail Mary». Der Weltraum, die Physik, das Alien – alles Kulisse. Im Kern erzählt der Film eine Geschichte über Freundschaft. Dass du dabei über zweieinhalb Stunden lang nicht einmal merkst, wie die Zeit vergeht, kommt fast schon obendrauf. Auch das macht «Project Hail Mary» zum besten Film des Jahres.

Mehr als «The Martian» im All

Natürlich verstehe ich, warum der Vergleich mit «The Martian» für viele trotzdem der naheliegendste ist. Guckt man den Trailer, vermutet man schnell die gleiche Grundidee: Ein Mensch, gestrandet im All, muss mit wissenschaftlichem Einfallsreichtum überleben. Wer den einen Film kennt, glaubt den anderen bereits zu kennen.

Auch Ryland Grace (Ryan Gosling) wacht auf. Allein. In einem Raumschiff. Er weiss nicht, wo er ist, wie er dorthin gekommen ist – und schon gar nicht, warum. Was er aber ziemlich schnell herausfindet: Er ist kein Astronaut. Er ist Lehrer und Forscher, gestrandet in den Tiefen des Alls, mit einer Aufgabe, die grösser nicht sein könnte: die Rettung der Menschheit. Wo Mark Watney um sein eigenes Überleben kämpfte, geht es hier um das Überleben aller. Die Fallhöhe ist gewaltiger, die Distanz zur Erde noch grösser. Aber der entscheidende Unterschied liegt woanders: Grace ist nicht allein.

Das liegt an Rocky, einem steinigen Alien, das ebenfalls allein unterwegs ist, ebenfalls seine Welt retten will und das trotz komplett fremder Physiologie, Sprache und Wahrnehmung zum wichtigsten Verbündeten wird. Vor ihrem Aufeinandertreffen ist «Project Hail Mary» ein solider Überlebensfilm. Danach wird er zur schönsten Bromance seit «Turner & Hooch».

Denn was dann zwischen Grace und Rocky passiert, ist mehr als eine Zweckgemeinschaft zweier Gestrandeter. Es ist eine Freundschaft, die sich alles erst erarbeiten muss: Sprache, Vertrauen, Verständnis. Die beiden tasten sich aneinander heran wie zwei Kinder auf dem Pausenhof, die keine gemeinsame Sprache sprechen, aber trotzdem spüren, dass der andere ganz in Ordnung ist. Aus dieser Unbeholfenheit entsteht eine Wärme, die den Film trägt.

Rocky ist dabei weit mehr als ein cleverer Sidekick. Er ist ganz und gar ein eigener Charakter. Witzig, eigensinnig, verletzlich – und eine der besten Figuren, die ich seit Jahren in einem Blockbuster gesehen habe. Dass er komplett nicht-menschlich aussieht und trotzdem so viele Emotionen transportiert, ist absolut bemerkenswert.

Witzig, eigensinnig, verletzlich – und komplett nicht-menschlich: Rocky ist eine der besten Blockbuster-Figuren seit Jahren.
Witzig, eigensinnig, verletzlich – und komplett nicht-menschlich: Rocky ist eine der besten Blockbuster-Figuren seit Jahren.
Quelle: Amazon MGM Studios

Aber da steckt noch so viel mehr dahinter. Kleine und grosse Momente, die hängenbleiben. Gags, die aus dem Aufeinanderprallen zweier völlig fremder Welten entstehen. One-Liner, die so beiläufig kommen, dass man sie fast überhört – und die mich trotzdem noch Tage später zum Grinsen bringen.

Ach, ich könnte ewig über einen der herzlichsten Buddy-Movies der letzten Jahre schwärmen. Dass er im All spielt und eigentlich von der Rettung zweier Welten handelt, gerät fast schon in den Hintergrund. Bis es im richtigen Moment eben wieder mit einer Wucht zurückkommt, die mir die Sprache verschlägt. Vielleicht ist das das grösste Kunststück dieses Films: dass die Rettung zweier Welten zwar den Plot vorantreibt, sich aber nie vor die Freundschaft drängt, die der Geschichte ihr Herz gibt.

Eben wie in einem guten Pixar-Film.

Gosling, Fraser und das Ende des Greenscreens

Dass diese Bromance so gut funktioniert, liegt natürlich auch an Ryan Gosling. Der spielt Ryland Grace mit einem Charme, der sich nie aufdrängt, einem Timing, das jede Pointe tragen kann, und einer Leichtigkeit, die leicht darüber hinwegtäuscht, wie viel Arbeit dahintersteckt.

Im Grunde ist Grace Gosling in Reinform – witzig, warm, ein bisschen unbeholfen – und trotzdem spüre ich, dass er hier mehr investiert als in vielen seiner anderen Projekte. Vielleicht, weil er den Film nicht nur als Hauptdarsteller trägt, sondern als Hauptproduzent mitverantwortet. Das merkt man. Nicht in einzelnen Szenen, sondern in der Sorgfalt, mit der das Gesamtwerk zusammengehalten wird.

Ryan Gosling in Reinform: Als Ryland Grace trägt er den Film mit Charme, Timing und dem Involvement eines Hauptproduzenten.
Ryan Gosling in Reinform: Als Ryland Grace trägt er den Film mit Charme, Timing und dem Involvement eines Hauptproduzenten.
Quelle: Amazon MGM Studios

Ein Teil dieser Sorgfalt zeigt sich in einer Entscheidung, die schon vor dem Kinostart für Schlagzeilen sorgte: «Project Hail Mary» wurde komplett ohne Greenscreen gedreht. Das heisst nicht, dass der Film ohne Spezialeffekte auskommt – über 2000 VFX-Shots stecken darin, ILM hat den Weltraum digital gebaut und Framestore hat Rocky als Mischung aus Puppenspiel und Animation zum Leben erweckt.

Aber das gesamte Schiffsinnere wurde physisch gebaut, Rocky war als Puppe tatsächlich am Set, und statt einer grünen Wand verwendete die Crew Hintergründe, deren Farben dem Licht der jeweiligen Szene entsprachen. Man sieht den Unterschied sofort: Das Licht auf Goslings Gesicht stimmt in jeder Einstellung, weil es nicht simuliert, sondern echt ist. Alles fühlt sich greifbar an – als wäre man selbst mit an Bord.

Kein Greenscreen, aber über 2000 VFX-Shots: So echt hat der Weltraum selten ausgesehen.
Kein Greenscreen, aber über 2000 VFX-Shots: So echt hat der Weltraum selten ausgesehen.
Quelle: Amazon MGM Studios

Dass hinter der Kamera Greig Fraser steht, überrascht danach kaum noch. Fraser gehört zu den besten Kameramännern der Welt – er hat die Stagecraft-Technologie für «The Mandalorian» mitentwickelt, «Rogue One», «The Batman» und beide «Dune»-Filme gedreht, wo er ebenfalls schon konsequent auf Greenscreens verzichtete.

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Für «Project Hail Mary» liess er «The Batman 2» und sogar «Dune: Part 3» sausen, weil sich die Drehpläne überschnitten. Was er dafür abgeliefert hat, ist ein Film, der zu den schönsten des Jahres gehört. Die Panoramen allein wären schon sehenswert, aber was Fraser wirklich auszeichnet, ist die Cleverness, mit der er die Schwerelosigkeit inszeniert. Drehungen um die eigene Achse, schwebende Perspektiven und ein Gespür dafür, selbst in der Enge eines Raumschiffs Weite zu erzeugen.

Fraser hat für diesen Film auf so vieles andere verzichtet – und Gosling mit ihm. Man spürt es in jeder Einstellung. «Project Hail Mary» ist kein Film, der nebenbei entstanden ist. Er ist ein Film, an den alle Beteiligten geglaubt haben. Das sieht man. Das fühlt man.

Fazit

Amaze! Amaze!

«Story, Story, Story», pflegte Steve Jobs zu sagen, der nicht nur Apple-Chef war, sondern auch Mitgründer von Pixar. Alles andere komme danach. Tut es auch in «Project Hail Mary». Dabei hatte ich grosse Erwartungen, die der Film nicht nur erfüllt, sondern regelrecht irrelevant gemacht hat, so mühelos trägt er mich durch seine Geschichte.

So sass ich da, habe vergeblich nach einer Szene gesucht, die nicht sitzt. Nach einer Länge, die mich auf die Uhr blicken lässt. Nach einem Gag, der nicht landet. Nach einem leisen Moment, der nicht so schwer wiegt, wie er meint. Aber nichts da. Zweieinhalb Stunden vergehen wie ein Wimpernschlag – und erst beim Abspann merke ich, wie sehr mich dieser Film erwischt hat.

Jep, die Co-Regisseure Phil Lord und Chris Miller, die kreativen Köpfe hinter den «Spider-Verse»-Filmen und «The Lego Movie», haben wahrlich einen Film gemacht, der sich anfühlt, als hätte jemand Pixar zu seinen besten Zeiten in den Weltraum geschossen. Einen Film, den ich nicht nur gesehen, sondern gefühlt habe. Und der mich so schnell nicht wieder loslassen wird.

Titelbild: Amazon MGM Studios

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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