
Meinung
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von Luca Fontana

Hans Zimmer wird die kommende «Harry Potter»-Serie vertonen. Eine Nachricht, die begeistert – und sofort verunsichert. Denn «Harry Potter» hat bereits eine Stimme. Zwischen Euphorie und Hoffnung stellt sich nur eine Frage: Kommt das wirklich gut?
Es ist offiziell: Star-Komponist Hans Zimmer übernimmt die Musik zur neuen «Harry Potter»-Serie von HBO. Diese entsteht in Zusammenarbeit mit dem von Zimmer mitbegründeten Komponistenkollektiv «Bleeding Fingers Music».
Damit wagt HBO einen klaren musikalischen Neuanfang, Einer, der von den berühmten Motiven der Kinofilme losgelöst ist, die Filmmusik-Legende John Williams einst geprägt hat. Für eine der meistdiskutierten Serienproduktionen der kommenden Jahre ist das eine Entscheidung mit Gewicht und Signalwirkung.
Was bedeutet das jetzt?
Im ersten Moment ist da dieses Gefühl von: Wow. Hans Zimmer. Einer der prägendsten Filmkomponisten unserer Zeit. Einer, der Soundtracks nicht nur schreibt, sondern Räume damit füllt. Emotionen. Druck. Gravitas. Von «The Lion King» über «Gladiator» und «Pirates of the Caribbean» bis hin zu «Interstellar» und zuletzt «Dune» – Zimmer hat sich über Jahrzehnte ein musikalisches Monument gebaut, das man nicht ignorieren kann. Allein sein Name verleiht einem Projekt sofort Gewicht.
Dass sich ausgerechnet «Harry Potter» nun mit Hans Zimmer schmückt, ist nach all den Casting-Diskussionen und Kontroversen eine verdammt gute Nachricht. Eine, auf die sich Fans einigen können. Endlich mal wieder Euphorie statt Dauerdebatte.
Doch dann, im zweiten Moment, schiebt sich ein anderer Gedanke dazwischen.
«Harry Potter» ist nicht nur eine Film- und Buchreihe. «Harry Potter» klingt. Und dieser Klang hat einen Namen. Und was für einen: John Williams. Bis heute hat kein Mensch mehr Oscar-Nominationen bekommen als er.
Der Einfluss von Williams’ Musik auf diese Welt lässt sich kaum überschätzen. «Hedwig’s Theme» etwa ist nicht einfach ein Leitmotiv – es ist «Harry Potter». Diese Mischung aus kindlichem Staunen, leiser Melancholie und magischer Neugier hat sich in einer ganzen Generation eingebrannt. In unsere kollektive Erinnerung. Selbst als Williams nach dem dritten Film ausgestiegen ist, haben alle folgenden Komponisten (Patrick Doyle, Nicholas Hooper und Alexandre Desplat) im Grunde versucht, ihm so nahe wie möglich zu kommen.
Kein Wunder: Kaum einer hat das Kino musikalisch so nachhaltig geprägt wie John Williams. Er hat Welten erschaffen, die weit über einzelne Filme hinausgewachsen sind. Von «Star Wars» über «Superman», «Indiana Jones» und «E.T.» bis hin zu «Jurassic Park», «Schindler’s List» und «Harry Potter»: Williams hat dem Unmöglichen eine Melodie gegeben – und dem Kino seine vielleicht wichtigste Stimme.
Ohne John Williams heben keine Fahrräder ab, keine Quidditch-Besen schneiden durch die Luft, keine Helden schreiten in roten Umhängen. Es gibt keine Macht. Und Dinosaurier bleiben ausgestorben. Johnny, du hast unsere Filme genommen – Geschichten über unsere kühnsten, unmöglichsten Träume – und ihnen mit deiner Musik Leben eingehaucht. Für Milliarden von Menschen. Für immer.
Zuletzt konnte man sich nicht mal im Videospiel «Hogwarts Legacy» ganz von Williams’ «Hedwig's Theme» emanzipieren, so wichtig ist es. Das Theme schwebt dort immer wieder durch die Musik – manchmal offen, manchmal versteckt, aber nie wirklich weg.
Und genau hier wird es spannend.
Hans Zimmer ist kein Komponist, der kopiert. Und er wäre schlecht beraten, es zu versuchen. Sein Stil ist ein anderer. Erdiger. Wuchtiger. Oft rhythmischer, oft körperlicher. Mehr Druck, mehr Puls, mehr Wumms. Die grosse Frage ist also nicht, ob Zimmer John Williams ersetzen kann – das kann niemand –, sondern ob er einen neuen Klang für diese Welt findet, der funktioniert.
Eine Harry-Potter-Welt ohne Williams, aber auch ohne seinen Schatten.
Ich hoffe sehr, dass Zimmer genau das versucht: etwas Eigenes, etwas Mutiges. Etwas, das diese Welt neu denkt. Denn «Harry Potter» braucht nicht nur Epik. Er braucht dieses Gefühl von Wunder. Dieses vorsichtige Staunen. Diese kindliche Neugier, die hinter jeder Ecke lauert.
Wenn Zimmer es schafft, seine typische Kraft mit dieser leisen Magie zu verbinden, dann könnte hier etwas wirklich Spannendes entstehen. Kein nostalgischer Rückblick, sondern ein neuer Ton für eine neue Generation. Genau deshalb bin ich nach dem ersten Wow und dem zweiten Zögern vor allem eines:
ehrlich gespannt.
Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.
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