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Pia Seidel
Produkttest

Zu schön für die Schmutzwäsche? Schweizer Design für dänische Ordnung im Test

Pia Seidel
2/10/2026
Bilder: Pia Seidel

Der «Basket Recycled» von Hay sieht so gut aus, dass er bei mir im Schlafzimmer landete. Sein offenes Gitter ist dabei Stärke und Schwäche zugleich.

Ein Satz von Rui Pereira, Head of Design and Visual Direction bei Hay, ist mir seit einem Talk in Zürich nicht mehr aus dem Kopf gegangen: möglichst ein Material pro Produkt, damit es recycelbar bleibt. Klingt simpel, hat aber sichtbare Folgen.

Was damit gemeint ist, habe ich kurz darauf selbst erlebt. Mein alter Wäschekorb aus Stoff war durch seine Beschichtung klebrig geworden – und liess sich nicht mehr trennen. Stoff, Beschichtung, Rahmen: alles fest verbunden, alles ab in den Kehricht. Seither teste ich mich durch Alternativen. Diesmal ist der grosse «Basket Recycled» in Rosa eingezogen, mein neuer Hauptsammler fürs Schlafzimmer. Dazu kam ein kleiner Basket in Bordeaux, aber zu ihm später mehr, denn ihn nutze ich für etwas ganz anderes.

Statt in der Waschküche: der grosse Basket in Rosa im Schlafzimmer.
Statt in der Waschküche: der grosse Basket in Rosa im Schlafzimmer.

Schweizer Handschrift aus Lausanne

Für den «Basket Recycled» hat die dänische Marke mit einem Schweizer Designstudio zusammengearbeitet: Big-Game aus Lausanne. Gegründet wurde es 2004 von Grégoire Jeanmonod, Elric Petit und Augustin Scott de Martinville, die heute alle drei an der ECAL unterrichten.

Das Trio verbindet eine entspannte südeuropäische Haltung mit flämischer Funktionalität und wurde dafür mehrfach international ausgezeichnet. Diese Mischung siehst du dem Korb an: kein Schnickschnack, keine überflüssige Linie, aber auch nichts Kaltes. Für Hay haben sie neben dem Basket auch das Besteck «Sunday» und die Garderobe «Tape» gestaltet.

Grafische Linien statt Chichi: Das Gitter gibt dem Korb seine Handschrift.
Grafische Linien statt Chichi: Das Gitter gibt dem Korb seine Handschrift.

Der Grosse: Platz für zwei ganze Maschinen

Mit H 62.5 × B 57.5 × L 37.5 Zentimetern schluckt der grosse Korb bis zu zwei Maschinen Wäsche. Hüfthoch und mit weiter Öffnung nimmt er die Wäsche entgegen, ohne dass ich mich bücken muss. Er besteht zu 100 Prozent aus recyceltem Post-Consumer-Polypropylen. Das merkst du nicht negativ, im Gegenteil: Die Oberfläche ist matt, glatt und fühlt sich deutlich wertiger an als die üblichen Wäschewannen. Kein Klebefilm, keine scharfen Kanten.

Die integrierten Griffe sind flach in den Rahmen eingelassen und drücken nicht in die Hände, auch wenn der Korb bis oben voll ist. Weil das Material leicht ist, bleibt das Gesamtgewicht im Rahmen.

Die Griffe sind flach eingelassen und schneiden auch bei voller Ladung nicht ein.
Die Griffe sind flach eingelassen und schneiden auch bei voller Ladung nicht ein.

Rosa, das sich benimmt

Rosa klingt aufdringlich, wirkt aber erstaunlich zurückhaltend. Der Ton ist eher staubig als knallig und fügt sich dadurch in den Raum ein, statt ihn zu dominieren. Deshalb wollte ich den Korb gar nicht erst im Bad verstecken, sondern stellte ihn sichtbar ins Schlafzimmer – dort sah er aus wie ein gewähltes Objekt, nicht wie Haushaltszubehör.

Dass ausgerechnet Accessoires so farbmutig sind, hat System. Bei Hay heisst es, in dieser Kategorie stecke mehr Gegenwart: Während der Klappstuhl «Backflip» früher gut und gerne sechs Jahre bis zur Marktreife brauchte, reagieren Wohnaccessoires deutlich schneller auf das, was farblich gerade passiert. Bordeaux und staubiges Rosa sind genau das: Töne, die du derzeit überall siehst.

Der Kleine: Shuttle und Sortierhilfe

Der kleine Basket hat bei mir einen ganz anderen Job. Mit 24.5 Zentimetern Höhe ist er nur gut ein Drittel so hoch wie der grosse, hat aber dieselbe Grundfläche. Er ist mein Shuttle in die Waschküche.

Der kleine Korb macht das Tragen leicht und die Treppe sicher.
Der kleine Korb macht das Tragen leicht und die Treppe sicher.

Und er übernimmt das Sortieren: Während im grossen Korb die Buntwäsche landet, wandert hier alles hinein, was separat gewaschen werden muss: Dunkles, Feines, Sportsachen. So muss ich vor dem Waschgang nicht mehr am Boden knien und Haufen bilden. Dass beide Körbe zur gleichen Serie gehören, sich aber farblich unterscheiden, macht das System intuitiv.

Zwei Grössen, zwei Farben, ein System: Sortieren ohne Beschriftung.
Zwei Grössen, zwei Farben, ein System: Sortieren ohne Beschriftung.

Wem Bordeaux oder Rosa nicht gefallen, findet Basket noch in anderen Farben wie Graublau oder Armeegrün.

Stapeln und umnutzen

Halb leer lassen sich beide Körbe ineinanderschieben und brauchen dann kaum Platz. Weil die Grundfläche identisch ist, sitzt der kleine Korb ausserdem passgenau auf dem grossen – und sein Boden wird zum Deckel. Weil sich die Oberfläche feucht abwischen lässt, landen darin längst nicht nur Textilien. In ruhigeren Wäschewochen kann der Kleine Bastelkram und Kabel einsammeln – ganz ähnlich wie meine Colour Crate Cubes.

Ineinandergeschoben brauchen beide nur den Platz von einem.
Ineinandergeschoben brauchen beide nur den Platz von einem.

Was mich stört

Das offene Gitterdesign ist der grosse Kompromiss. Positiv: Die Luft zirkuliert, feuchte Sporthandtücher fangen nicht an zu müffeln, und auch nach mehreren Tagen riecht nichts abgestanden. Das schafft kein geschlossener Wäschesammler.

Negativ: Du siehst alles. Jedes T-Shirt, jede Socke, jede Farbe. Was im Korb liegt, wird Teil der Raumgestaltung. Das sorgt für optische Unruhe. Beim grossen Modell fällt das besonders auf, weil die Fläche entsprechend gross ist. Wer Schmutzwäsche wirklich verschwinden lassen will, braucht einen Korb mit Stoffeinsatz. Hier gilt: Luftzirkulation gegen Sichtschutz, beides gibt's nicht.

Immerhin ist der Verzicht kein Zufall, sondern die Konsequenz aus dem Materialprinzip. Wer auf einen einzigen Werkstoff setzt, kann keinen Stoffeinsatz einnähen und keinen Deckel aus Kork ergänzen, ohne die Recycelbarkeit zu opfern. Das macht die Entscheidung nachvollziehbar, ändert aber nichts daran, dass ich meine Wäsche sehe. Mein Kniff: Er steht nun doch im Badezimmer.

Für wen lohnt sich das?

Steht dein Wäschekorb ohnehin in der Waschküche, im Gästezimmer oder im Bad, ist das offene Design ein reiner Gewinn. Der grosse Korb allein genügt dafür völlig. Am meisten herausgeholt habe ich allerdings aus der Kombination: Mit der kleinen Version dazu bekommst du fast nebenbei ein Sortiersystem und eine Tragehilfe.

Günstig ist der Korb nicht. Zum Zeitpunkt meines Tests lag der grosse bei rund 44 Franken, eine simple Wäschewanne kostet einen Bruchteil davon. Dafür bekommst du ein Stück, das du nicht wegstellen musst – und eines, das noch andere Aufgaben übernehmen kann.

Fazit

Schön luftig, aber ohne Versteck

Nach mehreren Wochen im Einsatz bleibt mein Eindruck positiv: Der grosse «Basket Recycled» von Hay ist leicht, stabil, gut zu reinigen und dank des zurückhaltenden Rosatons einer der wenigen Wäschekörbe, den du ohne schlechtes Gewissen sichtbar stehen lassen kannst. Die breite Öffnung, die integrierten Griffe und das recycelte Material machen ihn im Alltag unkompliziert. Zusammen mit der kleinen Variante wird daraus sogar ein simples Sortiersystem.

Der einzige, aber entscheidende Haken ist das offene Gitter. Es sorgt zwar dafür, dass nichts müffelt, zeigt aber auch jedes Kleidungsstück. Wer Ordnung vor allem optisch will, ist mit einem geschlossenen Modell besser bedient. Wer Design, Luft und Vielseitigkeit sucht, bekommt hier einen Korb, der weit mehr kann als Wäsche.

Pro

  • gute Luftzirkulation dank offenem Gitterdesign
  • zurückhaltender Farbton, der sich in Wohnräume einfügt
  • grosses Volumen für zwei ganze Maschinen
  • angenehme, integrierte Griffe
  • 100 Prozent recyceltes Post-Consumer-Polypropylen
  • in mehreren Grössen und Farben als Sortiersystem kombinierbar
  • platzsparend stapelbar und leicht zu reinigen

Contra

  • kein Sichtschutz, Wäsche bleibt sichtbar
  • teurer als einfache Körbe
Titelbild: Pia Seidel

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Mit der Begeisterung eines Cheerleaders feiere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratiere ich einfache, aber raffinierte Interior-Entdeckungen, spüre Trends auf und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit. 


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