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Kritik

«Resonance: A Plague Tale Legacy» wäre ein gutes Spiel, wenn die widersprüchliche Story nicht wäre

«Resonance: A Plague Tale Legacy» spielt sich wie eine knifflige Schatzsuche voller actionreicher Kämpfe auf einer wunderschönen Karibikinsel. Nur die Story vermiest den Strandurlaub.

«Resonance: A Plague Tale Legacy» dreht nicht nur den Titel um, es spielt 15 Jahre vor den Vorgängern «Innocence» und «Requiem». Auch beim Gameplay und der Lore schlägt es eine völlig neue Richtung ein. Statt Schleichpassagen und Steinschleudern als Waffe bekomme ich Parkourelemente und eine Protagonistin serviert, für die das Töten keine Herausforderung darstellt. Es fühlt sich wie «Uncharted» mit Schwertern an. Weder die namensgebende Plage noch die beiden Protagonisten aus den Vorgängern tauchen im dritten Teil auf.

Sophia rennt, rutscht, springt und kriecht über die Insel, um deren Geheimnisse zu lüften.
Sophia rennt, rutscht, springt und kriecht über die Insel, um deren Geheimnisse zu lüften.

Schatzsuche

In «Resonance» spiele ich die junge Plünderin Sophia, die ich in «A Plague Tale Requiem» bereits als erwachsene Frau kennengelernt habe. Als Kind wurden ihr verschiedene Substanzen injiziert, die Visionen hervorrufen. In Trance zeichnet Sophia kryptische Bilder einer Insel mit einem sagenumwobenen Schatz, den ihr Plündererdorf unbedingt bergen möchte. Die Ereignisse überschlagen sich und Sophia stürzt sich mit ihrer Freundin Leni ins Abenteuer, um den Schatz selbst zu bergen.

Das Gameplay von «Resonance» unterteilt sich in drei große Bereiche: Erkundung, Kämpfe und Rätsel. Mithilfe eines kleinen Tagebuchs, das mit Zeichnungen aus Sophias Visionen gefüllt ist, navigiere ich über die mysteriöse Insel. Es zeigt mir beispielsweise einen auffällig geformten Baum an, hinter dem sich der Eingang zu einer Höhle befindet.

Statt einer Zielmarkierung zu folgen, achte ich bewusst auf meine Umgebung und suche nach Orten, die in dem Tagebuch aufgeführt sind. Dadurch nehme ich meine Umgebung bewusst wahr und genieße sie aktiv. Kleinere grafische Probleme, wie das Nachladen von Texturen und gelegentliches Flackern nach einer Zwischensequenz, versuche ich zu ignorieren.

Sophia und Leni genießen während der Schatzsuche eine Pause auf der Insel.
Sophia und Leni genießen während der Schatzsuche eine Pause auf der Insel.

Die tropische Insel bietet eine Kulisse aus dichtem Dschungel und atemberaubender Flora. Sie steht im Kontrast zu den dunklen Höhlen. Mit Sophia springe ich über Abgründe, rutsche Abhänge hinab und klettere Vorsprünge hinauf, um immer tiefer in das Höhlensystem zu dringen. Unter freiem Himmel benötige ich das Tagebuch zur Navigation, im Untergrund dient es als Hilfestellung für die vielen Rätsel im Spiel.

Knifflige Rätsel ohne Ende

In den Katakomben der Insel stehen oft Spiegel, mit deren Hilfe ich einen Lichtstrahl durch den Raum leite, um Türen oder Mechanismen zu aktivieren. Obwohl sich das Rätselkonstrukt oft wiederholt, ist es nie eintönig. Durch verschiedene Störfaktoren und abwechslungsreiche Raumgestaltung muss ich meine grauen Zellen immer wieder anstrengen.

Die mysteriöse Sphäre in Sophias Händen macht geheime Inschriften sichtbar.
Die mysteriöse Sphäre in Sophias Händen macht geheime Inschriften sichtbar.

Sophia ist im Besitz einer mysteriösen Kugel, mit der sie den Weg erleuchten und unsichtbare Markierungen aufdecken kann. Damit navigiere ich durch mit Fallen gespickte Räume, suche geheime Inschriften und löse versteckte Rätsel. Im Laufe der Zeit schalte ich weitere Funktionen der Kugel frei, mit denen ich die umfangreichen Knobelaufgaben löse. In den meisten Fällen sind diese logisch aufgebaut und mit etwas Herumprobieren gut zu lösen. Stecke ich fest, kann ich nach einigen Minuten zwei Tipps aktivieren.

Offene Gefechte

Sophia und ihre Freundin sind nicht die einzigen Schatzjäger auf der Insel. Andere (meist) namenslose Plünderer strömen in Scharen hinterher und scheuen keinen Zweikampf mit der jungen Protagonistin, um den Schatz zu bergen.

Sophia wurde jahrelang im Umgang mit dem Schwert ausgebildet und kann es mit zehn Gegnern gleichzeitig aufnehmen. Das Anvisieren eines Gegners scheint offensichtlich nicht Teil der Ausbildung gewesen zu sein – es ist in den Kämpfen nicht möglich, einen Gegner bewusst anzumarkieren.

«Resonance: A Plague Tale Legacy» bietet offenere und blutigere Kämpfe als seine beiden Vorgänger.
«Resonance: A Plague Tale Legacy» bietet offenere und blutigere Kämpfe als seine beiden Vorgänger.

Bei einem Treffer verliere ich einen Abschnitt des dreiteiligen Gesundheitsbalkens, der sich beim Töten eines Gegners und nach Kämpfen wieder auffüllt. Oft besteht die Möglichkeit, die Feinde in Fallen zu lotsen oder sie eine Klippe hinunterzuschubsen. Auch das zählt als Abschluss und füllt meine Lebensleiste auf.

Die Kämpfe sind dank Sophias Fähigkeiten, die ich im Laufe des Spiels mit gefundenen Resonanzpunkten freischalte, gut zu meistern. Mit meinem Greifhaken ziehe ich Gegner zu mir heran. Herumliegende Messer oder Dosen dienen in Kämpfen als Wurfmaterial. Die Kampffähigkeiten meiner Begleiterin Leni sind zu vernachlässigen. Sie übernimmt meist nur einen oder zwei Feinde, während ich mich um ganze Gruppen kümmere.

Die Lore von «Resonance» ist unlogisch

Das größte Problem von «Resonance» ist die Story: Sie steht sich selbst im Weg. Mein übergeordnetes Ziel im Spiel ist es, den Schatz aus Sophias Visionen zu finden. Dazu muss ich mit den Hinweisen aus ihren Träumen und verschiedenen Schlüsseln ins Innere der Insel vordringen.

Immer wieder wird in Gesprächen hervorgehoben, dass nur Sophia das bewerkstelligen kann. Trotzdem treffe ich ab der zweiten Spielhälfte tief in den Ruinen auf Feinde, die erst nach mir die Insel erreicht haben und gar nicht vor mir dort sein können.

Im letzten Drittel öffne ich aufwendig riesige, seit Jahrzehnten verschlossene Tore und dringe weit in das Innere der Insel vor. Dort treffe ich erneut auf andere Plünderer und finde Hinweise, dass viele Schatzsucher bereits zehn Jahre vor mir hier waren. Kurioserweise erzählen mir die Charaktere im Spiel fast parallel, dass noch nie jemand so weit vorrücken konnte. Dieses Hin und Her an Informationen ist verwirrend und verwässert die Geschichte, die mich während der ersten Hälfte des Spiels fesselt.

«Resonance» steckt voller Geheimnisse und mystischer Momente.
«Resonance» steckt voller Geheimnisse und mystischer Momente.

Es gibt immer wieder Momente, in denen Sophia in eine Art Trance verfällt und Visionen aus der Vergangenheit hat. Dabei schlüpfe ich in die Rolle eines Kriegers und muss in Wettkämpfen mein Können beweisen. Bis ganz kurz vor Schluss verstehe ich nicht, weshalb das passiert, da es mich in der Geschichte nicht weiterbringt. Alles, was ich dort erfahre, erlebt Sophia kurz darauf in abgewandelter Form selbst. Am Ende klären diese Visionen gewisse Fragestellungen und Begebenheiten auf. Ob ich sie während der gesamten Spielzeit gebraucht hätte, bezweifle ich.

Es gibt noch andere Geheimnisse in der Story von «Resonance: A Plague Tale Legacy», die ich aus Spoiler-Gründen nicht angerissen habe. Die Plünderergeschichte nimmt eine mysteriöse Wendung, mit der ich zu Beginn des Spiels nicht gerechnet habe und ich möchte dir diese Überraschung nicht nehmen. Die damit verbundenen Gameplay-Aspekte fügen sich mit einer Variation der Licht- und Schattenrätsel optimal ins Spiel ein.

Fazit

«Resonance» ist ein spielerisch tolles, aber schlecht erzähltes Abenteuer

Ich möchte «Resonance: A Plague Tale Legacy» wirklich mögen, aber es zerstört sich durch die unlogische Story selbst. Es sieht fantastisch aus, hat eine Protagonistin mit Ecken und Kanten sowie ein gelungenes Rätsel- und Erkundungs-Gameplay. Die Idee, statt einer Quest-Linie Hinweisen aus Sophias Visionen zu folgen und in feinster Schatzsucher-Manier Rätsel einen mystischen Schatz zu finden, weckt den Indiana Jones in mir.

Sophias Freundin Leni hätte ich als Sidekick nicht gebraucht. Sie hilft nur rudimentär bei den Kämpfen und drückt selten mehr als einen Knopf, um bei Rätseln zu assistieren. Allerdings tragen die Dialoge zwischen den jungen Frauen massiv zur Stimmung und Immersion bei. Zerstört wird all das leider durch die inkonsequent erzählte Geschichte, die mit der Zeit von Verwirrung in Unverständnis umschlägt. Wenn du darüber hinwegsehen kannst, bekommst du trotz allem ein packendes Abenteuer serviert.

Pro

  • toll umgesetztes Setting
  • gute deutsche Synchronisation
  • actionreiche Kämpfe mit verschiedenen Fähigkeiten
  • abwechslungsreiche Rätsel trotz klarer roter Linie
  • Abenteurer-Vibe kommt klar rüber

Contra

  • widersprüchliche, unlogische Geschichte
  • Anvisieren der Gegner nur schwer bis gar nicht machbar
  • kleinere grafische Probleme wie nachladende Elemente und visuelles Flackern
Focus Home Interactive Resonance: A Plague Tale Legacy (PS5, DE)
Game

Focus Home Interactive Resonance: A Plague Tale Legacy

PS5, DE

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Ich hatte als Kind weder einen Gameboy noch einen Super Nintendo. Darum stieg ich erst mit fünfzehn Jahren in die Welt des Gamings ein. Seither versuche ich, den Rückstand mit allen Mitteln gutzumachen. Schaue ich mir die jährlich steigende Zahl der Game-Releases an, scheint sich aber die gesamte Branche gegen mich verschworen zu haben. 


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