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Jan Johannsen
Hintergrund

Mach es gut, OnePlus! Die Zeit mit dir war wunderschön

Nach zwölf Jahren ist das Ende gekommen. OnePlus zieht sich aus Europa zurück. Was als coole Start-up-Story begann, endet im Markenchaos.

2014 stellte die bis dahin unbekannte Firma OnePlus das OnePlus One vor. Ein Smartphone, das bei den Top-Smartphones mitspielte, trotzdem günstiger gewesen ist und auch noch eine ungewöhnliche Rückseite hatte. Noch wichtiger: OnePlus war kein Billighersteller. Das Unternehmen etablierte sich schnell als coole Marke, die in engem Austausch mit ihrer Community stand. Zwölf Jahre später ist die Geschichte auserzählt. Der Mutterkonzern BBK zieht sich mit OnePlus aus Europa zurück. Stattdessen soll die Schwestermarke Oppo zu neuer Größe wachsen.

Hype zum Start

Der Hype um das OnePlus One war im April 2014 groß und das Gerät ein knappes Gut. Nur wer eine Einladung zum Kauf ergattern konnte, bekam die Gelegenheit, es auf der Webseite des Herstellers zu bestellen. Etwa ein Jahr nach Verkaufsstart ging das Smartphone in den freien Verkauf. Der Hersteller setzte insgesamt etwa 1,5 Millionen Geräte ab, von denen 2021 immerhin noch 300 Stück in Benutzung waren.

Das OnePlus 2 war das letzte Modell mit Sandstone-Rückseite. Danach gab es die griffige Oberfläche nur noch in Form von Hüllen.
Das OnePlus 2 war das letzte Modell mit Sandstone-Rückseite. Danach gab es die griffige Oberfläche nur noch in Form von Hüllen.

Für anfänglich sagenhafte 269 Euro bekam man ein Smartphone, das mit den damaligen Topmodellen wie dem Galaxy S5 oder HTC One M8 auf Augenhöhe war. Die kosteten damals zwar noch keinen vierstelligen Preis wie die heutigen Vorzeigegeräte, waren aber trotzdem deutlich teurer. Mit CyanogenOS setzte OnePlus von Anfang an auf eine angepasste Android-Version. Im April 2015 folgte die Umbenennung in OxygenOS. Davon unabhängig blieben die Geräte offen für alternative Betriebssysteme wie LineageOS, Paranoid Android oder Ubuntu Touch.

Mir hatte es die «Sandstone»-Rückseite angetan. Durch die angeraute Oberfläche war sie gegen Fingerabdrücke resistent und sorgte für einen sicheren Halt in der Hand. So etwas bot zu der Zeit kein anderer Hersteller. Außerdem wirkte keine andere Marke damals so cool. Im Juli 2015 folgte das OnePlus 2, das für einige Zeit mein täglicher Begleiter wurde. 2021 packte ich es noch einmal aus, um zu illustrieren, wie sich alten Smartphones neues Leben einhauchen lässt.

Die «Sandstone»-Rückseite verschwand zu meinem Leidwesen leider bereits mit dem OnePlus 3 und war nur noch als optionale Hülle erhältlich. Für OnePlus ging es in den folgenden Jahren aber bergauf und die Modellpalette wuchs. Es kamen eine T-Serie und eine Kooperation mit McLaren dazu. Mit dem OnePlus X sowie der OnePlus Nord-Serie wagte sich der Hersteller auch in den Mittelklasse- und Einstiegsbereich.

Das OnePlus 6T erschien 2018 in einer McLaren-Variante.
Das OnePlus 6T erschien 2018 in einer McLaren-Variante.

Der Zenit ist überschritten

Noch im März 2021 freute ich mich beim OnePlus 9 Pro über die erste Ultraweitwinkelkamera, die qualitativ keine Nachteile gegenüber der Hauptkamera zeigte. Eine erste Smartwatch erweiterte gleichzeitig das Portfolio. OnePlus war aber nicht mehr so erfolgreich. Bei BBK Electronics, dem Konzern im Hintergrund, begann das Umdenken. Denn OnePlus war neben Oppo, Vivo und Realme sowie IQOO nur eine von fünf Marken, unter denen das Unternehmen Smartphones unter die Leute brachte.

Im Juni 2021 kam die Meldung, dass OnePlus und Oppo in der internen Organisation zusammengelegt werden. Die Marken blieben aber bestehen. Diese Zusammenlegung hatte kurz darauf eine weitere Folge: OxygenOS wurde mit ColorOS verschmolzen und die Software von Oppo kam auch auf die Geräte von OnePlus.

Die Integration von OnePlus in Oppo hatte weitere Folgen. So wurde die von OnePlus begonnene Kooperation mit Hasselblad im Kamerabereich auf Oppo ausgeweitet. Während ich bemängelte, dass die OnePlus-Geräte im langweiligen Mainstream angekommen sind, machte Kollege Dominik Bärlocher Oppo ein Jahr später als klaren Gewinner der Zusammenlegung aus. Für OnePlus sprang immerhin noch das erste Tablet heraus, das Oppo unter anderem Namen ebenfalls verkaufte.

2023 entwickelte sich zum Problemjahr für OnePlus. In Deutschland erwirkte Nokia ein Verkaufsverbot für Oppo und seine Schwestermarke. In der Schweiz stellte sich Oppo selbst ein Bein. Erst Ende 2024 einigten sich Oppo und Nokia im Patentstreit und der Verkaufsstopp in Deutschland wurde aufgehoben. Aber die Luft war raus, so richtig kam OnePlus nicht mehr in Fahrt. Stattdessen macht sich Oppo seit 2025 wieder in Deutschland und der Schweiz breit. Scheint, als müssten die Marketing-Millionen für das Champions-League-Sponsoring ausgenutzt werden.

Mit Oppo in die Zukunft

Der Test vom OnePlus 15 wird voraussichtlich unser letzter Bericht zu einem OnePlus-Gerät bleiben. Dabei überzeugt es auf ganzer Linie und nicht nur mit seiner sehr langen Akkulaufzeit.

Neue Ware liefert OnePlus nicht mehr nach Europa. Ab sofort werden die Restbestände abverkauft. Immerhin gibt es das Versprechen, dass die Garantiezeiträume und die Updateversprechen von vier Android-Versionen und sechs Jahre lang Sicherheitsaktualisierungen weiterhin gelten.

Stattdessen drängt Oppo mit voller Macht zurück auf den Markt. Während mich das Reno 16 Pro eher kaltlässt, kann ich mich sehr für das Oppo Find X9 Ultra mit seiner zweiten Telekamera begeistern.

Ich werde OnePlus vor allem wegen seiner Anfangsjahre vermissen. Damals mischte das Unternehmen eine Branche auf, die in einen Trott geraten war. Mit der Zeit stieg OnePlus allerdings ebenfalls in diesen mit ein, und so schmerzt mich das Ende kaum.

Titelbild: Jan Johannsen

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Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Digitec und Galaxus. 


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Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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