
Hintergrund
Ausprobiert: Ich zeichne mich entspannt
von Anna Sandner

Zeichnen, bis ich in den Flow komme, mein Kopf sich abschaltet und ich entspanne, während ich meiner Kreativität freien Lauf lasse. Ein wunderbares Gefühl! Das Anleitungsbuch «Calm Your Mind» liefert dafür unzählige Inspirationen und Vorlagen, die das Abtauchen in Formen und Farben noch leichter machen.
Vor fast zwei Jahren hatte ich eine meiner bisher liebsten Ausprobiert-Wochen mit gesunden Selbstexperimenten. Auf der Suche nach Entspannungsmethoden für die geistige Gesundheit stieß ich auf ein Buch zum Thema «Slow Drawing» und zeichnete mich von da an zur Entspannung – mit großem Erfolg.
Das langsame Zeichnen begeistert mich derart, dass ich bis heute gemächlich meine Striche ziehe – einfach nebenbei oder ganz gezielt als Auszeit. Ich lasse meine Seele baumeln, während auf dem Papier nach und nach faszinierende Muster und Formen entstehen.

Hungrig auf neue Ideen bin ich nun fündig geworden: Das Anleitungsbuch «Calm your Mind – Find your Flow» aus dem Topp-Verlag bietet auf knapp 140 Seiten eine beeindruckende Fülle an neuen Formen, Mustern und Techniken.
Das Anleitungsbuch entführt Stück für Stück in die Welt des Entspannungszeichnens. Zu Beginn gibt es eine kleine Einführung, Infos zum Material und dazu, wie du die beste Atmosphäre schaffst, um deinen Geist beim Zeichnen runterkommen zu lassen. Ich arbeite mit einem gewöhnlichen Zeichenblock, einem Tintenstift und den Alkoholmarkern von Ohuhu:
Dann folgen zehn einfache Zeichenübungen zum Einstieg. Alleine in diesem Kapitel konnte ich mein Repertoire erneut erweitern.

Es folgen gut 20 Seiten mit Anleitungen und Anregungen, um Blumen, Holzmaserungen, Bäume und Blätter zu zeichnen. Zu Beginn sitze ich meist zögerlich vor den hübschen Zeichnungen und bezweifle, die Blüten auch nur ansatzweise nachzeichnen zu können. Im nächsten Augenblick bin ich bereits in die beruhigenden Formen versunken. Bis ich schließlich vor meinem Werk sitze und staune: Wieder ist ein hübsches Bild entstanden, während ich gedankenversunken abschalten konnte.

Als Kind saß ich oft mit einem Mandala unter meinem Schulheft in der Klasse. Während der Lehrer versuchte Lateinvokabeln oder Chemieformeln in meinen Kopf zu bekommen, habe ich voller Enthusiasmus meine kreisförmigen Muster ausgemalt. Vielleicht war mir schon damals unbewusst klar, dass das beruhigende Zeichnen meinem Gehirn auf die Sprünge half und ich so manches Wissen besser abspeichern konnte.
Zu meiner großen Freude stoße ich jetzt im Buch auf die Anleitung, wie ich meine eigenen Mandalas erschaffen kann. Wie schon bei den anderen Beschreibungen ist auch hier mit wenigen Worten verständlich erklärt, wie ich vorzugehen habe. Es folgt eine Übersicht mit typischen Formen, die richtig aneinandergereiht Mandalas ergeben. Und schon gleitet meine Hand wieder übers Papier und ich versinke im Machen.

Später im Buch erklärt die Autorin die Zentangle-Methode: eine Technik mit strukturierten Mustern auf kleinen Quadraten, aus dickem rauen Papier (Kacheln genannt). Sie zeigt mehrere der Muster als Schritt-für-Schritt-Anleitung und motiviert zum Kombinieren.
Das Besondere an dieser Art des Zeichnens besteht darin, dass ich mir keine Gedanken über das Endergebnis machen muss. Keine Frage danach, wie es am Schluss aussehen soll, oder was ich überhaupt erschaffen will. Es ist jedes Mal, als würde ich eine Wundertüte öffnen: Ich setzte mich hin, ziehe Linien, versinke im Hier und Jetzt. Wenn ich wieder auftauche, wartet die Überraschung: Was ist diesmal entstanden? Ohne bewusst zu steuern, ergibt sich doch immer ein zusammenhängendes Bild.

Ein ganzes Kapitel widmet sich dem Kolorieren der Bilder. Die farbenfrohen Muster und Formen springen einem noch mehr ins Auge als die Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Als ich das Buch gekauft habe, wollte ich sofort mit etwas Buntem loslegen. Und es sind einige farbenfrohe Ergebnisse herausgekommen, die sich sehen lassen können.

Ich habe festgestellt, dass ich es meistens bevorzuge, mit einem einzigen schwarzen Stift zu zeichnen, statt mit der ganzen Farbpalette. Warum? Weil es minimalistischer ist. Hier muss ich gar nicht nachdenken: Stift, Papier und los geht’s. Beim Colorieren muss ich überlegen, welche Farbtöne ich nehme, wie viele verschiedene, komplementär oder Farbverlauf … und so weiter. Macht auch Spaß, aber ich will meinen Kopf lieber abstellen. Die bunten Ergebnisse allerdings gefallen mir meist noch besser.

Pro
Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.
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