
Hintergrund
Vom Kindheitstraum zum Steam-Release: «Craftlings» und der Weg eines Solo-Entwicklers
von Kim Muntinga

Das bewährte Survival-Gefühl soll in «Subnautica 2» erhalten bleiben. Für frischen Wind sorgen der Wechsel auf die Unreal Engine 5, das umfangreiche Bausystem und der neue Koop-Modus.
Endlich ist es so weit: Das lang ersehnte Spiel «Subnautica 2» ist in den Early Access gestartet – trotz der anhaltenden Streitereien zwischen Entwicklerstudio und Publisher. Das Game ist auf PC (Steam, Epic Games) und Xbox erhältlich.
Wenige Tage zuvor standen Lead Designer Anthony Gallegos und Creative Media Producer Scott MacDonald an einer Preview-Konferenz Rede und Antwort. Das sind ihre wichtigsten Aussagen.
«Subnautica 2» wird im Kern das gleiche Spielgefühl vermitteln wie der erfolgreiche Vorgänger. Das entspricht auch den Erwartungen der Fans, wie Gallegos angibt: «Noch mehr Subnautica» war der größte Wunsch für den zweiten Teil.
Das Spielprinzip bleibt gleich: Du stürzt auf einem menschenleeren, gefährlichen Wasserplaneten ab und hast keine Ahnung, was los ist. Du musst lernen, dich allein zurechtzufinden: Ressourcen sammeln, Ausrüstung herstellen und deine Umgebung erkunden, ohne dabei gefressen zu werden. Aufzeichnungen früherer Kolonisten sollen nach und nach enthüllen, warum der Planet verlassen wurde.
Der Handscanner bleibt laut Gallegos dein wichtigstes Werkzeug. Damit schaltest du neue Baupläne frei und erfährst Details über die Pflanzen- und Tierwelt des Planeten. Wer sich Zeit nimmt, die gesammelten Informationen richtig zu lesen, soll mit deutlich mehr Wissen über die Welt belohnt werden. Spielerinnen und Spieler sollen das Gefühl haben, eine unbekannte, gefährliche Welt zu erkunden und Entdeckerarbeit zu leisten, versichert Gallegos.
Es gibt kein Questbuch und keine Weltkarte. Du musst dich in der Umgebung selbst zurechtfinden, das Spiel gibt dir wenig vor. Und je weiter du in die Tiefen der Ozeane vordringst, desto gefährlicher wird die Unterwasserwelt. Das alles ist genau das, was auch «Subnautica 1» ausmacht.
Veteranen sollten aber nicht allzu selbstsicher den Scanner auspacken und drauflos schwimmen. Auch sie werden ins kalte Wasser geworfen und sollen sich genauso verloren fühlen wie Neueinsteigerinnen, sagt Gallegos. Deswegen spielt «Subnautica 2» auf einem neuen Planeten mit aktuell mehr als zehn Biomen, anderen Bedrohungen und einer anderen Hintergrundgeschichte.
Dir stehen außerdem weitere Werkzeuge sowie neue Unterwasserfahrzeuge zur Verfügung. Das erste kleinere Fahrzeug ist der Tadpole, der modular aufgebaut ist. Du kannst je nach Einsatzzweck etwa einen größeren Laderaum oder kleine Flügel für bessere Wendigkeit ausrüsten. Und ja: Fans des größten U-Boots aus «Subnautica», dem Zyklopen, können sich auf ein ähnliches Vehikel freuen.

Dazu kommen neue Gameplay-Features wie die genetische Manipulation des Spielcharakters. Im Gegensatz zu «Subnautica» kann dein Körper beispielsweise nicht von Anfang an Tiere und Pflanzen des fremden Planeten verdauen, sondern du musst diese Fähigkeit durch die Interaktion mit bestimmten Pflanzen erst freischalten.
Neu ist auch eine mysteriöse Bedrohung namens «Bloom», eine Art Infektion, die ganze Gebiete verseucht. Du musst herausfinden, wie du diese Gebiete wieder sicherst. Auch Kreaturen können angesteckt werden und verhalten sich dadurch aggressiver, «fast wie Zombies», wie Gallegos angibt.
Der Umstieg auf die Unreal Engine 5 bietet eine modernere Grafik mit verbesserten Lichteffekten sowie mehr Möglichkeiten zur Gestaltung der Umgebung: Tiere sollen jetzt beispielsweise auf unterschiedliche Weise mit dir und der Umwelt interagieren. Dadurch soll sich die Spielwelt lebendiger anfühlen.

Insgesamt spricht Gallegos von 14 bis 20 Spielstunden für den aktuellen Early-Access-Stand.
In «Subnautica 2» kannst du mit bis zu drei anderen Spielern abtauchen. Der Mehrspielermodus ist eine der größten Neuerungen des Games im Vergleich zum Vorgänger und laut Entwicklern auch einer der größten Wünsche der Spielerschaft.
Crossplay zwischen PC und Xbox ist in «Subnautica 2» jederzeit möglich. Die Entwickler betonen, dass alle Updates gleichzeitig auf allen Plattformen ausgerollt werden. «Subnautica 2» ist zudem für das Steam Deck verifiziert. Die Grafik sieht dort in den Worten von MacDonald bei 30 FPS ganz gut aus. Auch höhere FPS seien möglich, aber darunter leide die Grafik.
MacDonald sagt, dass neue Spielerinnen, die einem bestehenden Savegame beitreten, nicht erst den Spielfortschritt aufholen müssen, um teilzunehmen. Offenbar spielen alle mit dem gleichen Fortschritt.
Im Multiplayer-Modus kann sich deine Wahrnehmung des Spiels grundlegend ändern. Erkundest du die Welt mit anderen zusammen, geht das «Subnautica»-Gefühl der Isolierung flöten. Das ist für alle, denen die dunklen Tiefen der Meere Angst macht, eine gute Nachricht. Wer die Isolation dagegen mag, sollte weiterhin solo unterwegs sein. Das geht aber auch im Multiplayer.
Gallegos hebt hervor, dass sich der Multiplayermodus gut für Aufgabenteilung in der Gruppe eignet: Eine Person kann an der Basis weiterbauen, eine andere Ressourcen sammeln und eine dritte kann auf Erkundung gehen. Du musst also nicht in der Nähe deiner Kameraden bleiben.

Das Basenbausystem wurde für das neue Spiel grundlegend überarbeitet. Du beginnst mit festgelegten Bauelementen, kannst diese aber mit einem Pinseltool anpassen und dadurch eigene Formen erstellen. Auch Fenster lassen sich damit in Wände malen. Weitere Infos zum Bausystem bekommst du im nachfolgenden Video.
Wer sich in «Subnautica» übrigens beim Sammeln von Ressourcen über das Zufallssystem ärgert, kann sich jetzt freuen: Du bekommst in «Subnautica 2» genau die Ressource, die du vor dem Einsammeln vor dir siehst. Das macht die Suche nach bestimmten Erzen weniger frustrierend.
Du wirst auch in «Subnautica 2» keine tödlichen Waffen verwenden können. Das sorgte laut Gallegos immer wieder für Diskussionen in der Community: Viele Spielerinnen und Spieler wollen sich besser gegen aggressive Tiere verteidigen können. Doch die Gewaltlosigkeit ist und bleibt ein Kernelement der Spielreihe.
Der tödliche Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule in den USA im Jahr 2012 habe die Studiogründer schwer erschüttert, berichtet Gallegos. Deswegen hätten sie von Waffen in «Subnautica», das 2014 im Early Access erschien, Abstand genommen. Das Studio will nicht, dass Spieler mit dem Gedanken «Was knalle ich als nächstes ab?» in der Welt herumschwimmen. Sie sollen sich nicht als überlegene Eroberer fühlen, sondern als Fremdkörper auf einem gefährlichen Planeten. Sich mit der einheimischen Fauna zu arrangieren, ist die Devise.

Damit das gelingt, gibt es Geräte, die aggressive Tiere zumindest auf Abstand halten können. Zum Beispiel ein Schallgewehr zur Abschreckung oder Flares, die Angreifer ablenken.
Nach dem Release wird «Subnautica 2» mindestens zwei Jahre lang im Early Access bleiben. Die Arbeit an «Subnautica 2» im Einklang mit dem Spieler-Feedback ist für das Studio von großer Bedeutung, unterstreichen die beiden Entwickler.
Relativ bald sollen zwei Quality-of-Life-Updates folgen. Sie verbessern das Lagersystem und geben den Spielerinnen die Möglichkeit, in ihrer Basis zu sprinten. Auch ein Proximity-Voice-Chat, Spieler-Emotes, die Wiederbelebung gestorbener Kameraden und mehr Charakter-Anpassungsmöglichkeiten werden bald folgen.
Später kommen weitere Biome, neue Fahrzeuge und Story-Updates hinzu.
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