
Vorlesemonitor 2026: Vorlesen wird bei Eltern beliebter
Vorlesen liegt im Trend: Vor allem Eltern von ein-, zwei- und achtjährigen Kindern lesen deutlich mehr vor. Das zeigt der deutsche Vorlesemonitor 2026. Einem Viertel der Kinder fehlt diese Erfahrung weiterhin.
Seit 2022 zeigt der deutsche Vorlesemonitor in dieselbe Richtung: Der Anteil der Eltern, die ihren Kindern regelmässig vorlesen, wächst. Für die Erhebung 2026 gaben 76,4 Prozent der befragten Eltern an, ihren ein- bis achtjährigen Kindern mindestens mehrmals pro Woche vorzulesen. 2024 waren es 67,7 Prozent – ein Zuwachs um 8,7 Prozentpunkte. Umgekehrt sinkt der Anteil jener, die seltener als einmal pro Woche vorlesen, von 32,3 auf 23,6 Prozent. Nie vorgelesen wird noch in 12,4 Prozent der Familien; 2024 waren es 18,4 Prozent.
Gerade die frühkindliche Entwicklung ist aber besonders prägend und legt viele Grundlagen für die Sprache, Persönlichkeit und das spätere Lesenlernen. Dass wieder mehr Eltern vor allem den Kleinkindern vorlesen, ist ein Signal, das Mut macht in der aktuellen Lesekrise.
Am stärksten bewegt hat sich die Gruppe der Jüngsten – und, etwas überraschend, die der Achtjährigen. Bei den Einjährigen stieg der Anteil der regelmässig vorlesenden Eltern von 59 auf 75 Prozent, bei den Zweijährigen von 78 auf 93 Prozent. Bei den Achtjährigen, einem Alter, in dem Vorlesen sonst allmählich ausläuft, kletterte der Wert von 35 auf 55 Prozent.
Vorleseroutine sorgt für Gespräche mit Kindern
41 Prozent der Eltern mit regelmässiger Vorleseerfahrung nutzen die Zeit oft für gemeinsame Gespräche mit ihren Kindern. Bei Eltern ohne diese Routine sind es 20 Prozent. Gleichzeitig greifen viele Familien zu Alternativen: Hörbücher und Hörspiele stehen mit 62 Prozent an der Spitze, vor gemeinsamem Spielen (42,1 Prozent) und Herumalbern (29,6 Prozent).
Beim Vorlesen können Eltern ihre Kinder zum Sprechen ermutigen und damit ganz nebenbei den Wortschatz und das Sprachverständnis stärken. Das schafft keine Musikbox und auch kein Hörbuch.
Damit bestärkt der Bildungsforscher die Position der Stiftung Lesen, dass Vorlesen alles andere als eine stille Zeit für Kinder sein soll. Vorlesen ist eine Zeit, um gemeinsam Geschichten zu entdecken, zu lernen und Spass zu haben. Die Vorlesezeit stärkt zudem die Bindung zwischen Eltern und Kindern.
Vorlesen braucht Vorbilder
Der Positivtrend verdeckt einen Unterschied, der sich durch die gesamte Lesekrise zieht. 80 Prozent der Eltern mit formal höherem Bildungsabschluss lesen regelmässig vor, bei Eltern mit formal niedriger Bildung sind es 70 Prozent. Auffällig ist, wo diese Kluft auftritt: vor allem bei Eltern ohne Zuwanderungsgeschichte. Bei Eltern mit Zuwanderungsgeschichte wirkt sich der Bildungshintergrund weniger deutlich aus – auch wenn dort Eltern mit formal geringerer Bildung die grösste Gruppe der Nie-Vorlesenden stellen.
Vorlesen muss sich weiter verankern
Für die Stiftung Lesen zeigen die Zahlen, dass die Arbeit der letzten Jahre wirkt – und sie nicht nachlassen darf.
Die Ergebnisse motivieren, aber wir dürfen nicht vergessen, dass fast einem Viertel der Kinder noch immer die wichtigen Vorleseerfahrungen fehlen. Dazu gibt es jeden Tag neue Eltern, die erfahren müssen, wie wichtig Vorlesen für die Entwicklung ihres Kindes ist. Das bedeutet: Nur weil der Trend stimmt, ist unser Auftrag nicht beendet.
Die drei Initiatorinnen der Studie – Deutsche Bahn Stiftung, Stiftung Lesen und «Die Zeit» – rufen dazu auf, die Freude am Vorlesen weiterzutragen. Buchgeschenke könnten dabei helfen, argumentieren sie, denn in Familien, in denen selten vorgelesen wird, fehle häufig schlicht das Material. Auch an Schulen und Kitas sei der Bedarf an Lesestoff gross.
Hier drei handfeste Vorschläge meines Redaktionskollegen Patrick Vogt, der selbst ein begeisterter Vorleser ist:
Pippi Langstrumpf feiert Weihnachten
Deutsch, Hardcover, Angelika Kutsch, Astrid Lindgren, Katrin Engelking
Leidenschaftliche Leserin und laute Lacherin.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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