Deine Daten. Deine Wahl.

Wenn du nur das Nötigste wählst, erfassen wir mit Cookies und ähnlichen Technologien Informationen zu deinem Gerät und deinem Nutzungsverhalten auf unserer Website. Diese brauchen wir, um dir bspw. ein sicheres Login und Basisfunktionen wie den Warenkorb zu ermöglichen.

Wenn du allem zustimmst, können wir diese Daten darüber hinaus nutzen, um dir personalisierte Angebote zu zeigen, unsere Webseite zu verbessern und gezielte Werbung auf unseren und anderen Webseiten oder Apps anzuzeigen. Dazu können bestimmte Daten auch an Dritte und Werbepartner weitergegeben werden.

Warner Bros.
Kritik

«Supergirl»: Rotzig, betrunken und leider nur okay

Luca Fontana
24/6/2026

Milly Alcock macht als rotziges Supergirl richtig Spass. Schade nur, dass der Film um sie herum nie weiss, ob er ein eigenes Abenteuer oder «Guardians of the Galaxy» für Arme sein will.

Keine Sorge: Die folgende Filmkritik enthält keine Spoiler. Ich verrate dir nicht mehr, als ohnehin schon bekannt und in den Trailern zu sehen ist. «Supergirl» läuft ab dem 25. Juni im Kino.

Wer die Trailer kennt, weiss, welche Inspiration hier unverkennbar Pate gestanden hat: «Guardians of the Galaxy». Die dreckige, verbrauchte Zukunft, die Rockmusik, der Hauptcharakter als Aussenseiter mit bewegender Herkunftsgeschichte – das alles trägt die DNA von James Gunns erstem Marvel-Erfolg in sich.

Denn diese Kara Zor-El ist kein makelloser Engel in rotem Cape. Sie ist versoffen, unordentlich und auf der Suche nach dem, was für sie «Zuhause» bedeutet. Als eine Gruppe Weltraum-Punks dann ihren geliebten Hund Krypto vergiften und sich aus dem Staub machen, lässt Supergirl das natürlich nicht auf sich sitzen. Im Schlepptau: Ruthye, ein junges Mädchen, dessen Familie von eben dieser Bande ausgelöscht wurde, und das auf Rache sinnt.

Das alles klingt nach einem Film mit eigenem Charme. Und tatsächlich: In einigen Teilen hat er das auch. Nur lässt er sich eben auch sehr bewusst als «We have ‹Guardians of the Galaxy› at home» lesen. Kauzige Aussenseiterin, dreckige Welten, ein Herz unter der rauen Schale – das Rezept stimmt, die Ausführung ist aber viel blasser.

Milly Alcock trägt den Film

Was «Supergirl» vor dem Mittelmass bewahrt, ist in erster Linie Milly Alcock in der Titelrolle. Sie ist zwar ein Supergirl, die sich von Bar zu Bar säuft, den Boden vollkotzt, kratzbürstig ist und auch sonst so ziemlich die Kontrolle über ihr Leben verloren hat. Unsympathisch ist sie deswegen aber nie. Das ist eine Gratwanderung, die Alcock mit einer Leichtigkeit geht, die echt beeindruckt.

Milly Alcock gibt die Rotzgöre mit Superkräften.
Milly Alcock gibt die Rotzgöre mit Superkräften.
Quelle: Warner Bros.

Gerade die Rückblenden in Supergirls Vergangenheit auf Krypton gehören zu den emotional besten Momenten des Films. Sie erklären, warum diese Frau ist, wie sie ist, und sie tun das ohne aufgesetzte Tränendrüserei. Ihretwillen tut mir sogar das Schicksal Kryptons etwas leid, obwohl der Film uns auch hier wieder daran erinnert, dass die Kryptonier im DCU eigentlich böse Welteneroberer sind, die ihre Kinder – etwa Clark Kent – zu anderen Welten schicken, um dort als Gottheit zu herrschen.

Naja. Daran gewöhne ich mich wohl nie. Das ändert aber nichts daran, dass Alcock den rotzigen Charme halt trotzdem einfach drauf hat. Hatte sie schon damals in «House of the Dragon». Umso bedauerlicher, wird sie vom Rest des Films in Stich gelassen.

Stark begonnen, stark nachgelassen

Handwerklich ist der Film nämlich ein zweischneidiges Schwert: Einerseits sind die Sets gerade anfangs aufwändig gestaltet, die Creature Designs haben Liebe und Detailreichtum, und die Kostüme tragen zu einer Weltatmosphäre bei, die zwischen «Mad Max» und «Star Wars Cantina» pendelt.

Aber dann, je länger je mehr, lässt «Supergirl» auch visuell nach und verfällt in jenes CGI-Gewitter, das im modernen Blockbuster-Kino zur unschönen Gewohnheit geworden ist. Was zuvor noch greifbar war, wird künstlicher und austauschbarer, und jener handgemachte Charakter, der den Film in seinen besten Momenten auszeichnet, löst sich buchstäblich in Green-Screen-Dunst auf.

Green Screen? Oder doch Volume? Es sieht auf jeden Fall künstlich aus.
Green Screen? Oder doch Volume? Es sieht auf jeden Fall künstlich aus.
Quelle: Warner Bros.

Dann ist da noch diese ewige, gleiche, langweilige Leier mit der viel zu überpowerten Supergirl – oder Superman, je nachdem –, die man aus fast jedem «Superman»-Film der letzten fünfzig Jahre kennt. Weil Supergirl unter einer gelben Sonne schlicht unbesiegbar ist, muss der Film ständig künstliche Gründe erfinden, warum sie ihre Kräfte gerade nicht einsetzen kann.

Roter Sonnenschein auf diesem Planeten. Grüne Sonnenstrahlung auf jenem. Und natürlich, immer dann, wenn es dramaturgisch gerade am bequemsten ist, taucht wie aus dem Nichts ein Stück Kryptonit auf. Als hätte jemand eine Checkliste abgehakt: Supergirl zu stark? Kein Problem, kurz die Sonne wechseln. Immer noch zu stark? Kryptonit. Problem gelöst, weiter geht’s.

Nicht Logik, sondern Dramaturgie entscheidet, wann Supergirl auf den Putz hauen darf und wann nicht.
Nicht Logik, sondern Dramaturgie entscheidet, wann Supergirl auf den Putz hauen darf und wann nicht.
Quelle: Warner Bros.

Das nervt mich. Wirklich. Als Richard Donners «Superman» 1978 ins Kino kam, waren die Special Effects gerade weit genug, um Christopher Reeve einigermassen glaubwürdig fliegen zu lassen. Dass man damals keine Gegner bauen konnte, die ihm wirklich gefährlich wurden, geschenkt – die Technik liess es schlicht nicht zu.

Aber heute? Heute kann man alles auf die Leinwand bringen. Und die DC-Comicwelt gibt mehr als genug Bösewichte her, die es mit Superman oder Supergirl locker aufnehmen können, ohne dass der Film alle fünf Minuten die Sonnenkonstellation neu kalibrieren muss. Die Figuren sind da. Der Wille, sie zu benutzen, offenbar nicht.

Der schwache Kern

Womit wir beim nächsten grossen Problem wären: Ruthye, gespielt von Eve Ridley, ist konzeptuell als moralischer Kompass gedacht – als jene Figur, die der abgefuckten Supergirl zeigt, dass es noch so etwas wie einen rechten Weg gibt (auch wenn der irgendwie mit Rache zu tun hat. So konsequent ist das Drehbuch dann doch wieder nicht). In der Praxis ist sie aber vor allem eines: ein Mädchen, das ständig gerettet werden muss.

Das Schema zieht sich durch den ganzen Film und ermüdet spätestens beim dritten Mal, wenn Supergirl wieder im richtigen Moment auftaucht, um sie aus der Klemme zu befreien.

Darf ich vorstellen? Krem, der «disposable supervillain of the week».
Darf ich vorstellen? Krem, der «disposable supervillain of the week».
Quelle: Warner Bros.

Noch schwerer wiegt Krem, der Hauptbösewicht, gespielt von Matthias Schoenaerts. Der Belgier ist ein grosses Talent, das hat er anderswo bewiesen. Hier bekommt er eine Figur, die ihn nie zur Entfaltung kommen lässt.

Denn Krem ist flach, ohne Charisma oder echte Bedrohung. Optisch wirkt er wie ein Statist aus «Mad Max: Fury Road», der irgendwie in «Supergirl» hineingestolpert ist und sich selbst am meisten wundert, dass er plötzlich die Hauptrolle des Bösewichts ergattert hat. Der Film versichert uns trotzdem ständig, wie gefährlich er sei, wie gefürchtet und unaufhaltsam. Spürbar wird das nie. Und bei einem Superheldenfilm ist das kein Randproblem.

Ach ja, Jason Momoa ist als Lobo auch noch dabei. Die Duftnote, die er dabei hinterlässt, ist aber genauso flüchtig wie die Anzahl Zeilen, die ich ihm widmen möchte.

Fazit

Joa, in etwa das, was ich erwartet habe

«Supergirl» ist kein schlechter Film. Er ist auch kein besonders guter. Er ist jener Film, den man sich gut anschaut – gerne mit dem Popcorn in der Hand –, über den man auf dem Heimweg aber kaum mehr spricht.

Millie Alcock gibt dem Ganzen zwar ein bisschen Herz und ein Gesicht. Aber Ruthye, die vor allem gerettet werden muss, Krem, ein Bösewicht ohne Biss und ein Finale, das visuell auseinanderbröckelt, verhindern, dass «Supergirl» auch nur im Geringsten nachwirkt.

Titelbild: Warner Bros.

4 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


Kritik

Welche Filme, Serien, Bücher, Games oder Brettspiele taugen wirklich etwas? Empfehlungen aus persönlichen Erfahrungen.

Alle anzeigen

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

Kommentare

Avatar