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Debora Pape
Hintergrund

Digitalisierung in der Küche: Ohne Mealie würde ich verhungern

Debora Pape
3/7/2026
Bilder: Debora Pape

Das Open-Source-Tool Mealie hilft mir enorm bei der Küchenorganisation. Aus Home Assistant heraus verwalte ich damit Rezepte, plane Mahlzeiten und erstelle Einkaufslisten nahezu automatisch.

Smarte Tools für die Küche interessieren mich schon lange. Deswegen habe ich im vergangenen Herbst mit dem «Küchen-ERP» Grocy experimentiert – und bin krachend gescheitert: zu umständlich, zu komplex. Dann brachte mich Richie auf das Tool Mealie. Das ist eine auf einem lokalen Server installierte Software zur Organisation von Rezepten und Essensplänen sowie zum einfachen Erstellen von Einkaufslisten.

Ein erster Überblick hat mich so überzeugt, dass ich Mealie als Add-on in meine Smarthome-Plattform Home Assistant integrierte. Und jetzt, einige Monate später, kann ich mir den Alltag ohne Mealie nicht mehr vorstellen. Richie hat kürzlich in seinem Beitrag bereits die Einrichtung auf seinem Unraid-Server sowie den Import von Rezepten beschrieben. Mit dem Einkaufslisten-Tool hat er aber noch nicht viel gearbeitet. Ich dagegen würde ohne die Mealie-Einkaufsliste und den Essensplaner verhungern.

Das Tablet am Kühlschrank eignet sich perfekt für den Kochmodus. Es liegt nicht im Weg herum und ich habe alle benötigten Zutaten und Zubereitungsschritte direkt vor Augen.
Das Tablet am Kühlschrank eignet sich perfekt für den Kochmodus. Es liegt nicht im Weg herum und ich habe alle benötigten Zutaten und Zubereitungsschritte direkt vor Augen.

Vom bürokratischen Akt zum Küchen-Flow

Bei Richie ist es die Rezeptschublade des Grauens, bei mir der Kochbuchstapel aus der Hölle. Und der Browser-Ordner mit weiteren diversen Online-Rezepten. Kurz: Das Rezepte-Chaos macht die Wochenplanung der Mahlzeiten und Einkäufe unnötig schwer.

Bei mir zuhause sah der Samstagmorgen bisher so aus: Mein werter Gatte und ich durchblättern Kochbücher und lassen uns inspirieren. Wir suchen uns drei bis vier Rezepte aus und notieren deren Namen und Fundort, also den Link oder die Seitennummer, in einer Home-Assistant-Liste. Das ist nötig, denn es gibt nichts Schlimmeres, als für bestimmte Gerichte einzukaufen und dann nicht mehr zu wissen, wofür die Zutaten gedacht waren.

Und dann tragen wir die Zutaten in der empfehlenswerten Einkaufszettel-App Bring! ein. Diese App synchronisiert die Einträge auf unseren Smartphones und war uns rund zehn Jahre beim Einkaufen eine riesige Hilfe. Trotzdem bleibt alles Handarbeit.

Im Kochmodus wird die Zutatenliste neben den Zubereitungsschritten angezeigt. Die Schritte lassen sich mit einem Fingertipp zuklappen.
Im Kochmodus wird die Zutatenliste neben den Zubereitungsschritten angezeigt. Die Schritte lassen sich mit einem Fingertipp zuklappen.

Falls du bei dieser Vorgehensweise Amtsstuben-Vibes bekommst, geht es dir wie mir. Zum Glück schafft Mealie Abhilfe: Das Tool lässt mich Rezepte anlegen und nachkochen, Speisepläne erstellen und Zutaten auf den integrierten Einkaufszettel setzen.

Neue Rezepte pflege ich am Computer ein. Für die Mahlzeiten- und Einkaufsplanung nutze ich Mealie mit der Home-Assistant-Companion-App am Smartphone oder Tablet. Beim Scrollen durch die Rezeptdatenbank entdecke ich immer wieder Gerichte, die schon lange nicht mehr auf dem Tisch standen und auf die ich plötzlich wieder richtig Lust bekomme. In Sekundenschnelle setze ich ein gewünschtes Rezept auf den Speiseplan für die kommende Woche und lasse Mealie den Einkaufszettel mit den benötigten Zutaten ergänzen.

Die Einkaufsliste zeigt mir, was ich für die eingeplanten Gerichte brauche und welche Rezepte den Einträgen zugeordnet sind.
Die Einkaufsliste zeigt mir, was ich für die eingeplanten Gerichte brauche und welche Rezepte den Einträgen zugeordnet sind.

Datenverwaltung: Die Grundlage für strukturierte Einkaufslisten

Mealie zeigt die Zutaten auf der Einkaufsliste einfach nach dem Alphabet an. Im Supermarkt bringt mir das wenig: Ich brauche die Einträge nach Abteilung geordnet. Hier kommt die Datenpflege ins Spiel.

Mit Grauen erinnere ich mich an die Fitzelarbeit mit Grocy, wo das Anlegen einer Zutat und deren Verwaltung fast ein Studium erforderte. In Mealie ist das deutlich einfacher. Pflege ich ein neues Rezept ein, kann ich in der Datenbank fehlende Zutaten gleich mit anlegen: ein Name, die Menge und die Maßeinheit reichen. Damit neue Lebensmittel einer Supermarktabteilung zugeordnet werden, muss ich aber manuell in die Datenverwaltung gehen.

Für die Einkaufsliste ist in der sowieso schon übersichtlichen Karteikarte neben dem Lebensmittelnamen nur die Lebensmittelkategorie und die «Vorhanden»-Checkbox wichtig.

In der Lebensmittelkarte trage ich fehlende Informationen nach.
In der Lebensmittelkarte trage ich fehlende Informationen nach.

Die Supermarktabteilungen habe ich als Kategorien hinterlegt. Eine Kategorie lässt sich in der Lebensmittelkarte per Dropdown-Menü zuordnen. Natürlich ist nicht jeder Supermarkt identisch aufgebaut. Trotzdem spart mir diese Vorsortierung beim Einkaufen spürbar Zeit.

Bevor Mealie alle Zutaten für ein Rezept auf die Liste setzt, zeigt die Software ein Prüfungsfenster an. Lebensmittel, die ich noch auf Vorrat habe, kann ich dort abwählen. In der Lebensmittelkarte lassen sich Produkte, die ich grundsätzlich lagernd habe oder ohnehin jede Woche neu einkaufe, als «Vorhanden» kennzeichnen. Dann sind sie im Prüfungsdialog beim Erstellen der Einkaufsliste standardmäßig abgewählt. Geht ein Vorrat zur Neige, setze ich einfach wieder einen Haken und schicke die Zutat dadurch mit auf die Liste.

Der Prüfungsdialog beim Erstellen einer Einkaufsliste lässt mich Lebensmittel an- oder abwählen.
Der Prüfungsdialog beim Erstellen einer Einkaufsliste lässt mich Lebensmittel an- oder abwählen.

Weil Mealie im Gegensatz zu Grocy keine Vorratsverwaltung ist, muss ich mich bei der Datenverwaltung nicht mit Maßeinheiten, Umrechnungen und Verbräuchen herumschlagen. Wenn ich gut gelaunt bin, lege ich für die Lebensmittel auch Aliasse oder Mehrzahl-Bezeichnungen an. Ein Alias ist in Mehrpersonenhaushalten sinnvoll, wenn eine Person von Apfelsinen und die andere von Orangen spricht.

Im Alltag funktioniert Mealie super

Beim Einkaufen latschen mein Mann und ich mit dem Smartphone vor der Nase durch den Supermarkt und arbeiten die erstellte Einkaufsliste ab. Das Abhaken der Einträge wird wie in Bring! in Echtzeit synchronisiert – Internetverbindung und aktivierter Remote-Zugriff auf Home Assistant sind allerdings vorausgesetzt.

Die Einkaufsliste zu erstellen und zu nutzen ist so einfach, dass ich das neue Prozedere schnell auch meinem Mann schmackhaft machen konnte. Dasselbe gilt auch für den Essensplaner. Mit wenigen Fingertipps auf dem Smartphone ist ein Rezept einem Datum und – wenn gewünscht – sogar einer Mahlzeit (zum Beispiel Abendessen oder Mittagessen) zugeordnet. So genau brauche ich das gar nicht: Mir reicht es, unter der Woche noch zu wissen, für welche Gerichte ich am Samstag eingekauft habe. Die genaue Planung ergibt sich dann je nach Zeit und Lust, wenn es soweit ist.

Mit dem Essensplaner organisiere ich die geplanten Mahlzeiten für die kommende Woche.
Mit dem Essensplaner organisiere ich die geplanten Mahlzeiten für die kommende Woche.

Ich kann dem Speiseplan auch Einträge hinzufügen, die nicht als Rezept in Mealie hinterlegt sind. Für meine Pizza à la Casa brauche ich keine Anleitung, aber würde ich meine Planung nicht festhalten, würde ich die Pizza vergessen. Für solche lediglich als Notiz geplanten Einträge muss ich die Zutaten von Hand auf die Einkaufsliste setzen. Dabei lassen sich fehlende Lebensmitteleinträge ebenfalls direkt erstellen.

Die Daten des Speiseplans – Datum, Namen der Mahlzeiten und deren Bilder – lassen sich auch in einem Home-Assistant-Dashboard anzeigen oder als Variablen in Push-Nachrichten verwenden. Eingebaut habe ich das aber noch nicht.

Was mir an Mealie noch fehlt

Mealie macht mir die Alltagsorganisation viel einfacher. Mit ein paar Verbesserungen wäre das Programm für mich perfekt. Schade ist etwa, dass ich beim Erstellen eines Lebensmitteleintrags über den Einkaufszettel oder im Rezept nicht gleich die gesamte Karteikarte sehe, sondern zur Pflege in die Datenverwaltung gehen muss. Außerdem kann ich ein Rezept im Speiseplan nicht über mehrere Tage hinweg einplanen. In meinem Zweipersonenhaushalt kommt es oft vor, dass wir ein Vier-Portionen-Gericht einfach an zwei Tagen essen. Aktuell füge ich dann ein Rezept zweimal hinzu.

Außerdem wünsche ich mir eine "Erledigt"-Funktion: Damit ließe sich eine Mahlzeit als zubereitet abhaken und gleich dem Zeitstrahl hinzufügen. Im Moment erledige ich das noch von Hand. Der Zeitstrahl zeigt mir, wann ich welches Gericht gekocht habe. So sehe ich auch, wann ich ein Rezept zuletzt gekocht habe: In der Rezeptübersicht kann ich die Anzeigereihenfolge so festlegen, dass lange nicht mehr gekochte Rezepte zuerst angezeigt werden.

Der Zeitstrahl zeigt mir an, was wir wann gekocht haben – das hilft beim Sortieren der umfangreichen Rezeptliste.
Der Zeitstrahl zeigt mir an, was wir wann gekocht haben – das hilft beim Sortieren der umfangreichen Rezeptliste.

Doch das sind Kleinigkeiten. Mealie ist für unseren Haushalt zu 90 Prozent genau das, was wir brauchen, um alle Rezepte an einem Ort durchsuchbar zu bündeln und sie für die Wochenorganisation zu nutzen.

Titelbild: Debora Pape

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Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


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