
Schweizer Puzzle-Meister beim ersten Versuch
Erster Wettkampf, gleich Schweizer Meister: Manuel Egli erzählt, wie er ein 500-Teile-Puzzle in 38:10 Minuten löst und den Titel kurz verloren glaubt.
Manuel Egli fehlen noch fünf Teile, als das Publikum bereits einem Konkurrenten applaudiert. Er weiss, dass auch ein anderer Teilnehmer kurz davor steht, ein Puzzle in Rekordzeit zu beenden. «Hier dachte ich noch, ich hätte den Schweizer Meistertitel wegen dieser fünf Teile verpasst», schildert er mir im Interview die letzten schweisstreibenden Minuten seines Wettkampfs.

Quelle: Ravensburger
Der Berner aus Diessbach steht in diesem Moment im Finale der Schweizer Puzzle-Meisterschaft in Winterthur. Dabei war sein ursprüngliches Ziel deutlich bescheidener: Er wollte unter die ersten Zehn kommen.
40 320 Teile im Wohnzimmer
Egli puzzelt seit seiner Kindheit. Sein erstes Puzzle habe er wohl mit drei Jahren gelegt, erzählt er im Interview. «Es war immer toll, wenn ich ein neues Puzzle geschenkt bekommen habe, und ich konnte es kaum erwarten, damit anzufangen.» Später werden die Motive grösser, bis hin zu einem Puzzle mit 40 320 Teilen, das das ganze Wohnzimmer seiner Eltern belegt. Auch gegen die Uhr puzzelt er schon als Kind, damals zum Spass. Er will seine eigenen Zeiten schlagen.

Quelle: Ravensburger
Von der Schweizer Meisterschaft erfährt er erst im Frühling 2026 durch seine Eltern. Egli holt ein bekanntes 500-Teile-Puzzle aus seiner Kindheit hervor und legt los. Für den ersten Versuch braucht er ungefähr 45 bis 50 Minuten. Er vergleicht seine Zeit mit früheren Meisterschaftsresultaten und traut sich zu, mitzuhalten. Also meldet er sich an.
Eine Methode reicht nicht für jedes Motiv
Für den Wettkampf gegen die Uhr probiert Egli mit verschiedenen 500-Teile-Puzzles aus, welche Strategie für ihn funktioniert. Beim Umdrehen der Teile sucht er einmal nur den Rand heraus. Ein anderes Mal bildet er bereits Haufen mit zusammenpassenden Teilen. Einige Motive legt er mehrmals, um die Vorgehensweisen zu vergleichen. Welche besser funktioniert, hängt vom Bild ab.
Zu seinem Trainingsmaterial gehören auch Puzzles der diesjährigen WM und das Finalmotiv der Schweizer Meisterschaft von 2025. So kann er seine Zeiten mit aktuellen Wettkampfresultaten vergleichen. «Allerdings dachte ich, dass das Puzzeln zu Hause wohl auch viel einfacher ist als unter dem Druck eines Wettkampfs», sagt Egli.
In seiner Qualifikationsgruppe ist Egli bereits der schnellste Schweizer. Aus dem Ziel, Top 10, wird die Hoffnung auf einen Podestplatz.
Bei den Hügeln geht es nicht weiter
Im Finale wartet das Puzzle «Schweizer Kühe» auf Egli. Alle im Einzelfinale bekommen dasselbe 500-Teile-Puzzle. Das Motiv bleibt bis zum Start geheim, Egli sieht es hier also zum ersten Mal. Zuerst dreht er die Teile um und sortiert dabei den Rand aus. Dann setzt er den Rahmen und den blauen Himmel zusammen. Vom Himmel gibt es nur wenige Teile, und sie heben sich gut vom Rest ab.
Bei den Hügeln stockt es. Egli versucht es kurz, merkt aber, dass er kaum vorankommt. «Also habe ich die beiden Kühe zusammengesetzt, was mir im Bild eine sehr gute Struktur gab.» Danach läuft es wieder.
Genau dieses Wechseln empfiehlt er auch anderen. Wer sich an einer Stelle festbeisst oder gezielt ein einzelnes Teil sucht, verliert Zeit. Stattdessen sortiert er etwa Teile einer bestimmten Farbe. Das gesuchte Stück taucht später oft nebenbei auf.
Der Applaus gilt einem Spanier
Bei ungefähr 20 verbleibenden Teilen wird Egli bewusst, wie nahe er dem Titel ist. Er wird nervöser und dadurch etwas langsamer. Dann kommt der Applaus am anderen Tisch.
Was Egli in diesem Moment nicht weiss: Der Teilnehmer, der knapp vor ihm fertig wird, ist der Spanier Alejandro Clemente León, der frühere Einzelweltmeister. In der Gesamtrangliste zählen die Zeiten aller Teilnehmenden. Für den Schweizer Meistertitel gibt es hingegen eine separate Wertung für Personen mit Schweizer Staatsangehörigkeit. Um diesen Titel spielt León also nicht mit.
Mit 38 Minuten und 10 Sekunden gewinnt Egli die nationale Wertung. In der Gesamtrangliste wird er Dritter. León ist fünf Sekunden schneller und belegt Platz zwei. Den Gesamtsieg holt Maja von Borstel aus Deutschland in 35 Minuten und 7 Sekunden.
Beim Applaus am anderen Tisch hatte Egli geglaubt, dass damit auch der Schweizer Titel vergeben sei. Erst als ihm jemand am Tisch zum Schweizer Meistertitel gratuliert, wird ihm klar, dass der knapp schnellere Teilnehmer gar nicht um diesen Titel spielt. «In diesem Moment war ich dann erleichtert und sehr glücklich über den Sieg.»

Quelle: Ravensburger
«Es wird definitiv nicht mein letzter Wettkampf gewesen sein.»
Hast du schon einmal beim Puzzeln die Zeit gestoppt? Erzähl in den Kommentaren, wie es dir dabei ging.
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