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HBO Max / Warner Bros.
Meinung

Erster «Harry Potter»-Trailer – und meine Skepsis bröckelt

Luca Fontana
26/3/2026

HBO zeigt den ersten Teaser zu «Harry Potter and the Philosopher's Stone». Mein Eindruck nach sieben Mal Schauen: Man darf sich freuen. Vorsichtig.

So, da sind wir also. Nach all den Polemiken, Casting-Gerüchten, Spekulationen und Fan-Backlashes. Vieles wurde gesagt, vieles geschrieben – oft über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus.

Doch jetzt liegt er auf dem Tisch, der erste Teaser-Trailer zu HBOs «Harry Potter and the Philosopher's Stone». Damit können wir endlich Handfestes kommentieren, auch wenn man grosse Effekt-Szenen vergeblich sucht. Kein Wunder: Die Dreharbeiten sind gerade erst vergangenen Sommer gestartet. Was wir stattdessen bekommen, sind Sets, Kostüme, Gesichter und ein erster Blick auf den Look und den Feel dieser Neuverfilmung.

Was soll ich sagen? Wenn ich alles auf den Punkt bringen soll, was mir gerade beim Schauen durch den Kopf gerast ist, dann wohl am ehesten mit diesen zwei Worten:

vorsichtig optimistisch.

Im Ligusterweg beginnt alles – wieder

Der Reihe nach. Der Trailer öffnet dort, wo die Geschichte schon immer begonnen hat: in Harrys miserablem Leben bei den Dursleys. Nur diesmal sehen wir Szenen, die in den Filmen nie vorkamen. Harry in der Schule, wo ihn sein Cousin Dudley vor den Augen aller schikaniert. Oder Tante Petunia, die ihm die Haare schneidet – Haare, die am nächsten Morgen wieder genauso lang nachgewachsen sein werden wie zuvor.

«Du bist nicht besonders» – Tante Petunia (Bel Powley) beim Haareschneiden. Natürlich weiss sie es besser. Genau das macht es so grausam.
«Du bist nicht besonders» – Tante Petunia (Bel Powley) beim Haareschneiden. Natürlich weiss sie es besser. Genau das macht es so grausam.
Quelle: HBO Max / Warner Bros

Es sind kleine Momente wie diese, die am besten zeigen, was die Serie hat: Zeit. Zeit, die den Filmen fehlte, weil ein ganze Bücher in zweieinhalb Stunden pressen mussten. Die Serie kann atmen, kann verweilen, kann Details erzählen, die bisher nur im Kopf der Lesenden existierten.

Dann Hagrid. Nick Frost sitzt deplatziert in einer Londoner U-Bahn, ein Riese inmitten einer Welt, die nicht für ihn gemacht wurde. Nur ein paar Sekunden – und doch steckt in ihnen bereits so viel Charme und Wärme, dass ich sofort spüre: Diese Besetzung funktioniert. Denn Frost bringt eine Gutmütigkeit mit, die sich anfühlt wie ein alter Freund, den man lange nicht gesehen hat. Anders als Robbie Coltrane, natürlich. Aber eben auch: auf eine eigene Art richtig.

Ein Halbriese in der Londoner U-Bahn: Nick Frost als Hagrid, herrlich fehl am Platz in der Muggelwelt.
Ein Halbriese in der Londoner U-Bahn: Nick Frost als Hagrid, herrlich fehl am Platz in der Muggelwelt.
Quelle: HBO Max / Warner Bros

Und dann ein Bild, das mir einen Stich versetzt. Harry beobachtet Molly Weasley (Katherine Parkinson), wie sie Ron bei der Verabschiedung am Bahnsteig umarmt. Eine Mutter, die ihren Sohn festhält. Harrys Gesichtsausdruck verrät alles: Er kennt dieses Gefühl nicht.

Harry beobachtet, wie Molly Weasley (Katherine Parkinson) ihren Sohn Ron verabschiedet – ein stiller Moment, der mehr erzählt als jeder Dialog.
Harry beobachtet, wie Molly Weasley (Katherine Parkinson) ihren Sohn Ron verabschiedet – ein stiller Moment, der mehr erzählt als jeder Dialog.
Quelle: HBO Max / Warner Bros

Im Film von 2001 wäre dieser Moment undenkbar gewesen. Chris Columbus inszenierte den «Stein der Weisen» als buntes Abenteuer, beschwingt, staunend und voller Wow-Effekte – ein Elfjähriger entdeckt eine magische Welt, und wir staunen mit. Diese Serie hingegen wagt von Anfang an den Blick auf das, was darunter liegt: die Einsamkeit, die Sehnsucht und den Schmerz eines Kindes, das nie erfahren hat, was es heisst, geliebt zu werden.

Hogwarts nimmt Gestalt an

Von hier bewegen wir uns langsam Richtung Hogwarts. Zuerst mit dem Hogwarts Express. Dann kommt der Hogsmeade-Bahnhof. Die Erstklässler steigen dort aus und werden traditionsgemäss von Hagrid über den See nach Hogwarts geführt, während die älteren Schülerinnen die Kutschen nehmen. Dann kommt Janet McTeer als McGonagall, die in der Eingangshalle wartet – aufrecht, streng und souverän.

Handgemacht, durchdacht, mit Liebe zum Detail: HBOs «Harry Potter» setzt auf Sorgfalt statt Effektgewitter.
Handgemacht, durchdacht, mit Liebe zum Detail: HBOs «Harry Potter» setzt auf Sorgfalt statt Effektgewitter.
Quelle: HBO Max / Warner Bros

Die grosse Halle sehen wir zwar noch nicht, dafür aber einen ersten Blick in den Gryffindor-Gemeinschaftsraum. Und hier wird ein Unterschied zu den Filmen sofort spürbar: Der Raum erstreckt sich weit nach oben, durch den ganzen Turm. Keine gemütliche Stube mehr wie in Chris Columbus' Verfilmung, sondern ein vertikales, atemberaubendes Gebilde, das endlich zeigt, was «im grossen Turm» tatsächlich bedeutet.

Dann sehen wir einen Klassenraum, der nach Geschichte der Zauberei aussieht – dem Fach von Professor Binns. In den Filmen kam er nie vor, dabei ist er eine der skurrilsten Lehrer: ein Geist, der seinen eigenen Tod schlicht verschlafen hat. Die Schülerinnen und Schüler erzählen sich, Binns sei eines Abends vor dem Kamin hockend im Schlaf gestorben und am nächsten Morgen einfach als Geist aus seinem Körper aufgestanden, um mit dem Unterricht weiterzumachen, als wäre nichts geschehen.

Geschichte der Zauberei: In den Filmen gestrichen, in der Serie endlich zu sehen. Professor Binns wäre begeistert. Oder auch nicht – er bemerkt ja kaum etwas.
Geschichte der Zauberei: In den Filmen gestrichen, in der Serie endlich zu sehen. Professor Binns wäre begeistert. Oder auch nicht – er bemerkt ja kaum etwas.
Quelle: HBO Max / Warner Bros

Später hören wir Ollivanders «Wir haben Grossartiges von ihnen zu erwarten, Mr Potter». Gespielt wird er von Anton Lesser, dem Mann, der als Qyburn in «Game of Thrones» und als Lio Partagaz in «Andor» bewiesen hat, dass er Autorität und unheilvolle Faszination gleichzeitig verkörpern kann. In wenigen Sekunden vermittelt er genau das, was Ollivander ausmacht: jemand, der mehr weiss, als er verrät.

Auch der Eingang zum Quidditch-Stadion ist kurz zu sehen, die Kulissen, die Sport-Kostüme, eine Schneeballschlacht im Hof. Alles wirkt handgemacht, durchdacht und mit einer Liebe zum Detail, die mich an die besten Produktionen von HBO erinnert.

Snape, Dumbledore und die grosse Casting-Frage

Jetzt zum Elefanten im Raum. Denn über kaum etwas wurde in den letzten Monaten heftiger gestritten als über die Besetzung von Severus Snape.

Paapa Essiedu, bekannt aus «I May Destroy You» und «Gangs of London», ist Schwarz und trägt Dreadlocks. Ich möchte hier nicht die Büchse der Pandora öffnen und die ganze Hautfarben-Debatte nochmals durchkauen. Nur so viel: Die ein, zwei Sekunden, die wir ihn im Trailer sehen, haben mir nicht missfallen. Überhaupt nicht, um ehrlich zu sein.

Paapa Essiedu als Severus Snape. Nicht Alan Rickman. Aber vielleicht muss er das auch gar nicht sein.
Paapa Essiedu als Severus Snape. Nicht Alan Rickman. Aber vielleicht muss er das auch gar nicht sein.
Quelle: HBO Max / Warner Bros

Klar, er ist nicht Alan Rickman – niemand wird das je sein. Rickman bleibt für meine Generation wohl für immer der Snape: diese kalte Eleganz, dieses Schlangenhafte, diese Stimme, die jedes Wort wie eine Drohung klingen liess. Aber Essiedu bringt etwas Eigenes mit. Ich sehe die Vision der Macher. Und vielleicht ist genau das der Punkt: Diese Serie muss nicht kopieren. Sie muss neu interpretieren.

Ähnliches gilt für John Lithgow als Albus Dumbledore. Auch ihn sehen wir nur für einen kurzen Moment, aber der Eindruck passt. Lithgow hat in einer Karriere, die sechs Emmys, zwei Tonys und zwei Oscar-Nominierungen umfasst, bewiesen, dass er Güte und Kalkül gleichermassen beherrscht. Beides Eigenschaften, die Dumbledore in den späteren Staffeln dringend braucht.

John Lithgow als Albus Dumbledore – Güte und Abgründigkeit in einer Besetzung, die über sieben Staffeln hinweg Sinn ergeben könnte.
John Lithgow als Albus Dumbledore – Güte und Abgründigkeit in einer Besetzung, die über sieben Staffeln hinweg Sinn ergeben könnte.
Quelle: HBO Max / Warner Bros

Und dann die Musik. Hans Zimmer und sein Kollektiv Bleeding Fingers Music, zusammen mit den Komponisten Kara Talve und Anže Rozman, haben den Score übernommen. Das bedeutet: kein John Williams mehr.

  • Meinung

    Oha! HBO verpflichtet Hans Zimmer für «Harry Potter»

    von Luca Fontana

Das Stück im Trailer klingt irgendwo zwischen melancholisch, hoffnungsvoll und neugierig machend, ohne je «Hedwig's Theme» zu zitieren. Sehr gut, auch wenn es für mich persönlich eine der härtesten Herausforderungen wird, zu akzeptieren, dass «Harry Potter» nicht mehr nach Williams klingt.

Aber was ich im Trailer höre, deutet zumindest an, dass Zimmer und sein Team einen eigenen emotionalen Zugang suchen, statt im Schatten eines der grössten Filmkomponisten der Geschichte zu stehen.

Das ist wichtig. Man kann darüber diskutieren, was besser oder schlechter ist. Aber am Ende muss die Musik – die ganze Serie! – für sich selbst stehen und ihre eigene Glaubwürdigkeit aufbauen. Das kann sie nicht, wenn sie permanent in den Fussstapfen von Chris Columbus’ und John Williams’ Interpretation wandelt. Es braucht eine eigenständige Vision, die für sich spricht.

Doch mehr als nur «vorsichtig optimistisch»?

Die grosse Frage hinter diesem Trailer lautet nicht: Sieht das gut aus? Ja, tut es. Die grosse Frage lautet: Kann diese Serie eine Berechtigung neben den Filmen entwickeln? Kann sie mehr bieten als Nostalgie in neuem Anstrich? Der Trailer beantwortet das nicht abschliessend – kein Teaser der Welt könnte das. Aber er sendet eine Botschaft:

Wir wissen, dass euch Harry Potter viel bedeutet. Wir nehmen das ernst. Das Material ist in guten Händen.

Ein Anblick so wohlig vertraut wie Butterbier: der Hogwarts-Express.
Ein Anblick so wohlig vertraut wie Butterbier: der Hogwarts-Express.
Quelle: HBO Max / Warner Bros

Showrunnerin Francesca Gardiner, die bei «His Dark Materials» bewiesen hat, dass sie literarische Fantasy für den Bildschirm übersetzen kann, und Regisseur Mark Mylod, der mehrere der besten «Succession»-Folgen inszenierte, bringen genau die Art von Handwerk mit, die diese Aufgabe verlangt: Respekt vor dem Ausgangsmaterial, gepaart mit dem Mut zur eigenen Handschrift.

Tatsächlich muss ich nach dem fünften, sechsten, siebten Schauen des Trailers zugeben: Mit jedem Mal wächst mein Vertrauen ein kleines Stück. Die Szenen mit Harry bei den Dursleys zeigen, dass sich diese Serie traut, ihren eigenen Ton zu finden. Ihren eigenen Vibe. Die Besetzung wirkt durchdacht, nicht bloss provokant. Und die Sets strahlen eine handwerkliche Sorgfalt aus, die im Zeitalter von KI-generierten Effektorgien fast schon wohltuend altmodisch wirkt.

Weihnachten 2026 ist der Starttermin. Bis dahin bleibt genug Zeit für weitere Trailer, weitere Debatten, weitere Erwartungen und Befürchtungen. Aber wenn mich dieser Teaser eines gelehrt hat, dann dies: Man darf sich freuen. Vorsichtig.

Aber man darf.

Der erste HBO-«Harry Potter»-Trailer

Wie siehst du den Trailer? Bist du skeptisch, begeistert oder irgendwo dazwischen?

Titelbild: HBO Max / Warner Bros.

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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