
Hintergrund
AMD Ryzen 7 9850X3D: Der neue Gaming-König, den du nicht brauchst
von Kevin Hofer

AMD probiert etwas Neues: Der Ryzen 9 9950X3D2 nutzt erstmals den 3D V-Cache auf beiden CCDs. Erste Tests zeigen: Der Leistungszuwachs ist da, ist aber überschaubar. Der hohe Preis erschwert eine Kaufempfehlung.
AMD bringt ein Jahr nach dem 9950X3D den 9950X3D2 auf den Markt. Das Besondere: Beide Chiplets tragen 3D V-Cache. Das klingt nach doppelter Leistung – doch die Realität sieht anders aus. Tester sind sich einig: Der Zugewinn ist messbar, aber gering. Und der Preis? Der sorgt für Kopfschütteln.
Im Gaming-Test von Tom's Hardware hält der 9950X3D2 locker mit anderen Zen-5-X3D-CPUs mit. Doch schneller als der 9850X3D ist er nicht, wie Jake Roach nüchtern feststellt.
Techspot sieht es ähnlich: Der 9950X3D2 liefert im Schnitt ein Bild pro Sekunde mehr als der 9950X3D. Steve Walton nennt das «a bloody expensive frame» – treffender lässt sich der geringe Fortschritt kaum beschreiben.
PC Games Hardware testet beide CPUs mit vertauschten Power-Limits, um den reinen Cache-Effekt zu isolieren. Das Ergebnis: Der zusätzliche Cache bringt im Gaming kaum Vorteile. Die beste Wahl bleibt, beide CPUs mit ihren Standard-Limits zu betreiben.
In Alltagsanwendungen liegt der 9950X3D2 laut Tom's Hardware nur vier Prozent vor dem 9950X3D. Das ist wenig – und fühlt sich auch so an. Doch bei spezialisierten Workloads zeigt der neue Chip seine Stärken: In Data-Science-Anwendungen zieht er laut Jake Roach deutlich davon. Wer solche Aufgaben täglich bewältigt, wird den Unterschied spüren.
Techspot liefert konkrete Zahlen: In Blender liegt der Vorsprung bei sieben Prozent, in Cinebench Multi bei vier Prozent, in Photoshop und Premiere bei zwei Prozent. Beim Shader-Kompilieren fällt der 9950X3D2 jedoch um vier Prozent zurück – ein Ausreisser nach unten.
Auch PC Games Hardware bestätigt: Der zusätzliche Cache wirkt, aber nur begrenzt. Interessant ist ihr Test mit reduziertem Power-Limit: Selbst dann schlägt der 9950X3D2 den 9950X3D mit erhöhtem Limit in den meisten Anwendungen. Der Cache-Effekt ist also real, aber bescheiden.
Der grösste Schwachpunkt des 9950X3D2 ist sein Stromverbrauch. Die TDP steigt von 170 auf 200 Watt, doch in der Praxis zieht die CPU laut Techspot noch mehr. Steve Walton misst eine 27 Prozent höhere Leistungsaufnahme für gerade mal vier Prozent mehr Leistung. PC Games Hardware beobachtet Spitzenwerte von über 270 Watt – fast auf dem Niveau eines Intel Core i9-14900K. Für eine moderne CPU ist das kein Ruhmesblatt.
Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 900 Dollar/Euro – 30 Prozent mehr als beim 9950X3D. Ein hoher Aufpreis für Leistungsgewinne, die selten zweistellig ausfallen. Alle Tester ziehen das gleiche Fazit: Der 9950X3D2 ist kein Prozessor für die breite Masse.
Für Gamer bleibt der 9850X3D die bessere Wahl – er kostet weniger und liefert ähnliche Ergebnisse. Wer produktiv arbeitet, fährt mit dem 9950X3D oder dem Intel Core Ultra 9 270K Plus günstiger – ohne nennenswerte Einbussen. PC Games Hardware bringt es auf den Punkt: Der Preisunterschied zwischen 9950X3D und 9950X3D2 steht in keinem Verhältnis zum Leistungszuwachs.
Wer das Maximum sucht und genau die Workloads nutzt, die vom Dual-Cache profitieren, findet im 9950X3D2 seine CPU. Alle anderen greifen besser zu günstigeren Alternativen.
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
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