

Mein Bluebrixx-Test der «Queen Anne’s Revenge» endet im Schiffbruch
Es war fast fertig. Fast. Dann bricht mir Bluebrixx’ «Queen Anne’s Revenge» auseinander. Plötzlich teste ich nicht mehr das Modell, sondern den Support. Als die Ersatzteile kommen, ist meine Motivation längst über Bord.
Es macht nur einmal kurz «knack!» – und dann ist's passiert.
Ich hebe den Rumpf von «Queen Anne’s Revenge» nur wenige Zentimeter hoch. Eigentlich will ich das Schiff nur zurück auf meinen Arbeitstisch stellen. Doch plötzlich gibt die Konstruktion gleich an zwei Stellen nach. Teile lösen sich, mehrere fertige Sektionen brechen auseinander und verteilen sich über den Wohnzimmerboden.
Vor mir liegt ein Piratenschiff in Trümmern.
Dabei hatte ich es fast geschafft. Nach vielen Arbeitsstunden waren zwölf von sechzehn Abschnitten fertig. Der Rumpf steht, die Kanonendecks sind eingerichtet und das Schiff des berühmten Piraten Blackbeard ist längst als solches zu erkennen.
Gedanklich hatte ich meinen Test zu diesem Zeitpunkt fast schon geschrieben: vier Sterne. Mindestens.

Bis zum Bruch läuft vieles richtig gut
Mit seinen 6751 Teilen ist dieses Bluebrixx-Modell keine Beschäftigung für einen Nachmittag. Trotz der imposanten Zahl an Steinen bleibt der Bau angenehm überschaubar. Die nummerierten Tüten gliedern die Etappen. Ich lege mir jeweils nur die Teile zurecht, die ich gerade brauche.

Der Aufbau ist aufwendig, aber abwechslungsreich. Mal entstehen Kanonendecks und kleine Räume wie die Kapitänskajüte, mal baue ich Treppen, Möbel und Details ein, die später teilweise kaum noch zu sehen sind. Gerade diese versteckten Abschnitte machen für mich einen großen Teil des Reizes aus. Aye, so macht das Spaß.

Optisch gefällt mir die Farbwahl sehr. Das dunkle Blau, die Braun- und Goldtöne und die vielen kleinen Details geben dem Modell einen eigenen Charakter. Beim Bauen machen mir ausgerechnet die Brauntöne aber manchmal das Leben schwer. Einige unterscheiden sich nur minimal, was gerade bei Kunstlicht schwer zu erkennen ist. Mehr als einmal frage ich mich, ob ich wirklich das richtige Teil in der Hand halte. Manchmal merke ich erst ein paar Schritte später, dass ich danebenlag. Argh.
Kurz darauf wirken die Brauntöne plötzlich wie mein kleinstes Problem.

Dann gibt der Rumpf nach
Der Bruch passiert in einem banalen Moment. Ich setze zu keiner kniffligen Bauaktion an, sondern hebe das Schiff nur wenige Zentimeter am Rumpf an. Weil ich überprüfen will, ob mir zwei Einzelteile für den Bau fehlen.
Dabei brechen zwei kleine Bauteile. Sie sitzen an Stellen, an denen offenbar viel Gewicht zusammenkommt. Sie fixieren als jeweils einzige Verbindung zwei Seitenwände am Rumpf.. Danach verlieren mehrere Abschnitte ihren Halt und brechen auseinander. Innerhalb weniger Sekunden ist meine ganze bisherige Arbeit hinfällig. Weiterbauen kann ich nicht. Eigentlich müsste ich von vorn anfangen.

Auf den zwei folgenden Bildern kannst du erkennen, wo die Teile abgebrochen sind.


Warum das passiert? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Und genau das nervt mich fast so sehr wie der Bruch selbst. Habe ich das Schiff falsch angefasst? War ich zu unvorsichtig? Oder hängt an zwei kleinen braunen Teilen einfach zu viel Gewicht? Möglich ist alles: mein Fehler, Pech oder eine Schwäche der Konstruktion. In der Anleitung gibt es jedenfalls keine Warnung, den Rumpf zu diesem Zeitpunkt liegenzulassen oder nur an bestimmten Stellen anzuheben.
Ich suche später online nach ähnlichen Fällen, finde aber keinen eindeutigen Hinweis darauf, dass genau dieser Bruch bei der «Queen Anne’s Revenge» häufiger passiert. Es gibt einzelne Diskussionen zu Fehlteilen und kleineren Problemen bei dem Set, aber keinen klar belegten Serienfehler an dieser Stelle.
Für einen Tester, der ein Produkt in die Tonne treten will, wäre der Fall jetzt klar: Das Schiff taugt nichts, Bluebrixx hat's verkackt. Ein Stern. So einfach mache es mir dann aber doch nicht. Ich erzähle dir, wie ich an die Ersatzteile gekommen bin. Denn es war nicht so einfach, wie ich hoffte.

Zwei Monate Warten auf Ersatz
Nach dem Bruch bleibt die «Queen Anne’s Revenge» erst einmal liegen. Okay, nicht ganz. Ich kehre die Scherben Klemmbausteine zusammen. Ab in eine Box damit. Aus dem Auge, aus dem Sinn.
Für die beiden gebrochenen Teile bestelle ich Ersatz bei Bluebrixx. Bei der Gelegenheit melde ich auch die zwei weiteren Teile, die mir beim Bau gefehlt haben. Diese hatte ich bisher aus späteren Tüten genommen. Dafür suche ich in der Anleitung die passenden Steine heraus, notiere mir die jeweiligen Bauabschnitte und mache Fotos. Ich will dem Kundensupport möglichst genau zeigen, was passiert ist und welche Teile ich brauche.

Ich melde die fehlenden und gebrochenen Teile über das Kontaktformular des Bluebrixx-Kundensupports. Das läuft zunächst angenehm direkt. Am selben Tag bekomme ich eine erste Rückmeldung. Darin fasst der Support meine Angaben zusammen und bittet noch um ergänzende Informationen für die Reklamation: Fotos der Anleitung mit markierten Teilen, genaue Stückzahlen und Tütennummern, falls eine ganze Tüte betroffen ist.
Rund zwei Wochen später folgt die eigentliche Bestätigung. Bluebrixx habe meine Ersatzteilbestellung an den Hersteller weitergeleitet. Die Nachlieferung dauere voraussichtlich drei bis vier Wochen. Drei bis vier Wochen! Wahnsinn. Aber immerhin bewegt sich etwas.
Etwa eine weitere Woche später folgt ein Update per E-Mail. Die Teile seien auf dem Weg nach Deutschland und würden nach Eingang in der Zentrale an mich verschickt. Das klingt gut. Vielleicht geht es doch schneller als befürchtet.
Und dann: Funkstille
Eine nächste Woche geht vorbei, dann noch eine und noch eine. Fast sieben Wochen nach meiner ersten Anfrage hake ich mal nach. Der Kundenservice antwortet freundlich, kann den Vorgang aber zunächst nicht zuordnen. Ich übermittle nochmal die Bestellnummer. Kurz darauf folgt die nächste Ernüchterung: Zu meiner Ersatzteilbestellung lasse sich weder eine Sendungsverfolgung noch eine Versandinformation finden. Vielleicht sei sie noch nicht verschickt, vielleicht als Warensendung ohne Tracking unterwegs. Mein Anliegen werde an ein Fachteam weitergeleitet.
Damit kippt der Support-Teil für mich. Bis dahin denke ich: Dauert lange, aber läuft. Jetzt weiß ich nicht einmal mehr, wo meine Ersatzteile eigentlich sind: beim Hersteller, auf dem Weg nach Deutschland, schon verschickt oder noch gar nicht raus. Keine Ahnung.
Ich hake zwei Wochen später noch einmal nach. Wieder antwortet der Kundenservice freundlich. Laut System sei die Ersatzteilbestellung bereits versendet und müsste inzwischen bei mir angekommen sein. Falls nicht, könne Bluebrixx eine neue Bestellung auslösen. Dazu gibt es eine Entschuldigung und das Angebot eines 5-Euro-Gutscheins. Arrrrrrrrr. Bei dieser mageren Beute hätte ein Pirat vermutlich nachverhandelt.
Ein paar Tage später liegen die Teile dann tatsächlich im Briefkasten. Von meiner ersten Meldung bis zur Lieferung vergehen 71 Tage.

Der Ersatzteilservice funktioniert also am Ende. Ich bekomme die Ersatzteile und muss dafür nichts bezahlen. Trotzdem wirkt die Abwicklung zäh und unklar. Erst heisst es: drei bis vier Wochen. Dann: auf dem Weg nach Deutschland. Dann: kein Status auffindbar. Dann: müsste eigentlich schon angekommen sein.
Für ein fehlendes Deko-Teil wäre das nervig. Bei zwei gebrochenen Teilen, an denen mein Weiterbau hängt, ist es deutlich schlimmer. Der Ersatz ist also im Heimathafen angekommen. Meine Motivation treibt allerdings noch irgendwo auf offener See.
Ersatzteile lösen nur das halbe Problem
Eigentlich müsste der Bau mit den Ersatzteilen jetzt weitergehen. Teile austauschen, Schiff wieder zusammensetzen, Bauabschnitt 13 starten. So einfach ist es aber nicht.
Hast du schon einmal ein größeres Klemmbausteinmodell zerlegt und später wieder aufgebaut? Jetzt fehlt die schöne Ordnung des ersten Aufbaus. Die Anleitung zeigt zwar, welches Teil ich brauche. Das liegt nur leider irgendwo in einer Box. Zwischen fertigen Modulen, halben Modulen, losen Steinen und Teilen aus verschiedenen Abschnitten.

Ich habe im Grunde zwei Möglichkeiten. Entweder ich baue die «Queen Anne’s Revenge» weitgehend oder komplett neu auf. Dann suche ich mir jeden Stein aus diesem Haufen zusammen. Oder ich versuche, die Ruinen des Rumpfs zu retten. Dann muss ich ständig abgleichen, welcher Abschnitt noch stimmt, welche Baugruppe verrutscht ist und wo die neuen Teile überhaupt hineingehören.
Beides fühlt sich gerade weniger nach Reparatur an als nach einem zweiten Aufbau unter schlechteren Bedingungen.
Vielleicht baue ich Blackbeards Flaggschiff irgendwann doch noch fertig. Verdient hätte es das. Bis zum Bruch war die «Queen Anne’s Revenge» nämlich genau das, was ich mir erhofft hatte: groß, detailreich, verspielt und beeindruckend.

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