
Dieser Mähroboter kann fast nichts – und das ist gut so
Der Visimow von Bosch ist ein Mähroboter gegen den Trend: Er ist kompakt und kann ausser Mähen kaum etwas. Ist es aber nicht genau das, was du für deinen Rasen brauchst?
Seit ein paar Wochen hat mein Luba Mini 2 AWD 1000 von Mammotion (hier mein Testbericht) einen Herausforderer. Als ich die beiden bekannt gemacht habe, dachte ich, der Mammotion hätte kurz aufgelacht. Dieses Lachen ist ihm inzwischen vergangen.
Denn der Bosch-Mähroboter hat dem mächtigen Konkurrenten gezeigt, wie einfach es ist, knapp 100 Quadratmeter Rasen sauber zu mähen. Ohne Ladestation. Ohne App.
Ich habe schon einige Mähroboter getestet, so schnell wie der Visimow war davon keiner im Einsatz. Bosch schreibt: hinstellen, starten, mähen. Und das stimmt fast genau so.
Vorausgesetzt du hast die richtige Version gekauft, die mit Akku. Es gibt den Visimow nämlich in verschiedenen Varianten – also auch ohne Akku. Einige schlechte Bewertungen für den Mähroboter bei uns im Shop haben Leute geschrieben, die die Variante ohne Akku gekauft haben.
Du fragst dich: Warum wird der Visimow überhaupt ohne Akku angeboten? Das ist so, weil der kleine Mäher mit einem Akku der «Power for all alliance» läuft. Darin haben sich aktuell elf Marken zusammengetan, deren Geräte alle mit den gleichen Akkus laufen. Hast du ein Gerät von Gardena oder Bosch, könnte es gut sein, dass du bereits einen solchen 18-Volt-Akku besitzt.
In diesem Fall könntest du die «nackte» Variante des Visimow wählen, die etwas günstiger ist. Sonst achte darauf, dass du den Visimow mit Akku und Ladegerät in den Warenkorb legst.
Keine Kabel, keine Station
Der Visimow braucht also eine Batterie, dafür aber keinen Begrenzungsdraht, und es gibt auch keine Ladestation. Er orientiert sich mittels eingebauter Kamera und Ultraschallsensoren. Bosch nennt das System «Smartvision».
Ich kann den Mähroboter einfach auf der Rasenfläche aussetzen, nacheinander zwei Tasten drücken und los geht die Reise. Bei mir ist das aus ein paar Gründen ohne Risiko möglich. Mein Garten erfüllt alle wesentlichen Voraussetzungen für optimalen Betrieb:
- Die Rasenfläche ist klar abgegrenzt, sei es durch Randsteine oder Mauern.
- Die Randsteine und Platten sind breit genug; Bosch empfiehlt 35 Zentimeter, 30 genügen gemäss meinen Erfahrungen auch.
- Vertikale Begrenzungen sind ausreichend hoch, um vom Ultraschallsensor erkannt zu werden.
- Bei Hecken und Büschen funktioniert der Ultraschallsensor, dann macht der Visimow kehrt, statt in den Busch zu fahren.
Mir ist das Gerät während mehrerer Wochen Test tatsächlich kein einziges Mal irgendwo steckengeblieben oder abgestürzt. Ich habe ihn jeweils mit voll geladenem Akku gestartet und so lange im zufälligen Zickzack über den Rasen fahren lassen, bis der Akku nach gut dreieinhalb Stunden Betrieb leer war und ich ihn wieder einsammeln konnte. Das ist vielleicht länger als nötig, aber es schadet auch nicht. Und es stört auch nicht, weil er angenehm leise unterwegs ist.
Ja, du hast richtig gelesen: Nach getaner Arbeit muss ich den Visimow einsammeln. Er räumt sich nicht selbst auf, weil es ja keine Ladestation gibt. Dafür hat das Gerät immerhin einen Tragegriff. Das ist praktisch, weil ich ihn so in die Autogarage tragen kann. Dort, an einer Steckdose, habe ich auch die Ladestation für den Akku.



Schwächen bei Flächen
Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, das der Visimow mit seinem Drei-Klingen-Teller und 16 Zentimeter Schnittbreite liefert. Perfekt ist es aber nicht. Es gibt zwei Schwächen. Erstens: Die Kamera erkennt die gusseiserne Abdeckung eines Schachts in der Rasenfläche als Hindernis. Der Mähroboter könnte an sich gefahrlos darüber fahren, macht es aber nicht. Liegt eine nicht-grüne Fläche in seiner Bahn, stoppt er in respektvollem Abstand von 20 Zentimetern davor und kehrt um. Die Folge: Rund um den Deckel gibt es neuerdings einen Rand mit hohem Gras. Auch vertrocknete Rasenstellen umfährt der Visimow. So richtig smart ist das nicht. Lernen kann der Bosch das auch nicht, die Daten zur Objekterkennung sind in der Software hinterlegt und können nicht geändert werden. Ich werde die braunen Stellen wieder ansäen müssen und auf dem Schachtdeckel vielleicht einen Rasenteppich auslegen.



Die zweite Schwäche ist der Kantenschnitt. Teure Mähroboter fahren zum Start oder am Ende ihres Arbeitsprogramms den Rand der Rasenfläche ab und mähen hier gezielt. Der Visimow nicht. Seine Bahnen zieht er nach dem Zufallsprinzip kreuz und quer auf dem Rasen. Natürlich kommt er dabei bis zum Rand, erwischt dort aber längst nicht alle Halme. Bei mir gibt es zwischen einer Begrenzungsmauer und der Grasfläche zehn Zentimeter Rasenkantensteine. Trotzdem bleiben weitere zehn Zentimeter Gras unbearbeitet, weil der Visimow zu früh stoppt und kehrt macht.
Ich muss also regelmässig nacharbeiten. Hier ergibt die Akku-Allianz Sinn, denn natürlich erledige ich das mit einem Bosch- oder Gardena-Gerät. Gut für deren Umsatz.
Mäht im Kreis, erkennt wenig
Beim Mähen erkennt der Visimow kaum Hindernisse. Ich habe es mit einem kleinen Ball, einem Kleinhäckchen und einer Badehose probiert. Er hat alles ignoriert, den Ball vor sich hergeschoben, das Werkzeug und die Badehose überfahren. Letztere wurde ein Opfer der Klingen. Weder die Anstoss- noch die Ultraschallsensoren haben hier funktioniert.
Bei Mauern, Palisaden oder Gartenplatten funktioniert es tadellos. Solange es Tageslicht gibt. Der Visimow hat keinen eingebauten Scheinwerfer. Deshalb stellt er bei Einbruch der Nacht seine Arbeit ein. Regen bremst den Visimow dagegen nicht, er hat keinen Sensor dafür.

Die Schnitthöhe variiert von 20 bis 60 Millimeter, was eine völlig ausreichende Varianz ist – sowohl für Zier- als auch Schattenrasen-Fans. Gibt es auf der Fläche eine Stelle, die besonders intensiv gemäht werden soll, hat der Visimow eine «SpotMow»-Funktion. Drücke ich den entsprechenden Knopf, werden rund zwei Quadratmeter spiralförmig gemäht. Danach fährt das Gerät wieder im Zickzack-Modus. Das ist praktisch, wenn zum Beispiel mal wieder unter den allseits beliebten Gartentrampolinen gemäht werden muss. Nur: Zu hoch dürfen die Halme dann auch nicht sein. Alles, was höher als 14 Zentimeter in den Himmel ragt, erkennen die Ultraschallsensoren als Hindernis und der Roboter weicht aus. In so einem Fall kann ich den Sensor deaktivieren.
Darf’s etwas mehr sein?
Ich habe als Testgerät den Visimow 18V-100 erhalten. Dieser ist für eine Rasenfläche von bis zu 100 Quadratmetern gemacht. Es gibt auch noch die 200er-Version, die für, du ahnst es, Flächen bis 200 Quadratmetern ausgelegt ist. Der Akku ist zwar der gleiche, aber der 200er hat statt 16 immerhin 18 Zentimeter Schnittbreite, schafft pro Bahn also zwölf Prozent mehr Grashalme. Und er kommt mit einem bürstenlosen Motor, die in der Regel weniger schnell verschleissen.
Bei einem Preisunterschied von um die 80 Franken (Stand Anfang Oktober) empfehle ich den Visimow mit grösserer Schnittbreite und bürstenlosem Motor.
Fazit
So dumm, dass er schon wieder schlau ist
Pro
- läuft sehr leise
- erkennt Grenzen wie Palisaden, Mauern und Platten gut
- Akku auch für andere Geräte nutzbar
- einfachste Bedienung und Installation
- ordentliches Mähergebnis
Contra
- ineffizientes Zufalls-Zickzack-Mähen
- erkennt kleine Hindernisse schlecht
- breiter Randstreifen von 20 Zentimetern
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.
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