
Meinung
Wie lizenzierte Soundtracks die Gaming-Welt veränderten
von Rainer Etzweiler

Im vergangenen Jahr entliess Rockstar 34 Mitarbeitende wegen angeblicher Verbreitung sensibler Daten. Die Betroffenen sehen den Grund in Gewerkschaftsbemühungen. Nun gab es einen ersten Rückschlag vor Gericht.
Ein britisches Arbeitsgericht lehnt die Forderung entlassener Rockstar-Mitarbeitenden ab, Übergangszahlungen zu erhalten, während sie auf ihre Anhörung warten. Die britische Gewerkschaft IWGB wirft dem Unternehmen vor, den Personen zu Unrecht gekündigt zu haben und verlangt deren sofortige Wiedereinstellung.
Das «GTA»-Studio steht seit Monaten im Kreuzfeuer wegen möglicher Gewerkschafts-Bekämpfung. Im vergangenen Herbst entliess das Unternehmen 34 Mitarbeitende in Schottland und Kanada. Nach Angaben der IWGB nutzten sie eine private Discord-Gruppe zur gewerkschaftlichen Organisation. Einige waren bereits Teil der Gewerkschaft, andere wollten beitreten. Alex Marschall, Präsident der IWGB bezeichnet den Vorfall als «die offensichtlichste und rücksichtsloseste Massnahme zur Zerschlagung von Gewerkschaften in der Geschichte der Spieleindustrie».
Es folgten Proteste ausserhalb der Rockstar-Büros in Edinburgh und vor der Zentrale des Take-Two-Sitzes in London. Über 200 Mitarbeitende beschwerten sich schriftlich bei ihren Vorgesetzten über die Kündigungen. Der britische Premierminister Keir Starmer beschrieb die Entlassungen als «sehr besorgniserregend» und versprach, dass das Parlament den Fall untersuchen werde.

Rockstar entliess die Personen eigenen Angaben zufolge, weil sie sensible Informationen geleakt hätten. Dazu zählen Features über Games, die sich in Entwicklung befinden oder noch nicht angekündigt wurden. Rockstar verwies auf ihre Nulltoleranz-Politik und darauf, dass sie bereits im April 2025 eine Person entliessen, die vertrauliche Daten über «GTA 6» an eine Drittperson weitergegeben habe.
In der Zwischenzeit forderte die IWGB von Rockstar Zwischenzahlungen für die Entlassenen, bis der Fall geklärt ist. Das hat ein schottisches Gericht nun abgelehnt. Die Richterin begründet den Entscheid damit, dass von den 350 Personen im IWGB-Discord nicht alle Gewerkschaftsmitglieder seien und einige nicht mehr bei Rockstar angestellt waren. Eine Person habe Presseartikel geschrieben, mindestens einer davon über Rockstar und die Entwicklung von «GTA». Ausserdem waren die drei kanadischen Entlassenen nicht Teil der Gewerkschaft gewesen, daher könne ihre Kündigung auch nicht damit zusammenhängen.
«Wir bedauern, dass wir in eine Lage gebracht wurden, in der Entlassungen notwendig waren, aber wir stehen zu unserem Vorgehen, das durch das Ergebnis dieser Anhörung bestätigt wurde», sagt ein Sprecher von Rockstar gegenüber Bloomberg und IGN. Die IWGB bleibt optisch. «Obwohl uns heute eine einstweilige Verfügung verweigert wurde, sind wir nach der Anhörung der letzten Woche zuversichtlicher denn je, dass ein vollständiges und substanzielles Gericht Rockstars kalkulierten Versuch, eine Gewerkschaft zu zerschlagen, nicht nur als ungerecht, sondern auch als rechtswidrig einstufen wird», erklärt der Präsident in einer Stellungnahme.

Dass bei den Entlassungen nicht alles mit rechten Dingen abgelaufen sein soll, darauf deuten auch Untersuchungen des investigativen Youtube-Kanals People Make Games (PMG) hin. Laut PMG wurde im Discord-Kanal über eine neue Slack-Regelung von Rockstar debattiert, die es verbietet, über private Themen zu sprechen – beispielsweise über die Gründung einer Gewerkschaft.
Die IWGB fügt zudem an, dass Rockstar verschiedene Richtlinien nicht eingehalten habe. Es habe keine Disziplinarverfahren, keine Möglichkeit zur Berufung und keine Hinweise auf eine Untersuchung gegeben.
«GTA 6» dürfte von dem Ganzen kaum betroffen sein. Das Spiel erscheint voraussichtlich am 19. November und soll laut Rockstar «der grösste Game Launch in der Geschichte» werden.
Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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