
Retro im Ohr: Junge bringen das Kabel zurück
Kabelgebundene Kopfhörer wurden mit dem Verschwinden der 3,5-mm-Buchse am Handy rar. Nun sind sie vor allem bei der Jugend und den Frauen wieder angesagt. Hinter dem Comeback stehen Promis, Style, Akku-Frust und der Wunsch nach besserem Klang.
Kaum eine Innovation der letzten zehn Jahre hatte einen grösseren Einfluss auf unsere Kopfhörer als die kabellosen Earbuds: Als 2015 die ersten True-Wireless-Kopfhörer auf den Markt kamen, lösten sie einen Hype aus – besonders, als Apple 2016 seine AirPods nachlegte.
Als die Smartphone-Hersteller nach und nach die runde 3,5-mm-Buchse von ihren Geräten verbannten, brachen alle Dämme: Bereits 2017 war die Hälfte der bei Galaxus und Digitec verkauften Kopfhörer kabellos, drei Jahre später sogar drei von vier. Inzwischen hat der Wind gedreht: 36 von 100 verkauften Kopfhörern kommen heute wieder mit Strippe an die Ohren – wobei 11 davon als Hybridmodelle Musik, Podcasts oder Telefongespräche mit oder ohne Kabel wiedergeben. «Der Trend zeigt sich seit 2025, dieses Jahr hat die Bewegung weiter Schwung bekommen», sagt Tim Busslinger, der bei Galaxus und Digitec fürs Kopfhörer-Sortiment verantwortlich ist.
Kabel als Mode-Statement
Auf der Kabel-Welle reiten vor allem die jungen Kundinnen und Kunden im Alter bis 25 Jahre: Bei ihnen hängen 43 Prozent der in diesem Jahr gekauften Kopfhörer am Kupferstrang. Das sind doppelt so viele wie in den frühen 2020ern.
Von Kopfhörern mit Kabel angetan sind auch die Frauen: Beim Neukauf greifen sie gegenwärtig in 37 von 100 Fällen zu solchen Geräten. Bei den unter-25-jährigen Frauen sind es sogar 45 von 100.
Promis, Purismus und Akku-Frust
Tim sieht vor allem vier Gründe für die Renaissance des Kabels:
- Nostalgie und Promifaktor: Justin und Hailey Bieber, Ariana Grande, Robert Pattinson, Bella Hadid oder Charli XCX zeigen sich mit Kabel an den Ohren und machen diese so zu Mode-Accessoires mit Y2K-Ästhetik der frühen 2000er.
- Klangpurismus: Musikliebhaber und -Liebhaberinnen empfinden kabelgebundene Kopfhörer als überlegen, wenn es um unverfälschten Klang geht. Dabei investieren sie oft zusätzlich in einen hochwertigen Klinken-Adapter mit Digital-Analog-Wandler (DAC).
- Akku-Frust: Bei kabelgebundenen Modellen entfällt das Aufladen. Das ist für diejenigen praktisch, die ihre Kopfhörer spontan und lange nutzen wollen. Gerade Pendlerinnen oder Vielnutzer ärgern sich, wenn der Podcast oder Song wegen leerem Akku unterbricht.
- Preis vs. Leistung: Kabelgebundene Modelle mit USB-C-Anschluss oder 3,5-mm-Adapter sind oft günstiger als Bluetooth-Kopfhörer. Wer aufs Portemonnaie schaut, kauft eher einen Kopfhörer mit Strippe.
Ob das Kabel langfristig bleibt oder doch wieder in der Schublade landet, wird sich zeigen. Doch wer heute mit Kabel im Bus sitzt, trägt nicht einfach einen Kopfhörer – sondern eine Haltung. Die Botschaft lautet: weniger Akku-Stress, mehr Klang, und bitte keine AirPods wie alle anderen.
Siehst du im Kabel ein modisches Statement? Schwörst du auf puren Klang ohne Bluetooth? Wie viel darf ein guter Kopfhörer kosten? Die Kommentarspalte gehört dir!
Ich bin bei Galaxus und Digitec zuständig für den Austausch mit Journalistinnen und Bloggern. Gute Geschichten sind meine Leidenschaft, deshalb bin ich immer auf dem neusten Stand.
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