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Hintergrund

Sony FX5 im Hands-on: hochflexibles Arbeitstier

Die neue professionelle Videokamera von Sony überzeugt im Kurztest mit hoher Bildqualität in jeder Lage. Sie bietet drei native ISO-Stufen, internes RAW und ein grosses Display.

Die FX3 war 2021 Sonys erste kompakte Cinemakamera. Über fünf Jahre später bringt der Hersteller endlich ein Nachfolgemodell die FX5. Sie gleicht äusserlich der FX3 – die Nummer lässt aber erahnen, dass Sony die Kamera näher an der professionellen FX6 sieht.

Sony FX5 Cinema Line (16.60 Mpx, Vollformat)
Kamera

Sony FX5 Cinema Line

16.60 Mpx, Vollformat

Tatsächlich orientiert sich die FX5 in der Bedienung und bei den Funktionen an grösseren Videokameras. Dazu passt auch, dass sie gar keinen Fotomodus hat. Herzstück ist ein neuer Stacked Sensor mit 16,6 Megapixel. Statt auf möglichst hohe Auflösung setzt Sony damit «nur» auf 5K-Video – und fokussiert sich auf Dinge, die in der Praxis wichtiger sind: Dynamikumfang, Lichtempfindlichkeit, Geschwindigkeit und eine konsistente Bildqualität über alle Framerates hinweg.

Der Preis von 4599 Franken (oder 5099 Franken mit XLR-Griff) liegt über dem der Sony FX3. Diese kostete bei ihrem Marktstart 4699 Franken mit XLR-Griff und ist mittlerweile für 3699 Franken zu haben. Die Nikon ZR, die Canon EOS R6V und die Canon EOS C50 kosten ebenfalls weniger. Dafür bietet die FX5 auch einiges mehr.

*5K 120p und 4K 240p frühestens ab August 2027 mit Firmware-Version 2.0 verfügbar.

Triple Base ISO und Dual Gain

Die meisten Kameras haben heute zwei native ISO-Stufen, die FX3 zum Beispiel ISO 800 und ISO 12 800. Mit diesen Werten liefert sie die besten Ergebnisse. In vielen Szenarien ist jedoch ISO 800 zu tief und ISO 12 800 zu hoch. Musst du dann auf eine Empfindlichkeit dazwischen zurückgreifen, hellt die Kamera einfach das Bild von ISO 800 auf, was zu hohem Bildrauschen in den Schatten führt. Bei anderen Kameras wie der Alpha 1 II liegen die Basis-ISOs bei 800 und 4000. Das behebt das oben beschriebene Problem – allerdings auf Kosten der Bildqualität bei höheren ISO-Werten als 4000.

Die FX5 kommt als erste Kamera in dieser Preisklasse nicht mit zwei, sondern drei nativen ISO-Stufen: 800, 4000 und 12 800. Das macht sie deutlich flexibler und erhöht in vielen Situationen die Bildqualität markant. Nachteile sind keine erkennbar. Bei hohen ISO-Werten rauscht die FX5 sogar noch weniger als die FX3. Alleine dieses Feature dürfte für viele ein Kaufgrund sein.

Ein zweiter technischer Durchbruch ist schon aus der Alpha 7R VI bekannt: Statt den gestapelten Sensor mit On-Chip-Memory so schnell wie möglich zu machen, nutzt Sony die zweite Ebene als «processing layer», der Videos mit höherem Dynamikumfang ermöglicht. Der sogenannte Dual-Gain-Modus liest den Sensor gleichzeitig auf ISO 800 und ISO 12 800 aus und kombiniert die Daten zu einem Bild. Das äussert sich vor allem in Form von weniger Bildrauschen in den Schatten (siehe Video oben) und lässt mehr Spielraum für Color Grading.

Aufgrund seiner Funktionsweise lässt sich Dual Gain nur auf der untersten nativen ISO-Stufe (800) verwenden. Und wegen des Rechenbedarfs nur bis zu 60 Bilder pro Sekunde (FPS). Weil der Sensor zweimal ausgelesen wird, erhöht sich ausserdem der Rolling-Shutter-Effekt. Das dürfte in der Praxis aber nicht so tragisch sein. Denn durch ihre relativ niedrige Auflösung ist die FX5 auch ohne On-Chip-Memory sehr schnell. Den exakten Wert gibt Sony nicht an, spricht aber von einer kürzeren Auslesezeit als bei der FX3. Über den Daumen gepeilt würde ich sie ohne Dual Gain auf sechs Millisekunden schätzen.

Dieser Wert würde zu einer Vermutung passen, die Sony nicht offiziell bestätigen will: Der Sensor der FX5 basiert wahrscheinlich auf dem der Alpha 7R VI, fasst aber vier Pixel zu einem zusammen. Dementsprechend ist er genau ein Viertel so hochauflösend und dafür schneller, was für eine reine Videokamera mehr Sinn ergibt.

Internes RAW und Open Gate

Als erste Kamera der FX-Linie kann die FX5 auch intern in Sonys RAW-Format X-OCN filmen. Es steht in den drei Qualitätsstufen LT, C1 und C2 zur Verfügung. LT hat bei 24 FPS eine Bandbreite von 389 Megabit pro Sekunde (Mbps). Das ist deutlich mehr als die gleiche Framerate in H.265 (100 Mbps), aber weniger als in vielen anderen RAW-Formaten. C1 (289 Mbps) und C2 (232 Mbps) sind noch etwas stärker komprimiert und dürften in vielen Situationen ein guter Kompromiss zwischen Flexibilität und Qualität sein. Sie bieten alle eine Farbtiefe von 16 bit.

In den RAW-Formaten speichert die FX5 Videos immer in der nativen Auflösung über die ganze Sensorbreite (4992 Pixel). Das Seitenverhältnis kannst du aber wählen. Vom klassischen 16:9 über 17:9 bis hin zu «Open Gate» in 3:2 (endlich). In den komprimierten Codecs (H.264 und H.265) gibt es zwei Einstellungen. Der «Imager Mode» bestimmt, welche Sensorfläche die Kamera nutzt. Neben der vollen 5K-Auflösung lassen sich alternativ Crops in 4,5K, 3,8K oder 3,2K wählen. Im «Video Format» wählst du danach, welche Auflösung die fertige Datei haben soll – etwa 4K UHD oder 1080p.

Der Imager Mode bestimmt die Quellauflösung, das Videoformat die Endauflösung.
Der Imager Mode bestimmt die Quellauflösung, das Videoformat die Endauflösung.

In der Praxis dürfte das für die meisten bedeuten: Entweder du filmst im RAW-Format in 5K und skalierst die Aufnahme im Editing auf 4K. Oder du filmst in einem komprimierten Format direkt in oversampeltem 4K. Mit meinem Testexemplar mit Beta-Firmware ist beides von 24 bis 120 FPS möglich. Bei 120 FPS steigt das Bildrauschen nur leicht an.

Diese konsistente Bildqualität über alle Framerates hinweg ist ein riesiger Pluspunkt. Mit einem kleinen Crop geht sogar 4K mit 240 FPS. Allerdings werden 5K bei 120 FPS und 4K bei 240 FPS in der ersten finalen Firmware noch deaktiviert sein, weil Sony laut eigenen Angaben ein paar Bugs beheben will, von denen ich in der Beta-Firmware allerdings nichts bemerkt habe. Frühestens im August 2027 soll ein Update schliesslich die hohen Framerates freischalten. Das finde ich ziemlich weit entfernt.

Profi-Menü aus FX6 und Venice

Kommst du wie ich von Sonys Alpha-Kameras oder der FX3, wirst du dich in der Bedienung der FX5 erst einmal verloren fühlen. Die Menüs stammen aus grösseren Modellen wie FX6 und Venice und sind voll auf einen professionellen Video-Workflow ausgerichtet. Einstellungen kannst du auf vier Ebenen machen:

  1. Mit der Home-Taste kommst du auf das «Home Menu». Hier lassen sich die Parameter anpassen, die du am häufigsten verstellst: Framerate, ISO, Verschlusszeit bzw. Shutter Angle, Blende, Bildlook und Weissabgleich.
  2. Per User-Taste kommst du zu den «User Functions». Das sind häufig genutzte Funktionen wie Focus Peaking, Display Modes oder Bildstabilisator.
  3. Ein kurzer Druck auf die Menü-Taste führt dich ins «Quick Menu». Dort findest du weitere wichtige Einstellungen wie Farbraum, Codec und Audiodetails.
  4. Die ganze Palette an Settings gibt es im «Full Menu», das du über einen langen Knopfdruck der Menü-Taste erreichst.
Sony-Alpha-Veteranen müssen sich in den Menüs neu zurechtfinden.
Sony-Alpha-Veteranen müssen sich in den Menüs neu zurechtfinden.

Diese Bedienung erfordert Einarbeitungszeit, fühlt sich nach einer Weile aber logisch an. Auch an anderen Stellen muss ich umdenken: Ich wähle aus einem von drei «Shooting-Modes» aus – Flexible ISO, Cine EI und Quick Cine EI. Nur im ersten funktioniert der ISO-Wert so, wie ich es von Hybrid-Kameras gewohnt bin. Und nur hier gibt es Automatiken für Weissabgleich oder Belichtung.

In den Cine-EI-Modi filme ich hingegen zwingend komplett manuell und kann nur aus den drei nativen ISO-Werten auswählen. Dazwischen zeigt mir die Kamera mit dem sogenannten Exposure Index (EI) lediglich das theoretische Bild an, das ich erhalten würde, wenn ich die Aufnahme später aufhelle oder abdunkle. Gespeichert wird das Video aber immer in ISO 800, 4000 oder 12 800.

Einige Besonderheiten der verschiedenen Modi verstehe ich, andere nicht. Warum kann ich in Cine EI keine automatische Verschlusszeit wählen? Wieso steht in Quick Cine EI die Dual-Gain-ISO nicht zur Verfügung? Wieso kann ich im H.265-Codec nicht mit 30 FPS filmen? Solche Einschränkungen fühlen sich an, als ob mich Sony in genau den Workflow zwingen will, den sich die Ingenieure vorstellen. Dieser ergibt zwar Sinn, ich hätte aber gerne alle technisch möglichen Freiheiten. Will ich zum Beispiel in schnell wechselnden Lichtverhältnissen die Belichtung einer Automatik überlassen und trotzdem in RAW filmen, geht das nicht. Denn einen nicht-konstanten Shutter Angle erachtet Sony als eines Cine-Modus unwürdig.

Von der Feature-Front gibt es hingegen nur Positives zu berichten. Die FX5 hat viele Tools an Bord, die es in dieser Preisklasse lange nur bei Panasonic gab. Die Belichtung lässt sich etwa nicht nur mittels Live-Histogramm beurteilen, sondern auch über eine Waveform-Anzeige oder im False-Color-Modus. Ebenfalls verfügbar sind eine Focus Map und eine Vectorscope-Anzeige.

False Color zeigt Helligkeitswerten als Farben an. Mittlere Tonwerte sind zum Beispiel grün.
False Color zeigt Helligkeitswerten als Farben an. Mittlere Tonwerte sind zum Beispiel grün.

Grosses LCD, modularer Viewfinder und IBIS

Äusserlich gleicht die FX5 der FX3. Am grauen Box-Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung lässt sich an sechs 1/4-Zoll-Gewinden Zubehör anschrauben, ohne dass du dafür ein Cage brauchst. Eine aktive Kühlung sorgt dafür, dass die Kamera nicht überhitzt. Der Lufteinlass befindet sich rechts statt wie bei der FX3 unten, wo er eher blockiert wird. Die warme Abluft entweicht auf der linken Seite.

Der auffälligste Unterschied ist das neue LCD auf der Rückseite. Es hat eine Diagonale von 3,5 Zoll, ein Seitenverhältnis von 16:9 und eine Pixeldichte von 420 Pixel pro Zoll (ppi). Fast so viel wie die des iPhone 17 Pro (460 ppi). So lässt sich die Aufnahme endlich auch ohne externen Monitor vernünftig beurteilen. Ich bin froh, zieht Sony hier mit Nikon mit, die bei der ZR sogar ein 4-Zoll-LCD verbauen.

Das Display lässt sich auf alle erdenklichen Arten klappen, drehen und neigen.
Das Display lässt sich auf alle erdenklichen Arten klappen, drehen und neigen.

Noch besser sehe ich die Aufnahme im elektronischen Sucher. Dieser ist abnehmbar, gehört nicht zum Lieferumfang und kostet mit 629 Franken ziemlich viel. Dafür sind Auflösung (7,07 Millionen Bildpunkte), Framerate (120 FPS), Farbraumabdeckung (DCI-P3) und Helligkeit (2000 Nits) allesamt hervorragend.

Der Sucher wird mit zwei Schrauben an einem proprietären Anschluss auf der Oberseite der Kamera montiert. Mir gefällt das modulare Konzept. Einziger Wermutstropfen: Ich kann den Sucher nicht gleichzeitig mit dem (neuen und ebenfalls separat erhältlichen) XLR-Griff verwenden, da dieser an der gleiche Position andockt.

Der neigbare EVF ist praktisch, wenn die Kamera auf Hüfthöhe steht.
Der neigbare EVF ist praktisch, wenn die Kamera auf Hüfthöhe steht.

Durch das grössere LCD bleibt im Vergleich zur FX3 weniger Platz für Bedienelemente auf der Rückseite der Kamera. Das D-Pad mit Jogwheel entfällt und ich vermisse es beim Navigieren durch die Menüs schmerzlich. Das geht zwar auch mit dem Joystick auf der Oberseite oder dem neuen Dreh-Drück-Rad, beides fühlt sich aber anstrengender an. Alternativ nutze ich den Touchscreen, was je nach Menü besser oder schlechter funktioniert.

Anders als Canon bei seinen C-Kameras verbaut Sony in der FX5 einen In-Body-Bildstabilisator (IBIS). Da die Kamera keine Fotofunktion hat, gibt es auch keine CIPA-Angabe, wie viele Blendenstufen er kompensiert. Sony bestätigt jedoch, dass es sich um den gleichen IBIS handelt wie in der Alpha 7R VI, wo er ein Rating von 8,5 Blendenstufen hat. Ebenfalls mit an Bord sind die seit der ZV-E1 bekannten digitalen Stabilisierungs-Stufen «Active» und «Dynamic Active». Diese haben einen Crop zur Folge.

Erstes Fazit: liefert dort, wo es zählt

Die Sony FX5 ist keine Hybrid-Kamera in einem neuen Gehäuse wie die FX3, sondern eine echte kompakte Cinemakamera. Sony verzichtet auf schlagzeilenträchtige Features wie 8K-Auflösung oder Global Shutter, die in der Realität wenig Mehrwert bieten. Stattdessen brilliert die FX5 dort, wo es wirklich zählt: Bildqualität, Flexibilität und Konsistenz.

Die Sony FX5 bietet viel und dürfte vor allem bei Profis gut ankommen.
Die Sony FX5 bietet viel und dürfte vor allem bei Profis gut ankommen.

Die Menüstruktur aus Profi-Kameras bedeutet für FX3-Veteranen eine steile Lernkurve, ergibt aber Sinn. Die Auswahl an nützlichen Codecs, der modulare EVF, der zuverlässige Autofokus, der gute IBIS und das grosse Display gefallen mir ebenfalls. Auch wenn letzteres das D-Pad verdrängt und so leichte Abstriche bei der Bedienung bedeutet. Einige künstliche Einschränkungen bei den Einstellungen verstehe ich zudem nicht.

Ich konnte die Sony FX5 nur zwei Tage lang ausprobieren und zum Testzeitpunkt die RAW-Dateien nicht auslesen. Deshalb gibt es noch keine Sternebewertung. Auf den ersten Blick setzt die Kamera aber einen neuen Benchmark in ihrer Klasse – besonders für Run-and-Gun-Anwendungen. Sie ist ab sofort bestellbar, die Auslieferung beginnt Mitte August.

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Mein Fingerabdruck verändert sich regelmässig so stark, dass mein MacBook mich nicht erkennt. Der Grund: Sitze ich nicht vor einem Bildschirm oder stehe hinter einer Kamera, hänge ich oft an den Fingerspitzen in einer Felswand.


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Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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