

Mit Recco- und Mips-Technologie: Der Skihelm Flow Pro von Scott im Test
Leicht, angenehm zu tragen und mit Recco- sowie Mips-Technologie ausgestattet: Der Skihelm Flow Pro von Scott gefällt im Praxistest mit einer grossen Ausnahme. Aber schützt er bei einem Crash? Diese Frage bleibt unbeantwortet.
Dieser Skihelm hat viele Eigenschaften. Da ist zum Beispiel das Multidirectional Impact Protection System, kurz Mips. Diese Technologie soll den Kopf bei einem schrägen Aufprall schützen. Solche Stösse erzeugen gefährliche Drehbewegungen, die das Gehirn besonders belasten. Wer Ski- oder Snowboard fährt weiss, dass Stürze meist seitlich verlaufen und nicht linear.
Im Flow Pro von Scott ist auch ein Recco-Reflecor (passiver Ortungsreflektor) verbaut. Dieser soll die Auffindbarkeit für professionelle Retter verbessern, falls es zu einem Lawinenunfall kommt oder du dich verirrst. Die Hybridschalenkonstruktion des Helms kombiniert ausserdem In-Mold-Technologie mit einer robusten EPS-Innenschale.

Die Sache mit der Sicherheit
Samstagnachmittag beim Jochpass oberhalb von Engelberg. Zwischen den Felsen schlängeln sich die schmalen Pisten talwärts. Das Wetter ist gut und in den ersten Kantonen haben die Sportferien begonnen. Entsprechend ziehen viele Wintersportlerinnen und Wintersportler auf Skiern und Boards ihre Linien in die weisse Pracht.
Bei genauerem Hinschauen fallen zwei Dinge auf. Erstens tragen mit ganz wenigen Ausnahmen alle einen Helm. Und zweitens ist das mit dem «Linien in den Schnee zaubern» so eine Sache. Wirklich im Griff scheinen viele ihr modernes Equipment nicht zu haben. Es werden hohe Tempi von gegen 50 km/h oder höher erreicht, die teuren Carving Skier bei Bedarf kurz quergestellt und dann wieder laufen gelassen. Eine kontrollierte Kurventechnik sieht anders aus. Aber was kann dank Mips und Recco schon schiefgehen?
Einiges. Zumindest, wenn man dem letzten Testbericht des Kassensturz bezüglich Sicherheitsnormen bei Skihelmen glauben kann. Auch meine Sportuhr zeigt am Abend beim gemütlichen Après-Ski eine gefahrene Höchstgeschwindigkeit von etwas über 50 km/h an, obwohl ich den ganzen Tag bewusst kontrolliert unterwegs war.
Laut Kassensturz sind moderne Skihelme aber dafür konzipiert, einem Aufprall mit maximal 20 km/h standzuhalten. Hätten mich die rund 500 Gramm Plastik und Co. des Flow Pro also bei einem Crash vor einer schweren Kopfverletzung geschützt? Ich bin froh, dass ich es nicht herausfinden musste.
Scott Flow Pro Mips
Aber genug der Spekulationen. Laut Scott besteht der Flow Pro aus 98 Prozent recyceltem Polycarbonat und einer zu mindestens 50 Prozent recycelten EPS-Auskleidung. Das steht für expandiertes Polystyrol – besser bekannt unter dem Markennamen Styropor.

Insgesamt trägt sich der Helm dank der temperaturregulierenden Polsterung recht angenehm. Die Lüftung ist gut, sogar mit geschlossenen Öffnungen an der Front des Helms. So beschlägt die Goggle während des ganzen Tages nicht ein Mal. Top. Am Morgen sind es einige Grad unter Null, und da ist es mir schon fast ein wenig zu kühl. Nachmittags wird es eine Spur wärmer, was ich jedoch nicht wahrnehme. Das macht aber durchaus Sinn, wird der Helm von Scott doch auch zum Tourengehen vermarktet. Das ist dann deutlich schweisstreibender als Fahrten auf der Piste.
Die Magnetschnalle macht das Ein- und Ausklicken des Verschlusses spielerisch leicht. In den Flow Pro hat Scott laut eigener Aussage einiges an Zeit und Geld investiert, um die Hörfähigkeit auf und abseits der Piste zu verbessern. Der Hersteller nennt dies «360° Pure Sound Technologie». Ich habe beim Tragen des Helms nicht speziell darauf geachtet und nichts Aussergewöhnliches wahrgenommen. Anders gesagt habe ich mit diesem Modell genau so gut gehört, wie mit allen anderen Produkten, die ich bisher getragen habe.
Ein Manko ist die Kompatibilität mit Goggles anderer Marken. Die Ambit LS von Scott passt perfekt zum Helm. Schön zu sehen im Titelbild oben. Ich habe aber noch weitere Brillen ausprobiert. Eine von Flaxta und meine Standard-Goggle von React. Bei beiden hat es zwischen Helm und Brille einen kleinen Abstand gegeben. Speziell beim Flaxta-Produkt sorgte dies für einen unangenehmen Luftzug.

Fazit
Scott Flow Pro Mips: Es gibt eigentlich nicht viel auszusetzen
Dieser Skihelm, den mir der Hersteller zur Verfügung gestellt hat, macht vieles richtig. Er sitzt angenehm, es gibt bei mir keine Druckstellen. Die Kühlung ist für den Pistengebrauch für meinen Geschmack fast zu gut. Wie er sich auf Skitouren verhält, kann ich nicht beurteilen, da ich ausschliesslich auf Skipisten unterwegs bin. Ansonsten gefällt mir der leichte Magnetverschluss und sein schlichtes Design.
Negativ fällt die Tatsache ins Gewicht, dass der Helm nur mit Scott-Goggles wirklich kompatibel zu sein scheint. Für mich schon fast ein Killer-Argument gegen einen Kauf. Bist du jedoch ein eingeschworener Fan der Fribourger, kannst du den letzten Satz getrost streichen.
Pro
- gute Kühlung
- guter Tragekomfort
- leicht zu bedienender Magnetverschluss
- Mips- und Recco-Technologie
Contra
- nicht mit anderen Goggles kompatibel

Vom Radiojournalisten zum Produkttester und Geschichtenerzähler. Vom Jogger zum Gravelbike-Novizen und Fitness-Enthusiasten mit Lang- und Kurzhantel. Bin gespannt, wohin die Reise noch führt.
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