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Ratgeber

Welcher Bluetooth-Speaker klingt am besten?

Wir vergleichen den Sound von tragbaren Lautsprechern. Weil die Urteile immer subjektiv sind, bekommst du zu jedem Gerät die Meinung von sieben Personen.

Teste ich als Einzelperson ein einzelnes Gerät, fehlt der Vergleich. Klang die andere Box wirklich besser oder habe ich das nur so in Erinnerung? Oder lag es an der Raumakustik? Habe ich die gleichen Stücke gehört?

Die Antwort auf diese Fragen lautet «42». So viele Meinungen liefert dieser Beitrag: Sieben Personen beurteilen je sechs Geräte. Die Sound-Beurteilung hängt somit nicht vom Geschmack oder der aktuellen Laune einer Einzelperson ab.

Alle Testhörerinnen und -hörer stammen aus der Redaktion von Digitec Galaxus. Wir haben unterschiedliche Fachgebiete und Interessen, unterschiedliche Geschlechter und sind unterschiedlich alt. Auch die Musikgeschmäcker sind verschieden. Das Ziel mehrerer Personen ist ja, ein möglichst breites Spektrum abzudecken.

Wir hören einen Song der Reihe nach mit jedem Gerät, dann den nächsten Song. Wir testen sowohl auf zwei Drittel der maximalen Lautstärke als auch auf dem Maximum. Testort ist unser Videostudio, ein relativ grosser Raum mit guter Akustik. Wir haben uns auf drei Musikstücke geeinigt, von denen alle ungefähr wissen, wie sie klingen sollten: «Dreams» von Fleetwood Mac, «Flowers» von Miley Cyrus und «Hello» von Adele. Bei anderen Songs und anderer Akustik wären die Beurteilungen möglicherweise etwas anders herausgekommen.

Testhören: gleicher Raum, gleiche Stücke.
Testhören: gleicher Raum, gleiche Stücke.

Auf die Eigenschaften der Geräte gehe ich hier nicht im Detail ein. Hauptsächliches Auswahlkriterium war die Grösse: Wir haben ausschliesslich Boxen im mittleren Grössenbereich im Testfeld. Sie sind alle zwischen 16 und 22,5 Zentimeter lang. Grössere Geräte sind tendenziell lauter und im Bass kräftiger, darum wäre ein Vergleich unterschiedlich grosser Boxen nicht besonders fair.

Sämtliche Lautsprecher sind auch in anderen Farben erhältlich als die hier getesteten. Alle sind IP67-zertifiziert, JBL Flip 7 und der Soundcore Boom 3i weisen sogar eine IP68-Zertifizierung auf – das heisst, sie dürfen ins Wasser fallen und sind staubgeschützt. Der Audio-Klinkenstecker fehlt mittlerweile überall.

Die einzelnen Speaker in alphabetischer Reihenfolge:

JBL Flip 7: partytauglich

Der Flip 7 bringt trotz geringer Abmessungen eine erstaunliche Lautstärke hin und wurde übereinstimmend als partytauglich eingestuft. Auch die Soundabstimmung überzeugt. Der Bass ist kräftig, verdeckt aber nichts. Dreht man aufs Maximum, lässt die Soundqualität hörbar nach – die mittleren Frequenzen sind dann zu dominant. Wegen der hohen Lautstärke ist das aber meistens gar nicht nötig. Natalie findet das Hi-Hat in «Dreams» etwas überbetont. Pia notiert, dass es bei diesem Gerät mehr um Power als um Feinheiten geht. Ansonsten gabs aber nichts zu meckern. Vier von sieben Personen setzen den Flip 7 auf Platz eins. Das reicht knapp für den ersten Rang in der Gesamtwertung.

Kann gelegt oder aufgestellt werden: Der JBL Flip 7.
Kann gelegt oder aufgestellt werden: Der JBL Flip 7.

Der JBL Flip 7 ist der einzige Lautsprecher im Testfeld, den wir nicht im Shop anbieten. Mit fast 150 Franken ist es das teuerste Gerät im Testfeld.

Marshall Emberton III: Der Kleine kann nicht ganz mithalten

Als Gitarrist habe ich eine Schwäche für das Design der Marshall-Lautsprecher. Vom Aussehen her wäre der Emberton III mein Favorit. Vom Sound her hingegen gar nicht. Die Marshall-Box ist die kleinste im Testfeld, und das hört man. Sie ist deutlich leiser als die meisten anderen. Die Bässe werden nach meinem Empfinden künstlich angehoben und auch die Höhen etwas gepusht; dafür ist in der Mitte nicht viel zu hören.

Natalie und Michelle nahmen den Bass jedoch eher als schwach wahr. Das hat mich erstaunt, aber womöglich reden wir von unterschiedlichen Dingen. Die ganz tiefen Frequenzen bringt der Emberton III tatsächlich nicht richtig hin; dafür sind die etwas höheren Bässe sehr dominant.

Der Marshall-Speaker landet bei allen Testpersonen auf dem letzten oder zweitletzten Platz und ist damit in der Gesamtwertung letzter. Die Box strahlt gleichmässig nach vorne und hinten ab. Dadurch kann man sie in der Mitte eines Raumes aufstellen und der ganze Raum wird gefüllt. Allerdings fehlt die seitlich Beschallung, und zuhause kann man das Gerät nicht an eine Wand stellen. Positiv anzumerken ist die längste Akkulaufzeit aller getesteten Speaker.

Sony Ult Field 1: dezent, aber gut

Für mich liefert die Sony-Box den besten Sound. Den Unterschied hörte ich vor allem beim Schlagzeug – das macht mir richtig Freude. Trotzdem habe ich ihn nur auf Platz zwei hinter JBL gesetzt. Denn das hier sind Partyspeaker, die im Freien und in grossen Räumen bestehen müssen. Dreht man den Sony Ult Field 1 von zwei Dritteln Lautstärke aufs Maximum, wird er nur wenig lauter. Die maximale Lautstärke ist somit recht enttäuschend. Auch muss man den Bass-Boost unbedingt einschalten, sonst klingt es dünn und öde.

In einem kleinen Raum wie Küche oder Bad dürfte die Box ohne Bassfunktion hingegen genau richtig sein. Hier geraten laute Bässe schnell ausser Kontrolle. In diesem Umfeld wäre für mich das Sony-Modell erste Wahl.

Ein Blick in die Notizen der anderen zeigt, dass ich mit meiner Ansicht nicht alleine bin. Fünf Personen haben das Gerät auf Platz zwei gesetzt, Natalie gar auf Platz eins. Das reicht insgesamt für Platz zwei, nur knapp hinter JBL. Generelle Meinung: nicht der grösste Party-Kracher, aber ausgewogen und dezent. Kleines Detail: Lorenz nervt sich über den «unmöglichen» Signalton beim Ein- und Ausschalten des Bass-Boosts, was ich völlig verstehe. Vor allem, weil extra dafür die Musik unterbrochen wird.

Soundcore Boom 3i: gross, laut und Geschmacksache

Optisch fiel der Soundcore-Lautsprecher bei allen Testpersonen durch – er sieht aus wie etwas, was auf eine Baustelle gehört. Aber das fliesst nicht in die Bewertung ein. Der Boom 3i ist zusammen mit dem Gerät von Teufel die grösste Box im Test und die Lautstärke wird dem gerecht. Auf einer Baustelle würde man sie immer noch gut hören.

Von der Frequenzabstimmung scheint mir Soundcore das Gegenteil von Marshall zu sein. Hier sind vor allem die Mitten laut. Dadurch stechen Stimmen und Instrumente wie Klavier sehr deutlich heraus, können aber auch unangenehm werden. In der Frequenzlage einer Frauenstimme schmerzen mir bei voller Lautstärke die Ohren. Die tieferen Mitten sind dagegen eher leise, was das Ganze etwas steril wirken lässt.

Bei diesem Gerät wusste ich am wenigsten, was ich von ihm halten soll. Es erstaunt mich darum nicht sonderlich, dass bei den übrigen Testpersonen die Meinungen weit auseinander gehen. Laut Natalie ist es «eher etwas für einen Kindergeburtstag»; sie stellt das Gerät auf den letzten Platz. Für Pia dagegen ist der Soundcore 3i der Testsieger: «Am lautesten und trotzdem am angenehmsten, klarste Stimme bei Dreams und Hello. Einziger Ausreisser: Flowers, da wirkt er unausgeglichen.» Die Mehrheit der Testpersonen konnte er aber nicht überzeugen und so landet er in der Gesamtwertung nur auf Platz fünf.

Teufel Rockster Go 2: angenehm

Sieht passend zum Markennamen böse aus, klingt aber weich und lieb. So würde ich den Teufel Rockster Go 2 in einem Satz zusammenfassen. Die Bässe und Höhen sind stark betont, aber nicht so extrem wie beim Marshall-Gerät. Der Teufel trägt Prada klingt warm und nie unangenehm, bleibt zudem auch bei maximaler Lautstärke konsistent. Mir persönlich fehlt etwas die Durchschlagskraft in der Mitte. Was Soundcore zu viel hat, hat Teufel zu wenig.

Die anderen Testpersonen hören es ähnlich. Welche Bewertung daraus folgt, ist dann Geschmackssache. Für Stephanie ist das Gerät mit der originellen Bauform der Testsieger, und sie ist froh, dass es ihn auch in dezentem Grau gibt. Pia setzt den Teufel auf Platz zwei. Beide rechnen es dem Gerät hoch an, dass es auch bei höchster Lautstärke niemals nervt. Bei den anderen landet das Gerät im Mittelfeld. In der Endabrechnung ergibt dies Rang drei.

UE Boom 4: okay – nicht mehr, nicht weniger

Diese Box spielt die Musik in alle Richtungen ab. Im Test stehen die Boxen frei im Raum; die Abstrahlung sollte also keinen Einfluss auf das Hörerlebnis haben. Bei zwei Dritteln Lautstärke finde ich den Sound okay, aber nicht überragend. Der Bass bleibt klar hinter den Besten zurück. Die Box klingt eher mittenbetont, was bei «Hello» von Adele sehr gut kommt, bei anderen Stücken weniger. Auf voller Lautstärke fängt die Box an zu scherbeln und die Mittenbetonung wird unangenehm.

So habe ich es zumindest gehört. Lorenz dagegen notiert sich, dass die Mitten auf maximaler Lautstärke zurückgehen. Auf jeden Fall verändert sich das Klangbild und wird unangenehm. Das Scherbeln haben auch andere wahrgenommen; Stephanie zum Beispiel findet den Klang auf dem Maximum schrecklich und setzt den Speaker auf Platz fünf.

In der Gesamtwertung erreicht die UE Boom 4 den vierten Platz, die meisten haben sie irgendwo im Mittelfeld. Natalie setzt sie auf Platz zwei, weil ihr Adeles «Hello» damit eine Gänsehaut beschert hat.

Übersicht und Fazit

Keine der Boxen hat komplett überzeugt, andererseits ist auch keine total schlecht. In der folgenden Tabelle siehst du die Platzierungen der einzelnen Personen und die daraus berechnete Gesamtwertung. Für Platz eins gibt es sechs Punkte, für Platz sechs einen Punkt.

Es zeigt sich nicht zum ersten Mal: Unter gleichen Testbedingungen sind die individuellen Unterschiede in der Wahrnehmung gar nicht so gross. Auch die daraus resultierenden Bewertungen sind ähnlich – mit Ausnahmen. Welche Abstimmung von Bass, Mitten und Höhen als ausgeglichen und angenehm empfunden wird, ist manchmal sehr unterschiedlich.

Der Klang ist zudem nur ein Faktor von vielen. Beim Kaufentscheid spielen viele weitere Dinge eine Rolle: der Preis, die Akkulaufzeit, das Aussehen, die Farbauswahl, Features wie Verbund mehrerer Boxen, zusätzliche Möglichkeiten in der App. Diejenigen, die in diesem Vergleich schlechter abgeschnitten haben, müssen also nicht unbedingt eine schlechte Wahl sein.

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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