
Lenovo Thinktab X11: robustes Tablet mit austauschbarem Akku im Test
Das Industrietablet von Lenovo läuft mit Akku oder am Strom und ist äusserst widerstandsfähig. Den Akku des Thinktab X11 kann ich ohne Werkzeug entfernen und das Display sogar im Regen bedienen.
Wenn du ein Tablet mit Handschuhen bedienen oder den Akku selbst austauschen willst, kommst du mit den meisten Tablets nicht weit. Lenovo bereitet das Thinktab X11 dagegen gezielt auf raue Arbeitsbedingungen vor. Dank speziellem Display bedienst du es auch bei schlechtem Wetter.
Wasser stellt kein Hindernis dar – Sonnenlicht schon
Das 11 Zoll grosse Thinktab X11 wiegt 650 Gramm und ist einen Zentimeter dick. Zusammen mit der beiliegenden Schutzhülle, die auch Platz für den Stylus bietet, ist es ziemlich klobig. Es soll allerdings auch viel aushalten und wurde von Lenovo dementsprechend konzipiert.


Das IPS-Display hat eine Auflösung von 2560 × 1600 Pixeln. Für den vorgesehenen Dauereinsatz ist die Displaytechnik praktisch, da bei IPS im Gegensatz zu OLED kein permanentes Einbrennen statischer Bildinhalte zu erwarten ist.
Das Tablet erreicht bis zu 600 Nits. In Innenräumen reicht mir diese Helligkeit gut, bei strahlendem Sonnenschein erkenne ich draussen allerdings zu wenig. Mit der 90-Hertz-Bildwiederholrate läuft das Scrollen flüssig.
Spannend finde ich die Handschuh- und Wet-Touch-Unterstützung des Displays. Damit lässt sich das Gerät, wie der Name sagt, mit Handschuhen und nass bedienen. Schütte ich ein Glas Wasser auf das Tablet aus oder bediene es bei Regen, bemerke ich keinerlei Einschränkungen.
Selbst mit meinen flauschigen Winterhandschuhen reagiert der Touchscreen zuverlässig – allerdings muss ich etwas stärker drücken als gewohnt. Das beeindruckt und erweist sich als praktisch bei Schlechtwetterarbeit draussen.
Was mir bei der Bedienung ebenfalls äusserst positiv auffällt: das haptische Feedback. Beim Tippen gibt mir das Thinktab X11 relativ starke Vibrationen zurück. Das finde ich angenehm und erscheint mir gerade beim Tippen mit Handschuhen als besonders wertvoll.
Mittelklasse-Chip und Militärstandard
Als Chip hält der Snapdragon 7s Gen 3 Mobile her. Er gehört zur Mittelklasse und treibt sowohl Smartphones als auch Tablets in dieser Kategorie an. In meinen Benchmarks liefert er keine überragende Leistung, reicht aber für alltägliche Aufgaben. Grafiklastige Games würde ich damit nicht zocken. Dafür ist das Tablet allerdings auch nicht gedacht.
Im Leistungsvergleich mit anderen Tablets landet das Thinktab X11 wenig überraschend im unteren Bereich. Das Samsung Galaxy Tab S11 punktet neben der stärksten Chip-Leistung (MediaTek Dimensity 9400+) mit Schutzklasse IP68. Das bedeutet, dass es wasser- und staubdicht ist. Das Matepad Pro 12.2 von Huawei hat neben dem guten Chip (Kirin T92A) ein mattes Display, das Reflexionen reduziert.
Das Thinktab X11 hat dafür andere Vorzüge: Lenovo hat es nach Militärstandard (MIL-STD-810H) und mit Schutzklasse IP68 zertifizieren lassen. Damit ist es wasser- und staubdicht und hält diversen Extremszenarien stand – unter Laborbedingungen zumindest. Laut der Militär-Klassifizierung meistert das Thinktab X11 extreme Temperaturen, Feuchtigkeit und Erschütterungen.
Für den nötigen Strom habe ich zwei Möglichkeiten: Akku oder USB-C-Anschluss. Nutze ich den 10200-mAh-Akku, kann ich ihn ohne Schrauben ganz einfach austauschen oder entfernen. Auf diese Weise installiere ich das Gerät an einem festen Ort und versorge es über USB-C mit Strom. Das ist praktisch, wenn es in einem Betrieb immer an derselben Stelle zum Einsatz kommt und der Akku dort gar nicht benötigt wird.

Stecke ich das Gerät dauerhaft ein, nutze ich den zweiten USB-C-Anschluss, um eine Tastatur oder eine Maus anzuschliessen. Mit Akku hält das Tablet stattliche 19 Stunden durch. Das reicht auch für lange Arbeitstage gut.
Lenovo verbaut eine 13-Megapixel-Kamera auf der Rückseite und eine 8-Megapixel-Frontkamera für Selfies und Videocalls. Die Qualität geht in Ordnung. Für das Festhalten von Dokumenten und Ähnlichem reicht das aus. Dazu kommen acht Gigabyte (GB) RAM und je nach Version 128 oder 256 GB interner Speicher. Dieser lässt sich per microSD erweitern, ansonsten wäre er etwas knapp bemessen.
Eine weitere Besonderheit ist der frontseitig zugängliche NFC-Leser. Darüber kann ich Daten erfassen, Bestände verwalten oder Zugangskontrollen machen. So können Mitarbeitende sich per Handy einstempeln, Werkzeuge mit NFC-Tags ausleihen oder Inventar erfassen.
Der praktische Unterschied zu regulären Barcodes und QR-Codes liegt darin, dass NFC kein optisches Sichtfeld braucht und auch bei Verschmutzung der Tags funktioniert. Beachte aber, dass NFC-Tags nur einzeln und auf kurze Distanz (einen bis vier Zentimeter) funktionieren.

Mit dabei ist auch der Stylus Lenovo Tab Pen XE. Dank geriffeltem Ende lässt sich dieser auch mit Handschuhen oder nassen Händen gut aus dem seitlichen Fach der Tablethülle ziehen. Auch sonst wirkt er wertig und robust. Er läuft mit AAAA-Batterie, sodass ich ihn nie laden muss, dafür allerdings immer Ersatzbatterien griffbereit haben sollte. Er hat zudem ein Loch an der Rückseite, um ihn am Tablet zu befestigen und nicht zu verlieren. Ein gut durchdachtes Konzept.
Android 16, Deskmodus und Smartphone spiegeln
Lenovo packt Android 16 – eine Version hinter dem aktuellen Android 17 – auf’s Tablet und versieht es mit einer eigenen Benutzeroberfläche. Die Updatezeiträume sind derweil überschaubar: Lenovo verspricht zwei Android-Upgrades sowie vier Jahre an Sicherheitspatches.
Daneben bietet der Hersteller ein paar praktische Funktionen, darunter einen Deskmodus. Dieser startet automatisch, wenn ich eine Tastatur anschliesse. Alternativ aktiviere ich ihn über die Einstellungen oder Schnellleiste. Die Bedienung erinnert an ein Notebook: Apps werden als einzelne Fenster angezeigt und ich kann sie herumschieben. Unten erscheint eine Taskleiste für den Schnellzugriff auf einzelne Programme.

Via Smart Connect kopple und steuere ich verschiedene Geräte über ein Dashboard. Beispielsweise streame ich Apps vom Smartphone so auf das Tablet, spiegle einen Laptop und steuere meine Smartwatch. Dafür installiere ich Smart Connect auf dem anderen Gerät und verbinde beide mit demselben WLAN. Für automatische Verbindungen ist ein Lenovo- oder Motorola-Konto erforderlich.
Ausprobiert habe ich Smart Connect mit meinem Smartphone. Die Verbindung läuft flüssig und ich kann beispielsweise direkt auf dem Tablet auf meine Smartphone-Fotos und Videos zugreifen, sie herunterladen oder direkt teilen.

Fazit
Gutes Nischentablet mit durchdachten Funktionen
Mit dem Lenovo Thinktab X11 bekommst du kein Tablet für den gewöhnlichen Alltags- oder Entertainment-Gebrauch, sondern ein spezialisiertes Industrie- und B2B-Werkzeug. Es überzeugt vor allem dort, wo reguläre Konsumentengeräte versagen: bei extremen Witterungsbedingungen, im Dauerbetrieb an Arbeitsstationen sowie im rauen Arbeitseinsatz.
Besonders überzeugen mich die hervorragende Bedienbarkeit bei Regen und mit Handschuhen, der werkzeuglos austauschbare Akku (sowie der akkulose Betrieb am Strom), der integrierte NFC-Leser an der Front und der durchdachte Stylus.
Performance und Outdoor-Display-Helligkeit bewegen sich nur im Mittelmass, reichen für den Arbeitsalltag aber aus. Ein Wermutstropfen für den Unternehmenseinsatz ist die etwas kurze Software-Supportdauer von vier Jahren.
Pro
- robust und wetterfest gebaut
- mit Handschuhen und nass bedienbar
- flexibles Akkukonzept (Akku austausch- und entfernbar ohne Werkzeug)
- NFC-Leser
- praktischer und durchdachter Stylus
Contra
- nur vier Jahre Sicherheitspatches und zwei Android-Updates
- Display schwächelt bei Sonnenlicht
- Mittelklasse-Performance
- Speicher knapp bemessen mit bis zu 256 Gigabyte (allerdings erweiterbar)
Seit ich einen Stift halten kann, kritzel ich die Welt bunt. Dank iPad kommt auch die digitale Kunst nicht zu kurz. Daher teste ich am liebsten Tablets – für die Grafik und normale. Will ich meine Kreativität mit leichtem Gepäck ausleben, schnappe ich mir die neuesten Smartphones und knippse drauf los.
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