
Nvidia RTX Spark N1X im Lenovo Yoga Pro 9n: ein Kraftpaket mit Haken
Mit dem RTX Spark N1X bringt Nvidia seinen ersten eigenen Laptop-Chip auf den Markt. Im Lenovo Yoga Pro 9n zeigt sich: Die Hardware ist beeindruckend, die Software hinkt hinterher. Ein Test zwischen Rekorden und Realität.
Nvidia betritt Neuland. Der Konzern dominiert den Markt für Grafikprozessoren und möchte nun auch bei den Laptop-SoCs Fuss fassen. Mit dem RTX Spark N1X greift er AMD, Apple, Intel und Qualcomm an. Ein SoC – also ein System-on-a-Chip – fasst CPU, GPU und NPU auf einem Chip zusammen. Beim auf der Arm-Architektur basierenden N1X kommt Unified Memory dazu, ein gemeinsamer Arbeitsspeicher für CPU und GPU.
Für diesen Artikel habe ich den Spark im Lenovo Yoga Pro 9n mit den derzeit besten erhältlichen Laptop-Chips der Konkurrenz verglichen. In manchen Benchmarks deklassiert er die Windows-Konkurrenz. Im Alltag stösst er dabei aber an Grenzen, die weniger mit der Hardware als mit der Software zu tun haben.
Hardware-Spezifikationen: das Lenovo Yoga Pro 9n und der Nvidia-Chip im Kurzüberblick
Auch wenn der Fokus dieses Artikels auf dem Chip liegt, möchte ich davor das Testgerät vorstellen.
Das Yoga Pro 9n ist ein 15,3-Zoll-Notebook mit OLED-Display (2560 × 1600, 165 Hz, 1100 Nits Peak), 2 TB PCIe-5.0-SSD und 128 GB LPDDR5X-9400. Es wiegt 1,75 kg, hat zwei USB-C-Anschlüsse (USB4), zwei USB-A, HDMI 2.1 und einen SD-Reader. In der Hand fühlt sich das Yoga hochwertig an, die Tastatur hat einen angenehmen Anschlag. Und wenn ich das erste Mal das Display aufklappe, merke ich sofort, dass das OLED-Panel eine echte Augenweide ist. Auf dem Gerät läuft Windows 11 für die Arm-Architektur.
Die drei Varianten des N1X-Chips
Nvidia bietet den RTX Spark in drei Konfigurationen an. Die volle Laptop-Variante, die in meinem Testgerät steckt, hat 20 CPU-Kerne. Zehn davon sind schnelle Arm Cortex-X925 für maximale Leistung, die anderen zehn sind sparsame Cortex-A725 für leichte Alltagsaufgaben. Dazu kommen eine Blackwell-GPU mit 6144 Kernen, eine NPU und bis zu 128 GB Unified Memory. Dann gibt es die abgespeckte Laptop-Variante, die über 18 CPU-Kerne, 5120 GPU-Kerne und maximal 32 GB Arbeitsspeicher verfügt. Zuletzt gibt es die Desktop-Variante mit 20 Kernen bei der CPU, 6144 GPU-Kernen und 140 Watt TDP anstelle 80 Watt bei den Varianten für Laptops. Dafür hat sie aber keine NPU. Für meinen Test relevant ist die volle Laptop-Variante: Sie ist die stärkste Ausbaustufe, die Nvidia derzeit für Notebooks anbietet.
CPU brilliert bei Multi-Core mit 20 Kernen, ist aber kein Apple-Jäger
Um die Prozessorleistung zu messen, setze ich auf Cinebench 2024 und Geekbench 6 – den Marathon und den Sprint.
Im Cinebench-2024-Multi-Core-Test erreicht der Spark mit seinen 20 Kernen 1695 Punkte.
Damit landet Nvidia auf Platz 2 – knapp vor dem AMD Ryzen AI Max+ 395 und deutlich vor Intel und Qualcomm. Nur der Apple M5 Max bleibt unerreichbar.
Wenn man diese Zahlen jedoch ins Verhältnis zur Kernanzahl setzt, relativiert sich der Sieg gegen AMD: Der Spark braucht für seine 1695 Punkte 20 Kerne, AMD kommt mit nur 16 Kernen fast an ihn heran. Und Apple deklassiert mit lediglich 18 Kernen das gesamte Feld. Der Spark kann also in Multi-Core-Aufgaben mithalten, weil er schlichtweg die meisten Kerne im Feld hat – nicht, weil seine einzelnen Kerne besonders effizient arbeiten. Für einen ersten Versuch ist das dennoch ein solides Ergebnis, denn die Konkurrenz von Intel und Qualcomm schlägt Nvidia klar.
Doch was passiert, wenn ich die 20 Kerne ignoriere und nur einen einzigen arbeiten lasse?
Der Single-Core-Test zeigt: Auch ohne die Unterstützung der anderen 19 Kerne liegt der Spark vor Intel und AMD. Gegen die ARM-Spitze von Apple und Qualcomm zieht er aber den Kürzeren.
Geekbench 6 zeichnet ein ähnliches, aber dennoch leicht anderes Bild.
Im Multi-Core-Test erreicht der Spark 19 785 Punkte – und fällt damit hinter AMD zurück. Geekbench ist kein einzelner Marathon, sondern eine Aneinanderreihung kurzer Sprints. AMD kann seine Kerne in diesen kurzen Bursts aggressiver hochtakten, während der Spark auf langfristige Stabilität getrimmt zu sein scheint. Der Spark ist aktuell kein Sprinter, sondern ein Dauerläufer.
Im Single-Core-Test von Geekbench liegt er mit 3154 Punkten ebenfalls, wie schon bei Cinebench, auf Platz 3 – wenn auch etwas deutlicher hinter Qualcomm als zuvor beim Marathon.
iGPU: stark gegen AMD, Intel und Qualcomm – chancenlos gegen Apple
Die reine Grafikleistung messe ich mit Geekbench 6 GPU – dem einzigen Benchmark, für den Vergleichswerte zu allen Konkurrenten vorliegen. Wichtig für die Einordnung ist, dass ich ausschliesslich integrierte Grafiklösungen (iGPUs) vergleiche, keine dedizierten Grafikkarten. Das Ergebnis ist ein Paukenschlag. Der Spark deklassiert die gesamte Windows-Konkurrenz.
Besonders deutlich wird das gegen AMD: Die Radeon 8060S, die zur gleichen APU-Familie gehört wie die im Steam Deck, galt monatelang als Nonplusultra der iGPUs. Doch der Spark erreicht fast die doppelte Punktzahl. Die Blackwell-Architektur mit 6144 Kernen macht hier den Unterschied.
Doch gegen Apple sieht der Spark kein Land. Der M5 Max deklassiert das Feld. Nvidias Einstieg ist ein Machtwort gegen AMD, Intel und Qualcomm, aber gegen Cupertino reicht es (noch) nicht.
Doch synthetische Benchmarks sind das eine. Ob diese Leistung in echten Grafikarbeiten oder auch Spielen ankommt, ist eine andere Frage. Die Antwort darauf ist kompliziert.
Gaming: zwischen 60 FPS und schwarzem Bildschirm
Nach den reinen Rechenbenchmarks will ich wissen, wie sich der Spark beim Spielen schlägt. Den Anfang macht 3DMark Fire Strike, der eine typische 1080p-Spielszene unter DirectX 11 simuliert und das Zusammenspiel von CPU und GPU fordert. Apple fehlt hier, weil der Test unter macOS nicht verfügbar ist.
Das Ergebnis ist ernüchternd: Der scheinbar gigantische Vorsprung aus dem Geekbench-GPU-Test schrumpft gegenüber AMD auf null. Beide liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, Intel und Qualcomm bleiben abgeschlagen. Der Grund für Nvidias nüchternes Ergebnis dürfte sein, dass AMDs ausgereifte x86-Treiber effizienter arbeiten als der neue ARM-Ansatz.
3DMark ist ein guter Indikator, aber kein echtes Spiel. Also starte ich den In-Game-Benchmark von «Cyberpunk 2077» in 1440p, mit hohen Details, ohne Raytracing und Frame-Generierung. Und plötzlich ist auch Apple wieder mit von der Partie – «Cyberpunk» ist eines der wenigen AAA-Spiele, die es für den Mac gibt. Ein kleiner Seitenhieb auf die Gaming-Bibliothek von Cupertino sei an dieser Stelle erlaubt.
Der Benchmark läuft mit durchschnittlich 60 Bilder pro Sekunde durch. Damit lässt der Spark nicht nur Intel und Qualcomm weit hinter sich, sondern schlägt auch den AMD-Konkurrenten um 20 Prozent. 60 FPS in einem AAA-Titel auf einem ARM-Windows-Laptop mit integrierter Grafik – das ist eine Ansage. Trotzdem gehört die Krone auch hier Apple.

Quelle: Screenshot / Martin Jud
Kurz danach hat die Euphorie beim Starten von «Red Dead Redemption 2» ein jähes Ende. Der Launcher öffnet sich, beim Spielstart rast ein Ladebalken von links nach rechts, ein erstes Bild blitzt auf – und das Game stürzt ab. Begleitet wird das Ganze von einer Fehlermeldung: «Dein Computer erfüllt die empfohlenen Mindestanforderungen an den Videospeicher der Grafikkarte nicht.»

Quelle: Screenshot / Martin Jud
Ich sitze vor einem Notebook mit 128 GB Arbeitsspeicher, der auch als Videospeicher dient, und ein Spiel aus dem Jahr 2018 sagt mir, das sei zu wenig. Die Ursache dürfte ein Fehler in der Vulkan-Schnittstelle unter Windows on ARM sein.
Die Hardware ist bereit fürs Gaming, das Ökosystem aber nicht. Das zeigt sich nicht nur beim Start von Spielen, sondern auch beim Spielen selbst. In anderen Tests mit dem N1X kommt es zu Frame-Einbrüchen. In «Age of Empires IV» wurde eine 99th-Percentile Frame Time von fast 78 ms gemessen. Das Bild braucht in den schlechtesten Momenten also fast fünfmal so lange, wie es für flüssige 60 FPS nötig wäre. Der gute Durchschnitt täuscht über solche Ruckler hinweg.
Für mich heisst das: Wer einen Laptop auch zum gelegentlichen Zocken will, greift trotz der beeindruckenden Cyberpunk-Zahlen aktuell besser noch zu AMD. Nicht weil die Hardware besser ist, sondern weil x86-Spiele einfach laufen.
NPU: theoretisch stark, praktisch (noch) ungemessen
Ein Blick aufs offizielle Datenblatt zeigt, dass Nvidia im N1X eine NPU verbaut, also eine Neural Processing Unit für KI-Aufgaben. Eine isolierte Leistungsangabe für diese NPU fehlt jedoch. Unter dem Punkt «AI Performance» nennt Nvidia lediglich eine Gesamtleistung von 1 Petaflop, die sich aus der KI-Rechenleistung von CPU, GPU und NPU zusammensetzt. Wie stark die NPU allein ist, bleibt also im Dunkeln.
Was diese NPU im Alltag bringt, lässt sich trotzdem erklären. Sie ist kein Ersatz für CPU oder GPU, sondern eine Ergänzung für spezialisierte Daueraufgaben wie Live-Untertitel oder Hintergrundunschärfe. Diese Aufgaben erledigt sie mit deutlich weniger Energie- und Wärmeverbrauch. Das schont den Akku und hält die Lüfter leise – ein handfester Vorteil für ein Notebook.
Wie gut die NPU des Spark wirklich ist, lässt sich derzeit nicht messen. Der gängige Benchmark Geekbench AI unterstützt die NPU des N1X noch nicht.
Energieverwaltung: trotz grossem Akku weniger Laufzeit als die Konkurrenz
Im Yoga Pro 9n steckt ein 92,5-Wh-Akku. Damit hat das Notebook fast die doppelte Kapazität vieler Konkurrenten an Bord. Man sollte meinen, das reiche locker für einen langen Tag ohne Steckdose. Um zu sehen, wie viel davon bei leichter Nutzung übrig bleibt, habe ich den Video-Playback-Test von PCMark 10 durchgeführt. Dabei wird ein Video bei standardisierten 200 Nits Bildschirmhelligkeit abgespielt, bis der Akku leer ist.
Das Yoga hält 12 Stunden und 53 Minuten durch. Das klingt im ersten Moment nach viel, ist aber eine herbe Enttäuschung. Beispielsweise kommt das Microsoft Surface Laptop mit dem Qualcomm Snapdragon X2 Elite X2E-78-100 und einem deutlich kleineren 54-Wh-Akku auf 19 Stunden und 28 Minuten. Trotz fast doppelter Akkukapazität hält der Nvidia-Chip also deutlich kürzer durch als die Konkurrenz.
Der Grund dafür dürfte in der Energieverwaltung liegen, denn der N1X taktet im Leerlauf und bei leichten Aufgaben offenbar nicht so tief herunter wie der Snapdragon. Die Software-Reife bleibt also auch hier hinter der Hardware zurück.
Fazit: ein erster Schritt, noch kein Gamechanger
Der RTX Spark N1X zeigt eindrucksvoll, wozu Nvidias Hardware fähig ist. Bei der CPU erweist er sich als solider Dauerläufer, bei der iGPU deklassiert er die gesamte Windows-Konkurrenz, und in «Cyberpunk 2077» beweist er, dass 60 FPS in einem AAA-Titel auf einem ARM-Laptop mit Windows möglich sind.
Doch die Software zieht ihm immer wieder die Reissleine. Das beginnt bei den Spielen. «Red Dead Redemption 2» stürzt beim Start ab, und in anderen Games laufen die Frame-Zeiten trotz gutem Durchschnitt aus dem Ruder. Es setzt sich beim Stromverbrauch fort, wo der riesige Akku trotzdem weniger Laufzeit liefert als die Konkurrenz. Und es gipfelt in der Erkenntnis, dass die x86-Konkurrenz von AMD in der Praxis einfach läuft, während Nvidia noch gegen die Tücken von Windows on ARM und der Emulation ankämpfen muss.
Für Nutzer, die auch ab und zu zocken wollen, ist der Spark aktuell noch keine Empfehlung. Für Content Creator sieht die Sache anders aus. Wer von den 128 GB Unified Memory und der starken iGPU profitiert, bekommt hier einen spannenden Ausblick auf das Potenzial des Chips.
Der Spark ist also noch kein Gamechanger, aber er ist der erste ernsthafte Beweis dafür, dass Nvidias Rechenzentrums-DNA auf dem Laptop funktionieren kann. Wenn Microsoft, Nvidia und die Spieleentwickler das Ökosystem in den Griff bekommen, dürfte aus diesem ersten Schritt schon bald ein grosser Angriff werden. Wer bereit ist, sich auf die Kinderkrankheiten einzulassen, bekommt heute schon ein Stück Zukunft.
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.
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