
Hintergrund
iPhone 16e im Alltag: die fünf grössten Unterschiede zum iPhone 16
von Florian Bodoky
Apple wird 50. Und ich hole ich das erste in der Schweiz erhältliche iPhone aus der Mottenkiste. Beim Ausprobieren wird deutlich, wie weit sich Smartphones entwickelt haben. Aber nicht alles ist heute besser.
Das iPhone ist Apples wichtigstes Produkt. Es generiert am meisten Umsatz und hat die Welt am stärksten verändert. Ja, Smartphones gab es bereits vor 2007, aber das iPhone hat die Entwicklung in eine neue Richtung gelenkt und beschleunigt. Bei RIM, dem Hersteller von Blackberry-Smartphones, war man nach der Präsentation des ersten Apple-Telefons davon überzeugt, dass Steve Jobs flunkerte – man hielt ein solches Gerät damals für technisch unmöglich. Microsoft-CEO Steve Ballmer prophezeite dem iPhone einen Marktanteil von zwei bis drei Prozent, während ein Tech-Crunch-Redaktor der Welt erklärte, warum das Gerät ein gigantischer Flop werden würde. Diese Fehleinschätzungen zeigen, wie sehr das iPhone Bestehendes über den Haufen warf.
Das iPhone 3G ist das zweite iPhone – und das erste, das Apple in die Schweiz brachte. Gleichzeitig ist es das erste, auf dem Apps aus dem App Store installiert werden können.
In seiner legendären Keynote kündigte Steve Jobs 2007 drei revolutionäre Geräte an – einen iPod, ein Telefon und ein «Internet-Kommunikationsgerät». Die Pointe: Es war dreimal dasselbe Gerät. Das iPhone vereinte alles in sich.
Von dieser Magie ist heute wenig übrig geblieben. Telefonieren kann ich damit nicht mehr, weil das 3G-Netz abgeschaltet wurde. Ins WLAN komme ich noch; aber der Webbrowser und andere Internet-Apps lassen sich nicht mehr nutzen, weil das Gerät die modernen Sicherheitszertifikate nicht kennt. Auch der App Store funktioniert nicht mehr.

Es ist somit nicht mehr möglich, das iPhone 3G wie anno 2008 zu verwenden. Um dennoch ein wenig Nostalgie reinzubringen, beschränke ich meine Erfahrungen auf das, was noch geht.
Der Bildschirm ist für heutige Verhältnisse mickrig. Dafür passt das iPhone 3G besser in eine Hosentasche und liegt viel besser in der Hand als die heutigen Riesenphones. Obwohl ziemlich dick, fühlt es sich dank der abgerundeten Form nicht klobig an. Während es auf meinem Schreibtisch liegt, nehme ich es immer wieder in die Hand und drücke auf den kaum vorstehenden, aber spürbaren Einschaltknopf oben – einfach ein gutes Gefühl!
Ergonomisch finde ich das alte iPhone top. Ich drücke nie versehentlich einen Knopf. Bei neueren iPhones passiert mir das auch nach Jahren noch.

Der Home-Button ist heute ungewohnt, aber ich bin sofort wieder drin – die Bedienung damit ist kinderleicht. Ohne Fingerabdruckscanner oder Gesichtserkennung muss ich den Code jedes Mal eingeben. Das hält mich immerhin davon ab, ständig aufs Phone zu gucken.
Auf dem Gerät ist iOS 4 installiert. Dieses unterscheidet sich optisch nur wenig von der allerersten System-Version. Das Design folgt dem Prinzip des Skeuomorphismus: Die Notizen-App sieht aus wie ein Notizblock aus Papier. Heute macht man das anders, weil den Leuten elektronische Notizen geläufiger sind als analoge. Das Problem beim heutigen Flat Design (ab iOS 7) ist aber, dass alles ähnlich aussieht und man die verschiedenen Apps oder Funktionen nicht so leicht unterscheiden kann. Daher: Daumen hoch für das altbackene Design!

Das Bedienkonzept ist so simpel, dass es auch ein Kleinkind versteht. Allerdings fehlen praktische Abkürzungen, an die wir uns heute gewöhnt haben. Ich kann nicht nach unten swipen, um das Kontrollzentrum einzublenden. Um Bluetooth einzuschalten, muss ich daher die Einstellungs-App öffnen und mich dort durch eine Menüstruktur hangeln. Dabei reagiert das iPhone für heutige Massstäbe sehr langsam. Das hat sicherlich auch mit iOS 4 zu tun, das eigentlich für das iPhone 4 entwickelt wurde. Eine unschöne Erinnerung von früher wird wach: Systemupdates waren ein zweischneidiges Schwert. Sie machten ältere Geräte langsam, und man konnte sie nicht oder nur sehr umständlich rückgängig machen.
Dass die Gesten fehlen, hat auch einen Vorteil: Es passiert mir im Gegensatz zu einem modernen Smartphone nie, dass ich unabsichtlich etwas drücke, swipe oder sonstwie auslöse.

Die App zum Musikhören heisst «iPod» und tut, was die alten iPods tun: Sie spielt die auf dem iPhone gespeicherten Songs ab. Streamen kann sie nicht, und eine App dafür kann ich nicht installieren. Musik von einem aktuellen Computer auf das iPhone zu kopieren, geht auch heute noch. Auf dem Mac brauche ich zum Glück kein iTunes dafür, es klappt mit dem Finder. Es ist immer noch gleich kompliziert wie früher – kein Zugriff auf die Einzeldateien auf dem Gerät und keine Möglichkeit, etwas vom iPhone runterzukopieren. Ich sehe nicht einmal, was ich bereits manuell auf das iPhone geladen habe.

Kopfhörer kann ich sowohl über den Kabelanschluss als auch über Bluetooth verbinden. Es klingt aber nur per Kabel gut. Das Gerät unterstützt Bluetooth 2.0, wahrscheinlich mit SBC als einzigem Audio-Codec.
Für 2008 ist die Kamera gut, obwohl es die gleiche ist wie im iPhone 1. Vergleiche ich die Fotos mit einem Nokia-Handy aus dem gleichen Jahr, gewinnt das iPhone locker. Im Testbild zeigen sich beim Nokia 5220 überbelichtete Stellen, obwohl das Licht weich war. Zudem ist die Bedienung beim Nokia-Phone viel umständlicher. Zum Beispiel muss ich durch ein Menü navigieren, um zu zoomen oder überhaupt eine Aufnahme zu machen.

Bei gutem Licht schlägt sich der Oldie im Vergleich zum heute aktuellen iPhone 17 erstaunlich gut.

Der Unterschied zeigt sich vor allem beim Hereinzoomen: Da treffen 2 auf 24 Megapixel.

Auch im Dämmerlicht merkt man dem iPhone 3G sein Alter an.

Das iPhone 3G kann keine Videos aufnehmen. Das kann sogar das Nokia-Handy, wenn auch in unterirdischer Qualität. Wahrscheinlich wäre auch auf dem iPhone-Oldie die Qualität schlecht, denn das Live-Bild der Kamera wobbelt und wabert, dass mir halb übel wird. Das wäre auch auf einem Video zu sehen. Hier drückt die Philosophie von Steve Jobs durch: Ist eine Funktion nicht gut genug, gibt es sie einfach nicht. Punkt.
Auch eine Frontkamera für Selfies fehlt. Mit der Rückkamera ein Selfie zu machen, ist gar nicht so einfach, denn es gibt weder einen Timer noch eine physische Taste zum Auslösen. Ich muss blind den virtuellen Auslöser auf dem Touchscreen treffen.
Überraschend schwierig ist es auch, die Fotos aus dem iPhone herauszubekommen. Mir ist klar, dass ich auf einem alten iPhone kein AirDrop und keine iCloud verwenden kann. Doch die Übertragung per Kabel habe ich mir einfacher vorgestellt.
Unter Windows erscheint das iPhone als Speicher mit einem Foto-Ordner drin. Auf dem Mac gibt es keinen solchen Zugriff – die Fotos müssen über die App «Fotos» importiert werden. Das funktioniert aber nicht, weil die App findet, ich müsse das iPhone entsperren. Obwohl es längst entsperrt ist.

Das Kopieren gelingt auf dem Mac nur, indem ich dort das virtualisierte Windows hochfahre und darin auf das Gerät zugreife.
Ich mag die Haptik, die Ergonomie und ein wenig auch den Charme der alten Oberfläche. Aber bei aller Nostalgie: Ich möchte nicht wieder dahin zurück. Zu viele Dinge würden mir fehlen, vom Kontrollzentrum über AirDrop bis zur Video-Funktion. Sehr attraktiv fände ich eine Jubiläums-Version des ersten iPhone mit moderner Technik drin. Gleicher Formfaktor, gleiche Tasten, aber mit moderner Leistung. Kaum realistisch, aber träumen darf man ja.
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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