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Produkttest

Aufgepasst Switch und Co. – hier kommt Nex Playground

Philipp Rüegg
2/4/2026
Video: Nico Bernasconi, Carolina Ferreira Fernandes

Nex Playground ist eine Konsole, die ausschliesslich mit Bewegungssteuerung gespielt wird. Das funktioniert erstaunlich gut und macht sogar grossen Kindern Spass. Nur das Preismodell wird nicht alle überzeugen.

Xbox Kinect war Microsofts Antwort auf die Wii. Die Bewegungssteuerung ging sogar einen Schritt weiter als Nintendos Konsole und funktionierte komplett ohne Controller. Der Boom dieser Systeme ist längst passé. Heute wird wieder fast ausschliesslich vom Sofa aus oder vor dem PC gezockt. Die Nex Playground will das ändern. Die Mini-Konsole richtet sich in erster Linie an Kinder und lässt sie ordentlich herumhampeln. Das macht allerdings auch grossen Kindern Spass, wie Kollege Simon und ich attestieren können.

Einrichtung ist ein Klacks

Die Nex Playground stammt aus den USA. Dort ist die Konsole bereits seit Dezember 2023 verfügbar – mit Unterbrüchen. Ende letzten Jahres war der Ansturm so gross, dass sie praktisch überall ausverkauft war. Rund 650 000 Einheiten gingen 2025 über den Ladentisch. Für ein Erstlingsprodukt ein absoluter Spitzenwert. 2026 soll die Nex Playground den Sprung über den grossen Teich schaffen. Bis dahin musst du sie importieren. So wie auch ich das getan habe.

Die Nex Playground neben der Switch 2.
Die Nex Playground neben der Switch 2.

Die Nex Playground ist ein kleiner, bunter Würfel mit knapp acht Zentimetern Kantenlänge. Sie besitzt keinerlei Tasten. Auf der Rückseite gibt es zwei Anschlüsse. Einmal HDMI für die Verbindung zum Fernseher und USB-C für das mitgelieferte Netzteil. Auf der Vorderseite befindet sich die Kamera mit dem Bewegungssensor.

Das einzige Zubehör neben Netzteil und HDMI-Kabel ist eine kleine Fernbedienung. Die brauche ich für das Setup und die Navigation. Eingerichtet ist die Nex Playground in wenigen Minuten. Dafür muss ich einen Account mit E-Mail-Adresse erstellen. Danach kann ich loszocken.

Auf der Rückseite sind der HDMI- und der USB-C-Anschluss. Knöpfe gibt es keine.
Auf der Rückseite sind der HDMI- und der USB-C-Anschluss. Knöpfe gibt es keine.

Spiele nur im Abo

Die Konsole kostet mit 250 US-Dollar – inklusive fünf Spielen – deutlich weniger als Switch und Co. Der Wermutstropfen: Will ich mehr Games, muss ich ein Play-Pass-Abo lösen. Das gibt es entweder für drei Monate oder ein Jahr und kostet 50, respektive 90 US-Dollar. Darin enthalten sind aktuell über 50 Spiele. Monatlich kommen neue Inhalte und Spiele hinzu. Sie sind aber nicht vergleichbar mit denen des Game Pass für PC oder Xbox. Es sind meist Minispiele, die oft aus kleineren Mikrogames bestehen. Sie sind mehrheitlich exklusiv auf der Nex Playground verfügbar und wurden entweder von Nex selbst oder von Partnern entwickelt.

Das Sortiment lässt sich sehen. Kinder freuen sich über bekannte Gesichter wie Bluey, Peppa Wutz oder Ohne Zahn aus «Drachenzähmen leicht gemacht». Grössere Kinder wie ich schielen auf die Ninja Turtles oder die verschiedenen Fitness-Titel. Auf der Xbox One habe ich «Kinect Fitness» rege genutzt – wenn auch nur im Winter.

Die Spieleauswahl bietet für alle etwas.
Die Spieleauswahl bietet für alle etwas.

Anders als bei Microsofts Kinect kann ich mich nicht mit Gesten oder Stimme durch die Menüs navigieren. Das nervte dort ohnehin, darum vermisse ich es auch hier nicht. Play OS, wie das Betriebssystem heisst, basiert auf Google Android. Erkennbar ist das allerdings nicht. Dank schlichter Oberfläche können sie auch Kinder einfach bedienen. Spiele sind in verschiedenen Kategorien wie «Top 10», Party Games, Sports oder Music & Dance sortiert. Bis zu fünf Titel kann ich favorisieren, dann erscheinen sie zuoberst.

Aktuell läuft das System nur auf Englisch oder Spanisch. Mit dem geplanten Launch im Frühling in Grossbritannien und später in weiteren europäischen Ländern dürfte sich das ändern. Wirklich viel Text gibt es nicht zu lesen und gesprochen wird auch nur in einem Teil der Spiele.

Mach mal Platz

Um ein Spiel zu starten, drücke ich mit der Fernbedienung auf Play und schon geht es los. Je nach Spiel können bis zu vier Personen mitmachen. Man reiht sich vor dem Fernseher, respektive der Kamera auf und streckt beide Arme in die Höhe. Schon erkennt Nex Playground die Mitspielenden. Die Kamera besitzt einen Blickwinkel von 176 Grad. Das heisst, man kann relativ nahe stehen und es passen immer noch alle Personen ins Bild. Allerdings benötigen die Spiele schon ab zwei Personen relativ viel Platz. Besonders jene, die viel Bewegung erfordern – oder wenn Kinder spielen.

Die meisten Spiele erfordern viel Bewegungsraum.
Die meisten Spiele erfordern viel Bewegungsraum.

Ich habe es primär mit dem Sohn (5 Jahre) und der Tochter (8 Jahre) ausprobiert. Bereits nach wenigen Minuten fragte ich mich, ob es zu spät für eine Garantieverlängerung des Fernsehers ist: Die Kinder springen und schwingen Arme und Beine in einem Radius, der nicht für unser Wohnzimmer gemacht ist. Leider kann ich weder den TV noch das Sofa verschieben. Ich kann lediglich die Kamera so ausrichten, dass wir auf dem Teppich spielen können. Dann stehen wir aber schräg vor dem Fernseher. Besonders bei Spielen, in denen man durch die Kamera Teil des Spiels ist, ist das unbefriedigend.

Also bleiben wir mit eineinhalb Metern gefährlich nahe vor dem Fernseher und ich stöbere gedanklich schon nach einem neuen Gerät.

Von kurzweilig bis schweisstreibend

Von Action- über Sport- bis zu Partyspielen finde ich fast alles. Für die meisten braucht es kaum Erklärungen, um sie zu verstehen. Von allen ausprobierten Games gefallen meinen Kindern und mir die folgenden am besten:

Zu vielen bekannten Marken wie «Turtles» gibt es ein passendes Spiel.
Zu vielen bekannten Marken wie «Turtles» gibt es ein passendes Spiel.
  • «Bluey»: Wenig überraschend sind die ersten Titel, die wir spielen, bekannte Marken, die meine Kinder sofort erkennen. Das Spiel zur beliebten Kinderserie besteht aus verschiedenen Minispielen. In einem müssen wir mit den Händen einen Luftballon so lange wie möglich in der Luft behalten. In einem anderen kochen wir nach Rezept. Das ist spielerisch absolut anspruchslos, aber mit der Welt von Bluey zu interagieren, bereitet meinen Kindern immer Freude.
  • «Tarri»: Das Spiel ist eine offensichtliche Kopie der VR-Sensation «Beat Saber». Zu einer überraschend grossen Musikauswahl rasen Symbole auf mich zu. Im richtigen Moment schlage ich sie, wirbele mit meinen Armen oder bewege mich auf leuchtenden Streifen wie bei «Eins, zwei oder drei». Ein zeitloses Spielprinzip. Und sogar Menschen wie ich, für die Popmusik das Äquivalent von Fingernägeln an einer Wandtafel sind, finden ein paar passende Tracks. Simon und ich mussten es natürlich übertreiben und haben direkt die schwierigste Stufe versucht. Wie sehr wir ins Schwitzen kamen, siehst du im Video oben.
  • «Party Fowl»: Eine Sammlung von Party-Spielen, bei denen man sich beim Herumalbern auf dem Fernseher zuschauen kann. Mal bin ich eine Henne und mache im richtigen Moment Squats, um Eier in Körbe zu legen. Oder ich muss mit den Händen Eisblöcke zerschlagen oder mit Hula-Hoop-Bewegungen einen Helikopter zum Fliegen bringen. Das zählt definitiv zu meinen täglichen Fitness-Bemühungen.
  • «Home Run Heroes»: Dass einfache Sportspiele gut mit Bewegungssteuerung zusammenpassen, hat «Wii Sports» längst bewiesen. In Home Run Heroes schwinge ich meinen Arm und schlage die krassesten Home Runs.
  • «Go Keeper»: Auch hier fliegen Bälle auf mich zu. Statt sie wegzuschlagen, wehre ich sie als Torhüter ab. Witzige Aufmachung mit Robotern, die die Bälle verschiessen. Dazu gibt es zahlreiche Spezialbälle, Handschuhe mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Wind, der die Flugrichtung beeinflusst.

Die 12,3-Megapixel-Kamera zaubert nicht das detaillierteste Bild auf den Fernseher. Gesichter sind aber gut genug zu erkennen, um sich über die eigenen Faxen lustig zu machen. Wenn ich sie nicht brauche, kann ich die Kamera mit einer magnetischen Kappe abdecken. Laut Nex ist die Konsole zertifiziert mit idSAFE+ COPPA – einem Gesetz zum Schutz der Privatsphäre von Kindern im Internet. Die Konsole sammelt keine Daten, ist werbefrei, bietet keine In-Game-Käufe und auch keine Chatfunktionen. Sie funktioniert auch offline.

Nex Playground ist aktuell nur als Import erhältlich. Wann und ob Digitec/Galaxus das Produkt führen wird, ist noch unklar. Der offizielle Preis liegt bei 249 US-Dollar.

Die Auflösung der Kamera ist ausreichend.
Die Auflösung der Kamera ist ausreichend.

Fazit

Trotz Abo-Zwang keine Spassbremse

Viel habe ich nicht von der Nex Playground erwartet. Eine Kinderkonsole, die nur mit kostenpflichtigem Abo wirklich funktioniert? Da läuten bei mir alle Alarmglocken. Zu Unrecht: Das Spielerlebnis spricht für sich. Unter den rund 50 Spielen sind mehr als genug, die meinen Kindern, aber auch Kollege Simon und mir Spass machen. Von kurzweiligen Minispielen mit bekannten Marken bis zu schweisstreibenden Musikspielen und chaotischen Partyspielen ist alles dabei.

Die kinderleichte Bedienung und die Bewegungssteuerung haben mich ebenfalls überzeugt. Das Spieleangebot wird zudem laufend erweitert. Meine Kinder schauen gerade zum zweiten Mal «Avatar – Der Herr der Elemente» und freuen sich, dass demnächst ein passendes Spiel dazu auf der Nex Playground erscheint.

Für den Preis eines einzigen Switch-2-Games bekommst du eine ganze Spielesammlung. Natürlich reicht keines davon an ein echtes Nintendo-Spiel heran. In der Summe und durch die Steuerung, die heute keine andere Konsole mehr bietet, liefert die Nex Playground etwas Einzigartiges. Und du, respektive die Kinder, bekommen dabei erst noch etwas Bewegung.

Pro

  • grosse Spieleauswahl, die laufend erweitert wird
  • Unterhaltung für Gross und Klein
  • Bewegungssteuerung funktioniert zuverlässig
  • Man macht etwas Sport beim Zocken
  • einfache Bedienung

Contra

  • ohne Jahresabo praktisch nutzlos
  • Spielauswahl primär auf Mehrspieler und Fitness ausgelegt
  • aktuell nur per Import erhältlich

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


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