

Mit ISA im Bett: teuer, aber eben auch sehr gut
Baumwoll-Pyjamas sind für die Masse. Modal ist besser – meine Meinung. Mit ISA hat eine Schweizer Traditionsmarke eine Kollektion aus dem feinen Stoff lanciert.
Das Land der Träume ist in der Schweiz aus Baumwolle. Fast alle Pyjamas bestehen aus diesem Material. Auch die Bestseller-Liste bei Galaxus ist da eindeutig. Meine Baumwoll-Phase ist vorbei. Ich trage Nachtwäsche aus Modal. Angefixt hat mich Dagsmejan. Das Zürcher Start-Up hat früh wissenschaftliche Erkenntnisse in Schlafbekleidung übersetzt (hier ein Interview mit dem CEO und Gründer).

Jetzt macht sich die Schweizer Traditionsmarke ISA auf, eine Alternative zu bieten für alle, die auf besseren Schlaf aus sind. Die neue «Loungewear» muss ich als oberste Schlafmütze der Redaktion ausprobieren. Die Firma schickt mir zwei Sets, einmal kurz, einmal lang. Sie kommen direkt von Thomas Sallmann, Co-CEO bei ISA, in der siebten Generation für das Unternehmen aus Amriswil verantwortlich. Er kennt die Spielregeln: In der Galaxus-Redaktion schauen wir genau hin, es gibt keine Lobhudeleien aus Gefälligkeit oder zur Verkaufsförderung.
Als Tester ist mir auch egal, dass ISA bei der Lancierung der neuen Kollektion mit Sternekoch Andreas Caminada zusammenarbeitet. Klar, ein Koch braucht guten Schlaf. Wie wir alle eben. Der Promifaktor zieht bei mir aber nicht. «Sleep like a Caminada» heisst es von ISA. Ich weiss nicht, wie Herr Caminada schläft und will ihn hier sowieso nicht imitieren. Vermutlich sind die Zeiten, zu denen ich ins Bett komme, ohnehin gesünder als seine.

Feiner Stoff
Die neue Schlafbekleidung von ISA besteht aus einer Mischung: 90 Prozent sind Micro Modal, eine Cellulosefaser auf der Basis von Holz. Modalfasern sind der Baumwolle in mehreren Disziplinen überlegen: Sie sind fester, dabei trotzdem weicher. Ausserdem behalten sie auch nach vielen Wäschen ihre Stabilität und Geschmeidigkeit. Baumwolle wird, du kennst es sicher, irgendwann hart und das Kleidungsstück verliert seine Form.
Den 90 Prozent Modalfasern mischt ISA noch zehn Prozent Elasthan bei. Ich finde das sehr angenehm und logisch. Denn so kann der Pyjama etwas enger geschnitten werden. Bei Positionswechsel im Schlaf bilden sich keine nervigen Falten und Knitter.

Gut fürs Klima – global und im Bett
Modalstoff kann sehr umweltfreundlich hergestellt werden. Zum einen ist der Rohstoff Holz nachwachsend, bei ISA kommt er aus zertifizierten und kontrollierten Quellen. Holz benötigt weniger Fläche und weniger Einsatz von Pestiziden als Baumwolle.
Zum anderen setzt ISA auf Tencel-Modalfasern. Tencel ist ein geschützter Markenbegriff, dahinter steht der österreichische Konzern Lenzing. Dieser hat ein besonderes Fertigungsverfahren, bei dem die Fasern in einem umweltfreundlichen Kreislaufsystem entstehen und 95 Prozent der verwendeten Chemikalien zurückgewonnen werden können. Der Wasserbrauch ist nur halb so gross wie bei anderen Verfahren. Lenzing wird für seine Modal-Produktion auch von unabhängiger Seite gelobt und ist vielfach zertifiziert.
Weniger Schwitzen in der Nacht
So ist das von ISA verwendete Modalgarn gut fürs Weltklima und die Natur. Darüber hinaus sorgt der Stoff für gutes Schlafklima. Die Fasern habe eine Struktur, die Feuchtigkeit aufnimmt und vor allem wieder abgibt. Anders formuliert: Der Schweiss, den du in der Nacht produzierst, geht in den Stoff und dann auf der anderen Seite des Stoffes wieder nach draussen. Ich schlafe seit vielen Jahren in Modal. Nur, wenn es eine Störung im Pyjama-Wechsel-Wasch-Rhythmus gibt, muss ich auf einen Baumwoll-Pyjama zurückgreifen. Ich merke den Unterschied definitiv. Irgendwie ist der Baumwollstoff am morgen leicht klamm. Der ISA-Schlafanzug fühlt sich dagegen jeden Morgen wie frisch aus dem Schrank an – auch dann, wenn ich es in der Nacht ein wenig warm hatte.
Meine Körpertemperatur ist, wenn ich Modal-Shirt und Modal-Hose trage, weniger hoch als mit Baumwollkleidung. Zumindest zeigt das der Blick auf die Apple Watch, die meine Temperatur am Handgelenk aufzeichnet. In Baumwoll-Nächten war sie durchschnittlich 0,1 Grad höher. Leute aus der Wissenschaft weinen jetzt wohl gerade leise. Aber auch wenn der Messwert keinem Peer-Review standhalten würde – ich habe auch noch so etwas wie ein Gefühl: Im ISA-Outfit fühle ich mich am Morgen deutlich erholter. Das muss am besseren Mikroklima zwischen meiner Haut und dem Stoff liegen.

Glatt wie Seide, passt wie ein Laufshirt
Mir fällt im Test auf, wie glatt der Stoff ist. Selbst nach ein paar Wäschen. ISA verwendet ein besonders feines Garn, das in Deutschland versponnen wird, genauer gesagt bei den Gebrüdern Otto aus Dietenheim im Ostalbkreis (Baden-Württemberg).
Der Schnitt von Shirts und Shorts ist «Modern Fit». Darunter versteht man in der Textilbranche eine leicht taillierte Passform. So ähnlich wie du sie vielleicht von Sportkleidung kennst. Ich bin 1,91 Meter gross und wiege um die 82 Kilogramm; da bin ich etwas zu schmal, als dass mir L perfekt passen würde, M ist dagegen minimal zu kurz. Ich kenne das, ich habe einfach nicht die Statur, die mit Normgrössen kompatibel wäre. Bei den Shorts spielt die Beinlänge keine Rolle, deshalb mag ich die Kurzvariante lieber.

Wertschöpfung in der Schweiz
Sobald das Garn aus Deutschland in der Schweiz ist, beginnt die Schweizer Veredelung. Bei ISA stehen in den Fabrikhallen in Amriswil die passenden Strickmaschinen, um den Single-Jersey zu produzieren. Es handelt sich um Rund-Strickmaschinen mit einer E44er-Teilung, wie mir Thomas Sallmann sagt. Ohne zu sehr in die Details zu gehen – die Nadeln sind sehr, sehr fein. Pro englischen Zoll, das sind 2,54 Zentimeter, gibt es 44 Nadeln, die 44 Maschen schaffen. Es gibt pro Zentimeter Stoff über 17 Maschen. Zum Vergleich: Beim Stoff für einen Hoodie oder ein Sweatshirt kannst du von fünf bis zehn Maschen pro Zentimeter ausgehen.
Der Stoff wird nach dem Stricken bei ISA in einem Partnerbetrieb veredelt. In Fehraltorf, Kanton Zürich, wäscht die Firma E. Schellenberg Textildruck den Stoff und färbt ihn ein. Das passiert «unter Einhaltung höchster ökologischer und sozialer Standards». Wie auch die Spinnerei in Deutschland hat auch die Fehraltorfer Firma auf der Website ziemlich viele Siegel und Zertifikate für Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit.

Zur Veredelung gehört, dass am Ende der Stoff versengt wird. Das klingt zunächst nicht wie etwas, was man tun sollte. Das Sengen in einem Betrieb, der sich damit auskennt, ist aber etwas Gutes. Feine Faserenden, die aus dem Stoff noch herausstehen, werden dabei mit einer Gasflamme weggebrannt, quasi flambiert – Grüsse an den Koch Caminada. Das Ergebnis beim Stoff ist keine Crème brûlée, sondern eine sehr glatte und flusenfreie Ware. Diese ist viel weniger anfällig für Pilling.
Die Modal-Pyjamas von ISA gibt es auch in einer Version für Kinder, also für Jungs. Der Starkoch hat eben nur männlichen Nachwuchs, deshalb gehen Girls leider leer aus. Meine Tochter klagt das an. Sie würde auch gern den «Luxus-Pyjama» tragen. Und hier findest du auf einen Blick alle Caminada-Teile von ISA auf einen Blick.
Fazit
Das Rezept für guten Schlaf
Pro
- farbige Kordeln im Hosenbund als nettes Designelement
- Hosen und Shorts mit praktischen Taschen
- sehr angenehmes Tragegefühl
- Nachhaltigkeit bis in die letzte Faser
- Wertschöpfung zu grossen Teilen in der Schweiz
Contra
- für mich dürfte der Schnitt körpernäher sein
- Ja, der Preis … Swiss Made, inklusive Gage für den Starkoch
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.
Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.
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