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Dayan Pfammatter
Hintergrund

Wo sind die coolen Handy-Features hin?

«Früher war alles besser.» Eigentlich mag ich diesen Satz nicht. Veränderung ist bekanntlich die einzige Konstante. Aber bei Smartphones? Ein Nachruf auf all die kuriosen, praktischen oder einfach nur lustigen Features, die wir unterwegs verloren haben.

Jedes Jahr werden unzählige neue Smartphones lanciert. Im Monatstakt finden Keynotes, Präsentationen und Showcases statt. Jeder Hersteller verspricht mit jeder Handy-Generation: Wir haben das Rad neu erfunden. In der Realität sind es dann aber meist nur Spec-Bumps, inkrementelle Neuerungen und neue Software.

  • Meinung

    Apple, Google und Samsung – hört auf, jedes Jahr ein neues Handy herauszubringen!

    von Lorenz Keller

Versteh mich bitte nicht falsch, ich bin ein Nerd, ich freue mich über jede neue Smartphone-Iteration. Im Erneuerungswahn gehen aber auch immer wieder spannende Features verloren. Samsung hat dem S-Pen die Bluetooth-Funktionalität genommen, Apple dem iPhone die Kopfhörerbuchse.

Meist gibt es einen plausiblen Grund, wenn Funktionen aufs Abstellgleis gestellt werden. Es gibt bessere Alternativen, die Technik braucht zu viel Platz oder sie wird einfach nicht genutzt. Also werfen wir einen Blick zurück. Auf die Ideen, Features und Spielereien, die wir hinter uns lassen mussten.

Apples «3D Touch»

Es war solch ein intuitives Feature: Dein Handy reagiert unterschiedlich, je nachdem, wie fest du auf das Display drückst. Kombiniert mit dem immer schon phänomenalen haptischen Feedback, für das iPhones bekannt sind, war Apples «3D Touch» ein wahres Highlight. Es ist das einzige Feature, das mich je wirklich in Erwägung ziehen liess, zu einem iPhone zu wechseln.

Ja, heute gibt es «Haptic Touch» oder «lange drücken» auf Deutsch. Aber das ist einfach nicht dasselbe: Das neue Feature misst Zeit, das alte Druck. Die Taschenlampe auf dem Sperrbildschirm aktivierst du aus Versehen, wenn du den Knopf zu lange berührst. Aber aus Versehen fest drücken? Ist dir das schon mal passiert?

Zugegeben, eine Extra-Schicht Technik unter dem Display braucht Platz.
Zugegeben, eine Extra-Schicht Technik unter dem Display braucht Platz.
Quelle: Apple

Immerhin lebt die Technologie heute noch in Apples MacBooks weiter. Wenn du auf einem MacBook aufs Trackpad drückst, klickt da eigentlich gar nichts. Es wird lediglich der Druck erkannt und ein haptisches Feedback abgegeben. Genauso wie es eben für ein paar wenige Jahre mit «3D Touch» versucht wurde.

Pro-Tipp: Wenn du noch ein iPhone 6S mit «3D Touch» hast, kannst du es sogar als Küchenwaage nutzen.

HTCs «BoomSound»

Eigentlich hätte HTC als Smartphone-Hersteller einen ganz eigenen Farewell-Text verdient. Das erste HTC One eroberte 2013 die Herzen der Android-Community. Der Hype konnte sich aber nur wenige Jahre halten. Oder kennst du noch jemanden mit einem Handy von HTC? Aber das HTC-Feature, welches ich ganz spezifisch vermisse, ist «BoomSound».

Zwei vollwertige Lautsprecher. Auf einem Handy!?
Zwei vollwertige Lautsprecher. Auf einem Handy!?
Quelle: HTC

«BoomSound» war keine weltbewegende Innovation, sondern lediglich ein richtig gut entwickeltes Stück Technik. Zwei grosse Lautsprecher auf der Frontseite des Smartphones. Inklusive Sound-Tuning von Beats Audio. Der Klang war dementsprechend auch ordentlich wuchtig. In horizontaler Ausrichtung gab das Handy vollwertigen Stereosound ab.

Vielleicht trügt mich die rosarote Brille der Nostalgie, aber ich wage zu behaupten, dass auch heute noch kein Handylautsprecher mit HTCs Flaggschiffen von vor über zehn Jahren mithalten kann.

Samsungs «Air View»

Okay zugegeben, das dürfte eines der obskursten vergessenen Handy-Features auf dieser Liste sein. Samsungs «Air View» gab es nur auf dem Galaxy S4, Galaxy S5 und dem Galaxy Note 3.

Während Apples Displays bedient werden konnten, indem fester gedrückt wurde, erlaubte «Air View», Samsungs Displays zu bedienen, ohne sie zu drücken.

Ganz ehrlich, mir ist bis heute noch nicht wirklich klar, wie «Air View» technisch genau funktionierte. Aber praktisch war es auf jeden Fall. Mittels kapazitiver Sensoren konntest du dir eine Vorschau von Bildern oder Benachrichtigungen anzeigen lassen, indem du lediglich mit dem Finger draufzeigtest. Ähnlich wie wenn du mit deiner Maus am PC über einem Element hoverst, ohne tatsächlich draufzuklicken. Heute brauchst du dafür ein Samsung-Handy mit passendem Stift.

Lebensnotwendig? Nein. Mega cool? Definitiv.

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Smartphone
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Energielabel B

Googles «Project Soli»

Ein weiteres «Ich bediene mein Handy, ohne es zu berühren»-Feature: Googles «Project Soli» war quasi «Air View» auf Steroiden. Tatsächlich gab es nur eine einzige Smartphone-Generation, welche dieses Feature unterstützte: das Google Pixel 4 und Pixel 4 XL.

Ein Radarchip im Handy ist schon ein wenig overkill, um ehrlich zu sein.
Ein Radarchip im Handy ist schon ein wenig overkill, um ehrlich zu sein.
Quelle: Google Research

«Project Soli» setzte auf Radartechnologie, um deine Hand zu erkennen, bevor du das Handy berührst. Dies erlaubte dann diverse Gesten, wie Medienkontrolle und Wecker stoppen per Wink- und Wischbewegungen.

Auch wenn es nur ein einziges Handy mit dem Feature gab – Soli wird von Google heute noch genutzt, einfach in anderen Devices. In meiner Küche steht beispielsweise ein Nest Hub (2nd Gen), der über diesen Radarchip verfügt. Der Funktionsumfang ist zwar sehr limitiert – ich kann Musik pausieren und Timer stoppen –, aber ich fühle mich immerhin wie ein Jedi, wenn ich dem Gerät aus zwei Metern Distanz zuwinke und es prompt reagiert.

Der IR-Blaster

Jetzt aber: Alle bisher aufgelisteten Features waren Gimmicks, Spielereien. Aber der Infrarot-Blaster oben am Handy? Den vermisse ich. Jeden Tag.

Eigentlich war es schier verantwortungslos, meinem Teenager-Ich so viel Macht in die Hand zu geben. Wie, ich kann mit meinem Handy jede erdenkliche Fernbedienung simulieren und jedes Gerät in meiner Umgebung kontrollieren? Einfach so?

Kein Schul-Beamer, kein Schaufenster-TV, absolut gar nichts war sicher, wenn ich in der Nähe war!

Spass beiseite, eine Universalfernbedienung im Handy integriert zu haben, kann wirklich unvorstellbar praktisch sein. Sei es die verlorene Fernbedienung der Klimaanlage, leere Batterien an der TV-Remote: Ich konnte schon so oft Probleme lösen, indem ich einfach mit meinem Handy draufgezeigt und einen virtuellen Knopf gedrückt habe.

Der IR-Blaster auf meinem S4 und ich haben einiges durchgemacht.
Der IR-Blaster auf meinem S4 und ich haben einiges durchgemacht.
Quelle: Dayan Pfammatter

Ich weiss, in modernen Smartphones zählt jeder Kubikmillimeter an Platz. Aber für den IR-Blaster würde ich sofort ein paar Prozent Akku abgeben, wenn ich die Wahl hätte.

Es geht nicht nur bergab

Also: War früher wirklich alles besser? Vielleicht. Ist die Innovation tot? Auf gar keinen Fall. Auch wenn jedes neue Smartphone wie eine iterative Verbesserung wirkt, Handys entwickeln sich immer noch Jahr um Jahr weiter. Und das summiert sich. Die Energiedichte vieler Smartphone-Akkus ist dank Silizium-Kohlenstoff-Technologie so hoch wie nie zuvor. Samsung hat entspiegelte Displays, vielleicht bald mit eingebautem Privacy-Filter. MagSafe (und PixelSnap) ist vielleicht mein absolutes Lieblings-Smartphone-Feature in diesem Jahrzehnt. Manche Handys sind dünn, manche falten so, andere falten so.

Viele Features sind gegangen, viele gute werden noch kommen. Aber die Zeit der mutigen Spielereien? Die vermisse ich.

Titelbild: Dayan Pfammatter

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Praktisch seit ich denken kann fasziniert mich alles, was Tasten, Displays und Lautsprecher hat. Als Journalist mit Fokus auf Technik und Gesellschaft schaffe ich Ordnung im Dschungel aus Tech-Jargon und unübersichtlichen Spec-Sheets.


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Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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